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MONA LISA
Mülheimer Woche

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MONA LISA

Einleitung

Dies ist der Name der Schülerzeitung des Gymnasiums Broich, das ist vom Sommer 1988 bis zum Juni 1997 besuchte.
Durch meinen Bruder, der bereits in der Redaktion eben jener „MONA LISA“ tätig war, stieß ich bereits im 5. Schuljahr auf die Journalismus-Fährte, zunächst allerdings nur als Teilnehmer an den wöchentlichen Redaktionssitzungen im Raum der Schülervertretung (SV). Im 6. Schuljahr (1989/1990) erstellte ich mit drei Klassenkameraden die Klassenzeitung „KLASSE AKTUELL“, während ich bei der ML als fleißiges Lieschen beim Lay-Out mithalf (6./7. Schuljahr), um ab Beginn des 8. Schuljahrs als „echter“ Redakteur einzusteigen.
„Chef“ war damals kein Geringerer als die Koryphäe Dirk von Gehlen, der nach dem Abi erfolgreich die Journalistenschule in München abschloss und heute bei der Online-Redaktion des JETZT-Magazins der Süddeutschen Zeitung tätig ist.
Ab dem Ende des 10. Schuljahr – also ab Mai 1994 – als die Redaktion um Dirk von Gehlen das Abitur hinter sich gebracht hatte, fungierte ich als stolzer Chefredakteur.

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Die Bilanz:
Vier Ausgaben erschienen unter meiner Federführung, wir beleuchteten das schulische und das gesellschaftliche Leben – für Schülerzeitungen typisch mit Interviews mit neuen Lehrern, Live-Reportagen vom letzten Schultag der Abiturienten sowie Kino- und CD-Vorstellungen und (nicht zu vergessen) Unmengen an Lehrer-Zitaten. Aber uns zeichnete nicht der „übliche Kram“ aus, nein, einige Text-Perlen waren gewiss dabei und es gab eine Situation, in der mein kongenialer Kumpan Eike Lürig und ich die ganze Schüler- und Lehrerschaft gegen uns hatten. Eine Situation, die prägte, keine Frage! Der Preis blieb übrigens konstant bei 1 Mark und wir wirtschafteten die MONA LISA weeeeeit in die schwarzen Zahlen!
MONA LISA Nummer 22 (Februar 1995):
Diese Ausgabe in “giftgrün” erschien im Februar 1995, hatte einen Umfang von 40 Seiten. Neben mir war auch Andreas Knechten auf dem Papier „Chefredakteur“. In den Winterferien 1994/1995 veranstalteten wir in den Katakomben unseres Finanzchefs Robert Morgenthaler ein denkwürdiges „LayOut“, mit täglichem Mittagessen in der Pommesbude "Gyros-Grill"... In dieser Ausgabe stand der Artikel „Die seltsamen Ideen der Frau Luhr-Kloos“, der heftigste Reaktionen hervorrief (siehe unten).
MONA LISA Nummer 23 (Juli 1995):
Aber wir ließen uns nicht abschrecken und erstellten in den Osterferien 1995 gleich die nächste Ausgabe. Im Deutsch-Leistungskurs der 11. Jahrgangsstufe (2. Halbjahr) beim Schulleiter Herrn Metzing hatte ich zu dieser Zeit nicht gerade die besten Karten und nahm selbst eine ignorierende Haltung ein. Was mir keine tollen SoMi-Noten einbrachte (für Sonstige Mitarbeit). Die Seitenzahl steigerten wir auf 60, die Auflagenzahl von 500 auf 600 – und wieder war die Ausgabe bereits in der zweiten großen Pause ausverkauft! Wirklich! Die Umschlagfarbe: Blau!
MONA LISA Nummer 24 (Dezember 1995):
In den Herbstferien 1995 erstellten wir – mittlerweile in die 12. Klasse aufgerückt – traditionell bei Robert Morgenthaler die 24. Ausgabe. Mit Herrn Metzing hatten wir uns inzwischen versöhnt, und einmal im Monat kam es in einer großen Pause zu fast schon legendären Interview-Szenen, die in einem einzigen Gelächter endeten. Die Seitenzahl stieg auf 72 Seiten (das bedeutete die Einstellung des MONA LISA-Rekords), die Artikel wurden – wie wir fanden – immer frecher. Aber es gab einfach keine Einwände mehr – war der Respekt vor uns schon so groß? Mit dabei: Ein Schuljubiläums-Sonderteil.
MONA LISA Nummer 25 (Juni 1996):
Kurz vor dem Ende unseres 12. Schuljahrs erstellten wir unser 104-seitiges Meisterwerk – mit Zitate-Sonderteil und einigen richtig guten Glossen (fanden wir zumindest), mit denen wir die Lehrer und einige Methoden ziemlich gut bloß stellen konnten.
August 1996 bis Juni 1997:
Da „man“ aufhören soll, wenn es am schönsten ist, beendeten wir unsere MONA LISA-Karriere im Sommer 1996. Kurz vor dem Jahreswechsel 1996/1997 übergaben wir den Staffelstab an ein Mädel-Trio aus der 11. Klasse. Heute soll es – so hörte ich – die MONA LISA immer noch geben.
Die MONA LISA war mir – ich muss es zugeben – wichtiger als meine eigene Schul-Laufbahn. Sie kostete viel Kraft, viele Diskussionen und es gab auch richtig Ärger; aber ich habe die Arbeit gerne erledigt. Sie hat ungeheuer viel Spaß gemacht. Meine Oberstufen-Zeit ist mir deshalb in so guter Erinnerung, weil ich dazu beitragen konnte, dass sich etwas verändert, das Leben in der Bude ist, dass ernsthaft diskutiert wird. Es war mein Beitrag zu einem interessanten, aktiven, streitbaren und nachdenkenswerten Schulleben.
Andi zwischen August 1996 und Juni 1997:
Für die MONA LISA hätte ich auch keine Zeit mehr gehabt. Ich war mit dem ABI-BUCH beschäftigt, für das ich allein das LayOut machte; nicht, weil mir keiner geholfen hätte, nein, ich wollte es so. Mit 188 Seiten wurde das ABI-BUCH zum dicksten der Schul-Geschichte. Daraus werde ich Euch aber keine Texte von mir vorlegen; die meisten waren sowieso nicht von mir – das LayOut und die Korrektur der eingegangenen Zeilen kosteten schon genug Zeit.
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Geschichten:
1) Die „Frau Luhr-Kloos“-Story lernt Ihr unten kennen. Noch ein paar Anmerkungen: Nachdem der Artikel erschien, hing kurze Zeit später eine Gegenreaktion der Lehrer neben dem Vertretungsplan. Er war von über 50 Prozent der Lehrerschaft unterzeichnet. Frau Luhr-Kloos – pikanterweise meine Erdkunde-Lehrerin – meldete sich zwei Tage krank, in jedem Kurs wurde über den Bericht diskutiert (und wir waren die Ärsche), und Eike und ich mussten zum Rapport zu Herrn Metzing. Dieser – sagen wir mal, etwas cholerisch veranlagt – machte uns eine halbe Stunde lang so was von zur Sau, dass uns Hören und Sehen verging („Ich lass mir doch meine Lehrer nicht krank schreiben“ usw.). Eine harte Zeit!
2) Die Umfrage: Wir wollten eine Umfrage durchführen, in der Lehrer benotet werden sollten. Gemeinsam mit einem Lehrer (Peter Leitzen) erstellten wir einen Fragebogen, befragten Schulleiter, Eltern und Schüler, die diese Idee sehr gut fanden, und schickten den Bogen zum Düsseldorfer Kultusministerium. Doch unser Vorschlag wurde unverschämterweise abgelehnt. Aus Platzgründen möchte ich den ganzen Briefwechsel nicht hier abdrucken; aber auf Anfrage gebe ich gerne Auskunft. Ich sage nur so viel: Die Fragebogen-Aktion hat mächtig viele Stunden gekostet.
3) Und dann war da noch das Schuljubiläum im Herbst 1995. Die inzwischen verstorbene Frau Pröpper hatte mit ihrer 8. Klasse das Projekt „Mit Frau Pröpper im alten Rom“ vorbereitet und wollte dieses am „Tag der offenen Tür“ präsentieren. Doch vieles lief schief und einige Schüler der Klasse verfassten einen kritischen Artikel. Das bekam Frau Pröpper mit und stellte Eike und mich zur Rede. Mehrmals schrie (wirklich ziemlich laut) sie die Worte: „DER ARTIKEL WIRD NICHT ERSCHEINEN!“ Eike und ich guckten uns staunend an – und wollten uns die Zensur nicht gefallen lassen. Auf die Schüler hatte das „Verbot“ aber Wirkung: Sie zogen den Text zurück. Das fanden wir schade und formulierten folgende Worte:
„Guten Tag Frau Pröpper! Wie Sie ja wissen, sollte an dieser Stelle der Artikel „Mit Frau Pröpper im alten Rom“, der vom Schulfestprojekt Ihrer Klasse berichtete, erscheinen. Sollte!
Doch nachdem Sie den beiden Verfasser/innen (die beiden sind ja schließlich Schüler/innen Ihrer Klasse und werden noch ca. anderthalb Jahre in den Genuss Ihres Unterrichts und Ihrer Notengebung kommen) nahegelegt hatten, diesen zurückzunehmen, da der Bericht nicht ihrem „Geschmack“ entsprach, haben wir uns entschlossen, den Artikel nicht abzudrucken, um die beiden vor Repressalien zu schützen. Aber denken sie nicht, dass wir uns von einem Lehrkörper, der seinen Bildungsauftrag offenbar missverstanden hat (oder ist ein Pädagoge, der versucht, seine Schüler durch lautes Geschrei und Beleidigungen zu manipulieren und einzuschüchtern, für Sie normal?) den Mund verbieten zu lassen.
Auch sollte ein Mensch mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Wissen sich eigentlich darüber im klaren sein, dass Grundrechte unantastbar sind! Hier wurde das Recht auf Meinungsfreiheit von Ihnen aufgehoben, was eigentlich sofort rechtliche Schritte nach sich ziehen sollte!
Wir betonen mit Nachdruck, dass der von Ihnen beanstandete Artikel absolut harmlos war und einen solchen Aufstand unverständlich macht!
Die wahren Gründe, die Sie übrigens nicht ein einziges Mal vor einem Redaktionsmitglied geäußert haben, sind zwar nachvollziehbar, wir sind aber nicht bereit, Ihre Probleme, die Sie mit Kollegen haben, auf unserem Rücken austragen zu lassen.
Aber Ihnen sei gesagt: MONA LISA bleibt, wie sie ist. Wie lassen uns von niemandem einschüchtern. Übrigens – der Ton macht die Musik!
Die Re(d)aktion der MONA LISA“

Vielleicht wisst Ihr jetzt, warum wir vielen Lehrern ein Dorn im Auge waren.

4) Wir schafften es, erstmals in elf Jahren MONA LISA einen eigenen „ML-Raum“ im Keller der Schule zu besorgen. Wir nutzten ihn für Redaktionssitzungen, diverse Videoaufnahmen für den LITERATUR-Kurs oder nur als ruhigen Ort für stressige große Pausen.
5) „ML goes Multimedia“ – noch eine Neuerung: Die 24. und 25. Ausgabe erschienen nicht nur auf Papier, sondern auch auf Diskette!

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Ausgabe 22, Februar 1995:
„Die seltsamen Ideen der Frau Luhr-Kloos“
von Eike Lürig und Andreas Ernst
Normalerweise sind Schüler für jeden abwechslungsreichen Ausflug dankbar und gerne zu haben. Dies war auch beim Erdkunde-Grundkurs der 11. Jahrgangsstufe so. Warum dies eine Geschichte in der MONA LISA wert ist, werdet Ihr fragen... Ganz einfach: Was sich am 16.12. beim angekündigten „Ausflug zu einem zweistündigen Vortrag über die Neue Mitte“ in Oberhausen abspielte, war die Spitze eines Eisbergs von Kuriositäten während des Unterrichts.
Als am Anfang des Schuljahrs circa 20 Schüler der Klasse 11 erfuhren, dass sie im Fach „Erdkunde“ eine gewisse Frau Luhr-Kloos als Alleinunterhalterin erhalten, ahnten sie nicht Böses... Doch schon nach wenigen Stunden wurde vielen der Albtraum bewusst. Eine Mischung aus Hammer, Tempelhoff und Pfohl stand am Pult. Das geht nicht, sagt ihr? Ooooh doch, und wie das geht!
„Überprüfung der Hausaufgaben durch Abfragung an der Tafel“. Dieses „Hammersche Phänomen“ ist vielen Broicher Chemikern bekannt. Dass es nun zusätzlich noch bei den Geographen zu erkennen ist, ist eine der vielen von Luhr-Kloos eingeführten Neuerungen. Auch das „Tempelhoffsche Piepen“ fünf Minuten vor Unterrichtsende wurde in leicht geänderter Form übernommen – bei der Ex-OP-Schwester fällt nur das Piepen weg. Notizen über die Leistung eines jeden Einzelnen wurden so genau aufgeschrieben, dass fünf Jahre nach dem Weggang von Frau Jansen als Rektorin über eine neue „Broicher Stasi“ gemunkelt wird. Bleiben nur noch die Gemeinsamkeiten mit Herrn Pfohl, womit wir beim eigentlichen Thema wären: in Sachen Organisation und Koordination schlägt sie den eben genannten Leerkörper um Längen. Was beim ersten Ausflug zur Ausstellung „Feuer und Flamme“ im Gasometer Oberhausen noch ganz manierlich anfing, wurde beim zweiten und bis jetzt – zum Glück – letzten Unterrichtsgang so katastrophal kurios fortgesetzt, dass die betroffenen Schüler für die Verfilmung der Story eine sechsstellige Summe verlangen. Fangen wir harmlos an: Der Vortrag über die Neue Mitte (Centro) Oberhausen war von der Leerperson als zweistündiger, informativer Beitrag zum aktuellen Unterrichtsthema angekündigt worden. Als dann eine Sekretärin des Centro-Büros nicht mal von unserem Kommen unterrichtet war, fragten wir uns schon, ob wir im falschen Film wären. Dennoch war die junge, hübsche (?) und völlig überforderte Frau so gütig, fünf Minuten an uns zu verschwenden, indem sie einen Kurzvortrag über ein ausgestelltes Modell der „Neuen Mitte“ hielt. Problem für uns: unseren Wissenstand konnte sie damit nicht groß verändern. Etwas verdutzt verließen wir nach zehn Minuten (und nicht nach zwei Stunden!) wieder das Gebäude – ohne Frau Luhr-Kloos, die verzweifelt versuchte, noch mehr Informationen für die Schüler herauszuschlagen. Dieser Versuch misslang, aber Frau Luhr-Kloos hatte noch weitere Peinlichkeiten auf Lager: ein Technisches Zentrum neben dem Centro-Gebäude durfte sich über unser „Gastspiel“ freuen. Leider blieb uns von diesem Besuch nur die interessante Drehtür in Erinnerung, mit der wir das Gebäude betraten und sofort wieder verließen. Zwei Schüler bekamen diese leider nicht zu sehen, da sie unterwegs verloren gingen, von Frau Luhr-Kloos gänzlich unbemerkt. Fazit: diesen Ausflug hätte man sich getrost sparen können – wenigstens fiel der Nachmittagssport aus.
Auch aus dem Unterricht gibt es einige Geschichten zu berichten: Während des Unterrichts wurde (zur Freude vom Hausmeister Herrn Berberich) eine Mandarinenschalenschlacht veranstaltet, bei der Frau Luhr-Kloos vergnügt eine Zuschauerrolle einnahm. Als in der letzten Stunde vor Weihnachten eine Weihnachtsliederorgie nicht enden wollte, brach sie in schallendes Gelächter aus. Für weitere Geschichten reicht der Platz nicht, zum Abschluss wollen wir (die Erdkunde abgewählt haben) nur Goethe zitieren: „Wie froh bin ich, dass ich weg bin!“
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Ausgabe 23, Juli 1995:
„Lehrer-Reaktion auf den oben stehenden Artikel“
Federführung: Frau Dähnhardt-Weyel (Deutsch, Ev. Religion)
Nach Lektüre dieses Artikels verstehe ich (fast) die Welt nicht mehr.
Hier wird einer Kollegin mangelnde Organisation und Planung vorgeworfen, weil bei einem Unterrichtsgang nicht alles so verlief, wie es offenbar gewünscht war. Könnte es nicht vielleicht so sein, dass dies ein Versagen der Verantwortlichen in Oberhausen war und nicht der Lehrerin? Wurde von Eurer Seite ein klärendes Gespräch mit der betroffenen Lehrerin gesucht?
Nun zu den im Artikel letztgenannten „Episoden“, die ich in Eurer Bewertung nicht nachvollziehen kann.
Man stelle sich vor, eine gewisse Anzahl postpubertierender Jugendlicher bei Mandarinenschlacht und Liedergegröhle: Wie soll ein erwachsener Mensch damit umgehen? Schön oder gar amüsant findet er dieses alberne Verhalten bestimmt nicht.
Soll er (der erwachsene Mensch) sein Missfallen deutlich äußern und „einschreiten“?
Euer Urteil: humorlos, Pauker, intolerant, Tyrann usw.
Soll er (der erwachsene Mensch) dieses Verhalten sehen als das, was es ist: übermütiges, pubertäres Verhalten, über das man wirklich nur lachen kann, weil es keinen Zornesausbruch wert ist?
Euer Urteil: Man kann es in der MONA LISA Nummer 22 nachlesen.
Mich interessiert, was Ihr eigentlich von einem akzeptablen Lehrer erwartet.
Nach der Lektüre dieses Artikels habe ich den Eindruck, Ihr wisst es selbst nicht. Vielmehr habe ich den Eindruck, als haben man noch einen „kritischen“ Artikel für die Zeitung gebraucht und sich dann irgendjemanden vorgeknöpft, zu dem einem gerade etwas einfiel und von dem man keine bösen, nachteiligen Reaktionen erwartete.
Wenn meine Kollegin das alberne Verhalten von Euch (mit dem Ihr Euch eigentlich von vornherein als ernstzunehmende Gesprächspartner disqualifiziert habt) nur mit einem Lächeln oder herzhaftem Lachen kommentierte, zeigt das nicht, dass sie unfähig zum „Durchgreifen“ ist, denn wer schmeißt schon gerne im Unterricht mit Handgranaten auf Schüler. Vielmehr wird daran deutlich, dass sie sich noch Humor und Verständnis für Schüler bewahrt hat, was Ihr aber offensichtlich nicht verstehen könnt.
Oder wolltet Ihr vielleicht durch Euer Verhalten einmal einen sonst eher gelassenen Lehrer provozieren, sich gehen zu lassen und den sprichwörtlichen „wilden Mann“ hervorzukehren – was dann danebenging? Dann wäre Euer Artikel nur die Trotzreaktion eines beleidigten Kindes.
Oder wolltet Ihr mit Eurem Verhalten im Unterricht und dem Artikel ernstzunehmende Kritik üben, was offenbar auch daneben ging?
Ich denke, Kritik sollte nicht derart wahllos und stillos ausgeschüttet werden, dass sich der Leser doch nur ärgern kann – abgesehen vielleicht von den Kleingeistern, die jetzt daheim sitzen und sich hämisch die Hände reiben und meinen, sie hätten es den Lehrern einmal richtig heimgezahlt.
Wenn ein solcher Artikel über mich in der Schülerzeitung stünde, wäre ich sehr herb betroffen, weil ich meine, Schüler wie Lehrer sollten zuerst das Gespräch mit demjenigen suchen, mit dessen Verhalten sie nicht einverstanden sind. Vielleicht erübrigt sich dann in der Folge eine solch lächerliche Schmähschrift wie der genannte Artikel von Euch.
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Ausgabe 23, Juli 1995:
„ML-Reaktion auf die Lehrer-Reaktion“
1. Reaktion (Aushang neben dem Vertretungsplan):
Schade, dass Ihr Brief die bei den Autoren angemahnte Objektivität vermissen lässt. Damit wurde zunächst die Chance vertan, die satirische Überzeichnung in dem Artikel auf das normale Maß zurückzuführen.
Wir bedauern sehr, dass sich Frau Luhr-Kloos durch unseren Artikel so stark getroffen fühlt. Dies ließ sich so nicht voraussehen, zumal Frau Luhr-Kloos bereits vor dem Erscheinen des Artikels von uns informiert worden war.
Wir würden uns sehr freuen, wenn nun bald alle Beteiligten zusammenkommen würden, um die Wogen in einer Aussprache glätten zu können.
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2. Reaktion (in der nächsten Ausgabe):
Die seltsamen Ideen...
... von Eike Lürig und Andreas Ernst
In der letzten MONA LISA erschien ein Artikel, den wir „Die seltsamen Ideen der Frau Luhr-Kloos“ nannten. Diesen Text verfassten wir in der Absicht, die Geschehnisse in dem betroffenen Erdkunde-Kurs der Jahrgangsstufe 11 so darzustellen, dass sie für jeden verständlich und durchschaubar waren.
Zwei Tage nach dem Erscheinen dieses Artikels jedoch erreichten uns erste Zweifel (fast) ausschließlich von Lehrerseite, ob es sich a) wirklich um Tatsachen handele und b) wenn ja, ob Frau-Luhr-Kloos wirklich die volle Schuld treffe. Generell herrschte die Meinung vor, dass man dies SO NICHT BRINGEN KÖNNE. Sprich: Die scharfe Tonart des Artikels wurde als unverschämt, beleidigend und verletzend empfunden. Den vorläufigen Endpunkt bildete der Leserbrief Frau Dähnhardt-Weyels, der eine Woche neben dem Vertretungsplan hing, große Beachtung von Lehrer- und Schülerseite fand – wobei einige Lehrer offenbar der Meinung waren, mit ihren Unterschriften wesentlich zur Lösung des Problems beizutragen. Dass neben der Schulleitung auch die Vertrauenslehrer zu den Unterzeichnern gehörten, war für uns eher enttäuschend, da wir uns von ihnen eigentlich Neutralität oder sogar Hilfe bei der Klärung dieser prekären Situation erhofft hatten.
Aber nicht nur Frau Dähnhardt-Weyel machte sich Gedanken zu diesem Thema, sondern auch in vielen Klassen und Kursen wurde über diesen Text diskutiert.
Als Frau Luhr-Kloos nach überstandener Krankheit in die Schule zurückkehrte, einigte sie sich mit der Schulleitung auf einen Gesprächstermin, zu dem wir auch eingeladen wurden. Herr Metzing stellte seine Rolle vorher als Gesprächsleiter dar, die von Herrn Gottschlich als Beobachter. Zusätzlich beteiligt war noch das Schülersprecher-Duo mit Simone Bruns und Christian Boeing. Die Realität sah jedoch – in unseren Augen – anders aus: Während sich Frau Luhr-Kloos zurückhielt, kamen die Vorwürfe vorwiegend aus dem Munde der Schulleitung. Unser Artikel wurde Satz für Satz betrachtet und so verrissen, dass wir uns sehr in die Ecke gedrängt fühlten und aus unserer Sicht die Chance vertan wurde, eine vollständige Klärung herbeizuführen.
Unsere Schlüsse aus dieser Geschichte sind folgende: Der schwerwiegendste Fehler, den wir gemacht haben, war nicht der, dass wir zu hart oder zu gemein formuliert haben (was sicherlich ein Fehler war), sondern der, dass wir – ohne es zu wollen – die falsche Lehrergruppe provozierten. Wurden in den Jahren zuvor über Kloppenburg, Pfohl etc. weitaus härtere Artikel mit schweren Vorwürfen verfasst, so hatten wir diesmal die gesamte linke Lehrerfront (gemeint sind natürlich die Lehrer, die sich vorwiegend im linksseitigen Lehrerzimmer aufhalten) gegen uns aufgebracht.
Es ist zu fragen, ob sich die Lehrer, die mit dem erhobenen Zeigefinger dastanden und uns Taktlosigkeit vorwarfen, niveauvoller verhielten als wir. Ihre Rechtfertigung: „Wieso sollen wir uns nicht so verhalten dürfen wie Ihr?“ zeigt unserer Meinung nach, dass sie es versäumt haben, sich uns überlegen zu zeigen.
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Ausgabe 24, Dezember 1995:
„Reformiert...“
von Eike Lürig und Andreas Ernst
Man stelle sich folgende Situation vor: Es ist kurz nach der Sommerpause, wie gewohnt versammeln sich alle Schüler einer Jahrgangsstufe mit ihrem Trainer, der auch liebevoll Beratungslehrer genannt wird, zur Einsatzbesprechung in einem Kursraum. Nach circa 15 Minuten sind auch wirklich alle Schüler erschienen, so dass mit der Vergabe der neuen Einsatzpläne begonnen werden kann. Alles scheint normal-langweilig-bieder wie immer abzulaufen, doch halt: Dem aufmerksamen Schüler ist längst aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Die sonst so normale Lehrer-Miene des Beratungslehrers Willi K. – ja, genau der Mann, mit dem jeder von Euch gerne mal lateinisch essen gehen würde... – ist aufgehellt. Angesichts dieses seltenen Tatbestands ist zu vermuten, dass sich nun ein bedeutsames Ereignis abspielt: Lehrer hatten sich für Schüler einen leider wahren April-Scherz ausgedacht. Doch zunächst nimmt keiner die Anzeichen ernst und der Jubel über die neuen Blockungsraster kennt keine Grenzen. Da deutet Willi K. an, dass er noch einen Trumpf im Ärmel hat und neben den aufmerksamen merken auch die in der Überzahl vorhandenen unaufmerksamen Schüler, dass eine Nachricht folgen wird, die sich auf die Freizeit eines jeden beschneidend auswirken wird. Diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: DAS ENTSCHULDIGUNGSSYSTEM WURDE REFORMIERT!
Zunächst kann es keiner glauben, doch nach und nach stellt sich heraus, dass Kurt Felix NICHT reaktiviert wurde und die Ungläubigkeit weicht blankem Entsetzen. Zum Beispiel beim gemütlichen Pizza-Kurier, der bisher eigentlich nur nebenbei die Schule besuchte. Für ihn heißt es ab sofort: Erst zur Schule, dann zur Arbeit – dass dies zu Gehaltseinbußen führt, ist ihm schlagartig bewusst und die aus dieser Erkenntnis resultierende Wut für jeden nachvollziehbar. Konnte man sich früher noch sein Entschuldigungsformular selbst gestalten, nach Lust und Laune mit Unterschriften versehen und hinterher verschwinden lassen (auf dem Zeugnis eines jeden prangte unter der Rubrik „Fehlstunden“ sowieso eine fette 0), so ist es auf dem nun tabellarisch angeordneten Zettel unmöglich geworden, Unterschriften zu fälschen, da diese jederzeit dem wirklich Erziehungsberechtigten vorgelegt werden können. Auch das Bläuen einzelner Stunden wird sofort auffällig, da man dann entweder unentschuldigt oder registriert ist.
Ob dieses neue System allerdings wirklich das Gelbe vom Ei ist, erscheint fragwürdig, denn: Nur die wirklich Entschuldigten werden registriert, die Unentschuldigten bleiben weiterhin unauffällig in den Kursmappen verborgen. Da die Kontrolle eben jener Kursmappen mit mehr Arbeit verbunden wäre, wird die nämlich sowieso keiner durchsehen! Eine endgültige Beurteilung kann man allerdings nach der nächsten Zeugnisausgabe vornehmen, wenn es heißt: Zu oft gefehlt – kein Extra-Zwanni vonne Oma!
Wir behielten übrigens recht: Auf jedem Zeugnis blieb es bis zum Abi unter der Rubrik „Fehlstunden“ bei der „0“, obwohl manche drei volle Zettel verbrauchten...
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Ausgabe 25, Juni 1996:
„Neues aus dem Zirkus Broich“
von Eike Lürig und Andreas Ernst
Es begab sich aber zu der Zeit, als ein Gebot aus dem Raum 101 ausging, dass das Entschuldigungssystem reformiert werden würde. Und diese Reform war die Allererste und geschah zu der Zeit, da Frau Thoren die Oberaufsicht über die Oberstufe hatte. Und jeder Schüler trauerte, dass er von nun an regelmäßig zur Schule gehen musste und über die Stunden, in denen er fehlte, Rechenschaft ablegen musste. Da machte sich auf ein Glücklicher (Name der Redaktion bekannt) aus der Jahrgangsstufe X (Jahrgangsstufe der Redaktion bekannt), der seine Sache besonders gut machen wollte. Es kam nämlich die Zeit, in der er fehlen musste. Und er fehlte, besorgte sich den noch jungfräulichen Entschuldigungszettel und trug die erste Begründung ein. Da wurde ihm klar, dass man doch etwas tun könnte gegen die Tristesse der üblichen Begründungen „Grippe“, „Krankheit“ oder sonstiges „Aua“. Und er dachte sich Geschichten aus, sozusagen aus „Einhundertundeiner Nacht“. Doch Storys wie „Mord am Weihnachtsmann“, „Bin vor die Tür gerannt und war acht Stunden bewusstlos“ oder „Hausarrest“ sind nicht willkommen.
Sie waren sogar höchst unwillkommen, zumal alle Lehrer ihr Signum und damit ihr Verständnis für das Fehlen und die dazugehörige Begründung gaben. Nach einigen Wochen entwickelte sich dieser Zettel jedoch zum Bumerang. Er fiel nämlich dem Schulhöchsten in die Hände und der konnte gar nicht darüber lachen. Im Gegenteil: Eine Kopie des Zettels an alle Lehrer war die Folge mit der Bitte, künftig mehr auf die Begründungen zu achten.
Und die Moral von der Geschicht: Aus der Reihe tanzen lohnt sich nicht! Immer schön dasselbe schreiben!
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Ausgabe 25, Juni 1996:
„Über das Zitat an sich“
von Eike Lürig und Andreas Ernst

VORGESCHICHTE (die nicht in der Mona Lisa stand):
Das Zitat von Herrn Dr. Booms, der bei Hausmeister Berberich einen Schwamm holen wollte und bölkte: „Uli, gib mir mal einen Schwamm. Die Mädels wollen mir nicht ihre Binden geben zum Wischen!“ Das bekamen zwei Schüler mit, schrieben es auf und wir druckten es ab. Herr Booms durfte sich einen fürchterliches Trara von der Lehrerinnen-Fraktion anhören (zurecht) mit dem Sexismus-Vorwurf. Daraufhin fing er (Selbstauskunft) nach 12 Jahren wieder an zu rauchen – und die Schüler, die mitgehört hatten, nahmen das Zitat zurück; getreu dem Motto: „Wir haben etwas dazu erfunden“, um ihren Lieblingslehrer zu schützen.

Nachdem in älterer und jüngerer Vergangenheit der MONA LISA-Geschichte immer wieder Zweifel an der Echtheit und Salonfähigkeit einiger aufgeschnappter Lehrersprüche aufkamen, haben wir uns nach 25 Ausgaben endlich ein bombensicheres System ausgedacht, nach dem nur noch stilvoll-einprägsame Philosophien unserer Pauker herausgefiltert und abgedruckt werden.
Wir möchten das Ganze an einem Beispiel demonstrieren, wie ein Lehrer aus der Bredouille kommen kann, wenn er auch nur zwei harmlos anmutende Wörtchen von sich gibt.
Es war ein normaler Montagmorgen, die Schüler trotteten müde-gelangweilt nach einem harten Wochenende ins Klassenzimmer, als in einem unbedachten Moment Lehrer X (Name geändert, aber der Redaktion bekannt) gut gelaunt den Raum betrat und eben diese zwei unbedachten, aber gleichermaßen verhängnisvollen Worte aussprach:
„GUTEN MORGEN!“
- Gerade an einem Montagmorgen kann das „Guten“ nur ironisch gemeint sein.
- Da sich manche Schüler vor der Schule Waschen, Duschen, Umziehen UND (!!!) Frühstücken, sollte man den fortgeschrittenen Zeitraum nach dem ganz frühen Aufstehen beachten. Da diese Schüler teilweise schon zwei Stunden auf den Beinen sind, ist das „Morgen“ eine absolut unverschämte Schmähung!
- Durch die systematisierte Identifikationsproblematik und die integrierte Aktionsflexibiliät geht dieser Spruch eindeutig unter die Gürtellinie.
- Der Spruch „Guten Morgen“ ist zudem mittlerweile total verschlissen. Jeder kennt ihn, jeder sagt ihn, jeder hasst ihn. Der Lehrer, der diesen Spruch von sich gibt, kommt seiner Pflicht einer individuellen, variablen und flexiblen Ausbildung eines jeden Schülers noch nicht einmal mehr mangelhaft nach.
Was also tun gegen derartig hemmungslose Zitate?
Auf gar keinen Fall darf ein Abdruck in der MONA LISA erfolgen. Zumindest nicht in dieser Form. Ab sofort werden wir nämlich, wenn wir einen solchen Spruch in die Finger bekommen, einen absolut lückenlosen und bombensicheren Prozess in Gang setzen:
1) Zunächst erfolgt die Untersuchung des abgegebenen Zitatezettels auf Fingerabdrücke. Damit können wir im Falle einer Unregelmäßigkeit den „Einreicher“ des Zitats sofort zur Rechenschaft ziehen!
2) Die ganze ML-Redaktion wird über die Existenz des Spruchs in Kenntnis gesetzt und in geheimer Wahl über den Abdruck abstimmen.
3) Sollte das Ergebnis einen Abdruck negieren, erfolgt eine sofortige Übermittlung per Fax zum Kultusministerium, zum Schloss Bellevue und zum Kanzler-Bungalow. Hierzu wurden eigens Stand-Leitungen eingerichtet. Über weitere Folgen entscheiden die Minister persönlich.
Nun zurück zu unserem Beispiel: Jedem Leser dürften wir unmissverständlich klargemacht haben, dass dieses Zitat auf keinen Fall abgedruckt werden darf, da gegen Lehrer X sofort Disziplinarmaßnahmen eingeleitet werden oder gar eine Suspendierung folgen könnten.
Da wir aber jedes eingehende Zitat benötigen, werden wir uns in Zukunft gezwungen sehen, einige Modifikationen am Corpus Delicti vorzunehmen. Ein Alternativ-Zitat zu unserem Beispiel sähe deshalb wie folgt aus:
„ICH WÜNSCHE EUCH AN DIESEM VORMITTAG NICHT NUR EINE AKTIVE FLUKTUATIONSPOTENZ, SONDERN AUCH EINE SYNCHRONE ORGANISATIONSFLEXIBILITÄT.“
- Das Wort „Morgen” wurde durch den harmonisch anmutenden „Vormittag“ ersetzt.
- Unter den Begriffen „aktive Fluktuationspotenz” und „synchrone Organisationsflexibilität” darf sich jeder Schüler seine eigenen Wünsche vorstellen und ist so von Anfang an wach, konzentriert und motiviert. Da wird jeder noch so verregnete Montagmorgen zu einem Ereignis.
- Über die veränderte Länge der Begrüßungsformel kann man sagen, dass es nach den modernen Ergebnissen der pädagogisch-philosophisch-biologischen Drittgenerationskonzeption erwiesen ist, dass längere Sätze besser verständlich sind als kurze.
Nach unserem neuen System braucht sich also kein Lehrer mehr Gedanken über einige unbedacht getätigten Äußerungen machen – wir kriegen das schon wieder hin.

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MÜLHEIMER WOCHE
(23. November 1993 – 31. August 1996):
Als Vorbemerkung muss ich erwähnen, dass ich Berichte verfasse, seitdem ich schreiben kann. Meistens trafen meine geistigen Ergüsse Fußballspiele; ob mit oder ohne eigene Beteiligung. Die zahlreichen ausgedruckten Texte füllten Aktenordner um Aktenordner; irgendwann bastelte ich eigene Zeitungen (zumeist Stadionmagazine für den VfL Bochum und den VfB Speldorf, weil ich schon als 8-Jähriger die Meinung hatte, dass könne ich besser).
Als ich als gerade einmal 15-jähriger Bubi Ende November 1993 erneut einen Artikel über ein VfB-Speldorf-Landesliga-Spiel (1:0 gegen Tura 88 Duisburg, ich weiß es noch genau) verfasst hatte, geschah etwas Seltsames. Mein Bruder nahm diesen Text mit in die Schule (ohne es mir zu sagen), und gab ihn weiter an seinen Stufenkollegen Thomas Durchschlag, der für das Anzeigenblättchen „Mülheimer Woche“, das in 90.000-facher Auflage im Stadtgebiet zweimal wöchentlich kostenlos verteilt wird, fotografierte. Thommy D. sorgte dafür, dass die Zeilen im Blatt erschienen und ich ganz baff Donnerstags die „Mülheimer Woche” aufschlug. Völlig stolz über die ersten verdienten Pfennige (zu Beginn gab es 20 Pfennig pro Zeile; lang lang ist´s her, heute würde ich bei dieser Summe heulen...) intensivierte ich die Arbeit – und war bereits Anfang 1994 ein festes Mitglied der Redaktion und kümmerte mich alleine um den Sport.
Das tat ich, bis ich das Angebot der WAZ/NRZ-Lokalsportredaktion im Sommer 1996 annahm. Zur MW-Redaktion stehe ich aber bis zum heutigen Tag (22.01.2002) in ständigem Kontakt. Einerseits, weil ich die Mitarbeiter sehr gut kenne und gut leiden kann, zweitens, weil mein Bruder Thommy zwischendurch dort arbeitete und ich die Disketten ablieferte und drittens, weil ich in Ausnahmefällen heute noch der „Mülheimer Woche“ Texte anbiete. Ich bin jedenfalls häufiger in den Redaktionsräumen anzutreffen, und wenn es nur zum „Hallo“ sagen ist.
Natürlich darf ich nicht unerwähnt lassen, dass die „Mülheimer Woche“ ein reines Anzeigenblatt ist, in der sich eigentlich jede Tiefgründigkeit verbietet und die in weiten Teilen der Stadt als „Käseblatt“ verschrien ist. Doch im Sport ist das eine oder andere kritische Wort durchaus möglich... Die MW-Zeit möchte ich jedenfalls nicht missen; sie war für einen Einstieg perfekt geeignet.
Wöchentlich erscheinen drei bis vier Texte von mir mit einem Umfang von insgesamt etwa 200 Zeilen. Also knapp 800 Zeilen im Moment (das machte am Anfang knapp 175 Mark für mich – ein toller Nebenverdienst für mich).. Das Zeilengeld wurde erst Anfang 1996 auf 0,35 Mark angehoben.
Mein Kürzel: andre.
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Redakteure:
1) Die erste Redaktionscrew zwischen 1993 und 1996 bestand aus Dirk Bütefür (einem entfernten Verwandten von mir), Martin Dubois (ein fähiger und witziger Typ) und Margret Emirli (bei der WAZ - so wie ich hörte - rausgeekelte Kultur-Fachfrau). Von diesem Trio lernte ich die Basis der journalistischen Recherche und erste Kniffe. Ich lernte soviel, dass ich bei der WAZ im Sommer 1996 keine Grundlagen mehr brauchte, sondern übergangslos einsteigen konnte.
2) Das zweite Team besteht – bis heute – aus Dirk Bütefür, Silke Brembt sowie den freien Mitarbeitern Heinz Haas, Nicoletta Goldack und Mirjam Bleck, die inzwischen beide auch für die WAZ tätig sind. Es ist einfach immer lustig bei der „Mülheimer Woche“ – aber wenn ihr mich fragt: Fast schon zu lustig...
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Geschichten:
1) Meinen ersten Pressetermin überhaupt werde ich nie vergessen. Es war am 3.12.1993; ich stapfte nebst Thomas Durchschlag zum Tischtennis-Bundesligaspiel Post SV Mülheim gegen Borussia Düsseldorf (mit Jörg Roßkopf). Morgens noch war ich ein Kind, das gerade in die 10. Klasse gekommen war – und abends durfte ich auf einmal den bekanntesten Tischtennisspieler Deutschlands interviewen (was ich auch prompt tat). Der Wahnsinn! Es lief ab wie im Traum!
2) Im Sommer 1994 nahm ich – als gerade einmal 16-Jähriger – am bisher einzigen Prominenten-Fußballspiel meines Lebens teil. Da sich Martin Dubois drückte, durfte ich ran und spielte u.a. mit Ex-Nationalspieler Hans-Günter Bruns in einer Presse-Mannschaft, die sich gegen eine Beamtenauswahl der Stadt amüsierte und diese mit 9:1 wegfegte.
3) Ein Klasse-Gefühl war es, beim Hockey-Europapokal der Landesmeister, der 1995 in Mülheim ausgetragen wurde (jaja, die alten Zeiten...) eine VIP-Karte auf der Sitzplatz-Tribüne zu haben. Als 17-Jähriger pflanzte ich mich direkt neben die Bonzen, Bundestags- und Landtags-Abgeordneten sowie die renommierten Journalisten. Mein eigenes „Andreas Ernst / Mülheimer Woche“-Fach, in das die neuesten Presse-Mitteilungen gelegt wurden, lag zwischen dem der „WAZ“ und des „Sport-Informations-Dienstes“ (sid). Witzig, oder?
4) Meine Lieblings-Serie „erfand“ ich Mitte 1995, als ich unter dem Namen „Wir stellen vor... Die Pfeifen“ drei junge Schiedsrichter vorstellte, nämlich Jörg Hegmann (American Football), Jochen Rahmfeld (Handball) und Andreas Knechten (Hockey). Das Beste: Hegmann war damals mein Fußball-Co-Trainer und Rahmfeld und Knechten ebenfalls auf dem Gymnasium Broich... wusste ja keiner!
5) Und da wären noch einige wirklich nette Termine, wie zum Beispiel die Reportage über die Mitglieder von Vatan Spor bei einem EM-Spiel 1996. Oder der kauzige Pferdehof-Inhaber Paul Neuhaus, der in seiner eigenen Welt in Mülheim-Mintard lebt. Oder die Reportage über die F-Jugend (die ich selbst trainierte...) in der Umkleidekabine nach einem Spiel. Oder der erste Ärger, als ich Anfang 1994 das Leichtathletik-Talent Anika Kolleker porträtierte, aber ziemlich viele Fehl-Informationen einbaute, weil ich noch nicht zu recherchieren wusste... Oder die Geschichte über die Neuzugänge von Blau-Weiß Mintard (dazu zählte mein Bruder), die ich der WAZ/NRZ-Sportredaktion vor der Nase wegschnappte (Mai 1996). Oder der Report über den damaligen Bundesligaspieler Raffael Tonello aus Mülheim (April 1996). Es war wirklich eine geile Zeit, keine Frage.
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Mülheimer Woche, 2.12.1993:
„Verdienter Erfolg der Grün-Weißen“
Das Landesliga-Team des VfB Speldorf konnte den erwarteten Pflichtsieg gegen den Tabellenletzten Tura 88 Duisburg einfahren. Nach einem Treffer von Ralf Brücks in der 78. Minute gewann die Bruns-Truppe mit 1:0 (0:0) Toren.
Die 0:7-Schlappe beim Tabellenführer VfB Lohberg und der ungewohnte Samstags-Termin hatten auch bei den Zuschauern Wirkung hinterlassen: Gerade 150 Besucher wollten das Spiel des Tabellenachten bei Minustemperaturen sehen. In der 1. Halbzeit zeigten die Grün-Weißen den „Treuesten der Treuen“ dann aber, dass sie einiges wiedergut zu machen hatten. Mit sehenswerten Spielzügen, gutem Zweikampfverhalten und vielen herausgearbeiteten Torchancen imponierten sie den Fans. Riesenchancen für den VfB hatten Roenz (17.), Bertold (22./26.), Bonetzki (23./32.), der einmal den Außenpfosten traf. Was fehlte, war ein Torerfolg gegen einen sehr schwachen Tabellenletzten, der sich stur auf die Defensive beschränkte und sehr viel Glück hatte, dass die Speldorfer mit ihren Chancen zu leichtfertig umgingen. Ex-Profi Dietmar Schacht, der als Mittelstürmer agierte und von Markus Langen zugedeckt wurde, fiel nur durch eine rüde Attacke gegen Michael Loth auf, für die er von Schiedsrichter Martin Krämer (Solingen) prompt die gelbe Karte bekam. Zur Pause eines Spiels auf ein Tor stand es also 0:0. Nach der Pause sahen die Zuschauer dann ein katastrophales Spiel. In der 46. Minute hatte Sven Bertold aus zwei Metern freistehend nur drüber geschossen und danach wurden die Grün-Weißen sehr nervös. Sie verloren durch unnötige Fehlpässe und durch verlorene Zweikämpfe viele Bälle. Doch da die Spieler von der Lotharstraße zu unfähig waren, die Speldorfer Nervosität auszunutzen, und selber nur auf Unentschieden spielten, war es ein niveauarmes Gekicke, in dem nun „Not gegen Elend“ spielte.
Der Führungstreffer in der 78. Minute fiel so zwar nicht unverdient, aber doch aus heiterem Himmel.
Durch diesen Sieg rückte der VfB in der Tabelle auf den siebten Tabellenrang vor, die Duisburger blieben Tabellenletzter und müssen nun langsam die Pläne für die Bezirksliga aus der Schublade holen, denn die Leistung war nicht landesligareif.
Beste Speldorfer waren Langen und Roenz, aus der homogen schlechten Tura-Truppe ragten höchstens Libero Jansen und Manndecker Wasserkamp hervor.
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Mülheimer Woche, 13.4.1996:
„Bundesliga-Star begann Karriere bei Union 09“
21 Jahre ist er jung, zehn Fußball-Bundesligaspiele hat er absolviert und dabei bemerkenswerte drei Tore erzielt: Raffael Tonello, Spieler von Fortuna Düsseldorf. Dass er seine Karriere im zarten Alter von acht Jahren bei Union 09 begann und er ein „Mölmsche Jung“ ist, wissen nur wenige.
Schon als Junge hatte Tonello viel Spaß am Fußball. Auf der Straße kickte er oft mit Freunden bis spät in die Nacht. Mit acht Jahren meldeten ihn die italienischen Eltern bei Union 09 an; in der E-Jugend begann seine Karriere.
„Der Platz von Union liegt nicht weit von unserer Wohnung weg“, begründet er die Vereinswahl. Schnell schoss er im Sturm seine ersten Tore. Im C-Jugend-Alter kickte er mit Union in der Niederrheinliga und wurde in die Kreisauswahl berufen. Bei einem Turnier wurde er von Talentspähern der Düsseldorfer Fortuna entdeckt. Als 16-jähriger wechselte er in die A-Jugend der Fortuna und sein Aufstieg begann.
Viermal in der Woche ging es zum Training; der Sprung in die Niederrheinauswahl ließ nicht lange auf sich warten. 1994 gelang ihm mit diesem Team der Gewinn der Deutschen Meisterschaft.
„Als ich in den Seniorenbereich wechselte, war mein, in der ersten Mannschaft“ zu spielen“, berichtet Tonello. Noch mit 18 Jahren drückte er in der Oberliga-Amateurmannschaft nur die Ersatzbank. „Doch dann begann so langsam meine Zeit“, beschreibt er seinen Weg. In der Saison 1994/95 stand die Amateurmannschaft, die in die Verbandsliga abgestiegen war, auf dem ersten Platz und Tonello hatte in 16 Spielen 16 Tore dazu beigetragen. Die Belohnung kam von Trainer Ristic: In der 2. Bundesliga durfte er fünfmal kurz ran, in Meppen gelang ihm das Tor zum 4:1 – sein erstes Tor im Profibereich. Die Krönung jedoch folgte in dieser Saison: Nachdem Raffael Tonello einen Bänderriss auskuriert hatte, empfahl er sich in der Nachwuchsrunde für Einsätze im Bundesligateam und Trainer Ristic gab ihm Chancen. Tonello nutzte sie: Das für sein Team eher unwichtige Tor zum 1:4 in Hamburg war sein Weg zum Stammplatz.
Drei Spiele bestritt er von Beginn an, zwei weitere Tore sprangen dabei heraus, aus Tonello wurde To(r)nello. Bevor er jedoch weitere Abwehrreihen der ersten Liga durcheinander wirbeln konnte, zog er sich eine Verletzung zu: Die Diagnose lautete „Außenmeniskus-Einriss“ – ein herber Schlag für die Fortuna. „Am 4. Mai möchte ich wieder spielen und in der Endphase noch einmal eingreifen“, so sein Ziel.
Aus Raffael, dem Jugendspieler bei Union 09, ist also Tonello, der Bundesliga-Star geworden. Dennoch hat sich in seinem privaten Umfeld nicht viel verändert. „Ich weiß, wer meine Freunde sind und auf wen ich mich verlassen kann.“ Kontakte zu Mannschaftskollegen aus früheren Zeiten bei Union 09 bestehen immer noch. Er hat jedoch keine Zeit mehr, sich ein Spiel seines alten Vereins anzusehen: „Wir trainieren ein- oder zweimal täglich und sind am Wochenende meist im Trainingslager. Dennoch aber blicke ich gerne auf diese schöne Zeit zurück.“ Der Presserummel ist für ihn „zwar ungewohnt, stört aber auch nicht besonders.“ Zeit für seine früheren Hobbys wie Tennis und Basketball hat er kaum noch. „Sehr selten spiele ich mit meiner Freundin Tennis“, sagt er. Zeit, sich um seine Zukunft nach dem Profi-Fußball zu kümmern, nimmt er sich. „Ich studiere in Essen Sport und Sozialwissenschaften“, erzählt Tonello, der 1993 auf der Luisenschule Abitur machte. Zunächst konzentriert er sich aber auf seine fußballerische Entwicklung, die Trainer Ristic und Co-Trainer Wojtowicz prägten. Sein nächstes Ziel: „Den endgültigen Durchbruch in der Bundesliga schaffen und Stammspieler werden – am liebsten bei Fortuna Düsseldorf.“
Heute ist Raffael Tonello 27 und kickt in der Regionalliga Süd bei Kickers Offenbach. In der Winterpause 2001/2002 wurde er im „Kicker“ in die „Elf der Hinrunde“ gewählt.
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Mülheimer Woche, 20.4.1996:
„Auch hinter dem Tor geht’s beim VfB rund“
Seit 84 Minuten steht er auf den ramponierten Stehrängen am Blötter Weg und schimpft: Der Mann mit dem Schnurrbart ist wieder einmal nicht zufrieden mit der Leistung „seines“ VfB Speldorf, dem Landesliga-Spitzenreiter. Der „Schnurrbart“ kennt sich aus, hat schon viele Heimspiele erlebt. Immer hinter dem gegnerischen Tor. Heute aber ist es schlimm, muss er besonders lange schimpfen. Endlich, in der 85. Minute fällt das erlösende 1:0 gegen Sterkrade. Das Gesicht des Schnurrbarts entspannt. Gemütlich lehnt er sich zurück – Zeit für die Fachsimpelei mit den Kumpels.
Die Zuschauer des VfB Speldorf sind ein eigenes „Völkchen“. Schon vor dem Spiel, vorbei an den zehn, fünfzehn Meter langen Schlangen vor den Kassenhäuschen, sieht man, wo die Treuesten der Treuen stehen: rechts vor der Pommesbude. Unter ihnen manch alter Aktiver, viele eingefleischte Grün-Weiße. Man kennt sich hier, kennt die Mannschaft, die Gegner. Experten sind sie alle, auch die Hutträger. Jede Aktion auf dem Platz erhält die passenden Kommentare.
Am heutigen Spieltag birgt das Fangemisch Spannung: Da es gegen Sterkrade-Nord geht, haben sich auch etliche Oberhausener auf den Weg nach Mülheim gemacht, mischen sich unter das Speldorfer „Volk“.
An der Pommesbude vorbei in der Kurve stehen die „Halbzeit-Fans“: Sie wechseln in jeder Pause hinter das Tor des Gegners – als Gäste-Torwart hat man es in Speldorf schwer.
Die Spiel ist angepfiffen, jetzt wird schnell deutlich, wie die Speldorfer Kicker drauf sind: Spielen sie gut, gibt es für die grün-weißen Akteure reichlich Beifall und Schulterklopfen. Dem Gegner geht es dann schlecht. Besonders die Grüppchen hinter dem Tor machen den Verteidigern das Leben schwer. Hat derselbe Spieler das Unglück begangen, zweimal innerhalb kurzer Zeit foul gespielt zu haben – angenommen, er trägt die Nummer fünf – kann er sich von „Schiri, immer der Fünfer“-Rufen aus dem Publikum kaum retten. Nicht selten fliegt der Übeltäter vom Platz oder wird ausgewechselt.
Gegen Sterkrade-Nord haben die Grün-Weißen eher einen schlechten Tag. Von Beginn an merkt man der Mannschaft Unsicherheiten an, die sich auch im Publikum breit machen. Nicht selten bleibt den Zuschauern nach einem dummen Fehlpass die Currywurst im Hals stecken.
Und dann kommen die kleinen Kinder: Heute sind es E-Jugendliche des VfB, und die wollen eine Spende. Schnell ein paar Groschen und Markstücke aus der Tasche gekramt, und die Augen blicken wieder aufs Spielgeschehen.
Halbzeit – 0:0. Zeit für ein kühles Bier, die Temperaturen sind hoch für diesen Monat. Außerdem Zeit für Jugendergebnisse: Der erste Sieg der A-Jugend löst ein leichtes Raunen in der Menge aus.
Zweite Halbzeit, und es wird immer knapper: Der Schiedsrichter verweigert den Sterkradern einen Elfmeter, die Gäste-Fans schreien wild auf. Halb so wild, denken die Speldorfer, und reagieren mit entsprechenden Sprüchen. „Guck dir die Sterkrader an“. „Gelbe Karte für den Schwalbenkönig“.
Nach 84 Minuten steht es noch immer 0:0, gelangweilt überlegen die Zuschauer, ob sie schon früher die Sportstätte verlassen wollen, als doch noch ein Tor fällt: 1:0 durch Maertin. Der Jubel hält sich in Grenzen. Einmal kurz den Arm gehoben und weiter geht’s. Zwei Minuten später 2:0 durch Roenz, der mit ausgestreckten Armen fast eine Ehrenrunde dreht. Der Aufschrei der Erleichterung ist am lautesten, als der Schiedsrichter die Partie abpfeift.
Am morgigen Sonntag wird er dann wieder da sein: Der Mann mit dem Schnurrbart – an der „Blötte“ geht es dann gegen Essen 10/21. Ob er auch diesmal Grund hat, zu meckern?
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Mülheimer Woche, 13.3.2001:
„Ein Mülheimer Junge in Wuppertal“

Diesen Text über einen meiner guten Bekannten „verkaufte“ ich der „Mülheimer Woche“ im März 2001!

Es war einmal eine Tischtennis-Hochburg. Die Mannschaft wurde Deutscher Vize-Meister, lockte einige Fans in die Ruhr-Sporthalle. In der Jugendabteilung reiften viele Talente. Diese Hochburg hieß Mülheim, bis Mitte 1998 spielte der Post SV in der Bundesliga.  Doch mittlerweile ist die Hochburg einer Wüste gewichen: Der PSV schlägt nur noch in der fünften Klasse auf, alle Stars und Talente sind abgewandert. Auch Henning Waldeck.
Ob zunächst als kleiner Fan, der den großen Idolen nacheifert oder später als Reservist für die Bundesliga-Mannschaft – alle Höhen und Tiefen des Post SV gingen an Henning Waldeck nicht vorbei, selbst der schmerzhafte Rückzug aus dem Profi-Tischtennis 1998. Nach zwei weiteren Abstiegen bis in die Verbandsliga machte selbst der, der eigentlich nicht aus der Mülheimer Zelluloid-Szene wegzudenken war, halt. Der sympathische Student mit den langen Haaren, seinem charakteristischen Zopf und dem Stirnband, verließ die Ruhr und wechselte in die Regionalliga zum ASV Wuppertal.
Neben Christian Strack (TTSC 71) war Waldeck das einzige Talent mit Perspektiven, das noch in Mülheim spielte. Waldeck ging weg, ob Strack an der Ruhr bleibt, ist fraglich. Dass der PSV im Mittelfeld der Verbandsliga versunken ist, beobachtet Waldeck mit weinenden Augen: „Für mich ist ziemlich bitter, was aus dem großen Klub geworden ist. Der PSV liegt mir am Herzen, es tut richtig weh.“
Trotz seines jungen Alters (24) ist der Student (Wirtschaftswissenschaften und Chinesisch in Duisburg und Essen), der in Mülheim wohnt und häufig im Ringlokschuppen anzutreffen ist, ein „alter Tischtennis-Hase“. Als er acht Jahre alt war, kam er zum PSV, wechselte zur Saison 1993/94 – im Alter von 16 – in die 2. Bundesliga zu Borussia Aachen-Brand. Zuvor zählte er zu den besten acht Spielern seines Jahrgangs in Deutschland, absolvierte einen C-Kader-Lehrgang, stand Tag und Nacht an der Platte. Den Wechsel in die 2. Bundesliga betrachtet Waldeck im Rückblick als Knackpunkt seiner Karriere. „Im ersten Jahr spielte ich durch und auch gar nicht so schlecht, dann gab es Probleme mit dem Verein. Ich wollte einfach nur noch weg. Das war eine schlimme Erfahrung“, erinnert er sich. Logisch kam die Rückkehr zum PSV, er spielte in der Reserve, aber mehr schlecht als recht. Seine Leistungen wurden erst wieder besser, als er mit den Profis Chen Zhibin und Chan Kong Wah trainierte. Waldeck: „In dieser Zeit lernte ich am meisten. Kong Wah habe ich viel zu verdanken.“ Er ist sogar ein Freund von Henning Waldeck geworden, der inzwischen er auf ein Bundesligaspiel zurückblickt und die zweite Bundesliga wieder im Blick hat.
Doch das ist seine persönliche Perspektive. In Mülheim ist eine Besserung nicht in Sicht. Jörg Roßkopf und Timo Boll werden wohl nie mehr in die Ruhr-Sporthalle kommen. „Der damalige Erfolg hing zu 80 Prozent von einer Person ab“, analysiert Waldeck. Er meint Dr. Bernd Witthaus, den damaligen PSV-Manager. Heute steht der ehemalige Vizemeister in einer Reihe von Mülheimer Traditionsklubs, die in ihren Sportarten – wenn überhaupt – nur noch eine Nebenrolle spielen. Neben dem PSV sind dies der 1. BV Mülheim (Badminton), der BC Ringfrei (Boxen), der SC Hot Socks (Squash) und auch der HTC Uhlenhorst (Hockey) erlebte schon bessere Tage. Irgendwann wird Henning Waldeck zurückkehren – aber wohl nicht in seiner aktiven Zeit. Der Trainer-Job reizt ihn. „Ich war schon Trainer und es ist ein Bedürfnis, den psychologischen Druck, den ich hatte, den Kindern zu ersparen und meine Erfahrungen weiterzugeben“, sagt er. Die Kinder werden sich freuen.

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Mülheimer Woche, 24.6.2002:
„Wir werden Weltmeister!"

Zur Aufklärung: Der Termin kam so spontan zustande (die "Mülheimer Woche" hatte größte Personal-Not), dass ich natürlich nicht ins Forum gehen konnte, zumal ich schon bei Freunden (Hallo Tina! Hallo Helmut!) eingeladen war. Also saugte ich mir was aus den Fingern... aber keiner merkte was! Schließlich stammten alle Sprüche von Helmut, der auch mit Vornamen Erwähnung fand!

Freitagmittag, 14.08 Uhr: In Südkorea versenkt Michael Ballack einen Kopfball zum 1:0-Siegtreffer gegen die USA im Netz, auf der ganzen Welt freuen sich die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Auch in Mülheim war das WM-Viertelfinale gestern Gesprächsthema Nummer eins.
Was waren die 23 von Rudi Völler auserwählten vor Wochen noch für Deppen: "Die überstehen doch niemals die Vorrunde", lautete das Credo; auch von Norbert, Peter und Helmut. Um 13.30 Uhr sitzen sie im Forum, umringt von zahlreichen Schülern, und starren gebannt auf die große Leinwand.
"Die Amerikaner mauern", vermutet Norbert, Typ heimlicher Bundestrainer. "Das wird hart", fügt Peter hinzu. Das Spiel beginnt, das Zittern auch. Auf der Schlossstraße könnte Kylie Minogue ein Gratiskonzert geben - keiner würde zuschauen. Die Deutschen - egal, ob Fußball-Fans oder nicht - haben sich zurückgezogen. Auf die heimische Couch, in des Nachbars Garten, in Kneipen. Im "Marktplatz" beispielsweise ist kaum noch ein Platz frei. Dicht an dicht drängeln sich die Leute, schlürfen schon am frühen Nachmittag frisches Alt.
Doch zurück ins Forum. Lau beginnt das Spiel. Stimmung kommt nicht auf - kein Wunder. Super-Olli Kahn rettet mehrfach in höchster Not. "Schlimmer als gegen Paraguay", urteilt Norbert. Es läuft die 36., 37., 38. Minute. Dann eine Freistoßflanke, ein Kopfball von Ballack - drin das Ding. Ganz Mülheim springt auf, jubelt, setzt sich hin und schüttelt den Kopf. "Was haben wir bloß für ein Glück", spricht Norbert allen aus der Seele.
Halbzeit. Durchschnaufen. Analysieren. Was Kühles trinken. Gut, dass im "Marktplatz" die Gläser voll sind. Das Spiel ist nüchtern kaum zu ertragen. Und es wird noch schlimmer. Zweite Halbzeit. Die deutsche Elf mauert. Stellt sich hinten rein. "Das Geklüngels geht weiter", sagt Helmut. "Wir haben Kahn und sonst nichts", mault Peter. Norbert redet pausenlos, um sich abzulenken. Er würde am liebsten selbst mit Rudi Völler telefonieren, um ihm die richtige Taktik zu verraten. Noch 15 Minuten, noch zehn, noch fünf. Die Nachspielzeit wird angezeigt. Eine große "3" leuchtet auf. Helmut mag kaum noch hinsehen: "Das ist schlimm, was die sich wieder zusammengurken." Im "Marktplatz", im "Forum" und in ganz Deutschland wird es leiser und leiser. Reicht das eine Tor?
Dann der entscheidende Augenblick. Schiedsrichter Dallas pustet in seine Pfeife. Abpfiff - 1:0! Deutschland steht im Halbfinale. "Jetzt werden wir auch Weltmeister", glaubt Norbert, der ausgelaugter zu sein scheint als die Spieler. Peter hat da eine ganz andere Meinung: "Die sollten nicht mehr trainieren gehen, sondern nur noch beten!" Helmut ist sofort nach dem Abpfiff gegangen - kommentarlos.
Auf den Straßen ist wieder Bewegung. Aus den Häusern kommen Fans in Deutschland-Trikots. Schwarz-rot-goldene Fahnen hängen aus den Fenstern, vereinzelt hupen Autofahrer. Dienstag ist das nächste Spiel. Halbfinale. Geht das Gegurke dann weiter?

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Diese Seite wurde zuletzt geändert am 9.7.2002.
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