1000
TIPPS FÜR AUSWÄRTSSPIELE
www.andreasernst.com
Einleitung
Manche Dinge haben auch Ihr
Gutes, auch wenn viele das nicht glauben wollen.
Um nicht weiter in Hieroglyphen
zu sprechen: Wie Ihr an anderer Stelle auf dieser Seite erfahrt, fahre
ich nicht mehr Auto. Sprich: zu allen Fußballspielen - ob Profi-
oder Amateurbereich - reise ich mit Bus und Bahn an. Das führt mich
zu den verwegensten Ecken des Ruhrpotts, von Essen-Kray bis nach Duisburg-Hochfeld.
Ganz klar ist nun mein Entschluss, Euch die Reisetipps zu diesen wichtigen
Orten nicht vorzuenthalten.
Hier sind meine ganz persönlichen
"1000 Tipps für Auswärtsspiele"!
FV Duisburg
08 (Landesliga)
(Duisburg-Hochfeld: Grunewald-Kampfbahn
/ Sportplatz Grunewaldstraße):
Anfahrtsweg:
Der Weg zum Duisburger Hauptbahnhof
dürfte allgemein bekannt sein. Vom S-Bahn-Gleis gehts runter in den
U-Bahn-Keller. Ihr müsst einsteigen in die 903 Richtung "Hüttenheim
Schleife".
Fahrtziel sind die Haltestellen
"Marienhospital" (Sportplatz
Grunewaldstraße) oder
"Duisburg-Hochfeld Süd"
(Grunewald-Kampfbahn).
Fußweg beträgt
von den Haltestellen maximal drei Minuten!
Rückfahrt mit der 903
Richtung "Dinslaken Bahnhof"!
Die Umgebung:
Grunewald-Kampfbahn
Wer allein den Vereinsnamen
"Duisburg 08" und den Titel des "Stadions" hört, der kann schon vermuten,
worum es sich handelt. Ja, genau richtig! Ein alt-ehrwürdiger Verein
ist das, der seine besten Zeiten läääängst hinter sich
hat. Das "Stadion" widerum wurde demzufolge seit zig Jahren nicht mehr
renoviert.
Wer aber nun denkt, der
"Kampfbahn" fehle ein wenig das Flair, der irrt. Es finden bestimmt
2.500 Zuschauer Platz, auf der Hauptseite können sich die Besucher
(im Schnitt 200, Altersschnitt 55) auf zwei Stehstufen, auf der Gegenseite
auf zehn (oder waren es 15?) postieren. Hinter den Toren gibts keine Tribüne
und auch keine Grashügel (dafür einen leckeren Grillstand). Selbstverständlich
darf auch die Vereins-Kaschemme nicht fehlen. Eine Vereinszeitung gab´s
mal, aber diesmal hab ich keine gesehen.
Sportplatz Grunewaldstraße
Sollte der Rasen mal unbespielbar
sein (kommt zwischen November und März) häufiger mal vor, weicht
Duisburg 08 auf die Sportanlage Grunewaldstraße aus - direkt um die
Ecke.
Dort gibt es zwei Ascheplätze,
beide wirken klein; ein ziemlicher Wind fegt über die Anlage. Ein
kleiner Aufenthaltsraum (samt Kaffee- und Frikadellenschmiede) existiert
ebenfalls. Typische Trainingsanlage, für Landesligaspiele nicht auf
Dauer geeignet. Wirkt eher kreisliga-verdächtig. Okay, maximal Bezirksliga.
Der Weg zum Sportplatz:
"Wir sind das Ruhrgebiet",
schmettert Wolfgang Petry in einem Evergreen - und auf welche Strecke träfe
dieser Song besser zu als vom Duisburger Hauptbahnhof nach Duisburg-Hochfeld?
Die Vorurteile über
das Ruhrgebiet sind so verbreitet wie der Intelligenzquotient von Verona
Feldbusch: Dreckig, hässlich, dumme Menschen. Wer widerum nicht aus
dem Ruhrpott kommt und als erstes mit der 903 Richtung "Hüttenheim
Schleife" fährt, der wird sich in seinem Urteil bestätigt sehen.
Zunächst geht es harmlos los; na klar, die Bahn fährt ja auch
unterirdisch. "Hauptbahnhof", "König-Heinrich-Platz", "Steinsche Gasse"
(die Duisburger Fußgängerzone), doch dann begrüßt
die erste oberirdische Haltestelle "Platanenhof" die Bahn-Reisenden mit
wirklich so vielen wunderbar-hässlichen Hochhäusern, dass einem
vor scheußlicher Schönheit schwindlig wird. Genauso super die
Menschen: Familien, Studis, Junge, Alte - aber mit keiner Gemeinsamkeit:
ich könnte schwören, dass keine mehr als 3000 Mark brutto im
Monat verdient.
Von folgenden Zeilen
distanziere ich mich im Nachhinein ein wenig... TUT MIR LEID, LIEBE HOCHFELDER,
WENN ICH EUCH ZU NAHE GETRETEN BIN! (siehe auch Eintrag von "Mike" im Gästebuch)
!
Es geht über die Hauptstraße
von Duisburg-Hochfeld, neben Bruckhausen und Marxloh dem mit Sicherheit
schäbigsten Stadtteil der schäbigsten Ruhrgebietsstadt. Bruchbude
neben Bruchbude, Tante-Emma-Laden neben Tante-Emma-Laden, Kneipe neben
Kneipe, Dönerladen neben Dönerladen. Eine Jugend-Gang trifft
die nächste; selbst Zwölfjährige neigen zum Kettenrauchen.
"Ey cooool man".
Dann schließlich "Marienhospital",
Zeit zum Aussteigen.
Anlass des Besuchs:
Das Landesligaspiel Duisburg
08 gegen Vatanspor Mülheim am 24.2.2002, Anstoß 15 Uhr. Vatanspor
gewann durch Tore von Mohamed El-Said und Yilmaz Ertune mit 2:0. Winter,
Wind, Scheißspiel... gibt schönere Tage.
Aber auch schon vorher war
ich dort oft, ob mit dem VfB Speldorf oder auch Vatan in der Grunewald-Kampfbahn
oder selbst zur aktiven VfB-Zeit an der Grunewaldstraße.
Sonstiges:
Unvergessliches Zitat von
einer Oma an der Haltestelle "Marienhospital":
"Is dat nich irgenzwie in Marxloh, wo
Tante Emma am beerdigt worden is?"
Vatan Spor
Mülheim (Landesliga)
Der Anfahrtsweg:
Ich gehe vom Mülheimer
Hauptbahnhof als Ausgangsort aus.
Dort steigt ihr ein in den
Bus 122, Richtung "Oberhausen Sterkrade Bahnhof"
Ruhrstadion:
Wenn ihr zum Ruhrstadion
wollt, verlasst Ihr den Bus bis zu jener Haltestelle nicht mehr. Ihr steigt
dort aus, überquert die Straße, geht unter der Autobahn A40
hindurch, um das Stadion herum bis zum Eingang. Fußweg von der Haltestelle
bis dort: etwa vier Minuten.
Von-der-Tann-Straße:
Wollt ihr zur Von-der-Tann-Straße,
müsst ihr "Mülheim Stadtmitte" umsteigen, in die Straßenbahn
112 Richtung "Oberhausen Sterkrade Bahnhof". Ziel-Haltestelle ist die "Willy-Brandt-Schule".
Dort steigt ihr aus, überquert die Straße. Ihr geht geradeaus
in die Augustastraße. Nach 500 Metern liegt auf der rechten Seite
hinter ein paar Büschen der Ascheplatz.
Die Umgebung:
Ruhrstadion
Sprecht ältere Mülheimer
Fußball-Freaks auf das Ruhrstadion an - und es fließen garantiert
Tränen. Aber garantiert! Denn eben jenes Stadion im Stadtteil Styrum
steht für bessere Zeiten im Mülheimer Fußball. Wir schreiben
das Jahr 1974, der 1.FC Mülheim spielt in der 2.Bundesliga. Gegen
Borussia Dortmund, gegen Eintracht Frankfurt. 20.000 Leute pilgern nach
Styrum. Und heute? 28 Jahre später kickt Landesligist Vatan Spor (sechste
Klasse) vor im Durchschnitt 150 Fans. Bis 1996 vermoderte das Stadion im
Zustand der frühen 70-er. Über die glorreichen Profifußball-Zeiten
war buchstäblich Gras gewachsen (nämlich auf die kaputten Stehstufen).
Die Sitzschalen auf der Tribüne glichen exakt denen aus Zweitligazeiten.
Dann kam die Stadt Mülheim auf die Idee, das Ruhrstadion ein Jahr
lang general zu überholen. Herausgekommen ist eine schmucke Anlage,
die 6000 Besuchern Platz bietet. Die überdachte Haupttribüne
fasst 3000 Besucher (mindestens), gegenüber befinden sich sechs Stehstufen.
Hinter den Toren wurden die Stufen durch Grashügel ersetzt. Um den
Rasenplatz herum führt eine Leichtathletik-Laufbahn; eine "reine"
Fußball-Atmosphäre gibt es dadurch nicht. Direkt hinter einem
Tor führt die Bahnlinie Richtung Duisburg entlang, direkt hinter der
Haupttribüne liegt das gleichnamige Freibad "Ruhrstadion", das ein
Jahr lang geschlossen hatte, aber im Sommer wieder für eine interessante
Ambivalenz sorgen wird. Hier schwitzen die Fußballer, dort kühlen
sich die Massen ab.
Verpflegung gibt es im Klubhaus,
das im Umkleidetrakt in der 1. Etage liegt. Gemäß türkischer
Tradition bietet Vatanspor "Börek" und ab und zu auch Pizza an. Zu
trinken gibt es alles bis hin zum türkischen Tee, Uludag (Sprite-mäßig)
und Ayran (Trink-Joghurt). Ab April schmeißt der Vatan-Vorstand den
Grill an und bereitet vorzüglich "Köfte" zu. Einfach herrlich,
wirklich! Landesliga-Spitze, garantiert!
Stadionzeitung gibt´s
nicht!
FAZIT: In der Landesliga
sicherlich das schönste Stadion, auch in Mülheim die größte
Sportstätte - aber mit viel Sentimentalität und - ja - Sport-Romantik
verbunden.
Sportplatz Von-der-Tann-Straße
Während das Ruhrstadion
im Landesliga-Vergleich spitze ist, steht der Ascheplatz Von-der-Tann-Straße
ganz hinten in der Rangliste. Keine Zuschauerränge, ebenerdig, überhaupt
kein Komfort; da schüttelt sich der Fußball-Ästhet. Platz
für vielleicht 1000 Leute, wenn sie dicht gedrängt stehen. Nur
an sommerlichen Tagen steht dort ein Grill.
Der Weg zum Sportplatz:
Ruhrstadion
Der Weg zum Ruhrstadion
bietet eine Stadtrundfahrt durch Mülheim inklusive. Die Fahrt führt
von der Stadtmitte über die Schlossbrücke (Mülheims Zentralachse
mit Blick auf die Ruhr), durch Broich (meinen ehemaligen Heimat-Stadtteil)
und Speldorf (etwas reichere Gegend) bis nach Styrum (das Arbeiterviertel
in Mülheims Norden). Das Ruhrstadion selbst liegt isoliert von Mülheims
Stadtteilen. Inmitten von nichts. Direkt vorbei führt die Autobahn
A40 (vor allem für die Besucher des Freibades eine sehr leckere Angelegenheit...
frische Luft sag ich nur) sowie die Bahnlinie. Um das Stadion herum liegen
große Wiesen und die Ruhr, die vor allem für Hundebesitzer ein
Eldorado bedeuten. Klasse geeignet wäre das Stadion für Konzerte,
weil es quasi keine Anwohner gibt. Nur darauf ist die Stadt wohl scheinbar
noch nicht gekommen.
Von-der-Tann-Straße
Die Straßenbahnfahrt
zur Von-der-Tann-Straße zeigt dem Besucher die schäbigste Seite
Mülheims, nämlich den Arbeiter-Stadtteil Styrum. Wobei sich dieser
in den letzten Jahren ganz schön herausgeputzt hat. Im Gegensatz zu
Duisburg-Marxloh oder Duisburg-Hochfeld ist Mülheim-Styrum wirklich
ganz schön nobel geworden. Symbolisch ist der Wandel von der "Willy-Brandt-Schule"
zu sehen. Diese war einst Hauptschule - und ist nun zur Gesamtschule mutiert!
Anlass des Besuchs:
Seit vielen, vielen Jahren
bin ich regelmäßig im Ruhrstadion oder an der Von-der-Tann-Straße
anzutreffen. Der Grund: Zunächst spielte der 1.FC Mülheim jahrelang
dort, seit 1995 Vatan Spor. Seit Sommer 1996 bin ich für die WAZ/NRZ
für Vatan zuständig und sehe deshalb 15 Heimspiele pro Saison
(plus Pokalspiele). Deshalb seht ihr mich alle zwei Wochen im Bus 122 oder
der Bahn 112 reisen. Ich denke, dass kein Mülheimer die Strecke so
gut kennt wie ich...
Diesen Text schrieb ich
nach dem Spiel Vatan Spor gegen Fichte Lintfort (1:2, 17.3.2002/Sonntag,
1:0 Aydogan (46.), 1:1 Kiraz (48.), 1:2 Karatas (85.), dann ein verschossener
Vatan-Elfmeter von Mulaku (88.) vor 200 Zuschauern).
Aber bald habe ich die 100
Spiele im Ruhrstadion voll. Könnt ich wetten!
Sonstiges:
Geht zu einem Heimspiel
von Vatan Spor und ihr werdet begeistert sein. Solch eine Gastfreundschaft
habt ihr noch nicht erlebt, solch eine mitreißende Mentalität.
Bevor ich noch weiter schwärme... irgendwann werde ich ein Buch über
meine Zeit bei Vatan schreiben. Ganz bestimmt!
TuRu Düsseldorf
(Verbandsliga)
Der Anfahrtsweg:
Bis zum Düsseldorfer
Hauptbahnhof wird jeder wohl noch selbst finden.
Dann einsteigen in die S2
oder S7 (Richtung "Köln Hansaring") und eine Station fahren bis
"Düsseldorf Volksgarten"
Vom Bahnsteig ist der Sportplatz,
das wunderschöne Stadion schon zu sehen. Dementsprechend kurz fällt
auch der Weg aus. Einfach die Treppe runter, rechts rum, dann 300 Meter
geradeaus - und schon folgt die Eingangstür. Vom Bahnsteig bis zum
Platz handgestoppte anderthalb Minuten. Der Kartenabreißer ist dafür
umso unfreundlicher - und verlangt doch tatsächlich den Presseausweis!
Von zahlreichen Besuchern
hörte ich, dass das Stadion mit der Bahn viel besser zu erreichen
sei. Das kann ich mir gut vorstellen. Engelbertusstraße raus, Stadion
rein - das hat nur knapp 35 Minuten gedauert!
Die Umgebung:
Stadion an der Feuerbachstraße
Okay, die Gleise oberhalb
des Stadions stören etwas; aber dafür ist die Anlage sehr schnuckelig
und zählt zu den schönsten in der Verbandsliga Niederrhein. Das
Stadion fasst - wenn ich schätzen muss - etwa 3000 Zuschauer. Auf
der Eingangsgerade befindet sich eine große, überdachte Tribüne,
mit etwa 600 Plätzen. Hinter den Toren sind kleine Grashügel,
auf der gegenüberliegenden Seite fünf Stehstufen.
Sollte das Rasen-Stadion
unbespielbar sein, ist hinter der Tribüne eine Aschenplatz-Anlage,
auf die ausgewichen werden kann.
Neben der Haupttribüne
befindet sich ein Grillhaus. Dort gibt es (außer im Winter) Grillwürstchen,
Frikadellen, Cevapcici und Krautsalat sowie Bier vom Fass, Fanta und Cola
käuflich zu erwerben. Auch hier: Hut ab und ganz weit vorne!
Die Stadionzeitung ist im
DINA-5-Format auf Hochglanz gehalten und hat sogar ein wenig Inhalt (wenngleich
der qualitativ nicht mit "Blötte Aktuell" konkurrieren kann...). Zählt
aber eindeutig zu den besseren.
Gegenüber des Stadions
beginnt übrigens eine Grünfläche (vermutlich der "Volksgarten").
Also auch die Umgebung: nicht schlecht.
Mein Fazit: Die Düsseldorfer
Anlage zählt auch nach der Analyse der einzelnen, wichtigen Punkte
(Anfahrtsweg, Stadion, Verpflegung, Stadionzeitung, Umgebung) zu den Besten
in der Verbandsliga! Lediglich hier ist zu merken, dass TuRu Düsseldorf
Oberliga-Format nachweisen will. Sportlich klappt das noch nicht so ganz!!!
Der Weg zum Sportplatz:
Die Bahnfahrt mitten vorbei
am Herz des Industrie-Standorts Ruhrgebiet (Duisburg) hinein in die rheinische
Metropole. Immer wieder beachtenswert die Rotlicht-Meile neben dem Hauptbahnhof.
Jede Bahnfahrt gewährt eindeutige Blicke in die Fenster gewisser Frauen.
Ganz so spannend wie die
Fahrt nach Duisburg-Hochfeld ist die Anreise jedoch nicht. Es ist halt
Düsseldorf, und deshalb im Gegensatz zum Ruhrpott eher "High-Society"-veranlagt.
Ein Blick auf den Hauptbahnhofs-Vorplatz widerlegt diesen Eindruck keinesfalls.
Anlass des Besuchs:
Das Fußball-Verbandsligaspiel
TuRu Düsseldorf gegen VfB Speldorf am Samstag, 16.3.2002! Endstand
3:1 (2:1) für Speldorf. Tore: 0:1 Kokic (8.), 0:2 Pröpper (40.),
1:2 Gottwald (44.), 1:3 Örs (73.) vor 200 Zuschauern. Nette Plaudereien
mit dem VfB-Vorsitzenden Klaus Wörsdörfer.
In der vorherigen Saison
(Oktober 2000) war ich schon einmal in Düsseldorf - allerdings mit
dem Auto und beim Spiel TuRu gegen TuS Union 09 (Endstand 5:2 für
Düsseldorf).