POLITIK UND KULTUR
meinungen in der anfangsphase
dieser homepage (2002 / 2003 / 2004)
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Andi 1988

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Einleitung

Die Weiterbildung spielt in meinem Leben eine große Rolle. Schließlich habe ich zahlreiche Zeitungen im Abo (WAZ, taz, TITANIC, Konkret, Kicker, SPIEGEL) und verbringe täglich mindestens zwei Stunden mit dem Stöbern in den Blättern dieser Welt und mit dem Schauen diverser Nachrichtensendungen.
Meine Einstellungen verdeutliche ich Euch am Besten mit einigen Texten meiner Lieblingsautoren und weiteren Worten!
Der sehr langen Erklärung und Erläuterung des Neoliberalismus stimme ich nicht vorbehaltlos, aber doch in weiten Teilen zu.

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Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an
Und der Arme sagte bleich:
"Wär ich nicht arm, wärst Du
nicht reich"
(Bertolt Brecht, Kindervers)


EIN FUSSBALL-LESEABEND:

Thomas Ernst meets Thomas Ernst

„WIR WAREN DIE NUMMER 2. EIN FUSSBALL-LESEABEND“

Zweimal Thomas Ernst

Der Hintergrund

Im Juni 1999 leben in Bochum zufällig zwei Personen, die den Namen Thomas Ernst tragen: Der eine ist der Fußball-Bundesliga-Torwart des VfL Bochum, der andere ist Autor und leitet das studentische KulturCafé an der Ruhr-Uni Bochum (und ist ein ehemaliger Amateurtorwart). Im Rahmen der monatlichen Lesereihe Fundstücke lesen die beiden zweieinhalb Stunden vor zweihundert begeisterten Fußball- und Literaturfans literarische Texte zum Thema „Fußball – Gott ist rund“ vor. Der WDR freut sich: „Sport und Kultur – es wächst zusammen, was nie zusammen gehört hat!“ und auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung ist entzückt: „Ernst und Ernst, ein mal nachdenkliches, mal juxiges, aber nie verkrampftes Doppel, erzeugte gute Stimmung und provozierte Applaus.“

Seither sind sechs Jahre vergangen: Der Fußballer hat über den VfB Stuttgart den Weg zum 1. FC Kaiserslautern gefunden, der Autor ist über die Stationen Köln und Brüssel in Trier gelandet, wo er eine Dissertation zum Thema Subversive Konzepte in der Gegenwartsliteratur schreibt. Bei einem Testspiel des 1. FCK in Trier treffen sich die beiden wieder und entscheiden: Die erste Lesung darf nicht die letzte gewesen sein! Deshalb gehen Thomas Ernst und Thomas Ernst im April und Mai 2005 unter dem Motto „Wir waren die Nummer 2. Ein Fußball-Leseabend“ auf eine kleine Lesetour, die sie durch Kaiserslautern, Trier, Mainz, Wiesbaden und Ludwigshafen führen wird.

Der Abend

Thomas Ernst und Thomas Ernst gehen auf eine Entdeckungsreise durch das Universum der Fußball-Literatur, -Geschichten und -Anekdoten. Neben eigenen Texten und Gesprächen über die Wettlust von Sportlern, das Thema ´Doping` und das Verhältnis von Fußball und Sexualität gibt es einige Literaturempfehlungen und -collagen: Die Anekdotensammlungen von Eckhard Henscheid und Ror Wolf, Glossen von Christoph Biermann, Jürgen Roth und Gerd Dembowski, Auszüge aus ´großen Werken` der Fußball-Literatur wie Toni Schumachers Anpfiff und F.C. Delius´ Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde. Das Programm dauert etwa zweimal eine Stunde mit einer viertelstündigen Pause und bietet ein literarisches Patchwork jener Inhalte, die in der üblichen 1:0-Berichterstattung des Fußball- und Medienbetriebs nicht auftauchen.

Die Personen

Thomas Ernst, *1967, Fußball-Torwart beim FV Biebrich, Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt, VfL Bochum, VfB Stuttgart und zurzeit beim 1. FC Kaiserlautern; insgesamt 18 Jahre in der Fußball-Bundesliga aktiv, dabei bislang 92 Bundesliga-Spiele, ca. 300 Spiele auf der Ersatzbank, zweitältester aktiver Bundesliga-Profi und aktuell notenbester Bundesliga-Torwart (lt. Fachmagazin Kicker). Wird im Team ´de Vadder` genannt, weil er der Vater einiger Mitspieler sein könnte. Lebt zurzeit in Mehlingen bei Kaiserslautern mit seiner Frau Kerstin Pohlmann-Ernst, die mit dem FSV Frankfurt Deutsche Fußball-Meisterin wurde, und Sohn Tjark (2).

Thomas Ernst, *1974, fußballerisch aktiv von der Kreisliga bis zur Landesliga für den TSV Broich 85, VfB Speldorf, SV Raadt, Blau-Weiß Mintard, in zahlreichen Uni- und Hobbyteams und zurzeit beim SV Viktoria Wasserliesch-Oberbillig; veröffentlichte die Bücher Popliteratur (2001) und Wissenschaft und Macht (2004) sowie zahlreiche literarische Texte und Aufsätze zur Gegenwartsliteratur, die New York Times erklärte ihn 2004 zum „expert on contemporary German literature“. Gestaltete Leseperformances in England, Wales, Belgien und in Deutschland von Hamburg bis Konstanz, von Berlin bis zum Ruhrgebiet. Lebte im Ruhrgebiet, Köln, Berlin und Brüssel. Weitere Informationen unter www.thomasernst.net.

Pressestimmen zur Lesung von 1999

„Sport und Kultur – es wächst zusammen, was nie zusammen gehört hat. (…) Zwei Personen unter einem Namen präsentieren Fußballgeschichten aus dem Leben, (…) keine bierernste Angelegenheit.“
[WDR, 1999]

„(…) Am Dienstag Abend tauschte VfL-Keeper Thomas Ernst die Rollen und las vor. Ein beachtliches Talent. (…) ´Fußball – Gott ist rund` war das Hauptthema im KulturCafé der Ruhruni. Initiator Thomas Ernst, ein ehemaliger hoffnungsvoller Ballfänger aus Mülheim, hatte keine Mühe, seinen prominenten Namensvetter für dieses Vorhaben zu gewinnen. Ernst und Ernst, ein mal nachdenkliches, mal juxiges, aber nie verkrampftes Doppel, erzeugte gute Stimmung und provozierte Applaus. Rasch legte sich die Aufregung des Fußball-Profis, das Ersatz-Trikot, pardon T-Shirt, konnte im Rucksack bleiben. Der Streifzug durch die literarisch-humoristische Balltreter-Welt umfasste Texte der hessischen Altmeister Eckhard Henscheid und Ror Wolf ebenso wie das vom Bochumer Autor Christoph Biermann notierte Interview mit dem ´letzten ehrlichen Profi`. (…)“ [Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 1999]

„Das Kulturcafé war prall gefüllt. (…) Thomas Ernst und Thomas Ernst wussten das gut gelaunte Publikum dann auch vortrefflich zu unterhalten (…) und waren gute, leicht hintergründige Entertainer. (…) Wirklich sehr kurzweilig!“
[Fanclub Commando Bochum auf: www.commando-bochum.de/aktion/ernst.htm, 1999]

Die Termine:
13.4. (Mi.) Kaiserslautern - Kammgarn
18.4. (Mo.) Ludwigshafen - Das Haus
26.4. (Di.) Wiesbaden - Alter Schlachthof
9.5. (Mo.) Mainz - Hafeneck
10.5. (Di.) Trier - Tuchfabrik

Die beiden trugen auch Texte dieser Homepage vor. Mehr dazu im Zeitungsartikel der "Rheinpfalz". Klickt HIER!

Rezensionen

27. April 2004 - Wiesbadener Kurier - Im Fußball findet sich eine ganze Menge Welt (von Felix Hooß)

Wie zwei Kicker gleichen Namens im Schlachthof ein Spitzenspiel vor ausverkauftem Haus lieferten / Leseabend: "Wir waren die Nummer 2"

Es war ein Spitzenspiel vor ausverkauftem Haus: Viele Fans hatten nur noch Stehplätze ergattern können, das Publikum im "60/40" am Wiesbadener Schlachthof war von der Leistung der Protagonisten am Ende so begeistert, dass es die beiden nach 160 Minuten sogar noch in die Verlängerung schickte. Thomas Ernst und Thomas Ernst - ein kongeniales Duo, das sich verbal auf der Bühne die Bälle zuspielte - das war der Eindruck, den die beiden Namensvetter beim Heimspiel in der Geburtsstadt des Wiesbadeners Thomas Ernst hinterließen.
"Zu Hause ist es natürlich schon etwas anderes, da steht man mehr unter Druck", bekannte der gebürtige Biebricher (37), der in einem Hinterhof in der Mainstraße mit dem Fußballspielen begann und nach den Stationen Biebrich 02, Eintracht Frankfurt, dem VfL Bochum und dem VfB Stuttgart heute als Bundesliga-Torhüter des 1. FC Kaiserslautern jedem Fußball-Fan ein Begriff ist. "Wir waren die Nummer 2 - ein Fußball-Leseabend" heißt das Programm, mit dem die beiden Thomas Ernsts momentan fünf deutsche Städte bereisen, Termine in Mainz und Trier werden nach dem Gastspiel in Wiesbaden den Abschluss der Reihe bilden.
Angefangen hat alles im Juni 1999, als der Profi-Fußballer Thomas Ernst und der Autor Thomas Ernst beide in Bochum lebten und einander im Kulturcafé der Bochumer Uni vorgestellt wurden. "Irgendjemand kam auf die Idee: Macht doch mal was zusammen", erinnert sich der Kicker. Vor begeisterten Fußball- und Literaturfans gaben die beiden damals mit "Fußball - Gott ist rund" ihr gemeinsames Lese-Debüt, nun folgt endlich die Verlängerung. Zunächst beleuchteten die Ernsts das Leben des Fußballers Thomas Ernst abseits des Fußballs und die Karriere des Literaten Thomas Ernst auf dem Fußballplatz. So erfuhr die gebannte Zuhörerschaft, dass der Biebricher, der sein Abitur auf der Friedrich-List-Schule machte, Deutsch früher gerne als seine "erste Fremdsprache" bezeichnete und der Autor (30), gebürtiger Mühlheimer, es auch als Torwart immerhin bis in die Landesliga schaffte. Wenngleich sein früherer Trainer heute über ihn sagt: "Auf der Linie war Thomas überragend, im Herauslaufen praktisch nicht vorhanden."
Im weiteren Spielverlauf griff das Duo, nach einer viertelstündigen Halbzeitpause verstärkt durch den Frankfurter Fußball-Literaten Jürgen Roth, tief in die Schatzkiste, die der Rasensport an Zitaten und Anekdoten zu bieten hat. So lasen Ernst und Ernst Auszüge aus Ronald Rengs "Aus dem Leben eines Traumhüters" - einer wahren Geschichte über den Torsteher Lars Leese, der es aus dem Westerwald zum englischen FC Barnsley geschafft hatte und seine Eindrücke von einem Auswärtssieg beim großen FC Liverpool an der Anfield Road schilderte. Der Fußballer Thomas Ernst schlüpfte hierbei in die Rolle des Torhüters, später las er Zitate seines Kollegen Oliver Kahn ("Wenn´s ******* läuft, läuft´s *******") und stellte verschmitzt fest: "Es war toll, mal in seine Rolle zu schlüpfen."
Getreu dem Motto des Autors Ror Wolf, "Im Fußball findet sich eine ganze Menge Welt" betraten Ernst und Ernst auch Grenzbereiche wie "Fußballsport als Geschehen subtiler Erotik".
Das Saisonziel des Autors und Fußballfans Thomas Ernst, "Fußball und Kunst" mit der fruchtbaren Zusammenarbeit näher zusammenzurücken, ging auf. Und über den Teamkollegen befand er schließlich: "Thomas hat gezeigt, dass er nicht nur am Ball ein ganz Großer ist."

... und noch mehr ...

"Der Bundesliga-Torhüter des 1. FC Kaiserslautern und der Autor unternahmen eine sehr kurzweilige Reise in die literarische Welt des Fußballs. Wobei auch Persönliches nicht zu kurz kam." [Die Rheinpfalz, Kaiserslautern, 14.4.2005]

"(…) Eine Lesung von und mit Thomas Ernst. Das ist auch ungewöhnlich. "Aber es macht unheimlich viel Spaß, es ist eine Abwechslung", meint die Nummer 1 des FCK. (…) Die Anfangsnervosität legte sich schnell, auch weil dem "literarischen Amateur" ein Profi des geschriebenen und auf der Bühne gesprochenen Wortes zur Seite stand - der gebürtige Mülheimer Thomas Ernst (30). (…) Thomas Ernst, am Sonntag ein Garant des 2:0-Erfolgs des FCK in Bielefeld, sah viele Parallelen zu seinem Berufsalltag. Das Publikum beispielsweise, aber schon bei An-und Abpfiff ging nichts mehr den gewohnten Gang. Der Torhüter durfte sich aussuchen, welche der von dem Kreisklasse-Mittelfeld-Kicker ausgewählten Texte - von den immer wieder gerne zitierten Fußballer-Weisheiten bis hin zu Auszügen aus Fußballromanen - er lesen wollte. Auf einer Leinwand untermauerten von dem am PC sitzenden Autor ausgewählte Bilder die Texte. Fußball und Sexualität war einer der Themenkreise, der zu Sprache kam - von Kahns "Eiern" bis hin zu "Hrubesch, selbst eine phallische Gesamterscheinung", der gesagt habe "drin ist drin". Tiefgründiger war es da schon, das Thema Homosexualität im Fußball zu streifen und die heterogene Fassade in der Fußball-Männer-Welt in Frage zu stellen. FCK-Fan Johannes Stender rundete den kurzweiligen Abend mit rekordverdächtiger Verlängerung mit einem Gast-Beitrag ab." [Die Rheinpfalz, Sport, 15.4.2005]

"FCK-Torwart Thomas Ernst (37) wagt sich auf literarisches Parkett. Mit dem Bochum-Fan und Literaturwissenschaftler Thomas Ernst (31) startete der Profi im Lauterer Kulturzentrum Kammgarn eine Reihe gemeinsamer Leseabende. Der Auftakt verlief nicht ganz glatt. Während einer Passage über Uli Borowka (42) las Keeper Ernst: "… dessen Leber eine tragische Wendung nahm." Ausnahmsweise ein Torwartfehler, der sich ausbügeln ließ. Ernst korrigierte: Statt "Leber" sollte es "Leben" heißen." [Kicker Sportmagazin, Thiemo Müller, 18.4.2005]

"Zum ersten Mal haben wir auf dem Titel ein Spielerfoto. Aber unserer Meinung nach hat es Thomas Ernst auch verdient. Nicht nur, dass er seit dem Ausfall von Tim Wiese sicher im Kasten steht und ein Rückhalt für die Mannschaft ist und damit sicherlich zur bisher guten Rückrunde mit beigetragen hat, nein, auch als Mensch ist er einer der Spieler, der sich aus der Masse heraushebt. (…) Auch wollen wir hier auf die Leseabende mit Thomas Ernst, dem Fußballer, und Thomas Ernst, dem Autor, hinweisen." [Weiß der Teufel, FCK-Fanzine, Johannes Stender, April 2005, Heft 6]

"Ich freu mich darauf, das [gemeinsame Fußball-Lesungen mit Thomas Ernst] hier in der Gegend mal wieder zu machen. Das ist eine sehr interessante Sache, mal etwas anderes außerhalb des Fußballs kennen zu lernen. Ich war auch sofort Feuer und Flamme (…). Es geht zwar um Fußball, aber es ist dennoch ein ganz anderes Metier. Oben zu sitzen, einfach mal von einem Blatt abzulesen und auf einem anderen Weg die Zuschauer zu unterhalten. Es macht Spaß und ich freue mich schon darauf." [Weiß der Teufel, FCK-Fanzine, Thomas Ernst im Interview mit Johannes Stender, April 2005, Heft 6]

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NEIN ZUM KRIEG IM IRAK:

Lange genug habe ich an dieser Stelle geschwiegen, aber nun ist es Zeit, Stellung zu beziehen!

Ich tue dies mit einem Brief, den Michael Moore (der Autor von "Stupid white men") vor Beginn des Irak-Kriegs an George W. Bush geschrieben hat!

George W. Bush
1600 Pennsylvania Ave.
Washington, DC

Sehr geehrter Präsident Bush:

Heute ist also wie du es nennst, der "Moment der Wahrheit", "der Tag an dem Frankreich & der Rest der Welt ihre Karten auf den Tisch legen sollen." Ich bin froh dass dieser Tag endlich gekommen ist, denn ich muss dir sagen, nachdem ich 440 Tage unter deinem Kommando und mit all deinen Lügen überlebt habe, war ich nicht sicher ob ich noch mehr ertragen kann.
Heute ist endlich der Tag der Wahrheit und das macht mich glücklich, denn ich hab hier ein paar Wahrheiten, die ich gerne mit dir teilen würde:
1. Es gibt praktisch NIEMANDEN in Amerika (von ein paar Radio-Propaganda-Nasen und den FOX-News mal abgesehen), der in den Krieg ziehen will. Das kannst du mir glauben. Geh aus deinem Weißen Haus und in irgendeine Straße in Amerika und versuche fünf Leute zu finden die unbedingt und leidenschaftlich irgendwelche Iraker töten wollen. DU WIRST SIE NICHT FINDEN. Warum? Weil NOCH NIE ein einziger Iraker hier her kam und irgendjemand von uns getötet hat! Kein Iraker hat jemals damit gedroht, dies zu tun. Du siehst, so denken wir einfachen Amerikaner: bevor nicht irgend jemand als direkte Gefahr für unser Leben wahrgenommen wird, wollen wir auch niemanden töten. Lustig, wie einfach das ist?!
2. Die Mehrheit der Amerikaner - die, die dich nicht gewählt haben - lassen sich von deinen Waffen und deiner Irreführung nicht verwirren. Wir kennen die wahren Umstände. Dinge, die unser tägliches Leben betreffen - und nichts davon beginnt mit einem I oder hört mit einem K auf. Und das bedroht uns wirklich: Zweieinhalb Millionen verloren gegangene Arbeitsplätze seit deines Amtsantritts, der freie Markt hat sich zu einem Witz entwickelt, niemand weiß mehr, ob er seine Rente bekommen wird, Benzin kostet fast 2 Dollar den Liter - und so weiter, und so weiter. Das Bombardement des Irak lässt all diese Probleme nicht verschwinden. Nur du musst verschwinden, um die Lage zu verbessern.
3. Wie Bill Maher (Moderator der TV-Show REAL TIME - Anm. d. Ü.) letzte Woche schon anmerkte: was willst du noch alles falsch machen, um bei einem Popularitätswettbewerb gegen Saddam Hussein zu verlieren? Die ganze Welt ist gegen dich, zähl deine amerikanischen Mitbürger dazu.
4. Der Papst hat gesagt dass dieser Krieg falsch ist, dass es eine SÜNDE ist. Der Papst! Und schlimmer noch, die Dixie Chicks (eine sehr populäre amerikanische Frauen-Countryband-Anm.d.Ü.) sind jetzt auch gegen dich! Wie schlimm muss es noch werden, bevor du begreifst dass du eine Ein-Mann-Armee bist in diesem Krieg? Natürlich musst du diesen Krieg nicht persönlich kämpfen. Genau wie damals, als du dich AWOL vor dem Kriegsdienst bewahrte, während ärmere Menschen als du an deiner Stelle nach Vietnam gingen. (AWOL - absent for 30 days or less, wer mehr als 30 Tage nicht einsatzfähig ist, muss an Militäraktionen der USA nicht teilnehmen. Auf diese Art entging George - wie übrigens viele Männer in seiner Regierung - dem Wehrdienst in Vietnam. Anm. d. Ü.)
5. Von den 535 Mitgliedern des amerikanischen Kongresses gibt es nur einen, (Senator Johnson aus South Dakota) der einen direkten Verwandten (Sohn oder Tochter) bei der amerikanischen Armee hat. Wenn du wirklich für Amerika stehen willst, schick doch deine beiden Zwillingstöchter rüber nach Kuwait und vergiss nicht, sie ihre Schutzanzüge anziehen zu lassen! Und wenn wir schon dabei sind, lass doch jedes Kongressmitglied, das ein Kind im wehrfähigen Alter hat, dieses Kind deinem Waffengang opfern. Was sagst du dazu? LIEBER NICHT, sagst du? Nun, genauso denken wir anderen Amerikaner auch.
6. Zu guter letzt: wir lieben Frankreich. Ja, sie haben des Öfteren kolossalen Mist gebaut. Ja, einige von ihnen können ganz schön nerven. Aber hast du vergessen, dass es dieses Land, genannt Amerika, ohne Frankreich gar nicht geben würde? Was, wenn sie uns in den Revolutionskriegen nicht geholfen hätten, die sie für uns gewonnen haben? Was, wenn die weisesten Männer unserer Geschichte - Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, etc. - nicht lange Zeit in Paris verbracht hätten, wo sie unsere Unabhängigkeitserklärung und unsere Verfassung entwarfen und definierten? Frankreich gab uns die Freiheitsstatue, ein Franzose gründete Chevrolet und es waren zwei französische Brüder, die den Film erfanden! Und jetzt machen die Franzosen das, was wirklich gute Freunde tun müssen - sie sagen dir die Wahrheit über dich, direkt, keinen B.S. (Bullshit). Hör auf dich über die Franzosen aufzuregen und danke ihnen, dass sie das richtige getan haben! Weißt du, du hättest mehr reisen sollen (wie damals), bevor du dein Amt einnahmst. Deine Ignoranz hat dich nicht nur dumm aussehen lassen, sondern auch in eine Ecke gestellt, aus der nicht mehr herauskommen wirst.
Nun, Nun, lass uns Mut fassen - es GIBT auch gute Neuigkeiten. Wenn du mit diesem Krieg durchkommst (leider war dies schon einen Tag nach diesem Brief der Fall - Anm. d. Ü.), so wird er sehr sicher nicht lange dauern, denn ich denke es gibt nicht viele Iraker die ihr Leben für Saddam Hussein geben wollen. Nachdem du diesen Krieg "gewonnen" hast, wirst du eine Zeit lang sehr populär sein - alle lieben Sieger! Man sieht gern zu, wenn jemandem in den Arsch getreten wird (besonders wenn es ein Dritte-Welt-Arsch ist). Also gib dein Bestes und trage diesen Sieg bis zur Wahl nächstes Jahr vor dir her. Klar, das ist ne lange Zeit, also lasst uns fröhlich sein, während die Ökonomie unseres Landes immer mehr die Toilette runtergespült wird!
Aber hey, wer weiß - vielleicht findest du ja Osama ein paar Tage vor der Wahl! Versuch es so zu sehen! Halte die Hoffnung hoch! Töte die Iraker-sie haben UNSER ÖL!!
Dein Michael Moore

Ein weiterer im Internet gefundener Artikel zur Sache (auf der Homepage der "Ärzte" - zum ersten Mal kann ich mich mal auf sie berufen):

Die USA sind haben sich über den Willen der Mehrheit der Völker im Weltsicherheitsrat hinweggesetzt und den Krieg gegen den Irak begonnen. Ihre offiziellen Argumente sind:
"Saddam Hussein bedroht die Welt mit Massenvernichtungswaffen" und "Saddam Hussein ist ein Diktator, der sein Volk unterdrückt."
Für die erste Behauptung sind die amerikanischen Geheimdienste bisher - abgesehen von Satellitenbild-unterstützten Vermutungen und Blaupausen - handfeste Beweise schuldig geblieben, die zweite hingegen steht eindeutig fest. Ja, Saddam Hussein ist ein Diktator, der das irakische Volk brutal unterdrückt. Trotzdem haben die Vereinigten Staaten mit ihm in der Vergangenheit Geschäfte gemacht. Außerdem unterhalten bzw. unterhielten die USA sehr gute Beziehungen zu vielen Diktatoren (*1) - nur hielten die Amerikaner in diesen Fällen die in den jeweiligen Diktaturen verübten Menschenrechtsverletzungen offenbar für Kavaliersdelikte, sonst wären sie ja offensichtlich einmarschiert, um "PEACE AND DEMOCRACY" zu ermöglichen ...
Worum geht es also wirklich in diesem Krieg?
Es geht in erster Linie um die Ölreserven des Irak, um die Sicherung der Energiezufuhr für die USA - die größte und umweltfeindlichste Industrienation der Welt. (*2) Ein Land, was sich aus internationalen Verträgen über die Begrenzung der Umweltverschmutzung (dem Kyoto-Protokoll) gemogelt hat mit dem Argument, dass Umweltauflagen der amerikanischen Wirtschaft schaden (*3).
Natürlich kann auf dieser Website jetzt keine detaillierte Abhandlung über die USA und den Krieg entstehen, wir sind Rockmusiker und vereinfachen die Dinge drastisch. Wir unterstützen den Vorschlag der Anti-Kriegs-Bewegung, amerikanische Produkte zu boykottieren, und rufen euch auf, dasselbe zu tun.
Warum? Weil ein Krieg sehr teuer ist (*4) und die USA jeden Cent Steuereinnahmen gebrauchen können, um ihn zu führen.
Was kannst du tun?
Die offensichtliche Antwort auf den Krieg für Öl ist ein Boykott amerikanischer Mineralölkonzerne.
In Deutschland am verbreitetsten sind ESSO (Exxon) und MOBIL. (Dass es ökologisch am sinnvollsten ist, auf Bus, Bahn und Fahrrad auszuweichen, muss wohl nicht extra erwähnt werden.)
Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber je mehr Leute diesen ersten Schritt tun, desto deutlicher fällt die internationale Absage an einen unilateralen Krieg aus. Und jeder Cent, der in der Kriegskasse fehlt, macht sich irgendwann bemerkbar!
Also: keine Cola, keine Burger, kein Nike- und nicht bei ESSO und MOBIL tanken?
Ja.
Ist das nicht ein wenig naiv, zu glauben, dass man so den Krieg verhindern kann??
Er hat schon begonnen.
Ach so ...
Venceremos, eure
die ärzte
PS:
Die nächsten Kriegsziele der USA hat Präsident Bush schon längst bestimmt. Erinnert sich noch jemand an die Achse des Bösen? Nordkorea und der Iran stehen als nächstes auf der Liste.
Erhöhte Aufmerksamkeit und laute Empörung machen es den Kriegstreibern zumindest schwierig ihre wahren Ziele zu verschleiern.
1)
(nur eine Auswahl von Diktatoren die von den USA unterstützt und oftmals sogar selbst eingesetzt wurden):
General Jorge Rafael Videla, Präsident von ARGENTINIEN
Colonel Hugo Banzer, Präsident von BOLIVIEN
General Humberto Branco, Präsident von BRASLIEN
Sir Hassanal Bolkiah, der Sultan von BRUNEI
General Augusto Pinochet, Präsident von CHILE
Rafael Leonidas Trujillo, Präsident der DOMENIKANISCHEN REPUBLIK
Maximiliano Hernandez Martinez, General in EL SALVADOR
Alfredo Cristiani, Präsident von EL SALVADOR
Halie Selassie, Herrscher in ÄTHIOPIEN
General Sitiveni Rabuka, Kommandant der Streitkräfte auf den FIJI-INSELN
George Papadopoulos, Kanzler von GRIECHENLAND
General Efrain Rios Mont, Präsident von GUATEMALA
Vinicio Cerezo, Präsident von GUATEMALA
François und Jean Claude Duvalier, Lebenslange Präsidenten von HAITI
Roberto Suazo Cordova, Präsident von HONDURAS
General Suharto, Präsident von INDONESIA
Mohammad Reza Pahlevi, Shah von PERSIEN (Iran), "König der Könige"
General Samuel Doe, Präsident von LIBERIA
Hussein II, König von MAROKKO
Anastasio Somoza, Sr. And Jr., Präsidenten von NICARAGUA
Mohammed Zia Ul-Haq, Präsident von PAKISTAN
General Manuel Noriega, Kommandant der Stritkräfte, PANAMA
Alfredo Stroessner, lebenslanger Präsident von PARAGUAY
Ferdinand Marcos, Präsident der PHILIPPINEN
Ian Smith, Prime Minister of RHODESIA (heutiges Zimbabwe)
P. W. Botha, Präsident von SÜD AFRIKA
Park Chung Hee, Präsident von SÜD KOREA
Ngo Dinh Diem, Präsident von SÜD VIETNAM
Generalissimo Francisco Franco, Diktator in SPANIEN
Chiang Kai-Shek, Präsident von TAIWAN
Turgut Ozal, Prime Minister der TÜRKEI
Mobutu Sese Seko, Präsident von ZAIRE
2)
Die USA haben u.a. den höchsten Grad an Schadstoff- Emission pro Einwohner.
3)
Das ignorieren internationaler Verträge mit fadenscheinigen Argumenten hat natürlich Tradition: erinnert sei hier nur an die internationale Ächtung der Landminen (von den USA nicht ratifiziert "zum Schutz ihrer Soldaten in der DMZ zwischen Nord- und Südkorea") oder die Ablehnung, amerikanische Kriegsverbrecher vor einem internationalen Gerichtshof verurteilen zu lassen.
4)
Selbst für das reichste Land der Welt! Interessante Gründe für diesen immensen Reichtum findet ihr u.a. in "Profit over People, Neoliberalismus und globale Weltordnung" von Noam Chomsky, im Europa Verlag erschienen

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BUCH-TIPP DES MONATS FEBRUAR 2003:

Michael Moore: "Stupid white men" - eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush

Ein Hinweis für alle politisch Interessierten unter Euch: Kauft dieses Buch und lest es!

An dieser Stelle als Appetizer lediglich die Kurzbeschreibung vom Buchdeckel!
- Durchgeknallt!
Bananenrepublik USA: Im Weißen Haus sitzt ein "Präsident", der nie gewählt wurde, und regiert mit einer Junta aus Geschäftsfreunden seines Daddys, also "Baby Bush mit seiner Kamarilla". Die Lage der Nation ist entsprechend: Die Außenpolitik eine Serie von haarsträubenden Fehlentscheidungen, die Börse entpuppt sich als eine Spielwiese für Betrüger, viele Anleger sind ruiniert, die Wirtschaft auf Talfahrt.
Michael Moore, Filmemacher und Bestsellerautor, rechnet in dieser beißenden Satire gnadenlos ab mit den "Stupid white men" an der Spitze der USA. Eine Pflichtlektüre für alle, die immer noch an die "bedingungslose Solidarität" mit den USA glauben. In dieser Abrechnung voll boshaftem Witz zeigt Moore, was alles schief läuft in der einzig noch verbliebenen Weltmacht USA. Er schont dabei nichts und niemanden, zeigt die Schwächen des politischen Systems ebenso auf wie die Auswirkungen des ungebremsten Kapitalismus. Moore gelingt eine seltene Mischung aus knallhartem politischen Buch und witziger Satire, die niemanden gleichgültig lässt.
- "Moore ist ein Satiriker der Superlative; was er anpackt, wird zum Triumph" (STERN)
- "Der letzte Rebell Amerikas... Moore sagt die Wahrheit über die hässlichen Dinge, die im Bush-Amerika totgeschwiegen werden" (DER SPIEGEL)

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ZUR VERÄNDERTEN AUSRICHTUNG DER BAND "MIA." (12.3.2004 und 16.6.2004)
Quelle: "Jungle World", 21. Januar 2004 und "MIA IST ÜBEL"-Internetseite, 16. Juni 2004

ERGÄNZT AM 16.6.2004
In der Politik ist es schon lange en vogue, durch Entsorgung oder Verharmlosung der deutschen Vergangenheit die Deutschen der Gegenwart wieder zu einem tadellosen und duften Völkchen machen zu wollen. Dies ist in den letzten Jahren immer wieder (Walser, Möllemann u.a.) und zuletzt bei Martin Hohmann deutlich geworden. Dass es diese gar nicht allzu neue deutsche Euphorie auch in der Popmusik gibt, wissen hingegen viele nicht oder unterschätzen die Bedeutung. Auch die in den Studierendenprotesten oft vorgenommenen positiven Bezugnahmen auf (den Standort) Deutschland, stoßen kaum auf Widerstand. Jetzt sollen Mia im Rahmen des Uni-Streikprogramms auftreten.
Mia stehen als Paradebeispiel für einen Trend im deutschen Pop, der die nationale Identität wieder aufleben lassen will. Andi, der Gitarrist der Berliner "Elektropunk"-Band Mia, formuliert das folgendermaßen: "Es geht uns jetzt darum, die schwere Bedeutung der deutschen Farben neu zu belegen." Ähnliche 'Gedanken' finden sich in den Texten der Band (z.B. in 'Was es ist') und den Äußerungen ihrer Mitglieder zuhauf. Bei der letzten Loveparade machten Mia als schwarz-rot-gold verkleidete Marschkapelle den Anfang.
Überhaupt ist der 'Neuanfang' zentrales Thema für den nationalen Deutschpop: man fühlt sich endlich geläutert. Schließlich habe man ja die Vergangenheit gründlich aufgearbeitet, sei sich nun seiner besonderen Verantwortung bewusst und zu guter letzt ist man spätestens seit dem Engagement gegen den Irak-Krieg auf Seiten der 'guten Völker' angekommen. Dass es hierbei aber nicht in erster Linie um tatsächliche Ereignisse, sondern deren vorgestellte Konsequenz geht, wird deutlich: "Was offensichtlich das Schönste an diesem Krieg ist: dass man endlich wieder ungehemmt für Deutschland sein darf...", so der Betreiber des Labels, bei dem Mia unter Vertrag sind. Auf den Webseiten des neudeutschen Kunst-Projektes namens 'Angefangen', als dessen Teil sich Mia begreift, stellt man die Frage: "Was bedeutet es für Dich, deutsch zu sein"? "The Aim Of Design Is To Define Space", eine andere Berliner Band aus dem 'Angefangen'-Konsortium, antwortet frank und frei: "Bilden und Erziehen". So was haben wir doch schon mal gehört: Am deutschen Wesen...
Nicht, dass man seine nationale Identität mit falschen Inhalten füllen würde, ist hier das Problem, sondern dass man überhaupt auf die Idee kommt, Ungetüme wie ein nationales 'Bewusstsein' neu erschaffen zu wollen. So lässt denn auch die nicht gerade als deutschfeindlich zu bezeichnende Süddeutsche Zeitung kein gutes Haar an Mia und würde die 'modischen' Ergebnisse des aktuellen Deutschlandhypes am liebsten in der "Altkleidersammlung" sehen. Die zum halbamtlichen Regierungsorgan aufgestiegene taz hält das Ganze sogar für "saudämlich". Wenn es nur so harmlos wäre!
Andernorts hat man inzwischen Konsequenzen gezogen: So haben das Leipziger Kulturzentrum "Conne Island" sowie das Frankfurter "Cafe Exzess" Auftritte mit Bands wie Mia oder anderen zum 'Angefangen'-Projekt gehörenden KünstlerInnen abgesagt. Auch die hessischen Asten der Unis haben schnell Abstand von der ursprünglich in Frankfurt entstandenen Idee genommen, Mia zu einem Auftritt bei der bundesweiten Demo gegen Studiengebühren am 13.12.03 in die Main-Metropole einzuladen, nachdem bekannt geworden war, um welches Gedankengut Mia und Konsorten die Popkultur 'bereichern' wollen.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 28.10.2003
Auch wir sind "Made in Germany": In der deutschen Pop- und Subkultur wird die Nation wiederentdeckt.

„Ein Schluck vom schwarzen Kaffee macht mich wach / dein roter Mund berührt mich sacht / in diesem Augenblick es klickt / geht die gelbe Sonne auf.“
» Schwarzrotgold ist plötzlich in und überall zu sehen. «

Worum geht es in diesen Songzeilen der Berliner Hipster-Band Mia? Die Sängerin Mieze singt in dem Lied „Was es ist“ mal wieder von der Liebe.
Aber nicht von der zwischen zwei Menschen, Thema ist diesmal die Liebe zum Vaterland, und zwar zum schwarzrotgoldenen: „Fragt man mich jetzt woher ich komme / tu ich mir nicht mehr selber Leid / ich riskier was für die Liebe / ich fühle mich bereit.“
Vor ein paar Jahren noch nannte man diejenigen, die Frisuren wie Mieze trugen, Punks. Die schrieben sich jedoch meist andere Parolen auf ihre Jacken: „Nie wieder Deutschland!“ – oder „Deutschland verrecke!“ Und die Band Slime brüllte dazu: „Deutschland muss sterben, damit wir leben können!“
Doch die vaterlandslosen Zeiten scheinen nun vorbei zu sein: So vehement die Berliner Jugend in den letzten beiden Jahren noch die Mode der 80er Jahre nachahmte, so emphatisch huldigt sie heute der deutschen Nation oder zumindest deren Formen und Farben.
Schwarzrotgold ist plötzlich in und überall zu sehen. So trug der zwischen Bayern und New York pendelnde und weltweit gefeierte DJ Hell bei einem Auftritt in einem der halb legalen Berliner Clubs eine Bundeswehrmütze mit den Nationalfarben.
Unter seinen tanzenden Fans sah man junge Frauen, die schwarzrotgelbe Schweißbänder am Handgelenk trugen und sie begeistert in die Höhe reckten. Die Organe des Zeitgeistes griffen den Trend auf und verstärkten ihn: Auf dem aktuellen Cover der Berliner Stadtillustrierten Zitty trägt eine schöne blonde Frau einen schwarzrotgelben Pullover und ihr Hund kuschelt auf einem schwarzrotgelben Kissen.
Das neue Mode-Magazin Achtung präsentiert schmächtige Jungs in Bundeswehrhemden und eine Modestrecke mit Mitgliedern einer schlagenden Studentenverbindung. Ein anderes, ebenfalls neu auf den Markt gekommenes Lifestyle-Magazin hat sich konsequenterweise gleich Deutsch als Namen gewählt, und selbst die Zeitschrift Max, die den Trends sonst eher nachhinkt, surft auf der neuen Deutschland-Welle: Im aktuellen Heft zum Thema „Warum wir besser sind, als alle denken“ werden der „Selbsthass“ und die „deutsche Selbstverleugnung“ gegeißelt.
Steckt hinter der plötzlichen Affirmation des Nationalen eine subversive Strategie? So wie damals, als die Sex Pistols mit dem Hakenkreuz hantierten? Wohl eher nicht.
Die Hipster scheinen es ernst zu meinen, denn Schwarzrotgold provoziert heute kaum noch jemanden, es ist allgemeiner Kult. Wer sich nicht in Mia-Konzerte verirrt, der trifft spätestens im Kino, beim „Wunder von Bern“, auf die Deutschland-Renaissance.
Es scheint fast so, als ob die Berliner Szene diesmal dem Mainstream folgt: Denn die Bild-Zeitung streitet schließlich schon seit Jahren dafür, dass man sich „als Deutscher nicht mehr schämen muss“.
Doch wieso kommt es gerade jetzt zu einer selbst die Subkulturen mitreißenden Deutschlandbegeisterung? Manche vermuten, dass die Jugend – wie so oft – einfach nur den Vorbildern aus den USA folge. Der Patriotismus dort, die Ansteck-Flagge am Revers von Bush, fördere eine Reaktion hierzulande. Aus dem Stolz auf ein pazifistisches Alt-Europa entwickelte sich demnach der neue D-Stolz.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Ursachen für die nationale Begeisterung im eigenen Land liegen. Könnte es sein, dass sich die Bürger ihres Deutschseins genau in jenem Moment vergewissern müssen, da ihr Land die große Krise erlebt? – Wenn wir schon Pisa- oder Maastricht-Kriterien nicht einhalten können, sind wir selbst immerhin noch „Made in Germany“.
Oder beweisen die jüngeren Generationen, die nicht mehr mit den Symbolen der Fun-Gesellschaft spielen dürfen, durch ihr Interesse an der Heimat, dass auch sie in der neuen Ernsthaftigkeit angekommen sind – formal zumindest? So gesehen ginge es ihnen nicht mehr um Marken – sondern nur noch um die eine Marke: um Deutschland. Endlich scheint die Bitte von Roman Herzog erhört zu werden: Es geht ein Ruck durch Deutschland.
Und unsere deutschen Frauen sind eh Weltmeister.
Doch wohin geht der Ruck? War es nicht ein Fortschritt, als man in den vergangenen Jahrzehnten zu der Erkenntnis gekommen war, dass eine Nation – vereinfacht gesagt – nichts Essentielles oder Natürliches ist, sondern eine historisch gewachsene Konstruktion? Eine Konstruktion freilich, aus der sich reale Folgen ergeben, sobald die Konstruktion von den Menschen als real definiert wird.
Was bringt der Rekurs aufs Nationale außer Selbstbeschränkung und geistiger Enge? Auch die USA haben bei ihren ausländischen Bewunderern eher an Sexappeal und intellektuellem Glanz verloren, seitdem sie dem Patriotismus so vorbehalt- und maßlos frönen.
Beängstigend ist der Furor, mit dem allenthalben vorgetragen wird, dass man sich nun endlich nicht mehr schämen möchte. Doch wer und wann hat sich in den letzten Jahren noch dessen geschämt? Und wer befahl die Scham? Das Gefühl der Scham kann nur derjenige empfinden, für den das Nationale ein wichtiges Moment der Identifikation ist – darauf wies am vergangenen Wochenende der Historiker Wolfgang Benz bei einer Berliner Tagung über den deutschen Nationalstolz hin.
Wer sich aber in erster Linie nicht über seine nationale Herkunft, sondern eher über seinen Beruf, seine politischen Vorstellungen oder alltägliche Wünsche definiert, der konnte und kann mit seiner deutschen Staatsangehörigkeit problemlos leben. So auch Benz, dem es „herzlich egal“ ist, Deutscher zu sein. Schon im 19. Jahrhundert waren es – so Benz – das Gefühl des Zukurzgekommenseins und der Bedrohung, die einen rechten und militanten Nationalismus förderten und einer imperialistischen Kolonialpolitik den Weg ebneten.
Dass der derzeitige Deutschlandhype wieder in völkischer Politik endet, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn zumindest die Deutschtümelei in den Berliner Clubs und Magazinen könnte sich als bloße Modeerscheinung erweisen. Und wenn Mode politische Ideen zitiert, dann banalisiert sie diese gleichzeitig auch immer: Heute gibt es zwar Millionen von T-Shirts mit dem Antlitz von Che Guevara, doch kaum einer interessiert sich noch für dessen Ideale.
Wunderbar an den Moden ist aber auch, dass sie so plötzlich verschwinden, wie sie aufgetaucht sind: So wie die Jugend vielleicht schon nächstes Jahr nicht mehr die Lieder von Mia hören will, so könnte auch die übertriebene Nationalbegeisterung ganz schnell von einem neuen Desinteresse am Deutschen abgelöst werden. Spätestens dann, wenn es mit der Wirtschaft und den Löhnen wieder aufwärts geht und die Bundesbürger sich wieder Flüge ins Ausland leisten können.
Vielleicht wollen die Berliner Hipster nächstes Jahr ja plötzlich alle Schweden sein, und das Jahr darauf dann Polen – oder aber wieder einfach nur Teil von transnationalen Jugendbewegungen. Die schwarzrotgoldenen Miniröcke und die Bundeswehrhemdchen, die zur Zeit so gefragt sind, wird man dann jedenfalls selbst auf Flohmärkten nur schwer wieder los werden.
Dann landet die schwarzrotgoldene Lawine dort, wo sie hingehört: in der Altkleidersammlung.

DIE TAGESZEITUNG, 12.10.2003
Es ist, was es ist: saudämlich
Die Berliner Band Mia singt Deutschland ein schwarz-rot-goldenes Liebeslied

Schwachsinn ist man von der Berliner Band Mia einigen gewohnt: Das NDW-Plagiat ihrer letztjährigen Debüt-CD verkaufte sie medienwirksam als Elektropunk; in diesem Jahr eröffnete sie gemeinsam mit einer Blaskapelle die Love Parade und lief - als Plädoyer "für Liebe und nicht für materielle Befriedigung" - einmal um die Siegessäule herum. Grund genug eigentlich, die Band mit Aufmerksamkeit zu verschonen.
Mit ihrer neuesten Single verlieren Mia allerdings den Anspruch darauf, wegen eigener Dämlichkeit verschwiegen zu werden. "Was es ist" heißt der Song, für dessen Refrain man sich bei Erich Frieds gleichnamigem Gedicht bedient hat: "Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Was es ist, fragt der Verstand. Ich freu mich auf mein Leben, mache frische Spuren in den weißen Strand." Ein Liebeslied also, eine jugendlich-naive Klavierballade und im Grunde nicht weiter der Rede wert, wäre der weiße Strand nicht die deutsche Geschichte und würde die Liebeserklärung nicht Deutschland gelten. "Ein Schluck vom schwarzen Kaffee macht mich wach. Dein roter Mund berührt mich sacht. In diesem Augenblick, es klickt, geht die gelbe Sonne auf." Kaffee, Mund, Sonne - so unverschämt verbrämt sind einem die deutschen Nationalfarben noch selten untergejubelt worden.
Hand in Hand mit Martin Walser latschen Mia also den unberührten Strand entlang und, so trällert Sängerin Mieze weiter, "betreten neues deutsches Land". Einige Takte später jubiliert sie: "Fragt man mich jetzt, woher ich komme, tu ich mir nicht mehr selber Leid. Ich riskier was für die Liebe. Ich fühle mich bereit." Da möchte man sogar Pathoslyriker Fried in Schutz nehmen, der 1938 vor der Ermordung durch die Deutschen nach England fliehen musste und für solcherlei textliche Vereinnahmung nun wirklich nichts kann. Trotz neuer Melodie - es ist, was es ist: das alte Lied vom gesunden Nationalgefühl und dem Schlussstrich, der endlich mal gezogen gehört. Als ob mangelnder Patriotismus je ein Problem dieses Landes gewesen wäre.
Was zur plötzlichen Deutschland-Euphorie Mias führte, beschreibt Produzent Nhoah im Internet: "Dann kam der Irak-Krieg. Ich in Buenos Aires und stand als Deutscher mit einem Mal für den Frieden. Ein völlig neues Gefühl! Taxifahrer hoben die Daumen. Menschen schüttelten mir die Hände und bestärkten mich. ,Contra la guerra.' " Was offensichtlich das Schönste an diesem Krieg ist: dass man endlich wieder ungehemmt für Deutschland sein darf.
"Diese positive Motivation" ließ in Nhoah "die Idee wachsen, jetzt ,Angefangen' zu starten". Denn - o Graus - "Was es ist" ist nur der Soundtrack zur dazugehörigen Kampagne. Selbige wurde von Mia und ihrem Plattenlabel R.O.T. unter dem sinnstiftenden Namen "Angefangen" ins Leben gerufen, um eine Wertediskussion anzuregen. "Liebe, Respekt, Toleranz und Mut sind, obwohl sie Wahrheit darstellen, zu sinnlosen Worthülsen verkommen", klagen Mia unter www.angefangen.de. Um gleich im nächsten Satz auch noch den letzten Sinn aus diesen Hülsen herauszuradebrechen: "Liebe, Respekt, Toleranz und Mut sind die wahren Werte, durch die eine Gesellschaft wertvoll und gemeinschaftlich oder eigennützig und somit instabil und am Ende gefährlich wird." Ja, was denn nun: Wird eine Gesellschaft durch Mut gemeinschaftlich oder durch Liebe eigennützig? Und was hat das alles mit Deutschland zu tun?
Mia-Schlagzeuger Gunnar fühlt sich von all den sinnlosen Wort- jedenfalls zu noch sinnloseren Satzhülsen inspiriert: "Große Begriffe, ich habe sie nicht erfunden. Sie sind mir begegnet. Bei der Suche nach einem Leben, das ich gerne lebe. Es ist etwas, das ich nicht allein tun kann, diese Worte existieren nur, weil wir viele sind und sie bekommen keinen Sinn, wenn wir sie nicht zusammen erleben … Ich möchte etwas weitergeben, das ich mir vorstellen kann, damit wir beide heute darüber nachdenken, was morgen möglich ist."
Möglich ist - das zeigen Kampagne und Song - leider heute schon viel zu viel. Unklar bleibt allerdings, was derlei Geschwurbel nun konkret bedeutet. Auf die Frage, was an unserem Gesellschaftsleben zurzeit schwierig sei, entblödet sich Sängerin Mieze jedenfalls nicht, mit einem 20 Jahre alten Songzitat der Band Ideal zu antworten: "Alles dreht sich, alles dreht sich, ich ich ich ich." Klar, dass einem vor so viel Drehen ganz trieselig wird im Kopf, sodass man gar nicht mehr weiß, wo links und rechts ist, weil man überall Deutschland sieht. Ganz plemplem wird man von der ganzen Dreherei, sodass man auf die Frage, welches andere Leben man gern mal ausprobieren würde, schließlich antwortet: "Ich lebe erst mal dieses Abenteuer, bevor ich als singendes Aboriginemädchen, ausgerüstet mit Aboriginezauber, durch die Wüste ziehe." Arme Aborigines!
 

- Mit diesem Text fing alles an: Es geht um einen abgebrochenen Konzertauftritt von MIA. am 15. Januar 2004 in Berlin -
12.3.2004
Eier für Deutschland
Proteste gegen Mia
Bevor das Mia-Konzert richtig angefangen hatte, war es auch schon wieder vorbei. Gleich nach ihrem ersten Lied und einem Hagel aus Eiern und Tomaten brachen die Sängerin Mieze und ihre Bandkollegen den Auftritt ab, den Mia in der vergangenen Woche bei einem Solikonzert für die streikenden Studenten absolvieren wollte. Die dem Abbruch folgende, hilflose Ansage des verheulten und an der Nase blutenden Gitarristen der Popgruppe ging in »Nie wieder Deutschland«-Rufen unter. Transparente mit Aufschriften wie »Kein Lifestyle-Nationalismus« und »Deutschland halt’s Maul« zeigten, wie wenig Verständnis die meisten Menschen im Publikum für Mias positiven Bezug auf die deutsche Nation hatten.
Die nächste Band, Ginsengbonbons, distanzierte sich ausdrücklich von jeglicher Form des Nationalismus und fasste mit Blick auf die mit Eiern übersäte Bühne zusammen, was viele dachten: »Wer Scheiße sät, wird Scheiße ernten.«
Dabei hätte alles so schön werden können. Wollte die coole Elektropunkband Mia, die im vorigen Jahr zu Solikonzerten für die Hamburger Wagenburg Bambule und zur linksradikalen 1. Mai-Demo in Berlin angetreten war, doch mit einem Auftritt im Rahmen der Studierendenproteste erneut unter Beweis stellen, wie sehr sie die revoltierende Jugend unterstützt.
Wäre da nicht im vergangenen Oktober der plötzliche Sinneswandel der Band in Form einer EP mit dem Lied »Was es ist« gewesen. (Jungle World, 49 und 52/03) Fortan hieß es für Mia zwar immer noch, die Welt verbessern zu wollen, aber allem voran erstmal Deutschland. Die Band zeigte sich auf Fotos nur noch in Schwarz-Rot-Gold und gründete zu allem Überfluss auch noch ein Kunstprojekt mit dem Titel »Angefangen«, welches sich mit derselben Thematik beschäftigen sollte.
Die Konzertgruppe, die Mia zum Protest-Festival eingeladen hatte, wurde schon bald von verschiedenen Seiten auf die fragwürdigen Positionen der Band hingewiesen. Den Auftritt abzusagen, trauten sie sich jedoch nicht, da eine Klage wegen Vertragsbruchs befürchtet wurde. Am Vorabend des Konzerts kochten bei einer Podiumsdiskussion mit dem Mia-Label R.O.T. die Emotionen so hoch, dass abzusehen war, dass der Auftritt am folgenden Tag nicht ohne Zwischenfälle verlaufen würde. Vielleicht hätte Mia zu diesem Zeitpunkt von selbst darauf kommen können, das Konzert lieber abzusagen.
Doch die Band sieht sich als Teil einer popkulturellen Strömung, die sich bisher in der Linken zu Hause gefühlt hat. Dass gerade sie plötzlich eine neue Form von Lifestyle-Nationalismus propagiert und es sich zum erklärten Ziel macht, »die schwere Bedeutung der deutschen Farben neu zu belegen«, erzeugt bei Menschen, die in Mia bisher einen Teil linker Popkultur gesehen haben, besonders viel Unmut. Dass es auch anders geht, zeigen Bands wie Tocotronic, die auf ihrer Website klarstellen: »Wir lehnen Nationalismus, Deutschtümelei und Heimatverehrung ab und weigern uns, unsere Musik unter solche Begriffe subsumieren zu lassen.«
Die Diskussion um die politische Ausrichtung Mias geht nun wohl ihrem Ende entgegen. Mittlerweile haben einige linke Veranstalter Konzerte der Popgruppe abgesagt. Und mit dem erzwungenen Abbruch des Konzerts dürfte sich die linke Szene von Mia verabschiedet haben.

johannes radke

Anmerkung: Ich schließe mich der Haltung von Tocotronic an! Auch ich gebe zu, den Song "Was es ist" zu Beginn in meinen TOP 10 geführt zu haben, aber mit ein bisschen Nachdenken habe ich das schnell geändert. Mehr zu diesem Thema gibt es unter http://mitglied.lycos.de/miaistuebel/

Leserbrief von Daniel Nipshagen (16.6.2004)

Hallo Andreas,
ich finde es schon sehr traurig, wie du auf deiner Seite durch das (offensichtlich) unreflektierte Abdrucken und Nachplappern dieser "Mia sind ganz üble Nationalisten"-Agitation einen als "Links" getarnten Faschismus unterstützt. Mir scheint, die Band Mia propagiert in ihrer Musik nichts anderes als: "Steht auf, kriegt endlich einmal den Arsch hoch, bewegt etwas, hier und jetzt!" Und das ist, finde ich, in der allgemeinen Jammer-Stimmung, die in diesem Land seit einiger Zeit herrscht, keine so verwerfliche Botschaft. Traurig ist auch, dass die bloße Nennung der Farben "Schwarz-Rot-Gold" oder eines Begriffes wie "Nation" bei intelligenten, erwachsenen Menschen einen Pawlowschen Effekt auslöst. Ich muss dir ja sicher nicht erklären, dass die Farben der deutschen Flagge nicht von Hitler, der NSDAP oder ähnlich üblen Gestalten "erfunden" wurden, sondern der Revolution von 1848 entspringen, einem Ereignis, das man sicherlich eher mit "Demokratie" denn mit "Nationalismus" in Verbindung bringen kann.
Leider scheinen sich einige Antifaschisten auf einen üblen braunen Weg begeben zu haben: Vom Antifaschisten hin zum ANTI-Faschisten, der gegen alles und jeden ist, nur sich selbst und seine eigene Meinung toleriert und jeden Andersdenkenden gnadenlos plattmacht. Ein Song wie "Protest" vom neuen Mia-Album sollte da vielleicht als passendes Gegengift verstanden werden.
Mich würde, vor dem Hintergrund, dass du einen Link zu der "Mia ist übel"-Seite legst und gleichzeitig VfL-Fan bist, auch folgendes interessieren: Wie stehst du zu dem Schlachtruf "Alles außer Bochum ist Scheiße!"? Legitimiert diese offensichtlich vollkommen lokalpatriotische Aussage dazu, künftig alle Anhänger des VfL mit Eiern und anderen Dingen zu bewerfen?

Schöne Grüße vom VfL- und Miafan
Daniel

P.S. Nichts für ungut, aber seit ich vor kurzem nach Essen-Werden gefahren bin, um mir ein Konzert der Band beim dortigen Open-Air-Festival anzuschauen, und dann wieder unverrichteter Dinge nach Hause musste, weil ein paar spätpubertierende, besoffene, frustierte Kids die Band mit Gewalt an der Ausübung ihrer Kunst gehindert haben, ist das für mich ein Reizthema. Das hat doch etwas von moderner Bücherverbrennung, oder? Einer schreit und alle marschieren im Gleichschritt mit. Ich hoffe dieser Hype ist bald vorbei!

Meine - zugegeben - äußerst diplomatisch gehaltene Antwort (16.6.2004)

Hallo Daniel!

Danke für Deine beiden Gästebuch-Einträge und die Anregung zur Diskussion!
Du hast völlig Recht... den Text aus "Jungle World" habe ich tatsächlich auf meine Homepage gestellt, ohne großartig darüber nachzudenken. Ich habe die Seite "Mia ist übel" gefunden, grob überflogen und konnte die Argumente der Schreiber durchaus nachvollziehen. Da ich weiß, dass einige bis viele der Besucher meiner Seite (das sind zwar nicht viele, aber auch nicht wenige) meinen Musikgeschmack teilen, sollte der Text und der Link auf die Homepage ein Diskussionshinweis sein. Nicht mehr, nicht weniger. Das bedeutet also nicht, dass der komplette Inhalt der "Mia ist übel"-Seite zwingend meiner Meinung entspricht! Zum besseren Verständnis habe ich nun einen zweiten Text von der "Mia ist übel"-Seite online gestellt, der sich nicht mit einem abgesagten Konzerttermin befasst, sondern das Thema allgemeiner anpackt. Die in diesem Text zitierten Artikel aus der "SZ" und der "taz" stehen ebenfalls jetzt auf meiner Seite.
Etwas unfair finde ich, dass Du mich scheinbar auch zu diesen ANTI-Faschisten zählst, oder mich zumindest auf dem besten Weg dorthin siehst. Wenn Du meine Seite aufmerksam verfolgt hast, wirst Du festgestellt haben, dass ich keiner Diskussion oder Konfrontation aus dem Weg gehe, dass meine Meinung alles andere als oberflächlich ist und dass ich sehr wohl in der Lage bin, bessere Argumente zu akzeptieren - was ich oft auch von anderen wünschen würde.
Dass Du das in Verbindung zur VfL-Fankurve stellst, finde ich unangebracht und der Vergleich hinkt etwas. Selbstredend brauche ich Dir nicht zu sagen, dass ich die "Alles außer Bochum ist scheiße"-Rufe nicht mitbrülle, auch nicht toll finde und das auch jedem sage, der das nicht hören will.

Gruß
Andreas

- Dass irgendwelche Leute die Band mit Gewalt an der Ausübung der Konzerte hindern, finde ich natürlich auch alles andere als gut und die will ich auch nicht in Schutz nehmen... aber das hat nichts mit meiner persönlichen Meinung über Mia zu tun!
- Ich habe Deinen Eintrag und meine Mail-Antwort gesondert online gestellt - ich hoffe, mit Deinem Einverständnis. Vielleicht meldet sich ja noch jemand. Wer weiß!?!

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WIGLAF DROSTE
www.wiglafdroste.de
... auch bekannt als die „Hass-Maschine“. Wiglaf Droste, ehemaliger Redakteur der TITANIC, aktuell freier Journalist in Medien wie „taz“ und „Konkret“ sowie Buch-Autor toller Werke wie „Die Rolle der Frau“ oder „Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“, ist einfach phantastisch. Freitags gilt mein erster Blick nach dem Erwachen sofort Wiglafs Kolumne auf der taz-Seite „Die Wahrheit“. Sicher bin ich nicht mit allen seinen Texten einverstanden, aber das muss ja auch nicht sein. Sein Stil, seine Schreibe; das ist einfach großartig.
Aber bevor ich weitersülze, lasse ich Wiglaf sprechen!

Lesetipps zum "Googlen":

1) "Der Spiegel" Nr. 51 / 2004 - 13. Dezember 2004, "Ortstermin" mit Wiglaf Droste
2) "Tagesspiegel" vom 20. September 1999 - Interview mit Wiglaf Droste
Interessante "taz"-Kolumnen
3) "taz" vom 23.3.2001 ("Patriotismus ist die Religion der armen Schweine")
4) "taz" vom 21.5.2004 ("what have they done to my war?")
5) "taz" vom 11.2.2005 ("the german angst")



VOLKER PISPERS
www.volker-pispers.de
Es gibt ein herzhaftes und befreiendes Lachen nach dem Klamauk. Denn: Neues Jahrtausend, neue Hauptstadt, neues Geld, neue Mitte, neue Regierung! Der alte Schwachsinn bleibt. Die Roten haben sich in der Opposition so lange schwarz geärgert, bis die Mehrheit ihnen grünes Licht gegeben hat. Jetzt probt Rot-Grün einen Kurswechsel ohne Richtungsänderung.

Der Wähler hat genau das, was er wollte:
das Gefühl, endlich tut sich was in diesem Land und zwar ohne daß sich irgendetwas für mich ändert. Die Globallermänner der SPD wollen aus dem sozialen Netz ein Trampolin machen.

Da hüpft Guido Westerwelle vor Freude, denn es kommt Bewegung in die Arbeitslosen. Jeder kann wieder frei wählen: Krankenkasse oder Rente, Urlaub oder Zahnersatz, Weihnachtsgeld oder Arbeitsplatz.
Nur Schröder ruht in sich. Er hat sein Lebensziel erreicht: Kanzler sein!

Das Volk aber träumt weiter vom Jackpot,
oder einem Leben als Schumis Witwe.



PRESSE ÜBER PISPERS:
„Volker Pispers braucht keinen Kohl um weiterhin bitterböse und quicklebendig die Herrschenden zu attackieren.
Extrem lustvoll verhackstückte Pispers die ersten krummen Gehversuche der neuen Regierung. Kein Erbarmen, auch nicht mit den Grünen. Wohltuend einseitig und stellenweise richtig gemein haute Pispers der politischen Klasse ihre eigenen Phrasen um die Ohren. Das begeisterte Publikum erlebte ein politischen Kabarettisten in Hochform.“
(Münstersche Zeitung)
"Sein Wortwitz ist bestechend, seine Dialektik schier genial, seine Stimme geschult, und sogar schauspielerisch verweist er manchen Kollegen der darstellenden Zunft in seine Grenzen. Immer hat man das Gefühl, der Mann weiß, was er tut, und er weiß sogar, warum er es tut. Er provoziert mehr als den tumben Lacher, er macht sogar nachdenken."
(Frankfurter Rundschau)

Volker Pispers – am 19. Oktober 2002 im „Ringlokschuppen“!
Wärmstens zu empfehlen!

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Stoppt Mayer-Vorfelder!
Seit Jahren kursieren unwidersprochen Zitate des aktuellen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Gerhard Mayer-Vorfelder. Seitdem diese in der Austellung „Tatort Stadion“ auf einer Tafel richtigerweise dargestellt werden, verstricken sich „MV“ und sein Verband in einer peinlichen Mischung aus Vertuschung und Lüge. Die Zitate sind unter anderem folgende (und ich wiederhole: UNWIDERSPROCHEN!) Die taz meint in Person ihres Redakteurs Matti Lieske dazu am 21.1.2002 folgendes: „Aussagen, die sehr wohl wahlweise als rassistisch, völkisch, diskriminierend, infam interpretiert werden können, aus dem Munde eines hohen Sportfunktionärs durchaus als Nährboden für entsprechende Fan-Gesinnungen taugen und in jede Ausstellung gehören, die sich mit dieser Problematik befasst. Nur konsequent, dass die Veranstalter der Ausstellung, die derzeit in Hamburg gastiert, es ablehnten, die Schautafel „Tatzeugen Vorbilder“ mit dem Mayer-Vorfelder-Komplex abzuhängen.
Umso bedauerlicher, dass der renommierte Gewalt- und Hooligan-Forscher Gunter A. Pilz ebenso jämmerlich vor dem DFB in die Knie ging wie die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) in Gestalt ihres Vizepräsidenten Michael Preetz (Hertha BSC). Beide legten die Schirmherrschaft der Ausstellung nieder, verblieben ist jetzt nur noch die Politik in Gestalt des aufrechten Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse.
Wenn einer der größten Sport-Verbände der Welt einen Chef hat, der nicht zitierfähig ist, dann ist das bedauerlich. Peinlich wird es, wenn dieser Verband mit Zensurmaßnahmen zu verhindern sucht, dass sein Oberhaupt zitiert wird. Anstatt zu beklagen, dass der DFB-Präsident in eine „rassistische Ecke“ gestellt werden solle, wäre es allemal besser, sich einen zu wählen, der in diese Ecke gar nicht erst passt!“
STOPPT MAYER-VORFELDER!

Die Ausstellung "TATORT STADION"
Ein Artikel zur umstrittenen Tafel:
Quelle: www.tatort-stadion.de

Personen in hochrangigen Positionen des Deutschen Fußball-Bundes stehen in besonderem Maße in der Öffentlichkeit und übernehmen eine Vorbildfunktion für Fußballfans und jugendliche Nachwuchsspieler. Sie werden von Presse, Funk und Fernsehen zu sportpolitischen Entwicklungen oder zum Spiel der Nationalelf befragt. Auch wirken sie als Prominente und erfolgreiche Funktionäre durch Ansichten über Fußball und persönliche Lebensweisen in Talkshows, Interviews oder eigenen Kolumnen auf die Zielgruppen zurück. Da die Blicke sich zu ihnen richten, können sie mit ihren Aussagen zu Verstärkern oder Beschleunigern gewisser Haltungen werden.

Der Präsident des DFB, langjährige Sportfunktionär und CDU-Politiker Gerhard Mayer-Vorfelder tritt in dieser Hinsicht kontinuierlich in Erscheinung. Bereits im Sommer 1986 sorgte er als Minister für Kultur und Sport in Baden-Württemberg für Aufregung, als er meinte, es könne nicht schaden, wenn Schüler alle drei Strophen des "Deutschlandliedes" beherrschen und singen würden. Schließlich sängen auch die Franzosen ihre Marseillaise komplett - trotz "ihre(r) Geschichte des Dritten Reiches, die in Frankreich gar nicht viel einfacher war als die Geschichte des Dritten Reiches bei uns." Es solle auch wieder mehr Landeskunde als Weltkunde gelehrt werden, damit die Liebe zu Volk und Heimat stärker entwickelt würde. Nach Mayer-Vorfelder brauchen Jugendliche "einen gewissen nationalen Stolz" - "da haben sie einen Anspruch drauf". Und das übersetzte er 1989 im "Spiegel" auch auf den Fußball: "Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und statt dessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?"

Noch 2001 kokettiert er mit der von Neonazis besetzten Parole: "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein" - "Unsere Geschichte besteht nicht nur aus zwölf dunklen Jahren". Sein diffuse Sicht von Geschichte schlug nach dem WM-Sieg einer multiethnischen französischen Nationalmannschaft 1998 seltsame Wellen: "Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest."

In der Diskussion um Ausländerbeschränkungen in der Bundesliga spielt er eine klare Rolle, denn: "Der südamerikanische und afrikanische Fußball haben genetisch andere Voraussetzungen." Noch im Oktober 2001 sagte er: "Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in den Anfangsformationen stehen, kann irgendetwas nicht stimmen."

Auf einer CDU-Veranstaltung gab er im August 1987 von sich: "Die Chaoten in Berlin, in der Hafenstraße in Hamburg und in Wackersdorf springen schlimmer rum als die SA damals." Fußballhistoriker Dietrich Schulze-Marmeling zählte eins und eins zusammen: "Mit anderen Worten: Das Besetzen von leerstehenden Häusern und AKW-Bauplätzen und Steinwürfe gegen Polizisten sind schlimmere Delikte als das Anstecken von Synagogen und Erschlagen von Juden."

Mayer-Vorfelder hat von seinem Mentor Hans Filbinger, der 1978 als ehem. Militärrichter der Kriegsmarine in Nazi-Deutschland von seinen politischen Ämtern zurücktreten musste, gelernt, "stets mit offenem Visier zu kämpfen", "Auseinandersetzungen nie aus dem Weg" zu gehen, "weil ich ein Konservativer bin", der seinem Gegner "Auge in Auge gegenüberstehen" will ("Stern", 2001). "Überzogene Demokratie" ist ihm ein Dorn im Auge: "Aber wir leben nicht mehr in der Feudalzeit. Wenn Sie heute etwas durchsetzen wollen, müssen Sie darum kämpfen, argumentieren - Gremien, Fraktionen, Koalitionen. Es ist mühsam." Für den DFB-Beirat bedeutet das laut MV: "Majoritäten können irren".

MV ist eine wichtige Persönlichkeit in der nationalistischen Hans-Filbinger-Stiftung, in dessen Reihen auch Christa Meves wirkte, Redaktionsmitglied des strammrechten "Deutschlandmagazins" - oder auch Paul Schmidt-Carell, der schon unter Hitler 1940 unter dem Namen Paul K. Schmidt Chef der Presse- und Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amtes war.

MV ist Träger der "Bund der Vertriebenen-Plakette für Verdienste um den deutschen Osten und das Selbstbestimmungsrecht", einer Organisation, die auch für eine Wiedereingliederung des polnischen Oberschlesiens steht. Seine offene Haltung gegenüber den rechtsextremen Republikanern im Württembergischen Landtag tat er im April 2001 im "Stern" nicht nur als politische Auseinandersetzung ab, sondern gestand kollegiale Kontakte: "Dazu kommt, dass ich mit Rolf Schlierer, ihrem Vorsitzenden, bei den Fallschirmjägern war. (-) Soll ich ihn also im Landtag nicht mehr kennen?"

Bis heute hat sich Mayer-Vorfelder nicht einen Zentimeter von diesen Positionen weg bewegt. Es stehen da seine Ansichten, die von rechtsorientierten Hooligans und deutschnationalem Bodensatz gelegentlich auch mit der Faust umzusetzen versucht werden. Somit kann er zuweilen als Fürsprecher für ein gefährliches Klima in den Fankurven herangezogen werden. "Im deutschen Fußball wird jetzt alles gut. Da ist ja jetzt einer von uns Präsident", meinten z. B. zwei Neonazis und Fußballfans 2001 im Umfeld der Eröffnung der Arena "AufSchalke" zu einem ehemaligen Fanprojektler. Im Angesicht der pogromartigen Ausschreitungen gegen Ausländer Anfang der 90er Jahre, die sich laut Fachautor Dietrich Schulze-Marmeling "nicht zufällig (-) nach dem WM Triumph von Rom 1990" zum ersten Mal im Fußballkontext ereigneten, sah dieser die Fußballfunktionäre Mayer-Vorfelder & Co in ihrer Vorbildfunktion als "propagandistische Wegbereiter".

Zwar steht Mayer-Vorfelder mit seinen nationalistischen Positionen zwischen den Repräsentanten des deutschen Fußballs mittlerweile zunehmend alleine da. Als Vorbild für Millionen von aktiven Fußballerinnen und Fußballer und noch mehr Fans jedoch stehen seine Äußerungen den symbolischen DFB-Aktionen für "Toleranz und Fairness", gegen Rassismus und neonazistisch motivierte Gewalt kontraproduktiv gegenüber. Der DFB fordert von seinen Profifußballerinnen und Fußballern das vorbildliche Verhalten, Aktive auch im Sinne von Toleranz und Fairness zu sein. Würden die Aussagen seines eigenen Präsidenten diesem Anspruch nicht stand halten?



Podiumsdiskussion am 14.3.2002
Ort: CityPoint, Bochum, Kortumstraße
Dauer: 19.40 Uhr bis 21.45 Uhr
Teilnehmer: Werner Hansch (SAT 1), Manfred Breuckmann (WDR), Tom Theunissen (freier Journalist, u.a. für ARD), Hans-Josef Justen (Sportchef der WAZ), Christoph Schurian (taz.ruhr), Prof. Stucke (Universität Bochum).
Gesprächsleiter: Andreas Buderus
Anlass: Ausstellung "TATORT STADION"
Thema: Rassismus in Fußballstadien - Die Rolle der Medien

Gewalt ist nicht Rassismus, Werner Hansch kennt das Wort "genuin", Manfred Breuckmann ist Schalker, Christoph Schurian VfL-Fan, Hans-Josef Justen steht auch nach 100 Jahren WAZ noch auf der B1 im Stau, Tom Theunissen hat ein Gesicht und Andreas Buderus kann ganz viel erzählen. Ist das wirklich alles, was von der Podiumsdiskussion zum Thema "Rassismus in Fußballstadien - die Rolle der Medien" hängenblieb?
Oh doch. Der "Rassismus in den Stadien" hat verschiedene Ursachen, verschiedene Facetten. Eine Ursache davon ist sicherlich die mediale Begleitung des Geschehens. Punkt!
Fußball ist nicht gleich Fußball. Das war ziemlich schnell die erste Erkenntnis des Abends. Ein Fußballspiel fängt nicht erst mit dem Anpfiff an und hört nicht nach 90 Minuten auf. Fußball ist mehr. Den Medien fällt es schwer, die Gratwanderung zwischen sachlicher Berichterstattung und Boulevardisierung zu finden. Wenn bei der EM 2000 in Charleroi vor dem Spiel Deutschland gegen England rund um den großen Platz 300 Journalisten, 30 Kamerateams und zahlreiche Fotografen alle Hotelzimmer mieten (getreu dem Motto: "da passiert was") - natürlich passiert dann was. Sensationslust? Zwischen Gewalt und Rassismus besteht ein Unterschied - noch eine Erkenntnis. Nicht alle gewalttätigen Fußballfans sind auch gleich Rassisten! Auch diese These fand einen Konsens. Natürlich auch die Tatsache, dass jegliche Gewalt und jeglicher Rassismus zu verurteilen sei.
Gab es denn Meinungsverschiedenheiten? Schon, bei Detailthemen! Hans-Josef Justen ist der Meinung, dass nicht alle Gewalttaten unbedingt in den Medien verbraten werden müssen; wenn z.B. "im Fan-Zug Randale ist. Hat das unbedingt mit Fußball zu tun? Müssen wir das immer bringen?" Oder Breuckmann: "Ja dann kommt der HSV-Fan, schmeißt eine Rauchbombe. Das macht der immer. Muss ich nicht immer erwähnen." Ein Plakat wie "Schindler-Juden, wir grüßen Euch" 1996 beim Länderspiel Polen gegen Deutschland, das sei etwas anderes. Das darf nicht unkommentiert stehen bleiben. Oder 1997 die Aldi-Tüten-Aktion beim Europacupspiel Bayern gegen Galatasaray Istanbul, da habe RTL völlig falsch reagiert ("für die humoristische Einlage sorgten die Bayern-Fans"). Aber oft muss es heißen: Der Gewalt keine Bühne bieten. Viele wollen nur ein Forum für die Gewaltaten haben. Leise Widersprüche auf der Bühne.
Manche Sprüche nicht zu ernst nehmen, rät Manni Breuckmann. Zudem geht es um die Ausschreitungen bei der WM 1998 in Lens, als Polizist Nivel verletzt wurde (Theunissen: "Die Medien haben doch schon vorher geschrieben: Lens ist 2 1/2 Stunden von Deutschland weg; dazu ein Sonntag. Da wirds knallen!"; Breuckmann: "Das stand doch schon Wochen, bevor es geschrieben wurde, fest. Mit der Berichterstattung hatte das nix zu tun.") Es geht um Gerald Asamoah (Theunissen: "Ist doch völlig normal, dass ein Schwarzer in der Nationalmannschaft spielt. Muss doch nicht immer erwähnt werden." Breuckmann: "Doch. Es ist eben nicht normal und muss gerade deshalb hervorgehoben werden.") Es geht um Formulierungen wie "schwarze Perle" (Schurian: "Beispiel Asamoah: Bei ihm heißt es immer: der Tänzer, der spielerisch leichte, der Ballkünstler - Attribute, die mit dunkelhäutigen Spielern in Verbindung gebracht werden. Begriffe wie "schwarze Perle", Breuckmann: "Mal nicht dramatisieren.").
Zwei Stunden lauschten 100 Zuhörer in der dritten Etage und damit am Rand des Einkaufszentrums CityPoint der Diskussion. Der interessanten Diskussion, wie zu ergänzen wäre. Feststellungen gab es viele, aber nicht viele, die ohnehin nicht schon vorher klar gewesen wären. Ja, es gibt Hooligans, ja, es gibt Rassismus, ja, die Medien haben eine Mitschuld daran. "Ja, meingott, ich gelobe, dass ich in meinen Reportagen auch weiterhin aufmerksam sein werde", zog Manni Breuckmann sein Fazit, das er auch schon vorher intus hatte. Leider wurde etwas zu wenig über Gerhard Mayer-Vorfelder geredet, den Mann, der die Ausstellung erst bekannt machte (Theunissen: "Vielleicht war das ja ein Trick. Er gibt keinen Kommentar ab und kürzt die Mittel, DAMIT die Veranstaltung bekannt wird!" Gelächter im Saal...)!
Ob denn Fortbildungen zum Thema "Rassismus" bei den Redaktionen stattfänden, wollte eine Zuhörerin wissen. Nein, antwortete Werner Hansch. Bei SAT 1 hätten die 60 ran-Redakteure doch schon mit den Samstags-Berichten genug am Kopf. Umgang mit Rassismus würde vorausgesetzt. Hansch, Breuckmann und Justen werden ihren Redaktionen bestimmt nicht von der Diskussion erzählen. Diese war somit bestimmt spannend für die 100 Zuhörer - von denen aber bestimmt auch nur die Hälfte regelmäßig im Stadion anzutreffen ist. Die Feststellung, dass der Fußball allmählich dem Kommerz verfällt (Breuckmann: "Es gibt ein einfaches Mittel, die Gewalt aus den Stadien fernzuhalten: Die Preise anheben. Das ist die Verbürgerlichung des Fußballs. Ein Prolo kann sich die Eintrittskarte nicht mehr leisten."). Breuckmann, der Mann mit den knackigsten Sprüchen; Hansch mal nicht als Dummschwätzer, Theunissen als starker Satiriker.
Blieb also mehr hängen als Kleinigkeiten über die Gesprächsteilnehmer? Meistens brachte es der Uni-Professor Stucke auf den Punkt, der sich wissenschaftlich seit Jahren mit dem Thema befasst. Am Schluss meinte er zu Werner Hansch, dass er es sich in der Sonntags-ran-Sendung wohl kaum erlauben könne, einen fünfminütigen Beitrag über die Diskussion zu bringen.
Dem ist nichts hinzuzufügen!

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Diese Seite wurde erstellt am 22.3.2008
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