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Thema: ICANN Referenten: Christina Brüggemann, Angela Köhler, Andreas Ernst (WIRD NOCH ERGÄNZT !!!) |
Das Referat ist nicht komplett und wird noch ergänzt !
GLIEDERUNG
1. Geschichte
1.1. DNS-Krise
1.2. Gründung der ISOC
1.3. Gebühreneinführung
für Domainnamen
1.4. Gründung der IAHC
1.6. Stellung der EU
1.6. Das „Grünbuch“
2. ICANN
2.1. Aufgaben und Ziele
2.2. Aufbau
2.3. Probleme
2.4. Umbau
3. Ausblick
1) Aufgaben und Ziele
Um es mit einem Satz zusammenzufassen:
ICANN ist die Abkürzung für Internet Corporation for Assigned
Names and Numbers. Ziel von ICANN ist also die Verwaltung von Namen und
Nummern.
ICANN wurde am 30. September
1998 als nichtkommerzielle Gesellschaft nach kalifornischem Recht mit Sitz
in Marina del Rey bei Los Angeles gegründet und bildete sich als private
internationale Organisation mit quasi-staatlichen-Autoritäten heraus.
Die eigentliche Mission
wurde in den sogenannten articles, also den Satzungsstatuten festgelegt.
Die „Mission“, das war das Sicherung der Stabilität des Internets
durch die Wahrnehmung von verschiedenen Koordinationsfunktionen.
Zu den primären Aufgaben
gehörten
- die Abstimmung und Festsetzung
der technischen Parameter und Protokolle des Internets
- die Aufsicht über
die Internet Protokoll-Adressen
- die Aufsicht über
das Domain Namen System (DNS), einschließlich der Bestimmung von
Politiken zur Erweiterung des Namenraumes sowie
- die Aufsicht über
das Rootserver-System.
ICANN sollte ein komplett
neues Regime der Internetverwaltung auf überstaatlicher Ebene sein.
Während es vorher die reine Selbstregulierung der frühen Internetgemeinschaft
gab, sollte ICANN für die Form der delegierten Selbstregulierung stehen.
Nach der Gründung waren
die ersten Aufgaben zum Beispiel folgende:
1) Neudefinition der Verantwortlichkeitsbeziehungen
zwischen ICANN, den Regierungen und den länderspezifischen Domainregistraturen
2) Einführung eines
global gültigen Streitschlichtungsverfahrens für die Beilegung
von Konflikten über die Eigentumsrechte an Domain Namen
3) Einführung von sieben
neuen Top Level Domains
· «.biz»
(offen, in direkter Konkurrenz zu «.com», Betreiberin: NeuLevel)
· «.info»
(offen, als Alternative zu den bestehenden gTLDs,, Betreiberin: Afilias)
· «.name»
(offen, für individuelle Namen, Bereiberin: Global Name Registry)
· «.pro»
(offen, auf bestimmte Berufsgruppen eingeschränkt, Betreiberin: Registry
Pro)
· «.museum»
(reserviert für Museen, Sponsorin: Museum Domain Management Association)
· «.aero»
(reserviert für die Luftfahrt, Sponsorin: Societé Internationale
de Télécommunications Aéronautiques)
· «.coop»
(reserviert für Genossenschaften, Sponsorin: National Cooperative
Business Association)
2) Aufbau
ICANN bot erstmalig die Chance,
eine globale Infrastruktur erstmalig demokratisch, das heißt, unter
Einbeziehung ihrer Nutzer zu verwalten. Infrastrukturen wie Telefon-, Strom-
oder Kabelnetze sind große, unzugängliche Behörden, in
denen niemand ein Mitspracherecht beansprucht. Das Internet ist dagegen
kein neutraler Datenlieferant, sondern ein ökonomisch und politisch
umkämpftes Terrain.
Oberstes ICANN-Organ sollte
das
- geschäftsführende
Direktorium mit 19 Mitgliedern, das seine Entscheide per Mehrheitsbestimmung
verabschieden und die verbindliche Politik der Behörde formulieren
sollte. Die so genannten „unterstützenden Organisationen“ (Supporting
Organizations) konnten 9 Direktoren bestimmen, wiederum neun Direktoren
sollten von der globalen Internetnutzerschaft als Kollektiv in direkten
Wahlen erkoren werden (somit wurde die Chance auch wirklich gewährt).
Das 19. Mitglied verkörperte den Präsidenten sein.
Die drei unterstützenden
Organisationen sind:
1) Die „Adress Supporting
Organization“ (ASO), die sich mit der Verwaltung der IP-Adressblöcke
(also der Zahlenfolgen, die die Identifizierung erlauben) beschäft.
Das neunköpfige Führungsgremium des ASO (Address Council, amer.,
europ., pazif.-asia.) durfte drei ICANN-Direktoren stellen.
2) Die „Domain Name Supporting
Organization“ (DNSO), deren wichtigste Aufgabe die Ausarbeitung funktionierender
Rahmenbedingungen für die Aufschaltung neuer TLDs sein. Das Führungsgremium
des DNSO (Names Council) durfte ebenso drei ICANN-Direktoren benennen.
3) Die „Protocol Supporting
Organization“ (PSO) war zuständig für die Zuordnung von einzelnen
Parametern für die Internet-Protokolle, den technischen Standards
und stellte ebenfalls drei Direktoren.
Die ersten neun berücksichtigen
primär technische und kommerzielle Interessen.
Als Gegengewicht sollte
eine bestimmte Anzahl von Direktoren direkt gewählt werden. Diese
vertraten die große Masse der allgemeinen Internetnutzerinnen und
–nutzer auf der Welt, die so genannte At-Large-Membership. Zivilgesellschaftliche
Gruppen und Organisationen konnten endlich ihren Fantasien von global-demokratischen
Strukturen freien Lauf lassen.
Die Regierungen waren auch
beteiligt, nämlich mit einem Beratungsausschuss (Governmental Advisory
Committee, GAC), die z.B. überwachen sollte, dass die Internetdienste
immer sicher, zuverlässig und erschwinglich sind.
Klingt alles schön
und gut, aber so ganz unabhängig war die ICANN dann doch nicht.
Die USA behielten sich ein
Kontroll- und Interventionsrecht vor, musste jede Entscheidung absegnen
und definierte so die Rahmenbedingungen, mit denen sich die Internetbehörde
entwickelte, entscheidend mit.
Erst im Jahr 2000 – zwei
Jahre nach der Einführung von ICANN – sollte ICANN in die Selbständigkeit
entlassen werden.
Finanziert werden sollte
ICANN durch vorgegebene Beiträge ihrer einzelnen, über den gesamten
Globus verteilten Mitglieder. Eine wirtschaftliche Abhängigkeit von
den Regierungen sollte unbedingt vermieden werden. Die Regierungen sollten
nur über den Beratungsausschuss teilnehmen.
3) Probleme von ICANN
Durch die Gründung von ICANN hatten organisierte Interessen aus Wirtschaft und Politik erstmalig eine offizielle Anlaufstelle für ihre Forderungen. ICANN stand daher unter einem viel größeren Druck als die Vorgängerorganisation IANA. Sowohl die technische, als auch die politische und wirtschaftliche Ebene bestimmte das Geschäft von ICANN.
Zusammensetzung des Direktoriums
Zu Beginn „regierte“ ein
Übergangsdirektorium, das aus Leuten bestand, die hinter verschlossenen
Türen gewählt wurden.
Finanzierung
Das zusammengewürfelte
Konstrukt führte zu einem Finanzproblem. Die Regierungen waren an
ICANN nicht beteiligt, die Unterorganisationen wie z.B. die Länderregistratoren
(ccTLD) vor allem aus Europa waren skeptisch gegenüber dem Direktorium
und waren zunächst nicht zu substanziellen Zahlungen bereit. Folge:
Eine Notfinanzierung mit Hilfe einiger Firmen, z.B. von IBM und anderen
amerikanischen Internetfirmen. Das hinterließ natürlich den
Eindruck, das ICANN von Beginn unter dem Schirm des „big business“ stand.
Schwierige Verhandlungen
Ziel war die Öffnung
des Domain-Marktes. Die Eingliederung der Monopolistin „NSI“ (Network Solution
Incorporated; .com) war zum Beispiel eine schwierige Aufgabe.
Schwere Entscheidungsfindung
Die große Durchmischung
von ICANN mit Interessengruppen verschiedenster Art verhinderte eine effiziente
Entscheidungsfindung.
1) Jede Entscheidung des
Direktoriums wurde von einem bedeutenden Teil des Privatsektors nicht oder
nur unter großem Protest anerkannt (ansonsten saßen ja nur
die „Old boys“ des Internet in dem Gremium)
2) Die Direktoren verzögerten
die Offenlegung der internen Arbeitsabläufe
Das demokratische Experiment
Was groß angekündigt
wurde, fiel am Ende ernüchternd aus. Im November 2000 fanden die Wahlen
statt, aber bis dahin registrierten sich nur 160.000 von zig Millionen
Internet-Usern als Wahlberechtigte. Tatsächlich abgestimmt haben dann
nur 24.000. Die Zahl der frei wählbaren Mitglieder war zwischenzeitlich
auf fünf gesunken (einen für jeden Kontinent). Am Ende setzten
sich für Europa Andy Mueller-Maguhn (6'000 Stimmen), für Nordamerika
Karl Auerbach (1'000), für Afrika Nii Quaynor (67 Stimmen), für
Asien/Australien/Pazifik Masanobu Katoh (14'000 Stimmen), für Lateinamerkia
Ivan Moura Campos (1'000 Stimmen) durch.
Auf das größte
Interesse stieß die Wahl in Deutschland und Japan, weil sie eine
hohe Medienpräsenz erreichte.
Aufgrund dieser Probleme gerieten die zentralen Aufgaben von ICANN massiv in den Hintergrund. Als Erfolge konnte das Direktorium immerhin ein weitgehend selbständig funktionierendes Streitschlichtungsverfahren sowie die gut entwickelte Konkurrenz im Markt der Domainregistrierungen verbuchen.
4) Umbau
Zu Beginn des Jahres 2002
hatte der allgemeine Missmut gegenüber ICANN ein solches Ausmaß
erreicht, dass eine Reaktion des Direktoriums unausweichlich wurde. Die
Reihe der Kritikpunkte präsentierte sich lang und wuchs beständig!
Zudem war die Öffentlichkeit mehr und mehr auf den ICANN-Prozess und
die vielfältigen Missstände aufmerksam geworden.
Holitscher meint dazu: „Die
private Selbstregulierung stößt dort an Grenzen, wo die Marktteilnehmer
selbst die Regeln des Marktes aufstellen sollen.“
Das Problem: Eine überlebensfähige
ICANN musste mindestens über ausreichend Legitimität verfügen,
damit sich die über die ganze Welt verstreuten Internetakteure zur
Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen überhaupt an die Organisation
wandten und nicht autonom vorgingen. Aber gerade diese notwendige Legitimation
schien ICANN vollends abhanden gekommen zu sein. Dazu kam eine existenzielle
finanzielle Krise.
Folge war eine Reform und
ein Umbau der ICANN und es entstand ICANN 2.0, also quasi ICANN Reloaded.
Der ICANN-Präsident
Stuart Lynn forderte eine Neukonfiguration der Organisationsstruktur. Der
direkten Nutzervertretung erteilte er eine Absage. In der reformierten
ICANN sollten technischen Belangen verpflichtete Interessengruppen an Einfluss
gewinnen, zivilgesellschaftliche Interessen aber zurückgestuft werden.
Die länderspezifischen Domainverwalter sollten eine eigene Supporting
Organization erhalten, die At-Large-Membership aber abgeschafft werden.
Angesichts der ernüchternden
Erfahrung damit erkannte Lynn die Möglichkeit, die Regierungen verstärkt
einzubeziehen. Diese seien schließlich demokratisch gewählt
und könnten die Interessen der jeweiligen Nutzergemeinschaft am effektivsten
vertreten.
Die wichtigsten Punkte
- Stärkung des ICANN-Direktoriums
als verantwortliches Entscheidungsorgan,
- Abschaffung der direkten
Nutzervertretung im Direktorium,
- Konzentration auf das
Domain Name System,
- Differenzierung zwischen
den Bereichen generische Namen und Ländercode-Namen (ca. 250 ccTLD-Verwaltungen)
durch eigene Fachorganisationen: Generic Names Supporting Organization
(GNSO) und Country Names Supporting Organization (CNSO)
- Verbreiterung der Regierungsbeteiligung
durch vom Governmental Advisory Committee ausgewählte Verbindungsleute
ohne Stimmrecht in allen Fachorganisationen, Ausschüssen und im Direktorium
der ICANN.
Neufassung der Ziele
Organisation zur Stabilität
des globalen Internets weiterhin, aber nicht mehr, um die schwerfälligen
Regierungen draußen zu halten.
Die neue Organisationsform
sah wie folgt aus:
14 Direktoren plus 1 stimmberechtigter
Präsident
2 von der ASO (nicht mehr
3)
2 von der DNSO (nicht mehr
3)
2 von der GNSO (Generic
Names Supporting Organization)
2 von der Country Code Names
Supporting (CCNS)
plus
8 vom neuen ICANN Nominating
Gremium (NomCom) gewählte Direktoren.
Weiterhin sind
6 nicht stimmberechtigte
Direktoren dabei (u.a. die GAC/Regierung und die At-Large...)
Es wurde darauf geachtet,
dass mind. 1 Direktor pro Kontinent vertreten ist.
Also:
Der Einfluss der Regierungen
ist gestiegen. Sie haben viele Beobachter in den verschiedenen Unter-Organisationen
und im Direktorium platziert.
Damit ist auch die Kooperationsgemeinschaft
der USA gestiegen, die in Zeiten des ökonomischen Abschwungs auf die
Zusammenarbeit mit anderen Staaten angewiesen ist.
Dennoch verfügt die
USA aber weiterhin über die Möglichkeit, den ICANN-Prozess zu
stoppen und somit über die Kontrolle.
Aus der delegierten Selbstregulierung ist eine Ko-Regulierung geworden.
Aber:
Wo sind die individuellen
Nutzer hin?
Die nicht-kommerziellen
Internutzerinnen und –nutzer wurden von den Umstrukturierungen am härtesten
getroffen. Die „Netizens“ verfügen nur noch über ein Mitglied
ohne Stimmrecht im Direktorium. Direkte in der Satzung verankerte Einflussmöglichkeiten
bestehen nicht mehr.
Was lässt sich daraus
lernen?
Probleme lagen z.B. im Wahlkampf.
Das Wahlkreiskonzept war geographisch angelegt, so dass in den meisten
Regionen nicht einmal die sprachlichen Voraussetzungen für eine Verständigung
unter den Mitgliedern bestand. Eine nahe liegende Vermutung ist, dass Wahlen
in transnationalen Zusammenhängen vorläufig wohl nur dann sinnvoll
sind, wenn das Wahlrecht mit einer forlaufenden, verbindlichen politischen
Teilhabe verknüpft ist. Es gibt wohl zurecht die Sorge, dass nach
dem Wegfall demokratisch gewählter Volksvertreter gut organisierte
Industrieinteressen die Kontrolle über die Belange der Internetverwaltung
zu Ungunsten der globalen Allgemeinheit übernehmen werden. Und es
ist bedenklich, dass aus den Schwächen der Internetwahl kein Lernprozess
eingeleitet, sondern die At-Large Membership direkt aufgelöst wurde.
Wohl eine verlorene Etappe auf dem Weg zur Demokratisierung.
5) Zukunft
Die Reformphase des ICANN
ist noch nicht abgeschlossen, das zum einen. Wir haben noch keine Unterlagen
darüber, wie gut bzw. schlecht die ICANN nach dem Umbau (beschlossen
im November 2002 in Shanghai, laut Unterlagen) funktioniert.
Zum anderen muss das Domainnamensystem
trotzdem noch weiter reformiert werden. Es ist nicht differenziert genug,
um die vielfachen Namensgleichheiten der realen Welt angemessen widerspiegeln
zu können. Es gibt eine heraufziehende Namensknappheit. Was ist, wenn
jeder europäische Bürger mit seinem Namen im Netz vezeichnet
sein möchte? Vertrösten wir ihn damit, dass das Alphabet noch
jede Menge abenteuerlich klingender Buchstabenkombinationen zulässt?
Die Überschrift eines
Textes, den wir gelesen haben, ist eine ganz spannende Frage: „ICANN -
Eine Internet-UNO oder US-Kontrolle für immer?“
1) Textvorlage: Volker Leib: "ICANN und der Konflikt um die Internet-Ressourcen"
2) Textvorlage: Volker Kleinwächter: "ICANN - eine Internet-UNO oder US-Kontrolle für immer?"
3) Textvorlage: Marc Holitscher: "Die Regulierung des Internets zwischen technischer Koordination und politischer Steuerung"
4) Die Homepage von Frau Hofmann findet Ihr HIER