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Schwenken und Moppel vor dem Mikro, Yahia und Dedic treffen
Nur ein Videodreh
Viel gesehen hab ich vom Spiel eigentlich nicht. Weiß nur, dass es 2:1 ausgegangen ist, dass es ein hochsommerlicher Tag war, dass Yahia per Kopf getroffen hat und Dedic per Fuß, dass unser Gastspieler Omar Baljic bis auf die Vorlage zum Dedic-Tor nicht gerade energisch für sich selbst geworben hat. Sonst war ich aus beruflichen Gründen im westfälischen Telgte. Und zwar deshalb:
http://www.derwesten.de/nachrichten/sport/2009/7/23/news-126910236/detail.html
Für die Interviewfragen am Rand des Spiels war ich zuständig, für Kamera und Schnitt DerWesten-Kollege David (bei Twitter "Ruhrpoet"). So konnte ich zum ersten Mal mit Ansgar Schwenken und Moppel sprechen. Yeah.
Wenn nach 41 Minuten einer nagelneuen Saison "Wir ham die Schnauze voll" ertönt, weiß der Experte: Hier spielt der VfL Bochum
Wirste bekloppt
Gerd ist Papa geworden.
Wir brauchen 41 Minuten,
um in einer nagelneuen Saison "Wir ham die Schnauze voll" zu brüllen.
Azaouagh landet bei der
Wahl zum "Tor des Monats August" auf den Plätzen eins und zwei.
Halt, halt, halt, halt,
halt, stopp.
Löschen und spul zurück.
Verrückte Starts hat
der VfL Bochum schon viele erlebt. Aber das ist der chaotischste, kurioseste,
erbärmlichste, sensationellste, unglaublichste Superlativ-Start aller
Zeiten. Und dafür gibt es viele, viele, viele Gründe. Bei diesem
Verein wirste bekloppt. Keine Ahnung, wo ich anfangen soll. Keine.
Die private Schiene
Gerd schreibt eine sms,
eine halbe Stunde vor Spielbeginn: "Mach dich dünn, ich komme sehr
zeitnah zum Spiel. Bin vorgestern Vater geworden." Ich gratuliere natürlich
so schnell und so artig wie möglich und warte. Entscheide, den anderen
um uns herum Bescheid zu sagen - und als Gerd dann um 15.28 Uhr erscheint,
gibt es viele Glückwünsche und vom Professor den Satz aus der
bei mir beliebten und oft erwähnten Abteilung "naheliegende Sprüche":
"Und, schon angemeldet?" Ein Mädchen ist's geworden und Gerd verneint.
Seine Frau habe das abgelehnt. "Dabei soll es das Kind doch besser haben
als ich." Ich werde ihm irgendwann einen Bobbi Bolzer schenken, und fest
steht schon jetzt: Eine Saison, die mit einer so erfreulichen Nachricht
beginnt, kann selbst Marcel Koller nicht in den Sand setzen. Zudem steht
mein Bruder nach monatelanger Pause neben mir in der Kurve, dieses Familienidyll
hatten wir lang nicht mehr. So lange, dass er sich rechtfertigen muss,
in einer Ecke zu stehen, zu der sonst nur 10-Jahre-oder-länger-Dauerkarte-Fans
Zutritt haben. Schön isset.
Die Fan-Schiene
Okay, private Storys abgehakt.
Fans. "Frohes Neues" wünschen wir uns, gehört am ersten Spieltag
einer neuen Saison dazu (Abteilung "naheliegend", siehe oben), mein Bruder
und ich schütten Kaltgetränke in unsere Kehlen, ist ziemlich
heiß hier. Frank Goosens Kolumne beschäftigt sich mit Triers
Trainer Mario Basler, dessen Bild-Ghostwriter ziemlich über den VfL
hergezogen ist. Geschenkt. Marcel Koller ist immer noch Trainer, irgendjemand
um uns herum sagt: "Der bleibt das auch, bis der Altegoer stirbt" und so
langsam findet sich selbst der größte Koller-Gegner damit ab.
Irgendwann kommt eben gar keiner mehr. 29.700 werden's zum Start, eine
stolze Zahl. Liegt aber auch an den 10.000 bis 15.000 Gladbachern auf der
Westtribüne. Dass wir Koller hinnehmen, heißt aber nicht, dass
die Stimmung nicht angespannt wäre. Oh nein. Nach dem 0:1 brüllen
wir noch "VfL! VfL!" und "Auf geht's Bochum schießt ein Tor!", nach
dem 0:2 pfeifen wir und nach dem 0:3 hallt's durchs Stadion: "WIR HAM DIE
SCHNAUZE VOLL!!!" und dass völlig zurecht. Leise "Koller-raus"-Verbalattacken
kommen auch. Und das nach 41 Minuten einer nagelneuen Saison. So sind wir
Fans. Einige gehen nach dem 0:3 gar nach Hause. Ehrlich! Zur Ergänzung
sei noch erwähnt, dass die drei Tore in Halbzeit zwei eine Wahnsinnseuphorie
ausgelöst haben und wir am Ende "Ihr habt gekämpft, wir ham's
gesehen" gerufen haben.
Die sportliche Schiene
Wenn wir Mönchengladbach
schlagen, dann heute. Jeder hier im Viereck weiß das. Die Gladbacher
haben ihre drei besten Leute verloren (Marin, Baumjohann, Galasek), müssen
sechs Zugänge einbauen (sind also noch nicht eingespielt) und von
der Wunsch-Elf fehlen noch drei der wichtigsten Spieler (Torhüter
Bailly, Kapitän Daems, Torjäger Friend). Im Tor steht mit Heimeroth
eine - sagen Gladbach-Fans - "Kartoffel" und vorn stürmt Ein-Bundesligator-Colautti.
Eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison noch weniger Punkte hatte
als wir, ist noch schlechter geworden. Und trotzdem schaffen wir es, von
dieser Clowntruppe 48 Minuten lang aus dem Stadion gespielt, gedribbelt
und geschossen zu werden. Unsere elf Spieler - kein Neuer ist darunter
- versagen. Ein anderes Wort passt nicht. Sie verlieren 95 Prozent der
Zweikämpfe, kommen mit den variablen und technisch starken Gladbachern
in keinster Weise zurecht. Arango schießt nach Pass von Colautti
nach 20 Minuten das zu diesem Zeitpunkt schon überfällige 0:1,
Colautti lässt per Kopf nach Levels-Flanke das 0:2 folgen (26.) und
Brouwers - ebenfalls per Kopf - sorgt für das 0:3 nach 40 Minuten.
Vier Minuten nach der Pause läuft Matmour allein auf Heerwagen zu,
scheitert aber. Das 0:4... Auch das wäre noch verdient gewesen. In
der Höhe wohlgemerkt. Neun Spieler hätte Koller in der Pause
auswechseln können. Anfängerhaft, wie sich Yahia und Maltritz
beim Colautti-Tor verhielten. Zweitligareif, wie sich Dabrowski vor dem
Colautti-Tor von Flankengeber Levels vernaschen ließ, peinlich, wie
Heerwagen vor dem Brouwers-Tor am Ball vorbeisegelte, schlimm, wie Azaouagh
und Epalle jeden Ball im Offensivspiel vertändelten, blamabel, wie
wenig die Stürmer Klimowicz und Sestak arbeiteten. Nach 48 Minuten
brüllen die Gladbacher "Spitzenreiter, Spitzenreiter!" und wir sind
zu diesem Zeitpunkt Letzter. Aber das ändert sich. Und wie. Azaouagh
trifft innerhalb von 48 Sekunden zweimal in den Knick. Zwei "Tore des Monats"
zum 1:3 und 2:3, Wahnsinnstore, unglaubliche Geniestreiche und Einzelleistungen.
In Minute 60 sieht Gladbachs Dante nach Notbremse an Sestak Rot und drei
Minuten später gleicht Sestak per Kopf nach Fuchs-Flanke zum 1:1 aus.
Zwischen der 48. und 63. Minute vergibt Azaouagh noch zwei weitere Chancen,
auch Epalle scheitert mit dem Fuß. 18 der offensivsten Minuten in
der Bochumer Vereinsgeschichte, möchte ich meinen. Doch am Ende gewinnen
wir nicht mehr. Und haben sogar Glück, dass Heerwagen einen Arango-Schuss
mit den Fingerspitzen noch über die Latte dreht. Es wäre der
passende Schluss dieses verrückten Spektakels gewesen.
Die private Schiene II
Gerd verlässt mit dem
Schlusspfiff das Stadion. Mein Bruder und ich applaudieren, ich spreche
"Ihr habt gekämpft" mit, aber nicht laut. Wir resümieren, dass
uns dieses Spiel eher ratlos zurücklässt. Für uns ist das
Glas halbleer, immer noch erinnern wir daran, dass unser Gegner Borussia
Mönchengladbach hieß und erheblich ersatzgeschwächt auflief.
Wir haben erst einen Punkt von 40. Eigentlich hätten es drei sein
müssen. Nächste Woche auf Schalke kommt garantiert keiner hinzu.
So richtig abhaken können wir das Spiel bis in die Nacht hinein nicht.
Höchstens ein bisschen, als wir mit der Familie im besten türkischen
Restaurant Mülheims draußen sitzen, und uns bei sechsmal "Menü
3" den Bauch vollschlagen. Aber über Azaouaghs Traumbuden wissen nun
auch unsere Eltern und unsere Freundinnen genau Bescheid.
Epilog
Und jetzt stellt Euch vor,
ich hätte diesen spektakulären Start nicht in Häppchen verpackt.
Gerd Papa, Bruder da, 0:1, Gladbacher Aufstellung, Aufmunterung, 0:2, Pfiffe,
0:3, Schnauze voll, Bruder muss sich rechtfertigen, 3:3, Arango-Channce,
Gerd geht, Resümee, türkisches Lokal... Aber so ist das in der
Bundesliga: Es ist wieder Fußball. Es ist verdammt gut so. Es ist
Zeit für eine neue, erlebnisreiche Saison. Auf geht's.
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| Der Thommy... | ... und der Papa! |
Mein erstes VfL-Pflichtspiel auf der Pressetribüne wird ein Desaster. Zum Glück rettet Bolts Weltrekord den katastrophalen Sommertag
Sonst steh ich immer genau
in der Ecke
Erbärmlich
Die Schalker während
"Blau und weiß, wie ..."
Thomas Ernst hat sich erst
mal ne Fluppe angesteckt. Und raucht sie so schnell, als müsste er
wie ein grauer Mann in "Momo" daran saugen, um weiterleben zu können.
Oder - um im Sport-Bild zu bleiben - als müsste er daran saugen, um
Kraft für den Rechtfertigungs-Marathon zu tanken. Er saugt und saugt
und zieht dann weiter von einem Mikrofon zum nächsten. Von "Sky" zum
"DSF". Und weiter zum "WDR" und schließlich noch zu "Liga total".
Immer erzählt er das gleiche, drei Kontertore bekommen, erste Halbzeit
katastrophal jawoll. Marcel Koller steht auch irgendwo, ich will nicht
hinhören. Von den Spielern kommt Philipp Heerwagen, unser Torwart.
Na den trifft noch am wenigsten irgendeine Art von Schuld. Die Journalistenhorden
stürmen von Spieler zu Spieler, von Funktionär zu Funktionär
hier in der "Mixed Zone" in der Schalke-Arena, ich stürme auch, mittendrin
und fühl mich doch einsam. Und freue mich jetzt, in diesem Moment
vor dem Computer-Bildschirm, dass der heutige Tag als der Tag des Jahrhundert-100-Meter-Laufs
in die Geschichte eingeht und nicht als Tag des VfL-Untergangs. Am Tag,
an dem Usain Bolts 9,58 steht. Und nicht unser 0:3.
"0:3" lasse ich nicht eintragen,
als ich um kurz nach vier die Arena an einem ganz anderen Eingang als sonst
betrete. Nämlich presswärts. Bin bezeichnenderweise für
die Bereiche "0234" zugelassen - was eine interessante Telefon-Vorwahl
ergibt. Noch sind wir - ein DerWesten-Kollege ist auch dabei - erstaunlich
optimistisch und gut gelaunt. Welches Heimdebüt eines großen
Trainers hat funktioniert, siehe gestern bei Bayerns van Gaal. Warum sollte
das bei Magath anders sein? Sind mit der Straßenbahn "302" von Bochum
gekommen, um das Spiel nicht nur als Straßenbahn-Derby zu bezeichnen,
sondern das auch zu leben. Die 302 fährt an der Jahrhunderthalle vorbei,
an "Wattenscheid Post" und "Gesamtschule Ückendorf" und landet dann
via Gelsenkirchen Hauptbahnhof und Ernst-Kuzorra-Platz an der Arena. Toll.
Dauert 45 Minuten und ist im Hochsommer eine schwitzige Sache, glaubt's
mir. Aber scheißegal, jetzt stehe ich am Medienzentrum und soll einem
jungen Mann meinen Tipp verraten. Wer's packt, kriegt ein paar Veltinsgläser
und -fläschchen. Ich sage ganz brav "2:3", aber nur, weil's sonst
keiner hat.
Und bewege mich dann - wie
alle - in den Presseraum. Ist nicht der erste, in dem ich bin, auch nicht
der größte oder beste, aber schon im oberen Drittel. Es gibt
Rouladen, Kartoffelgratin, Gemüse, Getränke. Mal etwas anderes
als die Bratwurst in der Gästekurve. Als Journalist wird jeder mit
seinen dicken Taschen nicht im geringsten durchwühlt (auf unserer
Tageskarte steht ja 0234), wenn ich da an meine Auftritte hier mit Schal
um den Hals denke, hui. Es gibt das Bundesliga-Magazin für lau, das
Stadionheft auch, wir treffen bekannte Journalistengesichter und ich vergesse
vor lauter Professionalität fast, dass dieses Spiel, das 390. in meiner
VfL-Karriere, ein ganz besonderes ist: Mein erstes VfL-Pflichtspiel auf
der Pressetribüne.
Hab das auch gleich getwittert,
wie sich das heutzutage gehört. Und suche um 17.10 Uhr meinen Platz
im Presseblock 12, Reihe zwei, Platz 12. Sensationelle Sicht, setze mich
hin, checke die Aufstellung (unveränderte Startelf) und hör erstmal
zu, für welches Torjingle sich die Schalker entscheiden. Zur Auswahl
stehen "Chelsea Dagger", "Zombie Nation", "Chase the sun" und "Ein Leben
lang" - scheinbar haben ein paar Fans in Internetforen gemault. Das alte
Torlied "Ein Leben lang" gewinnt eindrucksvoll, der Stadionsprecher lässt
noch eine Spitze los ("Damit dürften alle Kritiker verstummen") und
wir freuen uns auf das Spiel. Aber nur, bis wir sehen, in was für
Trikots der VfL spielt. Was ist DAS? Rosa? Lila? Magenta? Experimente find
ich ja eigentlich gar nicht dumm und für ganz Alternative heizt das
die Homophobie-Debatte (bestimmt) wieder an (wie viele selbst auf der Pressetribüne
sagen: "Das sieht ja schwul aus" - ich mag sie nicht zählen).
Bei mir? Es trifft einfach nicht meinen Geschmack. Die Stimmung hingegen
schon. Voll und ganz. Naja, beim ersten Aha-Moment kurz vor dem Spiel beim
Schalker Vereinslied noch nicht. Die Passage "Mohamed war ein Prophet,
der von Fußball spielen nichts versteht" hatte in der Sommerpause
erheblichen Wirbel verursacht - und wird jetzt dreimal so laut gebrüllt.
Darüber (über die komplette Diskussion) schüttle ich den
Kopf. Gänsehautiger wird es für mich bei "Whatever you want"
von Status Quo. Über das Einlauflied diskutieren und stimmen die Schalker
glücklicherweise nicht ab.
Alle Spieler sortieren sich
danach (Magath wird währenddessen als "Trainer des Jahres" geehrt),
bei uns in der gewohnten Formation, bei den Schalkern nicht ganz. Mineiro,
der neue "Sechser", darf gleich von Beginn an spielen. Unterlegen sind
wir ab der ersten Sekunde, aber ab der 10. Minute ist ein kaum zu ertragender
Zwei-Klassen-Unterschied sichtbar. Mit einer solch erbärmlichen Leistung
hat der VfL Bochum in Liga eins nichts, aber auch gar nichts zu suchen.
Das reicht eben nicht. Ich sehe Thomas Ernst nach dem 34. Spieltag an einer
Fluppe ziehen und sagen: "Wir hatten aus finanziellen Gründen eben
keine konkurrenzfähige Mannschaft in dieser Saison." Wenn da nicht
noch nachgelegt wird bis zum 31. August, dann sprinten wir im Bolt-Tempo
in den Untergang, den Absturz, den Keller. Viel zu langsam, viel zu zaghaft
in den Zweikämpfen, viel zu zäh der Spielaufbau, viel zu mut-
und risikolos das Offensivspiel, keine Dribblings, nicht einmal der Versuch
von schnellem One-Touch-Fußball. Das 90-minütige Hin- und Hergerenne
wird glücklicherweise mit nur drei Gegentoren bestraft, überflüssigerweise
auch noch drei Kontertoren, eine Pointe dieses einseitigen Spiels. Werden's
nicht drei Kontertore, kriegen wir drei andere, bloß nicht nur auf
die Defensiv-/Offensiv-Umschalten-Argumentation setzen, eine von vielen
Schwächen. Tor Nummer eins schießt Amateur Christoph Moritz
nach 36 Minuten, Nummer zwei Heiko Westermann nach einem schlimmen, schlimmen
Ballverlust von Azaouagh an der Mittellinie und für Nummer drei ist
der überragende und nie zu bremsende Farfan zuständig, nach einem
(Achtung!) Eckenkonter rund um die 76. Weitere Chancen hat Thomas Ernst
nicht gesehen. Ich schon. Wie wär's mit Zambranos Kopfball nach einem
Standard in der 15. Minute, der knapp vorbeistrich? Oder mit Westermanns
Schuss an den Außenpfosten in der 65.? Oder mit Kuranyis Verstolperer
bei einem Eckenkonter in der 70.? Oder mit den 12, 13, 14 weiteren Standards,
die sich Schalke bei Ecken und rund um den Strafraum erspielte? Wir haben
zwei Schüsse zu bieten: einen von Sestak in der ersten, einen von
Dedic in der zweiten. Beide pariert Neuer. Aus der Kurve, in der sonst
ich immer stand, kommt kaum etwas. Pfiffe vielleicht noch. Ende.
Nach dem Abpfiff schütteln
wir uns kurz, ärgern uns nicht einmal mehr über das desaströse
Verhalten der Mannschaft über 90 Minuten, verschwinden in Richtung
"Mixed Zone", hören Thomas Ernst, Heerwagen, dann noch Slawo Freier,
Kuranyi undsofort. Bei der Pressekonferenz steht U21-Trainer Adrion an
der Theke - aber einen Bochumer hat er nicht beobachtet. Wir sind ohnehin
die Rentnerband der Liga. Magath spricht von einem verdienten Sieg, haut
noch ein bisschen auf Ruttens Defensivtaktik, rügt Rakitic mit dem
gefährlichen "Er hat sich bemüht". Koller redet von "Mutlosigkeit".
Jaja. Zu essen gibt es nichts mehr, Hunger ist sowieso weg, acht Journalisten
(acht!) haben richtig getippt. Da wird Schalke viel Bier los heute. Mit
der "302" bewegen wir uns Richtung Bochum. Wollen wir jedenfalls, aber
ein kaputter Zug auf der Strecke lässt die Fahrzeit von 45 auf 65
Minuten ansteigen. Auch das noch. Spiel verloren, besoffene Fans, die auch
noch Schalke-Lieder brüllen. "Knüppeldick" heißt das wohl.
Ab "Wattenscheid Post" wird's dann leerer, endlich.
Um 21.15 Uhr am Bochumer
Hauptbahnhof steigen dann nur noch wenige aus. Wir sprinten ins "Three
Sixty" im Bermuda-Dreieck, ordern Finger-Food und Cola. Und wir schauen
uns zum Abschluss das 100-Meter-Finale an. Bolt gegen Gay. Bolt gewinnt
in 9,58 Sekunden. Weltrekord. Unfassbarer Weltrekord. Wenigstens ein Highlight
an diesem sonst famos in den Sand gesetzten Tag.
Dieser Chor sang vor
dem Anpfiff das Steiger-Lied