DIE KIRCHENPHASE
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DER WEG
Unsere Gemeinde in Broich

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Einleitung

Wie dem Unterpunkt „Urlaub“ zu entnehmen ist, fuhr ich gleich fünfmal (von 1992 bis 1997) mit Jugendfreizeiten der Kirchgemeinde Mülheim-Broich weg. Doch das waren nicht meine einzigen Berührungspunkte mit den Theologen. Die Glaubensfragen bekam ich quasi mit der Muttermilch mit – meine Eltern sind seit vielen vielen Jahren im CVJM Mülheim-Stadtmitte aktiv. Als sich mein Bruder 1992 von der Kirche abwandte und eigene – atheistische – Theorien in seiner „Schrift“ formulierte, wurde auch ich mit beiden Seiten der Medaille konfrontiert.
Inzwischen lebe ich ein kirchenfreies Leben, die Gemeinde Broich habe ich seit einigen Monaten nicht mehr von innen gesehen.
Ob ich an Gott glaube?
Eher nicht.
Die zahlreichen Familiendiskussionen führten bei mir dazu, dass ich keine Lust hatte, mich mit diesem Thema zu befassen. Ich brauche keinen Gott, um glücklich zu sein. Ich brauche kein Opium. Ich glaube nicht daran, dass es eine überirdische Kraft gibt. Nein, ich glaube nicht daran. Die „Bibel“ ist einfach nur ein gelungenes philosophisches Buch, dass es geschafft hat, Milliarden Menschen zu verführen. Gewiss sind einige Kapitel nicht schlecht (aber andere dafür umso bitterer und vor allem wissenschaftlich längst widerlegt), die theologische Erziehung hat mir wirklich nicht geschadet, manche Leute aus CVJM und Gemeinde habe ich wirklich lieb gewonnen; aber inhaltlich stehe ich wahrlich nicht dahinter.
Doch das ist ja hier eigentlich gar nicht das Thema!
Es geht um meine Zeit bei der kirchlichen Presse.
Im Sommer 1990 begann meine Kirchenzeit in der Jungenschaft der Kirchengemeinde Broich, ab dem Sommer 1993 besuchte ich mehr oder weniger regelmäßig den Teenclub – bis ich mich nach der Irland-Freizeit 1997 von der Kirche verabschiedete. In diesen sieben Jahren trug ich alle zwei Monate die lokale Gemeinde-Zeitung „UNSERE GEMEINDE“ aus (auch diese Ebene habe ich also schon mitgemacht).
Dass ich bei der „Mülheimer Woche“ angefangen hatte, bekam auch Karin Gursch mit, die regelmäßig Texte in der lokalen Gemeinde-Zeitung und der überörtlichen Wochenzeitung „DER WEG“ platzierte. Sie fragte mich, ob ich bereit wäre, einige Zeilen für beide Zeitungen zu formulieren – und ich tat es. Ich arbeitete zwar nicht häufig für kirchliche Publikationen; aber zu meinem journalistischen Lebensweg gehört diese Phase hinzu.
Hier nun Auszüge aus einigen meiner Artikel!

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(DER WEG, Juni 1994):
„Viele sind durchs Elternhaus vorbelastet“
Kurz vor Beginn der Veranstaltung wird sich die Creme de la Creme der Mülheimer Jugendpolitik – unter anderem waren neben Vertretern der Jung-Sozialisten und des Bündnis 90/Die Grünen die durch die Lokalpresse bekannten Heiko Hendriks (Junge Union) und Lars Hombrecher (Junge Liberale) zu Gast – die Augen gerieben haben. Neben den „normalen“ Mitgliedern des „Bistro-Clubs“ (Gruppe für junge Erwachsene ab 18) und den insgesamt acht politischen JugendvertreterInnen waren gerade mal fünf interessierte Gemeindeglieder da. „Wir sind die Politik-Wahlmüdigkeit“, lautete das Thema.
Von Beginn an entwickelte sich ein lebhaftes, aber faires Gespräch. Mit den politischen Jugendvertretern wurde über Gott und die Welt gesprochen. Friederike Manthey (Bistro-Club) machte allen Spekulationen, warum dieser Abend ausgerichtet würde, mit ihrer Einleitung ein Ende: „In der Bibel stoßen wir immer wieder auf gesellschaftliche Probleme, über die wir diskutieren. Da wollten wir einfach mal die Fachmänner und –frauen einladen.“
Und schon ging es los mit den zahlreichen Fragen. Lange diskutiert wurde über das Thema „Wahlmüdigkeit“. „Was tun die Parteien eigentlich dagegen?“ wurde gefragt. Die Anfragen aus dem Bistro-Club waren zahlreich: Es gebe keinen Anreiz, bei den Parteien mitzuarbeiten, da diese sich immer mehr angleichen, und: die Parteien würden nicht mehr auf die Schüler zugehen.
Die geladenen Gäste antworteten sachlich und nicht im Wahlkampfton. Die Medien seien der Hauptgrund dafür, dass gesagt werde, die Parteien würden sich nur um sich selbst kümmern. „Es ist sehr schwer, die Öffentlichkeit zu erreichen. Die Mülheimer Presse ist fürchterlich“, meinte Hendriks. Und zum Versuch, auf Schüler zuzugehen: „Es ist sehr schwer, an die Schulen heranzukommen. Meistens werden Einladungen zu politischen Veranstaltungen sofort in den Papierkorb geworfen oder es wird von der Schulleitung abgefangen“, berichteten alle aus eigener Erfahrung. Bei der Frage, wie sie zu ihrer Partie gekommen sind und ob sie noch 100-prozentig dahinter stehen, fielen Parallelen auf. Erstens sind viele durch ihr Elternhaus schon vorbelastet gewesen und zweitens sind fast alle nicht mehr 100-prozentig vom Programm der Mutterpartei überzeugt. Bei der Frage nach den Unterschieden zu den anderen Parteien musste der eine oder andere doch erstmal überlegen, bevor man sich auf Schul- und Flughafenpolitik als kontroverse Themen einigte. Nach 130 Minuten erhitzter Diskussion schließlich war die „Sendezeit“ zu Ende.
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(DER WEG, September 1994):
„Am Ende eine ganze Menge zu erzählen“
„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen“, sagt ein bekanntes Sprichwort. 40 Jugendliche im Alter von 13 bis 16, fünf Mitarbeiter und zwei Kochfrauen machten sich in der zweiten Hälfte der Sommerferien auf nach Schweden – und alle hatten eine ganze Menge (und fast nur Gutes) zu erzählen.
Nach Björkans – 30 Kilometer von Falun und 1500 Kilometer von Mülheim entfernt – ging die Reise. Von Anfang an waren die Bedingungen für eine gelungene Freizeit ideal: Der wärmste Juli seit einhundert Jahren, eine Super-Landschaft und ein weitläufiges Gelände.
Fehlte nur noch ein gutes Programm. Und dafür sorgten die Mitarbeiter. Nach dem allmorgendlichen Frühstück folgten die Bibelarbeit, die in den beiden Wochen über das „Vater Unser“ ging, und die Workshops, in denen man die Wahl zwischen „Sport“ und „Ten Sing“ hatte.
Bei den Nachmittags- und Abendprogrammen gab es eine Menge an Höhepunkten. In der Mitte der Freizeit, dem sogenannten Bergfest, verwandelten sich alle Teilnehmer in Trolle und mussten bestimmte Aufgaben erfüllen. Am Theatertag führten die „Nachwuchsschauspieler“ in mehreren Gruppen eine erfundene Geschichte auf. Auch das Fußballspiel war „top“, obwohl die Freizeitgruppe beim 3:12 gegen ein einheimisches Team eher eine kostenlose Lehrstunde bekam.
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(DER WEG, 7.5.1995):
„Seid tolerant und zieht Euch nicht zurück“
Popmusik, Jugendzeitschriften, Sport, Computer – all das interessiert die Jugendlichen von heute. Wird da ein so ernstes Thema wie der 2. Weltkrieg überhaupt in das Programm eines kirchlichen Treffpunktes für 14- bis 17-Jährige passen? Der „Teenclub“ der Gemeinde Broich in Mülheim/Ruhr hat drei Zeitzeugen eingeladen, um von ihren Erlebnissen aus der Zeit zwischen 1939 und 1945 zu berichten: Margit Unger, Edwin Gansauge und Karl-Heinz Buchloh, alle drei im Rentenalter und vor 50 Jahren so alt wie die Teenies heute.
Anfangs sind die Jugendlichen noch zurückhaltend, so als ob sie mit dem Thema wenig anzufangen wissen. Fotos gehen durch die Reihen, sie dokumentieren den Weg vom Pimpf zum Flakhelfer. Kindheit und Jugend im Dritten Reich sind geprägt durch die nationalsozialistische Jugendarbeit im BDM (Bund deutscher Mädchen) und in der HJ (Hitlerjugend), durch Bombennächte und Evakuierung, durch Arbeitsdienst und Fronteinsatz.
Aus einem Tagebuch können die Jugendlichen die Zeit in einem Lager der Kinderlandverschickung selber rekonstruieren. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen ist alles bis ins kleinste Detail geregelt gewesen. „Aber daraus den Schluss zu ziehen, wir hätten keinen Spaß gehabt, ist falsch“, sagt Edwin Gansauge. Karl-Heinz Buchloh erzählt, wie sie als 12- bis 14-jährige die Vorschriften trickreich umgangen haben: Ein heimlicher Kurierdienst schmuggelte nachts Briefe unzensiert an der Lagerleitung vorbei. Beim Basteln am Volksempfänger habe man immer auf der Hut sein müssen: Glen Miller hören, war bei Strafe verboten.
Die Jugendlichen tauen von Minute zu Minute auf, kommen ins Gespräch mit ihren Gästen. „Es ist schon ein Unterschied, ob man nur ein Geschichtsbuch liest oder Geschichte von Leuten erzählt bekommt, die sie selbst erlebt haben“, meint die 15-jährige Simone. Die meisten sind sich einig: Auch zu Hause und in der Schule werde zu wenig über diese Zeit gesprochen.
Welche Bedeutung Geschichte in Form von Geschichten für die Jugendlichen hat, spricht der 14-jährige Tim an: „Wenn im Fernsehen ein Horrorfilm läuft, dann erschrecke ich nicht. Beim Film „Schindlers Liste“ jedoch bin ich richtig betroffen gewesen, weil ich weiß, dass diese Geschichte wahr ist.“
Ob man denn heute etwas tun könne, damit sich die grausame Vergangenheit nicht wiederhole, fragen die Jugendlichen. Margit Unger antwortet: „Seid nicht gleichgültig, haltet die Augen und Ohren offen, sagt eure Meinung, wenn ihr mit irgend etwas nicht einverstanden seid. Seid tolerant und zieht euch nicht zurück.“
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(UNSERE GEMEINDE+DER WEG, 24.09.1996):
„Won´t forget these days“
Zu viele Mücken, überhöhte Preise, schlechtes Wetter – Vorurteile über Finnland, das Land der 1000 Seen. Im August konnten 31 Jugendliche und sieben Mitarbeiter selbst prüfen, ob diese Aussagen richtig oder falsch sind – auf einer Jugendfreizeit für 15- bis 18-Jährige.
Nach Ruovesi in Finnland, 250 Kilometer von der Hauptstadt Helsinki entfernt, ging die Reise. Schon auf der Hinfahrt wurde klar, dass für die Freizeit auch das Stichwort „Abenteuerurlaub“ zutraf: Zwei Tage Fahrt, davon 14 Stunden auf zwei Fähren (Dänemark/Schweden und Schweden/Finnland) mit einem vierstündigen Aufenthalt in Stockholm.
Abenteuerlich auch die Unterkunft: Auf engstem Raum wohnten 38 Personen zusammen. Das Haus grenzte sowohl an einen Wald als auch an zwei Seen.
Dazu kam ein tolles Programm mit drei Tagestouren. Zuerst ging es nach Tampere, der zweitgrößten finnischen Stadt. Es folgten Mülheims Partnerstadt Kuusankoski – mit Empfang beim Oberstadtdirektor – und die Hauptstadt Helsinki. Für einen Großteil der Gruppe war zudem eine zweitägige Kanutour mitten durch die unberührte Landschaft angesagt – Abenteuer pur.
In den täglichen Bibelarbeiten ging es um sehr persönliche Themen wie „Sinn des Lebens“, „Leben nach dem Tod“, „Gab es die Auferstehung wirklich?“ – nicht selten wurde nach dem Ende stundenlang weiter diskutiert. Daneben gab es ein abwechslungsreiches Programm. Auch das Wetter trug zur guten Stimmung bei. Die Tagestemperaturen lagen fast immer bei 25 Grad.
Lediglich zwei Wermutstropfen gab es: Verseuchtes Wasser sorgte dafür, dass drei Viertel der Freizeitteilnehmer zwei Tage lang krank im Bett lagen. Störend waren auch die Mücken: Die Mindestzahl der Stiche lag (wirklich) bei 40!
Dem positiven Gesamteindruck der Freizeit konnten diese Vorkommnisse aber nicht schaden. Für diese 18 Tage – keiner wollte nach der zweitägigen Rückfahrt sofort nach Hause – blieben nur positive Stichworte in Erinnerung: viel Sonne, heiße Diskussionen, interessante Tagesausflüge, gutes Essen, tolle Stimmung in einer Super-Freizeitgruppe, Klasse-Mitarbeiter und eine ganze Menge Spaß.
Das Lieblingslied der gesamten Freizeit fasst die Eindrücke am Besten zusammen. Es heißt „Won´t forget these days!“
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(UNSERE GEMEINDE+DER WEG, 11.9.1997):
„Eine Insel mit viel Grün“
Im Bus endlose Stunden an Bergen und Tälern, Bächen und Seen, malerischen Schlössern sowie Herden von Kühen und Schafen vorbeifahren. Das ist Irland. Durch ein kleines Dorf wandern, sich über den bescheidenen Lebensstandard der Iren wundern und sich über die Herzlichkeit der Einheimischen gegenüber Fremden freuen. Das ist Irland. Drei Tage hintereinander Dauerregen ertragen und sich einen Tag später in Bikini oder Badehose auf der Wiese sonnen. Auch das ist Irland.
Einen Eindruck von der wunderschönen Grünen Insel konnten sich 35 junge Erwachsene im Alter von 16 bis 19 Jahren machen. Sie fuhren im Sommer zwei Wochen nach Cork, die zweitgrößte irische Stadt. Pfarrer Klaus Rosorius und vier Mitarbeiter stellten ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine: Tagesausflüge (unter anderem in die Hauptstadt Dublin, zum berühmten Blarney Castle und der wunderbaren Landschaftsstrecke „Ring of Kerry), sportliche Aktivitäten und einen Theaterabend. Und was wäre Irland ohne Whisky-Test? Vier „Vorkoster“ machten in einer Brennerei die Probe aufs Exempel. Irisch, schottisch, amerikanisch – welcher schmeckt am besten?
Aber auch Gespräche über Gott und den Glauben kamen nicht zu kurz. Jeder Tag begann mit einer Andacht und klang mit Gedanken zum Tag aus. In den Bibelarbeiten ging es um persönliche Standpunkte und Antworten auf die Frage: Wie lebe ich als Christ im Alltag? Um den richtigen Standpunkt zur rechten Zeit ging es außerdem, wer ein Naturschauspiel besonderer Art beobachten wollte. Die Steilküste am Old Head of Kinsale bot den besten Blick auf den Atlantik, den endlos scheinenden Horizont und die sich im Wasser spiegelnde untergehende Sonne. Auch das war Irland.
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Diese Seite wurde erstellt am 23.1.2002.
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