- Andi´s Arbeitsprotokoll
gibt´s HIER -
(eine wirklich seeehr ausführliche
Statistik)
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Tag für Tag stehen Zeilen in der WAZ,
die aus meiner Feder stammen – na ja, zumindest fast jeden Tag. Auf dieser
Seite kann ich Euch natürlich nicht alle Artikel präsentieren;
schließlich erscheinen pro Monat im Durchschnitt 4000 Zeilen von
mir, das macht über 240.000 Zeilen in den letzten Jahren!
Da in der Sportredaktion sehr viel Alltagsarbeit
anfällt, wie zum Beispiel „normale“ Vorberichte, Kurzmeldungen, „normale“
Spielberichte, habe ich mich dafür entschieden, an dieser Stelle meine
große Reportagen und Porträts zur Verfügung zu stellen
– und mein tägliches Brot nur an ein/zwei Beispiel darzustellen.
Viel Spaß beim Schmökern!
Noch eine Anmerkung: Im Online-Archiv
der WAZ stehen die Texte nur ab Januar 1999. Alle Texte, die ich für
die WAZ zwischen August 1996 und Dezember 1998 verfasst habe, müsste
ich mühsam abtippen. Das werde ich erst nach und nach erledigen.
Foto-Kollege Köhring und der Andi bei Vatan Spor im August 2003
Im Rahmen meiner Tätigkeit für die WAZ/NRZ-Sportredaktion Mülheim bereiste ich einige Sportplätze des Ruhrgebiets mit Bus und Bahn... meine Erfahrungen habe ich auf der Seite "1000 Tipps für Auswärtsspiele" zusammengefasst. Klickt mal drauf!
21.8.1999Ein verlorener Sohn,
der nie weg war
Ex-Profi Michael Klauß wieder
bei Union 09
Treffpunkt 20 Uhr, Klubhaus
des TuS Union 09. Michael Klauß ordert an der Theke eine Spezi und
hockt sich beschwingt in die Ecke. Der Ex-Profi kommt nicht eben wie Absteiger
daher, wenngleich er mittlerweile tief unten in der Landesliga kickt.
Das ist er also. 28 Jahre
alt, sieht noch jung aus, hat sich gut gehalten für so viele Fußball-Jahre.
1977fing er bei Union 09 an, machte weiter in der Jugend des MSV Duisburg
und bei Bayer Uerdingen. Dort wurde er Deutscher B-Jugend-Meister und bestritt
einige Jugend-Länderspiele. Mit Uerdingen und dem VfL Bochum kickte
er in der Bundesliga, zwischendurch ein halbes Jahr in St. Pauli eine Klasse
tiefer. Es folgten ein paar Jahre in der Regional- (Wuppertal, Darmstadt)
und Oberliga (Oberhausen, Wegberg-Beeck). Laut Statistik spielt ein durchschnittlicher
Profi vier Jahre in der Bundesliga. Das habe ich, schmunzelt er. Und jetzt
die Rückkehr des verlorenen Sohnes?
Michael nimmt einen Schluck
von der Spezi und lächelt: „Ich verstehe das nicht. Wieso verloren?
Eigentlich war ich doch nie richtig weg.“ Obwohl er in der Bundesliga spielte
die Abschlussfahrten mit seinen Kameraden von Union ließ er sich
nicht nehmen, wobei durch seinen Vater Heinz als Fußball-Obmann der
Kontakt sowieso blieb.
Trotzdem: Reichlich komisch,
dass Michael im besten Fußball-Alter trotz der Erfahrung von 50 Bundesliga-Partien
jetzt in der sechsten Liga spielt. Es war ein Tribut an meine Familie
dieser Satz fasst die Gründe zusammen. Jahrelang mussten Frau Silke,
die Kinder Christen (4) und Charlyn (1) sowie Golden Retriever Sally auf
ihn verzichten. Während seiner Profi-Zeit holte er das Abi nach, wurde
danach per Fernstudium Diplom-Sportökonom und hat nun einen Job in
Mönchengladbach. Er stand vor der Wahl: „Entweder noch einmal angreifen
und zwei, drei Jahre in der 2. Bundesliga die große Kohle abkassieren,
wobei so groß wäre die gar nicht gewesen, oder zurückkehren
zu Union und mehr Zeit für die Familie haben.“ Die Wahl traf er schnell.
Fußball war nie sein Ein und Alles.
In der Landesliga sei es
sowieso spaßiger. Er weiß, dass er an seiner Erfahrung gemessen
wird und sein Klub nicht zuletzt wegen ihm zu den Aufstiegsaspiranten zählt:
„Das macht mir nix aus. Wer verlangt, dass ich in jedem Spiel zwei Tore
schieße, hat noch nie selbst Fußball gespielt.“
Der Rückblick auf die
Profi-Zeit positiv, aber mit Distanz. Ich habe alles erlebt, in den
schönsten Stadien gespielt. Für den internationalen Fußball
war ich letztendlich nicht gut genug. Realistisch ist er geblieben und
nie abgehoben. Deswegen jucken ihm heute nicht die Füße, wenn
er die ehemaligen Mitstreiter im Fernsehen sieht. Zu Dariusz Wosz hielt
er den Kontakt ein paar Jahre aufrecht. Der war aber nicht die größte
Granate, mit der ich zusammengespielt habe. „Die war Brian Laudrup in Uerdingen.“
Was er viel mehr behalten
hat als seine Teamkollegen, sind die Trainer. In diesem Bereich liegt seine
Zukunft. Die B-Lizenz hat er erworben. Die reicht ihm. Die A-Lizenz wäre
zu professionell (Ich will ja nicht in Verlegenheit kommen). In zwei oder
drei Jahren schon möchte er einsteigen, wenn möglich bei Union.
Hängengeblieben sind in seinem Gedächtnis Trainer wie Werner
Fuchs („leider viel zu früh verstorben“) oder Jürgen Gelsdorf
(„der hatte so eine natürliche Autorität“). Ja, autoritär
müsse ein Trainer sein, meint Michael Klauß. Aber fair.
Nicht nur der Trainerjob
reizt ihn. Als Sport-Ökonom hat er auch von Management eine Menge
Ahnung. Natürlich schüttelt er den Kopf, wenn er sieht, dass
Mülheim in Sachen Fußball im Ruhrgebiet ganz hinten liegt: „Es
ist doch ein tolles Ziel, in einer Stadt wie Mülheim, die viele Fußball-Begeisterte
hat, einmal Oberliga-Fußball zu präsentieren.“ Er selbst ist
waschechter Mülheimer. Apropos waschen: „Die Umkleidekabinen an der
Südstraße sehen noch genauso aus wie vor 15 Jahren. Aber dafür
ist ja kein Geld da.“ Vielleicht besorgt er es ja, irgendwann.
Anderthalb Stunden später,
viel hat Michael Klauß erzählt. Zum Glück hatte er eine
große Spezi bestellt.
Draußen bedecken
die ersten Schneeflocken den Bürgersteig, im kuschelig-warmen Haus
plaudert Nathalie Christian mal leidenschaftlich, mal verlegen über
ihr liebstes Hobby Ski fahren.
Hobby? Ist Ski fahren für
Nathalie wirklich nur ein Hobby? Wohl kaum. Zur Schule gehen in Mülheim,
über die Piste brettern in Stilfserjoch/Italien eine vereinbare
Kombination?
Nathalie schmunzelt. Um
ihren Hals baumeln ein paar gewonnene Medaillen, die sie sich für
den Fototermin umhing. 18 Jahre ist sie alt und sieht mit ihren blonden
Haaren ein wenig aus wie eine Schauspielerin aus den Willy-Bogner-Filmen.
Im normalen Leben werkelt sie am Gymnasium Broich an ihrem Abi. Die meisten
Lehrer unterstützen Nathalies Hobby. Seit Ende August sieht ihr Wochenend-Programm
so aus: Freitags nach der Schule geht es ab nach Italien. Von Samstag bis
Montagabend wird trainiert, insgesamt sieben Stunden pro Tag, dann fährt
sie mit dem Zug zurück nach Mülheim. Also nichts ist es mit wilden
Ski-Partys oder Erholung im Schnee. „Meistens bin ich um 21 Uhr im Bett,
nur selten um 23 Uhr“, berichtet Nathalie. Von Dienstag bis Freitag wird
in Mülheim weiter trainiert: Mit Joggen, Schwimmen, Krafttraining
und Rad fahren hält sie sich fit. Und nebenbei geht sie noch zur Schule.
Wegen des ganzen Stresses schafft sie wahrscheinlich nur einen Notendurchschnitt
von 2,2...
Nathalie startet für
den Ski-Klub Mülheim (den gibt es wirklich) und wird trainiert von
Christian Flühr. Die Begeisterung für den weißen Sport
wurde ihr in die Wiege gelegt: Mit 16 Monaten habe ich zum ersten Mal auf
Skiern gestanden. Als sie 15 war, folgte die erste Ausbildung zur Skilehrerin,
ein Jahr später die zweite. Während dieser Schulung kam die Eingebung,
auch Rennen fahren zu wollen. In diesem Jahr startet sie bei einigen Wettbewerben
der FIS-Reihe und möchte Punkte für den Deutschen Ski-Verband
holen. Höhepunkt ist die 24-Stunden-EM in Ims in anderthalb Wochen.
Einen Tag lang rauf und runter, ohne Pause. „Wer die meisten Runden gedreht
hat, gewinnt. Nur zehn Frauen aus Europa nehmen teil. Die Anderen tun sich
das nicht an.“ Nathalie kennt keine Grenzen, ist aber schon tierisch nervös.
Die Nase voll vom Ski fahren
hat sie nicht. In zwei Monaten will Nathalie einen Weltrekord aufstellen
48 Stunden nonstop auf den Brettern stehen. Nach dem Abi ist ein Studium
angesagt. Irgendwas mit Sport, na klar, auf jeden Fall in Österreich.
Dann kann sie nebenbei als Skilehrerin arbeiten und hat's zum Training
nicht weit. Draußen schneit es. Genug geplaudert. Nathalie denkt
an ihr Privatleben. Ja, das hat sie auch noch.
Andreas Ernst
Von Andreas Ernst
Wenn Uwe Schumann mit
seiner Familie in diesem Jahr unter dem Weihnachtsbaum Geschenke verteilt,
sitzt ein besonderer Gast mit am Gabentisch: Der in Mülheim wohnende
armenische Tennis-Profi Sargis Sargsian ist dabei.
Weihnachten, Fest der Liebe,
die Kerzen auf den Tannenbäumen erhellen die dunklen Straßen.
Auch die Wohnung von Uwe, Anette, Felix und Tom Schumann ist geschmückt.
Es klingelt an der Tür. Nein, der Weihnachtsmann ist es nicht. Der
kommt ja erst am 24. Dezember. Felix Schumann (4) stürmt das Treppenhaus
hinab, Tom (11 Monate) liegt in den Armen von Papa Uwe, dem Teamchef des
Tennis-Bundesligisten Kahlenberger HTC. Felix springt in die auffangbereiten
Arme von Sargis Sargsian. Seit ein paar Wochen wohnt der 27-Jährige
in einem Saarner Appartement, nicht weit vom KHTC-Gelände entfernt.
Ein freundliches „Hello“ ertönt, ab sofort wird Englisch geredet.
Felix schleppt den prominenten Gast ins Wohnzimmer, der Fußball fliegt
durch den Raum.
Auf dem Tisch liegen Weihnachtsplätzchen.
Mit Schokolade, auch welche ohne. In Armenien wird Weihnachten nicht gefeiert,
verrät die Nummer 94 der Weltrangliste. Ein bisschen vom 6. auf den
7. Januar, aber ohne Geschenke. Die Leute arbeiten an diesem Tag. Trotzdem
freut er sich auf den 24., den er im Kreis der Schumanns verbringt. „Wir
treffen uns am Nachmittag, meine Eltern sind dann auch da. Es gibt Gans
zum Abendessen, wir werden Lieder singen, dann die Geschenke an die Kinder
verteilen“, sagt Anette Schumann. Ein klassischer Weihnachtsabend. Es ist
etwas anderes, mit
jemandem aus einem anderen
Land zu feiern. „Sargis ist ein sympathischer Mensch“, meint Anette Schumann.
Seit zehn Jahren hat sie kein Englisch mehr gesprochen und sich nun einen
Übersetzer gekauft. „Es ist schön, nicht nur geschäftlich,
sondern auch freundschaftlich verbunden zu sein“, ergänzt Uwe, der
Sargsian im Rahmen seiner Firma Professional Management Team Ruhr (PMTR)
betreut.
Acht Jahre lang lebte Sargis
Sargsian in Orlando/USA. Dort ist die Weihnachtskultur wie in Deutschland.
Sargsian mag das Weihnachtsfest. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist toll
für die Kinder. Er selbst will auch Vater werden. Erst ein Mädchen,
dann zwei Jungs.
Das Handy von Uwe Schumann
klingelt. Ein Flugtermin wird nachgefragt. Am 27. Dezember jettet Sargis
Sargsian in Richtung Australien. Mitte Januar beginnen die Australian Open
in Melbourne das erste Grand-Slam-Turnier im Jahr 2001. Seit Wochen
arbeitet er mit Trainer Arif Ünal hart, hat zum Beispiel seinen Aufschlag
umgestellt. Er quält sich stundenlang im Fitness-Studio, trainiert
mit den KHTC-Teamkollegen Björn Jacob und René Heidbrink. Sargsian:
„Ich mag das Turnier in Australien nicht so sehr. Die Hitze macht mir nichts
aus, aber es ist windig, und die Courts liegen mir nicht.“ Sprich: Eigentlich
flog er immer früh raus.
Nun soll alles anders werden.
Zuerst spielt er die ATP-Turniere in Adelaide und Sydney, dann reist er
gemeinsam mit Arif Ünal weiter nach Melbourne. Der KHTC-Trainer freut
sich vor allem auf Trainingseinheiten mit André Agassi, mit dem
Sargsian mehrmals Doppel spielte. Sein Ziel für das Jahr 2001 hat
der Armenier hochgeschraubt. Eigentlich sollten es die Top 50 der Welt
sein. Das war vor ein paar Wochen. Nun will ich unter die ersten 30. Doch
halt: Seine Ziele nimmt er erst ab Montag wieder ins Visier. Morgen lässt
er den Tennisschläger in der Ecke stehen. Dann ist Fußball spielen
mit
den Schumann-Kindern, Gänsebraten
essen und Geschenke auspacken angesagt.
Denkt ein viel beschäftigter
Tennis-Profi eigentlich wenigstens zu Weihnachten an seine eigene Familie?
„Ich telefoniere ab und zu mit meinen Eltern, aber das hat mit Weihnachten
nichts zu tun. Mein Bruder wohnt in den USA, arbeitet dort als Computer-Programmierer.“
Sargis Sargsian, ein intelligenter Mensch, der jede Frage beantwortet;
der auf Menschen zugeht, drei Sprachen spricht (Russisch, Armenisch, Englisch).
Bald sollen Deutsch und Spanisch folgen. Die ersten Wochen der Zusammenarbeit
waren laut Uwe Schumann optimal. „Sargis ist einer, der sich über
Kleinigkeiten freut, der auch einmal ,Danke' sagen kann. Unter den Tennis-Spielern
ist er sehr beliebt. Er geht auf Menschen zu, aber es helfen ihm auch viele
Leute.“
Fühlt sich ein Tennis-Profi,
der 52 Wochen im Jahr mehrmals die Welt umrundet, irgendwo heimisch? Eine
schwierige Frage. Da nippt Sargis Sargsian lieber erst an seinem Apfelsaft-Glas,
bevor er antwortet. „Heimat? Ich habe hier in Mülheim momentan meine
Basis. Ich bin ja nicht hierher gezogen, weil die Stadt so schön ist
oder etwa das Wetter. Das Wetter hasse ich im Moment sogar. Aber Heimat?
Ich weiß nicht. Irgendwie ist es vielleicht doch Armenien. Meine
Eltern wohnen dort, unser Haus steht dort, ich spiele für Armenien
und werde immer für Armenien spielen.“ Doch seine Besuche in dem Land,
das an die Türkei und den Irak grenzt, sind rar geworden.
Felix Schumann zupft an
Sargis Sargsians Hand. Er will wieder Fußball spielen. In drei Wochen
wird sich Papa Uwe die Nächte um die Ohren schlagen und die Australian
Open nachts vor dem TV-Gerät verfolgen. Dem Sohnemann sagt er nichts
davon. „Nachher will er noch mitgucken, wenn er hört, dass Sargis
spielt.“ Dieser schaut auf die Uhr, trinkt sein Glas aus. Bald ist Training
angesagt, dann muss er noch Einkaufen. Er fühlt sich wohl in Mülheim.
Von Andreas Ernst
Den 24. Oktober 1999
wird Fußballspieler Orhan Özcan nie vergessen. In der Partie
des Landesligisten Vatan Spor beim VfB Homberg wurde Schiedsrichter Carsten
Bongers durch Tritte schwer verletzt. Özcan erhielt als einer der
angeblich Hauptschuldigen eine anderthalbjährige Sperre. Am 6. Mai
darf er wieder spielen.
Wenn es um die Ereignisse
an jenem Sonntag im Herbst geht, dann spult Özcan wie eine Kassette
seine Version ab. Immer wieder erzählt er sie, ob vor dem Landgericht,
dem Sportgericht oder seiner Familie, Freunden und Mitspielern: „Das 2:1
für Homberg fiel, unsere Abwehr war stehen geblieben, die Fahne des
Linienrichters oben. Der Schiedsrichter erkannte auf Tor. Wir sind alle
zu ihm gerannt. Bevor ich da war, hatte ihn der erste Zuschauer umgetreten.
Ich habe gar nichts gemacht.“ In seinen Augen hätte das Urteil nur
unschuldig lauten dürfen.
Es kam anders. Am Montag
nach dem Spiel klingelte die Polizei an. Sie verhaftete mich wegen „versuchten
Totschlags“. Eine Nacht war ich in Gewahrsam und wusste nicht, warum. Während
der Sportgerichtsverhandlung sagte ein Großteil der Zeugen
ob von Vatan- oder VfB-Seite für Özcan aus, aber die Spruchkammer
sah die Schuld des 25-Jährigen, der bei Mannesmann arbeitet, als erwiesen
an. VfB-Spieler hätten ihn erkannt. Der Vorwurf: Orhan Özcan
habe Bongers mit einem Tritt zu Fall gebracht. Anderthalb Jahre wurde er
dafür gesperrt.
Die 18 Monate ohne Sport
prägten den Mittelfeld-Regisseur, der bei Kocaelispor sogar auf vier
Einsätze in der ersten türkischen Liga kam. „Ich wurde von Jedem
als der Schuldige angesehen nach dem Urteil. Von vielen war ich sehr
enttäuscht, auch vom damaligen Vatan-Vorstand. Kein Anruf kam. Aus
diesem Kreis hielt nur Turan Isleyen zu mir.“ Dieser übernahm vor
kurzem den Vorsitz, und nur deshalb kickt Özcan weiter für Vatan.
Am Sonntag muss er beim
1. FC Kleve nicht mehr zuschauen. Trainer Pascal Notthoff freut sich darauf,
endlich seine Nummer 10 einsetzen zu können: „Ich habe Orhan als einen
fairen, ehrlichen Sportsmann kennengelernt und glaube, was er sagt. Für
die Landesliga ist er ein überragender Spieler.“ Geschäftsführer
Boris Walitza meint: „Ich bin sicher, dass es nicht so war, wie es ihm
vorgeworfen wird.“ Walitza hatte zwei Gnadengesuche beim Fußballverband
Niederrhein eingereicht beide wurden abgelehnt. „Er würde nie
einen Schiedsrichter treten“, urteilt sein damaliger Trainer Mohamed Ali
Abdelhafid. Özcan: „Hätte ich etwas gemacht, hätte ich das
auch zugegeben.“
Dass ihm die Verletzungen
von Schiedsrichter Bongers leid tun, hat er mehrfach gesagt: So etwas darf
nie passieren. In Kleve zieht Özcan erstmals gemeinsam mit Yücel
Akdan im Mittelfeld die Fäden. Ein Moment, auf den er lange wartete.
Von Andreas Ernst
Wenn die Fans des VfB
Speldorf ihren Lieblingen im Moment zusehen, wissen sie nicht, ob sie lachen
oder weinen sollen. Beim SV Hilden-Nord fuhren die Grün-Weißen
zwar den dritten Sieg in der dritten Fußball-Verbandsligapartie ein,
doch sicher herausgespielt war der 2:0 (0:0)-Erfolg beim Schlusslicht nicht.
Es ist schwierig, die Leistung
der Grün-Weißen treffend zusammenzufassen. In der ersten Halbzeit
retteten die Speldorfer mit Mühe das torlose Remis in die Kabine,
in der Schlussphase hätten sie dagegen spielend hoch gewinnen können.
Doch genau das unterscheidet die Grün-Weißen noch von einer
Spitzenmannschaft: Sie spielen nicht konstant genug und werden deshalb
irgendwann eine Partie bei einem vermeintlich schwachen Gegner verlieren.
Der SV hatte sich die 0:2-Heimniederlage
vor 300 Zuschauern an der Furtwängler Straße selbst zuzuschreiben.
In der ersten Hälfte spielte er sehr aggressiv, häufig unfair.
Vier gelbe Karten holten sich die Gastgeber im ersten Abschnitt ab, doch
diese Taktik ging auf. Die Speldorfer ließen sich einschüchtern,
stolperten auf dem Kunstrasen häufig. Doch im VfB-Tor klingelte es
nicht. Michael Lorenz (4./36.) und Markus Zieris (28./31./33.) vergaben
fünf gute Kopfballchancen alle vorbereitet von Andreas Bundschuh,
der über die rechte Seite viel Druck entfachte. „Wir wussten, dass
wir in der Luft Probleme bekommen. Hilden hat große Stürmer“,
meinte VfB-Trainer Dirk Pusch. Bei seinem Team herrschte Flaute im Angriff.
Dirk Roenz und Stefan Majek tauchten unter, Ömer Aydin musste nach
20 Minuten aufgrund von Knieproblemen ausscheiden.
Nach dem Wechsel bekamen
die Speldorfer ein Tor geschenkt. Die Hildener waren in der VfB-Hälfte
in Ballbesitz, als SV-Kapitän Thomas Knüfermann 20 Meter vor
seinem eigenen Tor meckerte. Schiedsrichter Erik Golz (Rommerskirchen)
zeigte Knüfermann Gelb und gab Freistoß für den VfB. Diese
Chance ließ sich Stefan Majek nicht entgehen 0:1 (48.). Die
Gastgeber gaben nicht auf. In der 59. Minute foulte Karsten Rafoth im Strafraum
Volkan Denizci. Doch der Unglücksrabe Knüfermann scheiterte mit
dem Elfmeter an Markus Hangert. Der Torwart ragte gestern aus der Speldorfer
Mannschaft heraus. Nach dieser Szene war die Partie gelaufen. Die Hildener
rannten sich ein ums andere Mal in der nun sattelfesten Speldorfer Deckung
fest, in der vor allem der junge Marc Wildschütz beeindruckte. Bei
Kontern hatte der VfB nun Chancen im Minutentakt. In der 71. Minute vollstreckte
Dirk Roenz nach einem Wildschütz-Pass zum 2:0-Endstand.
Am nächsten Sonntag
steigt am Blötter Weg das erste Spitzenspiel. Dann trifft der VfB
auf Union Solingen. Beide Teams sind noch verlustpunktfrei.
VfB Speldorf: Hangert,
Rafoth, Müller, Wildschütz, Köroglu, Häse, Hoffterheide,
Roenz, Pröpper (86. Karasalihovic), Aydin (20. Konowski), Majek.
Die Mülheimer Fußballfans
fiebern dem Verbandsliga-Lokalderby entgegen. Am Sonntag um 14.30 Uhr stehen
sich an der Südstraße der TuS Union 09 und der VfB Speldorf
gegenüber. Marcus Lemke und Andreas Ernst sprachen im Vorfeld der
Partie mit den Trainern Ernst Bachmann (Union 09) und Dirk Pusch (VfB Speldorf)
über die Favoritenrolle, Taktik, Personalprobleme, Ziele und über
den Mülheimer Fußball.
? Gibt es bei der Neuauflage
des Lokalderbys überhaupt einen Favoriten?
Dirk Pusch: „Aufgrund der
letzten Spiele gebe ich die Favoritenrolle gern an Union weiter. Aber ich
denke, dass es im Derby generell überhaupt keinen Favoriten gibt.“
Ernst Bachmann: „Ich sehe
das genauso. Im Lokalduell kann der Letzte den Ersten schlagen oder ein
Kreisligist den Landes- oder Verbandsligisten. Es ist immer alles möglich.“
? Ist die Anspannung
vor diesem Spiel größer als bei anderen Partien? Gibt es diesbezüglich
Unterschiede bei Spielern und Trainer?
Pusch: „Die Anspannung ist
bei den Spielern sicherlich etwas größer. Ich denke eher an
die Gesamtsituation: Wir müssen unseren Negativtrend stoppen und eine
positive Serie starten. Daher sollten wir die Partie gewinnen. Insofern
ist es für mich ein ganz normales Meisterschaftsspiel.“
Bachmann: „Ich sehe das
Duell als Trainer auch nicht so emotionsgeladen. Für meine Spieler
ist das schon etwas anderes, da sie in der letzten Saison zweimal von den
Speldorfern Prügel bekommen haben. Daher brennen sie auf eine Revanche.“
? Wie tief haben sich denn
die beiden Niederlagen der Vorsaison in den Köpfen der Union-Spieler
festgesetzt? Ist das ein Nachteil oder könnte es sogar ein Vorteil
sein?
Bachmann: „In einer solchen
Begegnung können die Spieler auch übermotiviert sein. Dann läuft
es natürlich nicht. Wir haben aber einen guten Lauf. Über die
Niederlagen sollten wir nicht mehr nachdenken.“
? Dirk Pusch, fährt
die VfB-Elf aufgrund der zuletzt guten Ergebnisse gegen Union 09 mit viel
Selbstbewusstsein zur Südstraße?
Pusch: „Es spielt keine
Rolle, ob eine Mannschaft mehrmals vorher gewonnen hat. Wir können
uns für die Vorjahressiege heute nichts mehr kaufen. Es beginnt wieder
bei Null.“
? Welche Taktik werden Sie
anwenden? Werden Spieler besonders eng bewacht?
Pusch: „Unsere Taktik ist,
einen Treffer mehr als Union 09 zu schießen. Alles andere ist von
der Situation am Sonntag abhängig. Natürlich werden wir auf einige
Union-Spieler ganz besonders achten.“
Bachmann: „Wir kennen die
Speldorfer Mannschaft sehr gut und haben sie auch in dieser Saison
mehrfach beobachtet. Es
gibt einige Spieler,die wir in Schach halten müssen. Zunächst
sollten wir aber die Mannschaftsaufstellung des VfB abwarten.“
? Gibt es personelle Probleme
vor dem Lokalkderby?
Bachmann: „Joachim Bohra
fällt aufgrund seiner Knieverletzung aus. Ralf Zils ist angeschlagen.
Sein Einsatz ist noch fraglich.“
Pusch: „Dirk Roenz und Martin
Hoffterheide fehlen bei uns. Es sieht auch nicht danach aus, als ob Markus
Hangert im Tor steht.“
? Welche sind im Moment
in ihrem Team die stärksten Mannschaftsteile?
Bachmann: „Wir haben bei
unseren Verpflichtungen Wert auf den Defensivbereich gelegt und auch erst
21 Tore kassiert. Andererseits sind uns aber auch schon 32 Treffer gelungen.
Die Ausgeglichenheit macht uns im Moment stark.“
Pusch: „Wir sind ausgeglichen
von der Rolle. Das liegt einerseits an Verletzungen, aber auch daran, dass
einige nicht ihre Leistung bringen. Ich hoffe, dass es irgendwann knallt
und dann die Form stimmt.“
? Die Neuzugänge spielen
bei Union eine größere Rolle. Hat Union besser eingekauft?
Pusch: „Ich kann nur von
uns reden. Unsere Neuzugänge hatten viel Verletzungspech. Dass aber
ein Marc Wildschütz so hervorragend einschlägt, damit hatte niemand
gerechnet. Ich hoffe, dass alle Neuverpflichtungen in dieser Saison noch
zeigen können, was sie drauf haben.“
Bachmann: „Bei uns hat sich
alles zum Guten gewendet. Vor der Saison hatten wir das Problem mit Hakan
Turna, als er in die Türkei ging. Wir mussten einen Libero finden
und haben Kai Berges geholt. Nun spielen beide. Yücel Akdan kam wie
Phönix aus der Asche. Insgesamt hatte ich nicht so viel Pech mit Verletzungen
wie der VfB. Bei jedem Trainingstag sind mindestens 20 Spieler da.“
? 13 Spieltage sind um.
Haben sich die Ziele verändert?
Pusch: „Oben haben wir im
Moment nichts zu suchen schon gar nicht mit der Leistung, die wir
abliefern. Wenn unsere verletzten Spieler zurückkommen und einige
ihre Normalform wiederfinden, wollen wir uns um den fünften Platz
herum festbeißen.“
Bachmann: „Eigentlich ist
das zweite Jahr schwerer, aber die Liga diesmal nicht ganz so stark. Uns
fehlt die Stabilität, um den vierten Platz halten zu können.
Ein Rang zwischen sechs und acht ist möglich.“
? Was passiert bei einer
Niederlage beim VfB?
Pusch: „Der Druck ist jetzt
schon groß. Viel schlimmer kann es nicht mehr werden. Wir haben noch
längst nicht in die Saison gefunden, obwohl schon so viele Spiele
absolviert sind. Es täte natürlich doppelt weh, ein Derby zu
verlieren, aber davon würde die Welt nicht untergehen.“
? Herr Bachmann, Sie waren
zwei Jahre lang weg von Union. Was hat sich verändert?
Bachmann: „Bei Union bewegt
sich einiges. Es gibt eine Tribüne, neue Umkleidekabinen werden
gebaut, die Zulaufwege sind
besser geworden.“
? Während es in anderen
Sportarten in Mülheim Abstiege zu beklagen gab, geht es im Fußball
aufwärts. Kann die Oberliga ein Thema werden?
Pusch: „Sicher ist die Oberliga
in Zukunft für beide Vereine drin, wenn ein gutes Jahr gelingt und
kein Verletzungspech eintritt.“
Bachmann: „Mülheim
ist keine Fußball-Stadt. Die Speldorfer haben immerhin mehr Sponsoren
im Rücken. Für uns wäre die Oberliga so tödlich wie
in diesem Jahr für Hamborn 07, die nach dem Aufstieg nun unten stehen.
Im Moment ist das indiskutabel.“
? Muss es nicht das Ziel
einer Mannschaft sein, am Ende der Saison vor dem Lokalrivalen zu stehen?
Es gab zwischen Ihnen diesbezüglich kürzlich einen kleinen Disput.
Bachmann: „Das ist doch
klar, dass wir vor Speldorf sein wollen. Nur zu diesem Zeitpunkt, als zu
lesen war, dass Dirk Pusch unbedingt vor Union 09 landen wolle, war aufgrund
unserer Möglichkeiten und unseres Spielermaterials gar nicht daran
zu denken. Jetzt ist die Situation anders, weil Dirk Pusch viele Verletzte
in seinen Reihen hat. Unser oberstes Ziel ist es aber nach wie vor, mindestens
wieder Achter zu werden.
Pusch: „Wir haben natürlich
die Ambition, bester Mülheimer Fußballverein zu bleiben. Mir
würde es aber nichts ausmachen, wenn Union am Ende Erster ist, wir
Zweiter sind und beide Teams aufsteigen.“
Von Andreas Ernst
Es gibt nur ein Ehepaar
in Mülheim, das im Witthausbusch jeden Stock und Stein duzt: Hannelore
und Wolfgang Küpper. Doch ab dem 1. Dezember müssen die Bäume
ohne ihre Lieblinge auskommen. Die Küppers ziehen nach Berlin um.
Es gibt viele Zahlen, die
das Lauf-Lebenswerk der beiden untermauern, und dennoch beschreibt keine
die wirkliche Bedeutung für die Mülheimer Leichtathletik im Allgemeinen
und den TSV Viktoria im Besonderen. Seit 1969 sind sie beim TSV tätig,
als Jugendwart, Mittel- und Langstreckentrainer, Kindergruppenbetreuer,
Organisatoren des sonntäglichen Lauftreffs im Witthausbusch, Veranstalter
von Sportangeboten in Altersheimen und Leiter der Sportabzeichen-Gruppe.
Sie sind TSV-Urgesteine. „Der Verlust ist schmerzlich“, meint die Vorsitzende
Ulrike Dyhr. „Als sie mir die Nachricht bei einem Lauftreff übermittelt
haben“, stockte mir der Atem, ergänzt der Leichtathletik-Abteilungsleiter
laus Moll, der die Küppers von der ersten Sekunde an begleitete.
Es war nicht immer einfach
mit den beiden: Als einen „Widerspruch provozierenden Debattierer“ bezeichnet
Moll den 65-jährigen Wolfgang. Vereinskameraden bezeichnen ihn als
Perfektionisten, der ungern Aufgaben aus der Hand gibt; aber auch als einen
sehr zuverlässigen und treuen Mann mit einem phänomenalen Gedächtnis.
Wolfgang Küpper selbst sah sich nie als Funktionär, sondern als
„Läufer, der sich um administrative Dinge kümmert.“ Selbstverständlich
hat er seine Nachfolge bis ins letzte Detail selbst geregelt.
Seine Frau Hannelore (66)
besticht vor allem durch ein außergewöhnliches sportliches Talent,
das sie allerdings erst spät auch in Wettkämpfen zeigen durfte.
Schließlich war der Marathonlauf lange Jahre für Frauen nicht
zugelassen. Mittlerweile sammelte sie so viele Pokale und Urkunden, dass
sie sich für ihre Berliner Wohnung keine Bilder kaufen müsste...
Die Küppers verlassen
Mülheim für die Läufer der Stadt jahrzehntelang eine
unvorstellbare Nachricht. Der Grund ist sechs Monate alt: In Berlin leben
Tochter Antje und Ehemann Horst mit Enkeltochter Lara. Da Antje wieder
ihrem Beruf als Entwicklungsingenieurin nachgehen möchte, erklärten
sich Oma und Opa Küpper bereit, die tägliche Betreuung zu übernehmen.
Im Bezirk Tempelhof haben sie eine Wohnung gefunden und die Laufstrecken
schon erkundet.
Zur Abschiedsfeier kamen
50 Vereinsmitglieder. Eigentlich hätte er im Witthausbusch, den TSV-Spaßvögel
in „Küppers Busch“ umbenannt haben, stattfinden müssen. Doch
im November wäre dies ein wenig zu kalt gewesen. So fand der Abend
in der warmen Stube am Kahlenberg-Sportplatz statt. Es wurden selbstverständlich
unzählige Anekdoten erzählt. Geschenke zur Erinnerung an Mülheim
bekamen sie viele überreicht unter anderem ein Luftbild und
ein Aquarell vom Witthausbusch. Beim Anblick der Präsente kullerten
die Tränen.
Keine Frage: Auch die Küppers
werden ihre Bäume im Witthausbusch vermissen.
Der Titel einer täglichen
Seifenoper im Fernsehen lässt schon deren Inhalt erahnen: Gute Zeiten,
schlechte Zeiten. Wenn aus dem Mülheimer Sport ein Drehbuch zur Serie
entstünde, welche Namen würden auf der Liste der strahlenden
Hauptdarsteller stehen?
Viele Protagonisten sind
auf dem Wasser zu finden: Vier Jungs mit Goldmedaillen um den Hals. Die
Junioren Philipp Nörtershäuser, Jan-Ole Gehrmann, Tobias Caspar
und Steuermann Stephan Boer werden Ruder-Weltmeister. Annette Henk und
Ute Hüppop gelingt dasselbe im deutschen Drachenbootteam in Philadelphia
(USA). Oder auch Sven Küpper, der Deutsche Meister im Motorbootfahren.
Sich in die Herzen der Fans
kicken Dirk Roenz, Fußballspieler vom VfB Speldorf, und Michael Klauß
von Union 09. Beide stehen als Symbol für den Aufschwung des Fußballsports.
In der fünftklassigen Verbandsliga haben sich der VfB und Union oben
etabliert.
Hauptdarsteller wären
auch Armin Locker, Ringer im Oberligateam des KSV Styrum, der ungeschlagen
bleibt und den KSV zum Klassenerhalt führt, oder Berthold Scholz vom
MASA BSC, Teamchef des zweifachen Deutschen Bogensport-Meisters.
Weitere mögliche Stars:
Reiner Seven vom Fußballklub MSV 07 und Jan-Hendrik Söller aus
dem Herren-30-Tennisteam des Kahlenberger HTC. Der 40-jährige Seven
führt den MSV zurück in die Bezirksliga. Söller ist der
Kapitän der KHTC-Jungsenioren, die an der Mintarder Straße wenigstens
für ein paar lachende Gesichter sorgen und 2002 in der Bundesliga
spielen.
Fähige Darsteller sind
da. Aber gibt es genügend Schauplätze, die serienwürdig
sind?
Aber klar! Zum Beispiel
der mit klatschenden Fans auf der Schlossbrücke, die beim Drachenboot-Festival
ein Boot nach dem anderen ins Ziel brüllen. Das ganze bei 30 Grad
im Schatten. Eine Abkühlung sehnen anderthalb Kilometer weiter flussaufwärts
auch die Läufer beim Ruhrauenlauf herbei, der auch die Massen anlockt.
Und überhaupt: Bei Groß-Veranstaltungen trifft sich die Mülheimer
Sportfamilie. Etwa Tengelmann-Lauf, EASY-Halbmarathon, der medl-Cup im
Tennis, der Tag des Jugendfußballs um hier nur die spektakulärsten
Beispiele zu nennen.
Ohne diese tollen Erfolge
in Abrede stellen zu wollen, ist eines gewiss: Den Deutschen Fernsehpreis
verdienen wir nur in Randsportarten. Die großen Produktionen spielen
anderorts. Denn wer kennt in Dortmund schon den Deutschen Meister im Bogenschießen!
Die Mülheimer Seifenoper
ist die einzige, der Zuschauer untreu werden.
Andreas Ernst
Von Andreas Ernst
Mannschaftsbesprechung.
Ein Dutzend 6- bis 8-Jährige versammeln sich um ihren Trainer. Was
habt Ihr denn zu Weihnachten bekommen?, fragt der Coach. Fünfzehn
Stimmen quasseln durcheinander. Dann unterbricht der Trainer und ruft:
Wollen wir Fußball spielen? Da lassen sich die Kicker nicht zweimal
bitten und bolzen direkt drauflos.
103 Tore setzten die F-Junioren
des VfB Speldorf in den ersten 13 Spielen der Saison in die gegnerischen
Maschen das ist bei einem Durchschnittswert von fast acht Treffern
pro Spiel Spitze im Mülheimer Jugendfußball. Und die Liste der
Spielernamen liest sich wie die Aufstellung einer hiesigen Prominenten-Mannschaft:
Woodburn, Baltromei, Eichholz, Fingerhut. Doch nicht nur, weil hier Söhne
von Galopptrainern, Jockeys und Fußballern im VfB-Trikot kicken,
verdient diese Mannschaft Erwähnung. Sondern auch, weil der Trainer
ein Ehemaliger ist.
Frank Fingerhut, der bis
1994 beim VfB Speldorf und Dümpten 13 in der Bezirksliga trainierte,
bringt nun F-Junioren das Fußball spielen bei. 37 Jahre ist er mittlerweile
alt, der Inhaber der B-Lizenz. „Jugend und Senioren das ist etwas völlig
Anderes“, plaudert Fingerhut, während er von einem Kind unterbrochen
wird: Du Frank... kannst Du mir mal die Schuhe zumachen? Fingerhut lächelt
und hilft gern. Natürlich lässt er sich duzen: „Im F-Jugendbereich
siezen lassen; davon halte ich nichts.“
Er versucht mit seiner Mannschaft
die These zu widerlegen, dass F-Junioren sowieso nur auf einem Knubbel
herumlaufen und alles zum Ball strebt. Wir setzen im Training sehr viel
auf Technik. Was bei uns schon gut klappt, ist das Spiel über Außen
mit einem Rückpass zum Abschluss. Auch Standardsituationen übt
Frank Fingerhut ein. Ganz wichtig ist, dass wir jede
Übung mit dem Ball
machen. Die Abschlussfahrt im letzten Jahr führte in die Fußballschule
des Ex-Schalkers Ingo Anderbrügge
da bekamen die Kinder große Augen. Viel Zeit zum Erzählen hat
Fingerhut während einer Trainingseinheit nicht. Immer wieder wird
er von seinen Kindern gefordert, als Schiedsrichter verlangt. Ein Blick
auf die Trikots verrät die Lieblinge: Bayern Münchens 21 (Alexander
Zickler) ist vertreten, ebenso Portugals 7 (Luis Figo). Eben jener Welt-Fußballer
2001 aus den Reihen von Real Madrid ist auch für Fingerhuts Sohn Tim
der Star. Und mit 39 Toren ist Tim sogar der beste Torschütze des
Teams, vor Marc Baltromei (21) und Pascal Eichholz (20). Beim 19:0-Erfolg
gegen den Nachwuchs des Mülheimer FC 97 traf Tim allein elfmal!
„Er trägt genau wie
Figo die Nummer sieben“, erzählt Frank Fingerhut schmunzelnd, stellt
aber sofort klar: „Er hat zwar die meisten Tore geschossen, aber unsere
ersten Sieben sind ausgeglichen stark.“ Das sei in den meisten F-Jugendteams
anders, in denen es höchstens zwei herausragende Spieler gebe. Seit
dem 24. März 2001 ist die VfB-F-Jugend unbesiegt. Vor knapp zehn Monaten
gab es ein 1:2 beim SV Rot-Weiß. In den Seniorenbereich will Frank
Fingerhut nicht mehr zurückkehren: Bei der Jugend macht es viel mehr
Spaß. Die Kinder würden am liebsten dreimal hintereinander trainieren.
Außerdem sind Mannschaftsbesprechungen
mit F-Junioren ebenso interessant wie anstrengend.
„Wer von Euch war denn Silvester
um zwölf noch wach?“, fragt Frank Fingerhut. Die Finger schnellen
in die Höhe. „Bis drei war ich auf“, schreit der erste. „Bis fünf!“
„Bis sechs!“ „Ich durfte sogar am Bier nippen!“ So ist das in der
F-Jugend. Chaotisch. Durcheinander. Laut. Aber eben liebenswert.
VfB Speldorf F 1: Alexander
Frank, Pascal Eichholz, Dean Woodburn, Marc Baltromei, Sebastian Kirsch,
Kevin Musiol, Dustin Rathke, Onur Gülbeyaz, Moritz Pac, Christian
Decker, Marvin Lepper, Tim Fingerhut, Luca Lersch, Dennis Krause, Felix
Zander.
Vorbei sind die Zeiten,
als die Grußworte beim Neujahrsempfang des Mülheimer Sportbunds
(MSB) nur fünf Minuten dauerten. 2001 passierte einfach zu viel. Um
alle Flops des Vorjahres noch einmal aufzuzählen, brauchte der Vorsitzende
Bernhard Wirkus diesmal 20 Minuten.
Der Duft von Würstchen,
Kasslerscheiben und Bohnengemüse lag schon in der Luft; doch vor der
Hauptspeise waren 350 Vertreter aus 150 Vereinen neuer Teilnehmer-Rekord
heiß auf Neuigkeiten. Auch die anwesende Prominenz wollte es sich
schmecken lassen. Doch vorher galt es, die Klubs über die aktuelle
Situation des MSB zu informieren.
Dezernenten und Politiker
waren in einer bisher nicht dagewesenen Anzahl in die frisch renovierte
Halle an der Südstraße gekommen. An der Spitze stand Oberbürgermeister
Dr. Jens Baganz, der seiner Begrüßung eine optimistische Note
verlieh: „Wir sollten diese Halle als Symbol dafür nehmen, dass wir
unsere Sportstätten so schnell wie möglich wieder auf Vordermann
bringen wollen.“
Nacheinander teilten Baganz
und Bernhard Wirkus den Klubs ihre Meinung über die strittigen Themen
mit. Wirkus sprach lange über die Hallen-Misere: „Die Situation war
und ist unerträglich, die Kritik am Mülheimer SportService aber
unangebracht. 20 Millionen Euro Sanierungsstau lassen sich nicht in fünf
Jahren beheben.“ Jens Baganz hob vor allem die Bedeutung einer Beteiligung
Mülheims an der Olympia-Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region hervor. „Die
olympischen Hockey-Wettbewerbe sind für uns eine einmalige Chance.
Es ist mein Herzenswunsch, dass uns das gelingt.“
Ein positives Signal sollte
von dem Neujahrsempfang ausgehen. Der Optimismus der Funktionäre war
unübersehbar. Doch die Basis blieb da nach wie vor eher skeptisch.
Handballer beschwerten sich über unzulängliche Trainingsmöglichkeiten
im Winter; Fußballer über die ausgefallene Hallen-Stadtmeisterschaft.
Der Frust sitzt tief. Kassler,
Bohnengemüse und Würstchen konnten die Stimmung da auch nicht
anheben.
aer
Wann kommen sie denn endlich?
Die Uhr zeigt 8.20 Uhr, ungeduldig warten 60 Personen am Flughafen Düsseldorf
auf vier Hockey-Weltmeister. Ausgerüstet mit Sektflaschen und Vereinsfahnen.
Dann endlich: Die Tür geht auf, müde Helden stapfen dem jubelnden
Volk entgegen. Dabei ist auch Timo Weß, Kapitän des HTC Uhlenhorst.
Die Blicke wandern in die
Runde. Viele sind da. Vereinskollegen, seine Eltern Hubert und Heidi und
sogar Oberbürgermeister Dr. Jens Baganz. "Schön, dass ihr hier
seid", sagt Timo. Es folgt der Gratulationsmarathon. Als ob die Stunden
zuvor nicht anstrengend genug gewesen wären. Am Samstag der Endspielsieg,
dann die lange Party, am nächsten Tag der 13-stündige Flug vom
malaysischen Kuala Lumpur
über Frankfurt nach
Düsseldorf. Auch "Welthockeyspieler" Florian Kunz, Christian
Schulten (beide Gladbach)
sowie Matthias Witthaus und Bundestrainer Bernhard Peters (Krefeld) überstehen
diese Tortur.
Die Erzählungen beginnen.
"Im Sportstudio am Samstag hattest du deinen großen Auftritt", rufen
die HTCU-Teamkollegen und lachen. In Großaufnahme war der 19-jährige
Weß zu sehen, als er Bundestrainer Peters umarmte. Seine Eltern beobachten
das Geschehen aus der Ferne. "Es ist Wahnsinn, was der Junge miterlebt",
sagt Vater Hubert. In den mageren Mülheimer Sportzeiten grinsen Jens
Baganz und Sportdezernent Wilfried Cleven bis über beide Ohren. "Ehrensache"
sei es, dass sie dabei sind. Der Präsident der Unternehmerverbandsgruppe,
Heinz Lison, spendet der HTCU-Jugendabteilung spontan 500 Euro.
Das bekommt der Weltmeister
nicht mit. Er hat sowieso keine Zeit. Die Schule ruft.
Mittwochmorgen steht eine
Deutsch-Klausur auf dem Plan. Nach den Gratulationen geht die Reise zum
Moerser Adolfinum, seinem Gymnasium. Trotz Müdigkeit. Trotz Jetlags.
Aber das strahlende Weltmeister-Lächeln ist das beste Rezept gegen
Augenränder...
Anmerkung: Ein Geständnis - bei den RSV-Damen bin ich etwas befangen, denn diese Mannschaft ist meine liebste im Handball in Mülheim (ich schaue mir - selten, aber ich tu´s - Spiele dieser Mädels an, obwohl ich nicht über sie berichten muss). Herzliche Grüße gehen an dieser Stelle an alle Spielerinnen, vor allem aber an meine Arbeitskollegin und gute Bekannte/Kollegin/Freundin (sucht Euch was aus) Tina Konrad (die in dieser Mannschaft spielt), ihren Freund Helmut (mit dem ich sehr gerne noch mehr Zeit verbringe als mit Tina, um über alle Themen der Welt zu diskutieren und viel Rad zu fahren, by the way: HELMUT, ICH WERDE DICH BEIM RAD FAHREN IRGENDWANN ABHÄNGEN! UND WIE!) und Tina´s Schwester Marie, die (hoffe ich) alle ab und an mal auf dieser Homepage zu Besuch sind!
Von Andreas Ernst
Der RSV wird 100 Jahre
alt - und dieses Jubiläum verlockt zu Träumen von einer erfolgreichen
Zukunft. Jochen Kraus, Trainer der Damen-Handballmannschaft, wünscht
sich einen Aufstieg in die Oberliga. Doch noch heißt der Alltag "Verbandsliga"
und das Ziel "oberes Tabellendrittel".
In keiner anderen Mülheimer
Mannschaft herrscht so viel "familiäre Atmosphäre" wie im ersten
Damen-Aufgebot des RSV: Gleich drei Geschwisterpaare zählen zum aus
13 Spielerinnen bestehenden Handballkader. Abgänge gab es keine, und
es ist nicht verwunderlich, dass die beiden Neuzugänge eigentlich
keine "Neuen" sind. Anja Karoß und Yvonne Stamm gehörten lange
Zeit der RSV-Mannschaft an, bevor sie eine Handball-Pause einlegten. Nun
sind sie wieder da und - laut Trainer Jochen Kraus - echte Verstärkungen:
"Anja versteht sich mit vielen Spielerinnen blind. Jede Position ist nun
doppelt besetzt", sagt Trainer Kraus.
Apropos Kraus: Der 42-Jährige
hat nach einer fünfjährigen Pause das Verbandsligateam im Vorjahr
erneut übernommen und auf Rang sieben geführt. Die Aufgabe an
der Kleiststraße macht ihm viel Spaß. "Stimmung und Kameradschaft
sind super, wir haben in der Vorbereitung alle zwei Tage trainiert und
auch mal andere Sachen ausprobiert, beispielsweise Aqua-Jogging."
Weil der RSV aber nun zwei
Spielerinnen mehr zur Verfügung hat, könnte die heile Welt aus
den Fugen geraten. Es drohen nämlich Härtefälle und einigen
Spielerinnen oft die harten Bankplätze. Trainer Jochen Kraus sieht
da keine Probleme und meint: "Eigentlich haben alle immer ausreichend Spielanteile
bekommen. Außerdem sind wir so gefestigt, dass wir für den gemeinsamen
Erfolg persönliche Interessen zurückstecken."
Doch was zählt für
den Coach eigentlich als Erfolg? Das obere Tabellendrittel soll es sein,
nachdem die RSV-Damen zuletzt stets nur im Mittelfeld zu finden waren.
Und da wären noch die RSV-Träume im Jubiläumsjahr: "Jeder
Trainer hat das Ziel, irgendwann mal aufzusteigen", erzählt Kraus
und fügt sofort einschränkend hinzu: "In dieser Saison ist dieses
Ziel aber verfrüht." Favorisiert sind seiner Meinung nach Düsseldorf
99 und Gräfrath.
Übrigens: Der letzte
Aufstieg einer RSV-Damenmannschaft in die Handball-Oberliga gelang in der
Saison 1992/93, also vor genau zehn Jahren. Der Trainer damals hieß:
Jochen Kraus - der Mann mit den Träumen.
HINWEIS: Auf der Vereins-Homepage gibt es ein erstaunliches Gästebuch!
Anmerkung: Obwohl ich die Damen-Handballmannschaft mag, heißt das nicht, dass ich den Hauptverein nicht kritisch beäuge. Für diesen Artikel wurde ich (wie ich finde völlig unberechtigt) auf dem Festakt des RSV (ganz offiziell in der Mülheimer Sparkasse, ich durfte (!) am Mülheimer VIP (!)-Tisch sitzen) von älteren RSV-Mitgliedern angefeindet...
Von Andreas Ernst
Die Mülheimer Handballgeschichte
ist eng mit dem Vereinsnamen RSV verbunden. In diesem Jahr feiern die Rasensportler
ihren 100. Geburtstag - und schwelgen dabei in Erinnerungen an die glorreiche
Vergangenheit.
Niederrhein-, westdeutsche
und sogar deutsche Meisterschaften feierte der Klub aus Heißen. Doch
der Reihe nach: 1919 entstand der Rasensportverein als Fusion der Klubs
Verein für Rasenspiele (VfR) Heißen, der 1902 gegründet
wurde, und Mülheimer Spielverein. 1924 begann die Geschichte des Handballsports
beim RSV - und Hans Keiter, der 1936 in Berlin die olympische Goldmedaille
gewann, ist in der Mülheimer Sportszene bis heute bekannt. Der
steile Aufstieg des RSV begann nach dem 2. Weltkrieg, als der RSV im Feldhandball
zweimal den deutschen Meistertitel gewann (1946/47, 1948/49). Die Heimspiele
erlebten oft mehrere tausend Zuschauer. In den Jahren darauf folgten zahlreiche
westdeutsche Meisterschaften, auch als nicht mehr auf dem Feld, sondern
nur noch in der Halle gespielt wurde. Die Saison 1969/70 war schließlich
die letzte in der Bundesliga. Da musste der RSV aber schon nach Oberhausen
ausweichen - in Mülheim stand keine Halle zur Verfügung. Auch
die Handball-Damen machten in jener Zeit auf sich aufmerksam und holten
neben vielen Niederrheinmeisterschaften (die letzte 1968) auch zweimal
den deutschen Titel (1960, 1961).
Der Handball spielte in
den 100 Vereinsjahren immer die Hauptrolle. Von den übrigen Abteilungen
sind lediglich die Fußballer - die 1973 ihren Gipfel mit dem Aufstieg
in die Landesliga erreichten - und die Leichtathleten noch übrig,
während die Sportarten Volleyball, Schwimmen, Tischtennis, Fechten
und Tennis lediglich kurze Episoden blieben.
Nun zeigt der Kalender aber
das Jahr 2002 an - und der Verein RSV fristet in Mülheim ein Mittelmaß-Dasein.
Bei den Handballspielen der Herren- und Frauenmannschaften finden sich
nicht mehr Tausende, sondern höchstens zwei Dutzend Zuschauer ein,
der RSV-Platz an der Rudolf-Harbig-Straße hätte eine Modernisierung
nötig und die Fußballer bevölkern seit vielen Jahren das
Mittelfeld der Kreisliga A, achte Klasse im Fußball. Von einst 1450
Mitgliedern Ende der 70-er Jahre sind nach Auflösung der Schwimmabteilung
nur noch 640 übrig geblieben. Es verwundert nicht, dass in der Festschrift
die Vergangenheit bis 1970 ausführlichst behandelt, die Gegenwart
aber nur beiläufig erwähnt wird. Der Name "Rasensportverein"
trifft auch nicht mehr zu. Die Fußballer spielen auf Asche, die Handballer
in der Halle.
Doch trotz aller Mittelmäßigkeit
wird das runde Jubiläum groß gefeiert. Schon seit dem 98. Geburtstag
im Jahr 2000 laufen beim RSV-Vorstand um den Vorsitzenden Norbert Zmorek
die Vorbereitungen. Die Fußball- und die Handballjugend-Abteilung
veranstalteten bereits Jubiläumsturniere. Vom 19.9. bis 22.9. folgt
eine Sportwoche. Diese wird von den offiziellen Feiern eingerahmt: Der
Festakt steigt am 15.9. in der Sparkasse, der Festball am 28.9. in der
Stadthalle.
Von Andreas Ernst
Die herbstliche Sonne
überflutet das Fußballstadion am Blötter Weg. Am Sonntag,
beim Derby zwischen Union und Speldorf, werden bestimmt 1000 Zuschauer
dort sein. Doch 72 Stunden vor dem Anpfiff nehmen nur zwei auf der Tribüne
Platz: die Spieler Thorsten Burgsmüller und Hakan Köroglu.
Burgsmüller, 25, Fernmelde-Techniker,
läuft dann im grün-weißen Trikot des VfB Speldorf auf.
Köroglu, 28, Mitarbeiter in einer Werbe-Agentur, trägt das Union-Dress.
Eines verbindet sie: Sie haben schon bei beiden Klubs gespielt.
Ein wenig blinzeln müssen
sie beim Blick in die Sonne. Zum Derby fällt ihnen viel ein - beispielsweise
die Erinnerungen an die Zeit beim jeweils anderen Klub. "Ich war jung",
erzählt Burgsmüller, "und nur ein Jahr bei Union. Den Durchbruch
habe ich nicht geschafft." Ganz anders Köroglu: "Fünf Jahre war
ich beim VfB Stammspieler. Wir hatten eine charakterstarke Mannschaft,
die den Verein dahin geführt hat, wo er jetzt steht."
Nachdenklich schaut Köroglu
auf den Rasen an der "Blötte". Es ist zu spüren, dass es ihn
wurmt, von Trainer Frank Kurth aussortiert worden zu sein. "Ich habe die
Entscheidung des Trainers respektiert, aber sie kam plötzlich und
sehr spät." Stark genug für die VfB-Elf hätte er sich "auf
jeden Fall" gefühlt. Zum Thema "Trainer" kann Burgsmüller auch
etwas beitragen. "Ich war oft nicht einer Meinung mit Ernst Bachmann. Ich
wäre nicht gegangen, aber er wollte mich nicht mehr haben. Leider
sagte er mir das damals nicht persönlich."
Nachkarten wollen beide
nicht. Beispiel Burgsmüller: "Sicher ist es schön, gegen einen
alten Trainer zu gewinnen. Aber ich muss nicht mehr beweisen, dass ich
Fußball spielen kann."
Die Herbstsonne scheint
immer noch. Die Unterhaltung schwenkt auf die Unterschiede zwischen den
Klubs über. "Bei Speldorf wird sehr professionell gearbeitet", meint
Burgsmüller. "Die Unterschiede liegen im finanziellen Bereich", entgegnet
Köroglu und ergänzt: "Speldorf hat zum ersten Mal einem Trainer
so viel Verantwortung überlassen. Der durfte alles selbst zusammenstellen."
Köroglu, der Neu-Unioner, denkt scheinbar oft über seinen Ex-Klub
nach, der - so betont er ständig - klar favorisiert sei.
Die Diskussion kommt zum
Schluss. Ist das Derby für die beiden ein besonderes Spiel? "Eigentlich",
sagt Burgsmüller, "sind alle 30 Spiele gleich wichtig, aber wir wollen
schon zeigen, dass wir die Nummer eins in Mülheim sind." Köroglus
Vorfreude ist groß. Noch
einmal legt er seine Stirn
in Falten. "Es stellt sich die Frage, wie viele Mülheimer noch beim
VfB spielen." Und er, ein Mülheimer, fügt hinzu: "Vielleicht
ist das ein kleiner
Vorteil für uns."
Zum Abschied reichen sich
beide die Hand. "Bis Sonntag", ruft Burgsmüller. Bleibt das Wetter
schön, dann wartet eine große Kulisse auf die zwei.
Von Andreas Ernst
Dass er den "Preis der
Sparkasse" gewonnen hatte, bekam Wolfram Wiese gar nicht mit. Er flog auf
seinem Rad mit einer solch rasenden Geschwindigkeit durchs Ziel, als wollte
er noch einmal 84 Kilometer zurücklegen.
Die Zuschauer hatten die
Sieger der "Tour de France"-Etappen vor Augen: Wie sie das Trikot noch
einmal zurechtrücken, beide Arme in die Luft strecken und laut jubeln.
Doch Wolfram Wiese spielte da nicht mit. Böswillig meinte er das aber
nicht. Die Rennjury vergaß schlichtweg, die letzte der 70 Rennrunden
einzuläuten - und Wiese ahnte nicht, dass er schon gewonnen hatte.
Dies war eine von vielen
Episoden am Radrenntag "Rund in Winkhausen" mit dem Start- und Zielpunkt
an der Hügelstraße. Der "28. Preis der Sparkasse" war das Hauptereignis.
90 Top-Fahrer aus Dänemark, Tschechien und Deutschland gingen an den
Start, aber nur 27 kamen an. Das Tempo war auf dem 1,2-km-Rundkurs für
die meisten einfach zu hoch, am Ende erreichte Sieger Wiese ein Stundenmittel
von knapp 50 km/h. Bereits nach 20 Runden hatten sich Wiese und fünf
weitere Fahrer vom Hauptfeld abgesetzt. Nachdem der
große Favorit Lars
Wackernagel (München) durch einen Reifenschaden weit zurückfiel,
war der Weg für Wolfram Wiese frei.
Begleitet vom Beifall der
Zuschauer fuhr der Kölner dem Sieg entgegen. Doch so sehr die Radfans
auch klatschten - der Organisator Klaus Külschbach vom RC Sturmvogel
schaute ein wenig enttäuscht an den Streckenrand. Während des
Hauptrennens verirrten sich maximal 600 Fans nach Winkhausen, über
den Tag verteilt schätzte Külschbach die Zahl auf 2000. "Hätte
ich Erik Zabel hier, wäre die Bude voll." Doch ein Zabel, der kommt
nicht umsonst. Insgesamt 12 500 Euro muss der RC durch Sponsoren aufbringen,
um unter anderem Siegprämien, Startgelder und Unterbringungskosten
für Gäste zu bezahlen. Zabel allein kostet mindestens das Doppelte.
Die Veranstaltung hat ein
hohes sportliches Niveau, doch scheinbar locken nur Radprofis mit großen
Namen die Massen an. Külschbach und die 40 Helfer vom RC Sturmvogel
gaben sich alle Mühe, auch als zwischendurch ein kurzer Regenschauer
die Stimmung ein wenig vermieste.
Nicht nur die 90 Starter
im Hauptrennen waren aktiv, sondern auch 340 Fahrer in drei weiteren Klassen.
Am Ende gewannen Tim Gajewiak (Stadtlohn/Schüler U 15), Joop Ribbers
(Niederlande/Senioren) und Friedemann Schmude (Stromberg/C-Klasse). Mülheimer
landeten nicht auf den vorderen
Plätzen, der Schüler Matthias Raaben hatte sogar Pech. Er stürzte
und musste verletzt ausscheiden.
Die letzte Episode lieferte
der "Mann des Tages" Wolfram Wiese. Als er das oberste Treppchen erklomm,
riss auch er endlich die Arme hoch. Da holte er den Jubel nach, den er
bei der Fahrt über den Zielstrich vermissen ließ.
Hallo Ihr Lickfelds ! Ich weiß, dass einige von Euch auch mal auf meine Homepage klicken. Daher seid ganz besonders gegrüßt !!!
Von Andreas Ernst
Es gibt Familien, da
dreht sich an 365 Tagen im Jahr alles um Sport. Nur einmal im Jahr ist
ein Abend in gemeinsamer Runde garantiert: am 24. Dezember. Denn am Heiligabend
feiert die versammelte Verwandtschaft nicht in irgendwelchen Hallen, sondern
unterm Tannenbaum. Etwa die Handball-Familie Lickfeld.
Ein Blick ins Wohnzimmer
von Nicole, 26, Marketing-Assistentin. So richtig weihnachtlich schaut
es nicht aus. Auf dem Tisch steht kein Glühwein, sondern eine Flasche
Cola - direkt neben einer Weihnachtsmann-Mütze, die zumindest einen
Hauch von Heiligabend-Stimmung verbreitet. Worüber wird wohl gesprochen,
wenn bei den Lickfelds das Geschenkeauspacken ansteht?
Na klar, zuerst über
die Geschenke. Aber spätestens als zweites über Handball. "Selbst
unsere Verwandten, die nicht aus dem Handball kommen, fragen ständig
nach wie es bei uns sportlich so läuft", sagt Nicole und wendet sich
ihrer Schwester Verena (21, Erzieherin) zu. Sie nickt. Ebenso wie ihre
Cousinen Mareike (19, Studentin) und Christina (16, Schülerin). In
Straßenklamotten sehen die vier für den Reporter ganz anders
aus. Ansonsten tragen sie einen rot-weißen Handball-Dress - den des
RSV.
Christina kramt zwei Handbälle
aus ihrer Sporttasche. Sie ist das Küken der Lickfeld-Bande, spielt
gleichzeitig (!) in der A- und B-Jugend. Die erste Frauenmannschaft ist
ihr Zukunftsziel. "Irgendwann will ich mal in der Oberliga spielen", sagt
sie und rollt einen der Bälle über den Tisch. Nicole nimmt diesen
auf. "Das schafft sie. Christina ist die mit Abstand Talentierteste unserer
Familie." Stimmt das? Verena und Mareike bejahen.
Dieses Trio wirft und verhindert
Tore im Damenteam des RSV, das in der Verbandsliga zurzeit um Punkte kämpft.
Bislang aber ohne Ausbeute. 0:14 - so lautet die traurige Bilanz nach sieben
Spielen. "Der sportliche Wunsch", ruft Mareike energisch, "ist doch klar.
Wir wollen nicht absteigen."
Der Ball kullert zu Verena.
Wie sie zum RSV kam, ist leicht zu erraten. Sie schaute als Kind ihrer
Schwester Nicole zu. Die gehörte zum allerersten Mini-Handballteam,
das der RSV hatte. Und wie kam sie zum Handball? Nicole guckte sich die
Spiele
ihrer Tante an, der Mutter von Christina und Mareike. Der Kreis schließt
sich.
Eine nette Plauderei entwickelt
sich. Nicole: "Für uns kam nie in Frage, den Verein zu wechseln. Es
ist schön, dass wir alle zusammenspielen. Der RSV ist ja ohnehin ein
Familienbetrieb. Übrigens trainiert Mareikes und Christinas Vater
nun sogar die erste Fußballmannschaft." Verena: "Ich trainiere übrigens
auch nebenbei, nämlich unsere Handball-E-Jugend." Christina: "Dabei
helfe ich schon mal. Ich bin sowieso fast jeden Tag in der Halle." Mareike:
"Nur Weihnachten nicht. Da sind die Hallen geschlossen." Nicole: "Ich würde
gern mal mit unserer Frauenmannschaft aufsteigen. Aber ich hoffe nicht,
dass wir vorher absteigen." Die aktuelle Verbandsliga-Tabelle hängt
deshalb auch nicht am Weihnachtsbaum.
Die Colaflasche auf dem
Tisch ist fast leer. Ein Blick aus dem Fenster lässt die Kälte
dieses Dezembers erahnen. Im Haus gegenüber blinkt ein Elektro-Stern.
Die rote Mütze hat nun Christina übergestülpt. Es wird langsam
weihnachtlicher bei Lickfelds. Genau wie bei den vielen anderen Sportfamilien
in Mülheim. Ihr Sportzeug liegt jetzt in der hintersten Ecke des Schranks.
Allerdings höchstens für drei Tage.
Ein Tor-Garant namens
"Mütze"
VfB-Stürmer prägt Mülheimer
Fußball-Szene seit 1988 wie kaum ein zweiter
Von Andreas Ernst
Den 1. Dezember 2002
strich die Vereinsfamilie des Fußball-Verbandsligisten VfB Speldorf
aus dem Kalender. 1:2 in Düsseldorf verloren. Zweifel an den hohen
Zielen. Und doch war dieser Tag ein besonderer: Dirk Roenz bestritt sein
300. Spiel für den VfB. Ein Jubiläum, das unterging.
Still ruht der Platz am
Blötter Weg in den ersten Tagen des Januars. Dabei ist in den letzten
15 Jahren so viel passiert. Abstieg in die Landesliga, Wiederaufstieg,
Platzumbau. Und egal was geschah, einer war immer dabei. Dirk Roenz eben.
Rückblick: 14. August
'88. Die Sonne brennt. Im Verbandsligaduell Goch gegen VfB sind 27 Minuten
gespielt. Spielstand 1:0 für die Viktoria. Dann wechselt Trainer Werner
Schneider den erst 18-jährigen Dirk Roenz ein. Das Talent reißt
das Spiel an sich, schießt zwei Tore zum 2:1-Sieg. Da ahnt der Stürmer
nicht, dass er bis heute in 13 Spielzeiten den VfB-Dress tragen wird.
Vom ersten Tag an liebten
die Fans seine Spielweise. Leidenschaft bis zur letzten Sekunde. Oft übertriebener
Einsatz. Traumpässe. Supertore. Jubelorgien. Vor allem von 1993 bis
1996, als er in der Landesliga mit Holger Vössing und Holger Maertin
ein nie zu stoppendes Trio bildete. Der Aufstieg war die Folge. 1999/2000
wurde er Verbandsliga-Schützenkönig mit 22 "Buden". Nun ist er
wieder auf dem Weg dorthin. Zwischenbilanz: 14 Spiele, 14 Tore.
"Mütze" nennen sie
ihn. Keiner weiß genau, warum. Gerüchte kursieren. Von
Kopfbedeckungen. Und Weihnachtsfeiern.
Aber jener "Mütze" ist auf jeden Fall an der "Blötte" ein Star.
Dabei stand er im September 2001 kurz vor dem Karriereende. Der Grund:
Doppelter Wadenbeinbruch. Bänderrisse. Aufgeben? Niemals! Er kämpfte
für sein Comeback. Und packte es. Sein erstes Spiel nach einem Jahr
Pause war das 1:1 gegen Remscheid. Torschütze? Na, klar: Roenz.
Im November feierte der
Familienvater, der bei der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft tätig
ist, seinen 33. Geburtstag. Ein weiterer Aufstieg mit dem VfB ist sein
sportlicher Traum. Eins wäre sicher: Dem "Mütze" würden
die Speldorfer dann an der Blötte ein Denkmal setzen.
13 Jahre beim VfB im
Überblick -
1988/89: 29 Spiele/10 Tore,
1989/90: 26/13,
1992/93: 11/3,
1993/94: 27/14,
1994/95: 28/24,
1995/96: 29/18,
1996/97: 24/9,
1997/98: 29/10,
1998/99: 21/4,
1999/00: 23/10,
2000/01: 29/22,
2001/02: 11/9,
2002/03: 14/14.
Gesamtbilanz: 301/160.
Weitere Vereine: 1. FC Mülheim
(1990/91), ETB Schwarz-Weiß Essen (1991/92).
"Liegen auf einer Wellenlänge"
Anmerkung: Ja, ich gestehe mal wieder! Helmut Kantner und seine Freundin Tina Konrad (schöne Grüße!) zählen zu meinen engsten Freunden, daher war dieser Text eine besondere Herausforderung. Bin mal gespannt, ob ich diese bestanden habe ...
Von Andreas Ernst
Ein Dutzend Kinder stürmt
Helmut Kantner entgegen. "Das Wasser ist zu kalt. Nur 20 Grad", brüllen
sie. Der 30-Jährige betritt das Nordbad, bespricht die Lage mit Harry
Schulz. Es wirkt, als würden die beiden schon seit Jahren zusammenarbeiten.
Dabei bilden sie erst seit dem 1. Januar das Schwimm-Trainerteam beim Amateursportclub
(ASC).
Neues Jahr, neues Konzept:
Beim ASC beginnt ein interessanter Versuch. Ab sofort haben zwei Trainer
das Sagen, beide Inhaber der B-Lizenz. Harry Schulz ist seit 25 Jahren
dabei und war für die ASC-Leistungsgruppe mit 70 Schwimmern bisher
alleine verantwortlich. Das neue Konzept sieht eine Förderung in Kleingruppen
vor - und zwar mit professionellen Mitteln. Die Fitnesswerte der Schwimmer
werden per Laktattest ermittelt. Die Top-Talente trainieren täglich,
selbst wenn die Wassertemperatur nur 20 und nicht wie üblich 24 Grad
beträgt. Zukünftig werden auch Trainingsstunden vor Schulbeginn
angeboten.
Eine tragende Rolle in diesem
Konzept spielt Helmut Kantner. Er arbeitete beim TSV Viktoria und zuletzt
bei Rhenania Köln. Dort betreute er unter anderem den Sohn von Ex-Weltmeister
Rainer Henkel. Der angehende Berufsschullehrer für Wirtschaftswissenschaften
und Sport sagte gern zu: "Harry und ich liegen auf einer Wellenlänge.
Zudem ist der Vorstand des ASC offen für Neuerungen."
Sich selbst bezeichnet er
als "unbequem". Er denkt sehr leistungsorientiert und behält seine
Meinung selten für sich. Fortschritte erhofft er sich nicht nur von
den Schwimmern. Kantner will die A-Lizenz erwerben und hält sich stets
auf dem neuesten Stand der Trainingsmethodik. "Mein Ziel sind mündige
Schwimmer."
Die SG Mülheim interessiert
den ASC nur am Rand. "Wir schauen zuerst auf uns. Die SG profitiert automatisch,
wenn wir gut arbeiten", meint der Vorsitzende Werner Weskamp. Im Vergleich
zu anderen Großklubs sind die Ziele des ASC bescheiden. Weskamp:
"Um ganz vorn mitschwimmen zu können, fehlt uns eine 50-Meter-Bahn."
Das neue Konzept hätte sich schon gelohnt, wenn ein Talent den Endlauf
bei einer deutschen Meisterschaft erreichen würde. Das hat schon länger
niemand mehr geschafft.
Hohe Ehrung für einen stillen Sympathieträger
Anmerkung: Rudi Lunkenheimer ist ein "großer alter Mann" im Mülheimer Sport, der sich durch seine stets bescheidene Art viel Respekt erworben hat. Einer der angenehmeren offiziellen Termine.
Als die letzten Ehrengäste
das Schloss Broich verließen, atmete Rudi Lunkenheimer tief durch:
"Bin ich froh, dass diese Veranstaltung zu Ende ist." So ist er, der 72-Jährige:
Im Mittelpunkt steht er auch dann nicht gern, wenn er das Bundesverdienstkreuz
am Bande erhält.
Minutenlang musste er nach
der Ehrung Hände schütteln. Von jungen Athleten bis zu Weggefährten
aus 54 Jahren rund um den Ringkampfsport - viele folgten der Einladung
ins Schloss. Lunkenheimer war aktiver Ringer (1949 bis 1964), danach in
den verschiedensten Funktionen beim KSV Styrum (Vorsitzender von 1961 bis
1989 und von 1995 bis 1999) und im Ringerverband NRW tätig. Doch die
Bezeichnung "Funktionär" trifft auf ihn nicht zu. Sein eigenes Engagement
war für ihn stets nebensächlich. Über Jahrzehnte gab er
vielen jungen Athleten Rat und praktische Hilfe. "Sport prägt die
jungen Menschen und vermittelt ihnen Charaktereigenschaften, die für
das spätere Leben von Vorteil sind", lautet sein Motto. Vom KSV wurde
er 1989 zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Bis heute arbeitet er als Geschäftsführer.
Seine Haustür steht allen KSV-Ringern offen.
"Ich kenne Rudi Lunkenheimer
seit 39 Jahren. Er ist ein stets verlässlicher Partner, der sich nie
in den Vordergrund gedrängt hat", sagte Sportdezernent Wilfried Cleven.
In ihrer Rede würdigte Bürgermeisterin Lisa Poungias den Styrumer:
"Ihre hohe soziale Kompetenz und ihre herausragenden integrativen Fähigkeiten
haben sie zu einem Sympathieträger für den Ringkampfsport in
NRW werden lassen." Soviel Lob war ihm fast schon unangehm. "Zwischenzeitlich
habe mich gefragt, über wen die eigentlich redet", verriet er. Dabei
setzte er ein verschmitztes Lächeln auf und widmete sich anschließend
seinen Enkelkindern Robin, Vanessa und Celina.
Einer wie er würde
jedem Sportverein gut tun. Beim KSV Styrum hoffen sie darauf, dass ihnen
"ihr Rudi" noch viele Jahre erhalten bleibt.
aer
Anmerkung: Ein neuer Versuch: Ein von zwei Personen geschriebenes Doppel-Porträt vor dem Fußball-Lokalderby Union Mülheim - VfB Speldorf
Von Marcus Lemke und Andreas
Ernst
Die Aufgebote der Mülheimer
Fußball-Verbandsligisten TuS Union 09 und VfB Speldorf sind sich
recht ähnlich. In beiden Kadern gibt es eine gesunde Mischung zwischen
Routiniers und Nachwuchsspielern. Zwei Talente sorgten in den letzten Monaten
durch ihre beständig guten Leistungen für Aufsehen: Björn
Rohpeter (Union 09) und Marc Wildschütz (VfB Speldorf).
Es gibt Fußballtalente,
die um jeden Preis im Mittelpunkt stehen und auf sich aufmerksam machen
wollen. Und es gibt junge Spieler wie Björn Rohpeter - ein ruhiger
Typ auf und außerhalb des Platzes. Beim Verbandsligisten Union 09
hat er sich klammheimlich zu einer festen Größe entwickelt.
Im zarten Alter von sieben
Jahren meldeten die Eltern Rohpeter ihren Sprössling beim TuS Union
09 an - bis heute blieb ihr Sohn dem Klub von der Südstraße
treu. Dass er irgendwann einmal in der Verbandsliga spielen würde,
konnte der junge Björn zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Denn
da kickte Union noch in der Kreisliga A. "Ich war ein Spätstarter",
gesteht er. In seiner Jugendzeit spielte er nur ein Jahr lang in der Niederrheinliga,
und über die Stadtauswahl kam er nie hinaus.
Nun ist der Mülheimer
Stadtinspektorenanwärter 22 Jahre alt, und die meisten seiner ehemaligen
Teamkollegen haben Union inzwischen verlassen. Den Verein wechseln, daran
hat er bisher nur gedacht. "Als Axel Benzinger vor einigen Jahren den 1.
FC Wülfrath trainierte, wäre ich fast gegangen. Aber irgendwie
habe ich gekniffen." Zu sehr ärgerte ihn, dass teure Neuzugänge
oft den Jugendlichen vorgezogen wurden. "Wir haben eigentlich immer gespielt,
mussten aber bei Null anfangen, wenn neue Leute kamen." Aber HSV-Fan Rohpeter
blieb der bescheidene Typ, der oft ein Lächeln auf den Lippen trägt.
Der nie große Töne spuckt, aber auch nicht zu den Duckmäusern
zählt. Der geduldig auf seine Chancen wartete und sich auch durchsetzte.
Morgen im Lokalderby wird
er im defensiven Mittelfeld still und zuverlässig seine Arbeit verrichten.
Dass es seinem Verein zurzeit schlecht geht, findet er schade. Große
fußballerische Zukunftspläne hat er nicht. "Profi werde ich
bestimmt nicht mehr", schmunzelt er. In der Verbands- oder Landesliga sieht
er sein Leistungslimit.
Marc Wildschütz, sozusagen
Rohpeters Pendant auf VfB-Seite, hat den Traum vom Fußballprofi noch
nicht ganz ausgeträumt: "Da gehört auch eine große Portion
Glück dazu. Wer weiß, vielleicht klappt es ja mal irgendwann."
Mit 1,74 Meter Körpergröße hat Wildschütz nicht gerade
Idealmaß für einen Verteidiger. Dennoch ist er einer der VfB-Akteure,
die mit extrem wenigen Ausnahmen konstant gute Leistungen bringen. "Die
Trainer setzen mich immer auf die dribbelstarken gegnerischen Stürmer
an", erzählt der 21-Jährige, der dadurch den "Kopfball-Ungeheuern"
der Verbandsliga aus dem Weg gehen kann. Trotz seines jungen Alters ist
sein Zweikampfverhalten schon beinahe ausgereift. Er hat in seiner jungen
Karriere manchen Torjäger an die Kette gelegt.
In der Jugend spielte Marc
Wildschütz zehn Jahre lang für Katernberg 19, um dann bei den
Essener Traditionsklubs SC Rot-Weiß und ETB Schwarz-Weiß anzuheuern.
Im Sommer 2001 stand der Wechsel in den Seniorenbereich an. Bei zwei Probetrainingseinheiten
in Speldorf überzeugte Wildschütz den damaligen VfB-Trainer Dirk
Pusch, sodass ein Vertrag geschlossen wurde. Der Speldorfer Vorsitzende
Klaus Wörsdörfer erzählt: "Ich habe Marc noch gesagt, dass
er damit rechnen muss, auch mal in der zweiten Mannschaft zu spielen. Doch
er war schon damals sehr selbstbewusst und ging davon aus, dass er den
Sprung in das Verbandsliga-Aufgebot schaffen würde." Dies gelang Marc
Wildschütz eindrucksvoll, denn er avancierte sofort zum Stammspieler.
Auch nach dem Trainerwechsel vor der laufenden Saison hat sich daran nichts
geändert. Frank Kurth hält ebenfalls viel von seinem Talent.
Nun will der Youngster unbedingt mit dem VfB in die Oberliga. Wenn es dieses
Jahr nicht klappen sollte, dann aber spätestens in der nächsten
Saison. Sowohl das Speldorfer Team als auch Marc Wildschütz haben
das Potenzial dazu. Viermal in der Woche wird derzeit beim VfB trainiert
- für den 21-Jährigen kein Problem: "Wenn wir in die Oberliga
aufsteigen und möglicherweise fünfmal trainieren, dann soll es
so sein." Dafür nimmt der Blondschopf auch die Fahrt von Essen-Katernberg
nach Mülheim-Speldorf in Kauf.
Marc Wildschütz hofft
morgen auf viele Zuschauer: "Es ist phantastisch, vor vielen Leuten zu
spielen. Beim VfB hat sich ein Fanklub gebildet. Jetzt wird es auch manchmal
richtig laut. Das spornt uns natürlich an." Zum Abschluss des Gespräches
mit der Sportredaktion wagt Wildschütz sogar einen Tipp für das
Lokalderby, zu dem eine fast vierstellige Zuschauerzahl erwartet wird:
"Wir gewinnen mit 2:0 Toren. Als Verteidiger muss ich natürlich darauf
tippen, dass wir keinen Gegentreffer kassieren." Björn Rohpeter wird
versuchen, seinem Kontrahenten morgen die Suppe zu versalzen.
Von Andreas Ernst
Im elterlichen Schlafzimmer
begann die Ringerkarriere von Tim van Voorst. Er konnte kaum laufen und
probierte doch als Kleinkind mit Vater Ralf die ersten Griffe. Heute ist
er 13 Jahre alt, beim KSV Styrum aktiv und ein großes Talent: Am
Sonntag scheiterte er bei der deutschen C-Jugend-Meisterschaft erst im
Finale.
Im ersten Moment nach der
Schlusssirene sank Tim in Metternich-Rübenach bedröppelt zu Boden.
Wieder Zweiter, genauso wie 2002, so lauteten seine Gedanken. Doch schon
ein paar Sekunden später wich die Enttäuschung der Freude.
Trotz seiner Jugend hat
Tim schon einige Charakterstärken entwickelt. Er ist zielstrebig,
und fleißig, aber gleichzeitig locker geblieben. Doch der Reihe nach:
Seine Zukunftspläne hat Tim genau abgesteckt. Als Schüler der
8. Klasse paukt er in der Realschule Mellinghofer Straße für
seine nächsten Ziele: Das Abitur und ein Sport-Studium hat er fest
eingeplant. Dem Ringen möchte er treu bleiben. "Ich will 2004 auch
in der B-Jugend bei der deutschen Meisterschaft aufs Treppchen. Wer das
nämlich dreimal schafft, wird zur Nationalmannschaft eingeladen."
Gern wäre Tim, der am liebsten im griechisch-römischen Stil ringt,
im Herbst in der Verbandsliga dabei. Dazu fehlen ihm zwölf Kilo -
mindestens 50 kg muss er wiegen. Auch auf der Matte agiert Tim zielstrebig,
wenn auch manchmal zu ungeduldig. Auf taktische Tricks verzichtet er. Vier
DM-Kämpfe gewann er vorzeitig: "So kann ich Kondition sparen."
Der Erfolg ist auf seinen
Fleiß zurückzuführen. Jeden Tag trainiert der Styrumer.
Einmal pro Woche fährt er ins Trainingszentrum des KSV Witten. Den
Abwerbeversuchen des Bundesligisten hielt er bisher stand. "Witten ist
weit weg - und Styrum doch der beste Verein", sagt Tim und erzählt
stolz, dass am Finaltag viele KSV-Mitglieder die weite Autofahrt nach Metternich
auf sich nahmen.
Locker und entspannt gibt
sich Tim neben der Matte. Na klar, gibt er zu, "habe ich in der Nacht vor
dem Finale kaum geschlafen und war sehr nervös." Ansonsten ist er
offen und geht gern auf Leute zu. "Tim kennt Ringer aus ganz Deutschland",
ergänzt Ralf van Voorst.
Seinem Vater rang er eine
Wette ab: "Es geht darum, wer von uns zuerst deutscher Meister wird. Ich
habe das nicht geschafft, jetzt muss mein Vater bei den Senioren-Meisterschaften
mitringen." Ein amüsanter Rollentausch: Dann steht der 13-jährige
Sohnemann in der Mattenecke und gibt seinem Vater die Tipps. Der ist Tims
größter Förderer, begleitet ihn zu fast jeder Trainingseinheit
- auch nach Witten. "So wie der Junge wäre ich früher auch gern
gewesen", sagt er und beteuert: "Wir setzen ihn aber nicht unter Druck."
Für Tim gibt es außer Ringen kaum ein anderes Thema. "Auch mit
allen meinen Freunden rede ich immer wieder darüber."
Von Woche zu Woche entwickelt
sich Tim weiter. Nur eins ist immer geblieben: Im elterlichen Schlafzimmer
ringt er immer noch mit Vater Ralf.
Pfostenschuss verfolgt Mill immer noch
(v.l.) Wilfried Weinbach,
Michael Klauß, Frank Kurth, Dirk Helmig, Frank Mill
Erklärung:
Es war ein kalter Dienstagmorgen, als ein völlig müder langhaariger
Trottel aus dem Bett stapfte, sich den Schlaf aus den Augen rieb, in Trance
taumelnd sein Handy anknipste und im nächsten Moment mit dem Gesicht
unter dem Wasserhahn verschwand. Kaum die Augen aufgerissen, piepste das
tragbare Telefon mit der "Triumphmarsch"-Melodie. Nur "Nummer unbekannt"
leuchtete auf dem Display auf... ist bestimmt mein Bruder oder der Kantner.
"Andreas Ernst?" "Tag, Frank Mill hier!" Mensch, hätte ich in dem
Moment gern mein eigenes Gesicht gesehen. Kurz bevor ich ein "Du hast mich
auch schon mal besser verarscht" herausbrachte, sprudelte es aus dem anderen
Ende heraus. "Fußballschule ... (blabla) ... VfB Speldorf ... (blabla)
... Telefonnummer von Frank Kurth bekommen ... (blabla) ... Termin ausmachen".
Frank Mill. Flugs war der Termin ausgemacht und flugs wurde der "40 Jahre
Bundesliga"-Kicker gewälzt. 387 Bundesligaspiele, 123 Tore. WM-Aufgebot
1990. Eine lebende Fußball-Legende. Bei mir am Telefon. Ich rief
sofort Thommy an. "Und Bruderherz... was wäre Deine erste Frage?"
"Wie der den Ball damals an den Pfosten schießen konnte!" Stimmt,
das war ja auch der Mill, der freistehend... in jeder Pleiten, Pech und
Pannen-Sendung taucht das heute noch auf. Ein paar Tage später der
Termin am Blötter Weg. Die üblichen Gesichter wie Frank Kurth
und Michael Klauß (alles Ex-Profis, mit denen ich zu tun habe, wenn
ich mal protzen darf!?!) und dann kommt Frank Mill. Ein netter Kerl. "Weißt
Du eigentlich, dass Du in Ottmar Hitzfelds Biografie auf drei Seiten erwähnt
bist, Fränkie?", fragt Frank Kurth. "Nee, aber Du wirst lachen: Wir
telefonieren einmal im Monat!" In was für Kreise bin ich denn geraten...
das Interview geht schnell rum (wir sind ja beide irgendwie Profis *hüstel*)
und das war´s auch schon. Frank Mill und ich...
Eine nette Geschichte,
oder?
Was bleibt? Frank
Mills Handy-Nummer in meinem Telefonbuch!
Und natürlich
der WAZ/NRZ-Text...
Von Andreas Ernst
Er stand zwar im Weltmeister-Aufgebot
von 1990, doch unsterblich geworden ist Ex-Profi Frank Mill durch eine
Fußball-Panne: Einmal schoss er das runde Leder freistehend vor dem
leeren Tor an den Pfosten. Heutzutage zeigt Mill Kindern, wie es richtig
geht. Mit seiner Ferien-Fußballschule macht er im August in Mülheim
Station.
Zwei Wochen lang richtet
sich die von Mill und Dirk Helmig (früher bei RW Essen und VfL Bochum)
organisierte Schule "kidsactive" beim VfB Speldorf am Blötter Weg
ein. Vom 11. bis 15.8. und vom 18. bis 22.8. bekommen Kinder zwischen 8
und 13 die Chance, von Ex-Profis zu lernen.
44 Jahre ist Mill inzwischen
alt. Insgesamt 387 Bundesligaspiele hat er absolviert und dabei 123 Tore
geschossen. Zeitgleich finden Kurse an neun Orten in Deutschland statt.
"Der Ball ist immer dabei. Es gibt Spielformen, Technikschulung und Gymnastik",
erzählt er. Ein Trainingstag dauert von 9.30 bis 15.30 Uhr. In der
Mittagspause warten viele Überraschungen auf die Kinder. Autogramme
verteilen Christoph Metzelder (Dortmund) und Trainer Norbert Meier (MSV
Duisburg). Zudem gibt Schiedsrichter-Unikat Wolf-Dieter Ahlenfelder einen
Blick in die Welt der Unparteiischen. "Ein Kamerateam der DSF-Sendung ,Fujuma´
hat sich für die Mülheimer Schule angesagt", verrät Mill
ein weiteres Schmankerl.
Das Training leiten Frank
Benatelli (früher beim VfL Bochum, heute bei SW Essen), VfB-Trainer
Frank Kurth und der Ex-"09er" Michael Klauß. Alle drei sind Inhaber
der A-Lizenz. Auch Mill schaut natürlich vorbei - und muss wahrscheinlich
die Pfostenschuss-Szene nachspielen.
Kosten: 149 Euro pro Kind
für fünf Tage, Ausrüstung und Verpflegung inklusive. Termine:
11.8. bis 15.8. oder 18.8. bis 22.8., Informationen und Anmeldung bei Hermann
Bovermann vom VfB (Tel: 5 05 49), bei Dirk Helmig von "kidsactive" (Tel:
0201/677 377) oder im Internet (www.kidsactive.de).
Von Andreas Ernst
Eigentlich hatte er zwei
Möglichkeiten: "Entweder ich knall voll drauf oder ich heb den Ball
über den Torwart." Gewählt hat Joachim Bohra die dritte Variante:
"Ich hab die Kugel einfach nur leicht angetippt - und drin war sie." Es
war das 3:2 für Union im Verbandsligaspiel bei Fortuna Düsseldorf
II - und der Sieg.
Zuvor hatte "Jo" schon das
2:2 erzielt. Deshalb kürte ihn die Sportredaktion zum "Star der Woche".
Einer der bekanntesten Fußballer
der Stadt ist Bohra, mittlerweile 34, seit vielen Jahren. Obwohl er auch
bei anderen Klubs spielte (SW Essen, Velbert, Speldorf, Vatan), steht sein
Name in Verbindung mit Union. Vor der Saison kehrte er zurück. Viele
trauten ihm den Sprung in die Verbandsliga nicht mehr zu. "Ach, was die
anderen sagen, interessiert mich nicht", meint er. Er ist von seiner Qualität
überzeugt.
Das Interesse zog er bei
Union in 262 Spielen auf sich. Dabei erzielte er 157 Tore. Dreimal ist
er mit 09 aufgestiegen, viermal Hallen-Stadtmeister geworden. Die schwierigen
Zeiten, als er nach einem Kreuzbandriss im August 2002 im Streit ging,
hat er abgehakt. "Was damals im Klubhaus geredet wurde, ist mir egal. Bin
sowieso ´ne ehrliche Haut und verstehe mich mit allen gut."
Zwei Kinder hat der verheiratete
"Jo", der bei der Stadtverwaltung arbeitet. Sebastian ist sechs, Michel
ein Jahr alt. Michel? "Wie der große Platini", erzählt der Papa.
Platini, die langjährige "Nummer 10" Frankreichs. Die "10" trägt
"Jo" auch, und das mit Stolz. "Alle großen Spielmacher haben diese
Nummer getragen."
Vertraglich bekam er das
Trikot nicht zugesichert; doch das ist an der Südstraße ein
"running gag". "Ich werde immer damit aufgezogen", sagt er. Noch anderthalb
Jahre will er spielen, "und dann in Rente gehen", womöglich ein Jugendteam
trainieren. "Vielleicht bin ich ja der erste Unioner, der ein Abschiedsspiel
bekommt."
Keine Frage: Viele ehemalige
Mitspieler aus 20 Jahren bei Union würden kommen. Und der technisch
beschlagene "Jo" könnte noch einmal alles zeigen; den Ball draufknallen,
drüberheben oder leicht antippen. Beifall wäre ihm sicher.
Anmerkung: Betrachtet es als Fortsetzung des Textes vom 10.9.2002
von links: Iris, Britta, Nicole, Trainer Peter, Martina, Tina, Christina, Verena (Nachnamen sind blöd)!
Von Andreas Ernst
Die Handball-Verbandsliga
ist für die Mülheimer Herrenmannschaften zurzeit ein Traum. Die
Frauen des RSV behaupten sich dagegen schon seit vielen Jahren in der fünfthöchsten
Klasse. Nur zwei Spielerinnen haben das Team verlassen - aber diese Verluste
sind so gravierend, dass die RSV-Damen nur den Klassenerhalt anstreben.
Nach vielen Jahren hat Heidi
Linnenschmidt ihre Handballstiefel an den Nagel gehängt. Sie war stets
die Führungsfigur an der Kleiststraße. Wenn es nicht lief, stauchte
sie ihre Teamkolleginnen zusammen - zudem gab sie in der Abwehr den Ton
an und packte selbst energisch zu. Die meisten Tore warf in den letzten
Jahren Anja Karoß. Auch sie hat aufgehört.
Seit vier Wochen versucht
Peter Högerle seine Mannschaft auch ohne die beiden langjährigen
Leistungsträgerinnen in Form zu bringen. Der 37-jährige Berufsschullehrer
ist der neue RSV-Trainer. Er selbst hat in der Oberliga gespielt. Als Trainer
ist er seit elf Jahren tätig - der Kontakt zum RSV kam über das
Internet zu Stande. Seine neue Mannschaft kennt er schon genau, da er in
der letzten Saison die RSV-Reserve (Landesliga) betreute. Högerle
misst 1,90 m und überragt die meisten Damen um einen Kopf.
Doch abgehoben ist der Coach
nicht. "Unser Ziel kann nur der Klassenerhalt sein. Wenn alle gesund bleiben,
ist sogar ein Platz im oberen Mittelfeld realistisch", sagt er. Er hat
ein einfaches Konzept, wie die Verluste zu kompensieren sind. "Jede Spielerin
muss mehr Verantwortung übernehmen", meint er. Neu dabei ist Nida
Berber, die zuletzt in Hessen spielte, nun aber in Mülheim wohnt und
sich daher dem RSV anschloss. Zudem wurden Christina Lickfeld, die eigentlich
noch in der A-Jugend spielen könnte, und Verena Schmidt (zweite Mannschaft)
ins Verbandsligateam befördert. Högerle: "Christina ist schon
so stark, dass sie in dieser Klasse mithalten kann."
Zwei Stärken sieht
er: Die eine heißt Susanne Schmitz-Freihoff. "Sie ist eine der stärksten
Torhüterinnen in der Verbandsliga", glaubt der Trainer. Zudem baut
er vor allem auf Tempogegenstöße: "Darauf wird es in der kommenden
Saison ankommen. Und da wir mit Britta Borchert eine der schnellsten Spielerinnen
haben, sind wir gerüstet." Lediglich an der Abwehrarbeit feilt er
noch - ohne Karoß und Linnenschmidt liegt in der Defensive das derzeitige
Problem.
Höhere Ziele sind tabu.
Das Wort "Oberliga" steht auf dem Index. "Es wäre vermessen, davon
zu reden. Noch zwei, drei Jahre sollten wir warten - und dann mal schauen",
sagt Högerle. Er ist eben groß, aber nicht überheblich.
Anmerkung: Das nennt man "wildes Rumgefeature!"
Von Andreas Ernst
Für Radfahrer gab
es gestern auf dem Leinpfad unterhalb der Mendener Brücke kein Durchkommen:
"Achtung! Durchfahrt vermeiden! Kanu-Regatta!", verriet ein großes
Schild. Diejenigen, die sich vorbeitrauten, brauchten lang für diese
Strecke. Am Herbst-Cup des Mülheimer Kanusport-Vereins (MKV) kamen
sie nicht vorbei.
Herbst ist genau das richtige
Stichwort. Die Ruhr bildet in diesen Tagen ein malerisches Schauspiel.
Die Bäume verlieren langsam ihre Blätter, bedecken das Wasser.
Der eine oder andere kleinere Schauer kündigt die kalten Tage an.
Grau in grau präsentiert sich der Himmel. "Ein bisschen Sonnenschein
wäre schon schön gewesen", sagt Franz Bodsch vom Organisationsteam.
"Aber wir sind doch Wassersportler, da werfen uns die paar Regentropfen
nicht um."
Enten halten sich nicht
in der Nähe der Stege auf. Dort sind Kajaks und Canadier en masse
zu sehen. Kajaks, die schmalen Boote mit Doppelpaddel, und Canadier mit
sechs Sportlern und einem Steuermann mit Stechpaddel. Bodsch schaut sich
das Geschehen von oben an, aus dem Regattabüro im MKV-Klubhaus. Einen
schönen Blick hat er: auf die Mendener Brücke, das Wasser und
die Ruhraue. Aber das registriert er kaum: "Ich hätte nicht gedacht,
dass Ergebnisse eintippen so anstrengend sein kann." Zudem sieht er ein
bisschen übermüdet aus. "Am Vorabend war eine Party zum MKV-Geburtstag.
Um 3 Uhr ist der Letzte gegangen." Und wer? "Ich."
Doch eine reine Spaß-Veranstaltung
ist der Herbst-Cup nicht. 46 Rennen finden insgesamt statt, angereist sind
neben dem MKV und der DJK Ruhrwacht drei weitere Vereine. Besondere Aufmerksamkeit
genießen die Wettbewerbe um die Stadtmeisterschaft. Die MKV-Eltern
bekommen davon nur wenig mit. Sie betreuen liebevoll die Getränke-
und Speisestände im Klubhaus. Bei besserem Wetter wäre der Umsatz
höher gewesen - weil mehr Spaziergänger zugeschaut hätten.
"Ach, das ist doch nur ein Randaspekt", sagt Bodsch.
Ein bisschen Spaß
ist dann aber schon dabei. Zum Beispiel in den Rennen, in denen geübte
Kinder mit ungeübten Eltern im Kajak sitzen. Oder in den Canadier-Wettbewerben
mit Mannschaften, die "Terror Team", "Altbier-Express" und "Sahnespritzer"
heißen.
Am Ende eines langen Kanutages
erhält jeder eine Medaille. "Das war unsere erste Regatta seit acht
Jahren", atmet Franz Bodsch durch. "Ich bin seit 6 Uhr auf." Moment mal,
war er nicht erst um 3 Uhr im Bett? "Stimmt", sagt er. "Deshalb haue ich
mich jetzt auch erst mal aufs Ohr."
Siebter Spieltag in der
Fußball-Verbandsliga. Derby. Der TuS Union 09 erwartet am Sonntag
(15 Uhr) den VfB Speldorf. Mit den Trainern Ernst Bachmann (58, TuS) und
Frank Kurth (41, VfB) sprachen Andreas Ernst und Andree Hagel.
WAZ/NRZ:
Dass der VfB bisher nicht
zufrieden sein kann, ist klar. Sie liegen nur einen Zähler hinter
dem Lokalrivalen, Herr Bachmann. Sind Sie mit Ihren sechs Punkten aus sechs
Spielen zufrieden?
Bachmann:
Das ist schon in Ordnung,
obwohl wir ein, zwei Punkte mehr haben könnten. Das ist bei uns noch
ein Integrationsproblem. Wir haben noch nicht die fertigen Spieler. Acht,
neun Punkte waren das Ziel. Aber die Mannschaft braucht halt noch ein bisschen.
WAZ/NRZ:
Wie wichtig ist das Spiel?
Der VfB steckte nach einer vierten Niederlage in Serie endgültig in
der Krise? Für den TuS Union 09 begänne spätestens dann
der Kampf um den Klassenerhalt?
Kurth:
Es ist ein Derby, das hat
einen ganz anderen Stellenwert als ein anderes Verbandsliga-Spiel. Ein
Derbysieg stünde uns in unserer jetzigen Situation besser zu Gesicht
als etwa ein Sieg über Homberg. Krise? Mit jedem nicht gewonnenen
Spiel wird unsere Situation prekärer.
Bachmann: