MÜLHEIMER SPORTMAGAZIN - Jahre 2003 und 2004
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Sportmagazin 3/2003 (Dezember 2003) - 28 Seiten (10. unter meiner Regie)
Sportmagazin 1/2004 (April 2004) - 28 Seiten (11. unter meiner Regie)
Sportmagazin 2/2004 (Juli 2004) - 28 Seiten (12. unter meiner Regie)
Sportmagazin 3/2004 (Dezember 2004) - 28 Seiten (13. unter meiner Regie)
Sportmagazin 1/2005 (April 2005) - 28 Seiten (14. unter meiner Regie)
Sportmagazin 2/2005 (Juli 2005) - 28 Seiten (15. unter meiner Regie)
Sportmagazin 3/2005 (Dezember 2005) - 28 Seiten (16. unter meiner Regie)
Sportmagazin 3/2006 (Dezember 2006) - 28 Seiten (19. unter meiner Regie)

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Einleitung
Im Januar 2001 bimmelte mein Handy, als ich die Ampel an der Bülowstraße in Mülheim-Broich überquerte, einen Blick in die Kneipe „Quelle“ riskierte und Wirt Uli („Einmal Pils/Wacholder bring am Tisch!“) bei der Arbeit zuschaute. Am anderen Ende: Bernd Sprenger, Inhaber+Besitzer+Chef des gleichnamigen Medienservice. Er produziert viermal im Jahr das „Mülheimer Sportmagazin“, das 10.000-fach im Stadtgebiet ausliegt (Baumärkte, Sporthallen, Tankstellen, Pommesbuden, Sport-Fachgeschäfte) sowie das „Sport-Jahrbuch“. Für das Magazin suchte er einen verantwortlichen Redakteur, für das Jahrbuch einen Mitarbeiter – und die Wahl fiel auf mich. In bisher vier Ausgaben habe ich versucht, auf 24 Text-Seiten die Mülheimer Sport-Fans mit „lesbaren“ Geschichten und Hintergrundinformationen zu erfreuen.
Auf dieser Homepage nun findet Ihr eine Auswahl meiner Artikel – allerdings die nicht (!) Korrektur gelesenen Varianten – entschuldigt daher einige Wiederholungs- sowie Rechtschreibungs- und Grammatikfehler. Ich hoffe, Ihr habt beim Lesen genauso viel Spaß wie ich (zumeist) beim Schreiben!

- Alle Texte stehen hier in der noch nicht korrigierten Fassung -

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Sportmagazin 1/2003 – Sportehrentag
NUR KNÖR LIEFERT INTERNATIONALES
Sport-Ehrentag mit Negativrekord

Anmerkung: Im tatsächlichen Printprodukt erschien der Artikel etwas anders... Näheres auf Anfrage...

Jörg Knör versteht sein Handwerk. Spielend imitiert und parodiert er Inge Meysel, Angela Merkel, Tom Jones, ja sogar Boris Becker. Beim 39. Mülheimer Sportehrentag war Knör der Star. Seine tolle Show konnte jedoch nur kurz über einen Negativrekord hinwegtäuschen.
Die Veranstaltung heißt „Sportehrentag“, doch mittlerweile wäre der Titel „Showabend mit einem Hauch Sport“ treffender. Nur noch 37 Sportler wurden geehrt – so wenig wie noch nie in der Geschichte des Sportehrentags.
Doch der Reihe nach: Das Organisationsteam des Mülheimer Sportbunds (MSB) und des Mülheimer Sport-Service (MSS) hatte den Abend unter das Motto „Comedy und Sport“ gestellt, und dazu Knör als Hauptact verpflichtet. Der enttäuschte nicht, und baute sogar die anstehende Oberbürgermeisterwahl ein. Dieser Meinung waren alle 1050 Besucher in der Stadthalle, in der die Veranstaltung zum zweiten Mal in Folge stattfand. Drumherum sorgten die „Boogie-Dancer“, Jongleur Daniel Hochsteiner und das Schweizer Duo Scacciapensieri für artistische Highlights.
Ohne die Leistungen der geehrten Sportler, die zweifelsohne beachtenswert waren, schmälern zu wollen: Bei den meisten Namen runzelten viele Besucher mit der Stirn. Sie waren nur Mülheimer Sport-Insidern bekannt – kein Vergleich zu früheren Zeiten, als die Experten der Stadt die freie Auswahl unter nationalen Klasseathleten in vielen Sportarten hatten. Symptomatisch die Wahl der „Sportler des Jahres 2002“. Hockey-Weltmeister Timo Weß greift inzwischen für den Crefelder HTC zum Schläger, und Sarenka Schuler spielt Kanupolo für einen Essener Klub. Bleiben nur noch fünf Ehrungen für Mülheimer Sport-Funktionäre, die sich jahrelang große Verdienste erwarben. Margit Emmerich (MSB-Sportjugend), Josef Lennertz (DJK Styrum 06), Josef Pepinghege (DJK Ruhrwacht), Heinz Schmitz (SV Nord) und Harry Schulz (ASC Mülheim) hatten diese Auszeichnung wirklich verdient.
In die Mülheimer Sport-Geschichte wird dieser Sportehrentag aber gewiss nicht eingehen. Ein hartes Urteil – aber leider wahr.

Sportler des Jahres
1. Timo Weß (HTC Uhlenhorst) 54,3 %
2. Stephan Boer (RRGM) 16,7 %
3. Stefan Friedrich (RRGM) 14,7 %
Sportlerin des Jahres
1. Sarenka Schuler (Rote Mühle Essen) 69 %
2. Stephanie Döring 22,4 %
Mannschaft des Jahres
1. DJK Ruhrwacht (Drachenboot) 63 %
2. MTC RW Raffelberg (Tennis) 24,1 %
3. Rot-Weiß 61 Mülheim (Sportkegeln) 3,4 %
Jugendsportler des Jahres
1. Tim van Voorst (KSV Styrum) 18,1 %
2. Gregory Schneider (1.BV Mülheim) 12,1 %
3. Jan Gehlen (HTC Uhlenhorst) 10,3 %
Jugendsportlerin des Jahres
1. Katharina Lörks (DJK VfR Saarn) 40,5 %
2. Sonja Steinsiefer (FSV Mülheim) 25,9 %
3. Anke Rieck (DJK VfR Saarn) 19 %
Jugendmannschaft des Jahres
1. HTC Uhlenhorst 31 %
2. Rennrundergemeinschaft 13 %
2. DJK Ruhrwacht 13 %
Altersklassen-Sportler des Jahres
1. Karin Schäfers (1.BV Mülheim) 23,3 %
2. Horst Langer (Post SV Mülheim) 22,4 %
3. Christian Schäffkes (KHTC Mülheim) 13 %

KOMMENTAR:
Jörg Knör scherzte, die lokale Sport-Prominenz lachte, und die ausgezeichneten Aktiven freuten sich. Eigentlich war beim Sportehrentag in der Stadthalle alles in bester Ordnung.
Eigentlich.
Denn selten standen die Mülheimer Sportler bei „ihrem“ Feiertag so am Rand wie an diesem 22. März. Noch nie hatten die Experten so wenig Auswahl, beispielsweise stand keine Frau aus einem Mülheimer Verein zur Wahl. Mülheim ist eine Breitensportstadt geworden.
Doch ist das wirklich das Hauptproblem dieser Sportlerwahl, der die meisten Mülheimer Sportler fern blieben und die in der Sportszene kaum Beachtung fand?
Es ist an der Zeit, die Auswahlkriterien für die Sportlerwahl zu überdenken. Ein NRW-Landestitel oder eine Teilnahme an einer deutschen oder internationalen Meisterschaft sollte nicht länger allein Maßstab für eine Ehrung sein. Vielmehr sollte sich der Blick auch auf Sportler richten, die in ihren jeweiligen Sportarten seit vielen Jahren Höchstleistung bringen, auch wenn sie sich nicht in der nationalen Spitzenklasse bewegen. Der Fußballspieler Dirk Roenz vom VfB Speldorf hätte beispielsweise längst eine Ehrung verdient.
Dass der Mülheimer Sport zurzeit nicht zur nationalen Spitze zählt, ist kein Geheimnis mehr. Daher sollten sich die Funktionäre auf lokale Größen konzentrieren, die innerhalb der Stadtgrenze bekannt sind – und nicht händeringend auch in Nachbarstädten nach Meistern suchen. Gepaart mit einem weiterhin attraktiven Programm – so wäre der Sportehrentag wieder eine ernst zu nehmende Veranstaltung, die keinen Jörg Knör braucht, um ein Erfolg zu sein. Die tagelang Gesprächsthema der Stadt ist – und nicht am kommenden Tag in Vergessenheit gerät.
 
 

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Sportmagazin 1/2003 – Fußball
SPELDORF IST WIEDER SALONFÄHIG
VfB und Union sind lokales Sport-Stammtischthema Nummer eins

Noch nur ein paar Tage – dann gehört die Fußballsaison 2002/2003 der Vergangenheit an und die Tabellen verschwinden in den Archiven. Doch zuvor steht noch die Analyse an – und das Sportmagazin greift den Vereinsvorständen dabei unter die Arme.

Verbandsliga
Für beide Teams verlief die Saison zufriedenstellend. Das gilt für den VfB Speldorf selbst dann, wenn die Grün-Weißen den Aufstieg in die Oberliga verfehlen. Trainer Frank Kurth hat es geschafft, aus einem zusammengewürfelten Haufen eine Einheit zu formen, Euphorie am Blötter Weg zu entfachen und durch sein Engagement den VfB in Mülheim wieder salonfähig zu machen. Das kann genauso viel wert sein wie ein Aufstieg, zumal der SV Straelen und der 1.FC Kleve einen deutlichen höheren Etat aufweisen. Spätestens im nächsten Jahr soll dann aber der Sprung in die Oberliga gelingen. Besser als gedacht lief die Saison für Union 09. Nach dem 4:2-Lokalderbyerfolg über den VfB am 8. März stand der Klassenerhalt fest. Das war aufgrund der Führungskrise nicht selbstverständlich. Doch die Mannschaft spielte völlig unbeeindruckt weiter und wird die Saison im Tabellenmittelfeld abschließen.
Landesliga
Seit 13 Jahren gibt es Vatan Spor – und der türkische Klub ist immer für eine Überraschung gut. In der Hinrunde sackte die junge Mannschaft von Trainer Yücel Aslan in der Tabelle bis in die Abstiegszone ab. Zum unzähligsten Mal wähnten die Fußballfans den Klub vor der Auflösung. Doch denkste: Vatan verpflichtete im Winter zehn Neue (darunter den bekannten Ex-Unioner Joachim Bohra) und hat nun wieder echte Chancen auf den Klassenerhalt. Endgültig wird der aber vermutlich erst am letzten Spieltag feststehen.
Bezirksliga
Von Beginn an stand der MSV 07 jenseits von Gut und Böse – dabei wollte Trainer Dieter Brüger vor der Saison oben mitspielen. Für die MSV-Fans war die Saison spannungslos. Das gilt für Tuspo Saarn und in der Parallelgruppe für die DJK Blau-Weiß Mintard nicht. Diese beiden Teams werden bis zum Saisonende um den Klassenerhalt kämpfen, haben aber gute Karten.
Kreisligen A und B
In beiden Ligen wird es Aufsteiger aus Mülheim geben. In der Kreisliga A ist dem Starensemble des SV Rot-Weiß der Sprung in die Bezirksliga nicht mehr zu nehmen. Alles andere als der Sprung in die Bezirksliga wäre für Trainer Marcus Herrschaft und seine Crew auch höchstpeinlich gewesen. Zur Erinnerung: Vor der Saison verpflichtete Rot-Weiß Torjäger Daniel Weinbach vom Verbandsligisten Union 09 sowie die Landesligaspieler Hatem Guerbouj (Vatan Spor) und Dirk Heisterkamp (SV Bottrop 1911). Aufgrund einer schlechten Serie nach der Winterpause musste sich Union 09 II dagegen schon früh aus dem Aufstiegsrennen verabschieden. In der Kreisliga B gibt es einen spannenden Zweikampf zwischen dem Überraschungsteam Post SV und dem SV Raadt. Der Top-Favorit TSV Heimaterde muss den geplanten Aufstieg um ein weiteres Jahr verschieben.

KOMMENTAR
Wenn in Mülheim von den sportlichen Aushängeschildern die Rede ist, dann wird die Sportart Hockey genannt, auch von Tennis und der Galopprennbahn ist die Rede. Die lokale Fußballszene taucht selten bis nie in dieser Aufzählung auf. Nein, Mülheim hat keinen Profiverein, nicht mal einen in der Regional- oder Oberliga. Und doch bewies in der Saison 2002/2003 der VfB Speldorf, dass es auch in Mülheim möglich ist, mehrere Hundert Zuschauer für einen Klub zu begeistern. Kein anderer Verein kann einen so hohen Schnitt vorweisen, über keinen anderen wird an den Stammtischen der Stadt so oft diskutiert. Ganz gleich, ob der VfB den Sprung in die Oberliga in diesem Jahr noch schafft oder nicht:  Es geht aufwärts mit dem Fußball in Mülheim und es wäre angebracht, neben Hockey, Tennis und Galopp auch die Fußballer in die lange Liste aufzunehmen. Denn ein ambitionierter Oberliga-Fußballklub schmückt eine Visitenkarte ebenso wie ein Hockey- oder Zweitligaverein. Mindestens.

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Sportmagazin 1/2003 – Interview
ANPFIFF
Interview mit... der frisch gewählten Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld

Anmerkung: Das Interview würde nicht mündlich geführt, sondern lief über eine Mail!

Inwiefern haben Sie die Geschehnisse im Mülheimer Sport in den letzten Jahren verfolgt?
Ich nehme zumindest über die Medien immer regen Anteil an den sportlichen Geschehnissen in Mülheim. Das war auch schon immer so. In meiner gesamten Familie hat Sport zudem immer eine große Rolle gespielt. Mein Ehemann Rolf ist selbst Vorsitzender eines Sportvereins und ehemaliger Handballer, mein Sohn hat lange Jahre Fußball gespielt, und unser Haus liegt unmittelbar neben einem Sportplatz. Ich selbst verbringe im Sommer, sofern es die Arbeit zulässt, gerne Wochenenden mit Freunden auf dem Tennisplatz oder im Fahrradsattel. Im Augenblick hoffe ich als gebürtige Mülheimerin, die ihre Kindheit in der Mergelstraße in Speldorf verbracht hat, natürlich, dass der VfB Speldorf am Ende der Saison die Rückkehr in die Oberliga feiern kann.
Was sind Ihrer Meinung nach die Aushängeschilder des Mülheimer Sports?
Ich denke, da gibt es viele, die hier zu nennen wären. Mülheim ist immer noch eine deutsche Hockeyhochburg, doch auch die Erfolge der Ruderer haben unsere Stadt am Fluss über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Und natürlich der Galopprennsport am Raffelberg, auf einer der schönsten Rennbahnen Deutschlands. Im malerischen Ruhrtal wird Spitzentennis am Kahlenberg geboten. Nicht zu vergessen der Schachsport, mit seiner ersten rein auf den Schachsport ausgerichteten Sportstätte Deutschlands in den Räumlichkeiten im Hallenbad Süd. Spitzensport ist auf Dauer nur mit Hilfe zahlreicher Sponsoren haltbar, daher möchte ich an dieser Stelle all denjenigen danken, die die Mülheimer Vereine in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt haben. Ich begrüße vor diesem Hintergrund auch die Aktivitäten des Förderkreises Mülheimer Sport e.V. mit seinen fast 700 Mitgliedern, der seit über 20 Jahren den Spitzen- und Leistungssport in unserer Stadt fördert.
Doch die breite Angebotspalette an sportlichen Betätigungen und Veranstaltungen in der relativ kleinen Großstadt Mülheim bietet noch mehr: Bogenschießen, Dart, Flossenschwimmen, Fußball, Handball, Leichtathletik, Tischtennis, Radsport, Reiten, Ringen, Schwimmen, Squash usw. wären zu nennen und jedem Leser des „Mülheimer Sportmagazins“ fiele sicherlich noch die ein oder andere Ergänzung zu dieser Aufzählung ein. Als Person, die hier ausdrücklich zu nennen wäre, fiele mir spontan Lars Lürig ein. Vor seinen sportlichen Leistungen empfinde ich größten Respekt.
Welche Rolle spielt der Sport für Sie und Ihrer Ansicht nach für die Mülheimer?
Meines Erachtens hat Sport eine mehrfache Bedeutung. Die Sportvereine mit ihrer Kinder- und Jugendbetreuung an den Nachmittagen nehmen eine immens bedeutsame Rolle bei der sozialen Bildung Heranwachsender ein. Die Jugendabteilungen der Sportvereine in der Stadt sind zusammengenommen das „größte Jugendheim“ der Stadt. Dafür gebührt den in diesem Bereich tätigen Ehrenamtlern großer Dank. Daneben ist natürlich der Geselligkeitsaspekt von besonderer Bedeutung. Sport verbindet, Sport baut Distanz zwischen Menschen ab, Sport fördert im wahrsten Sinne des Wortes aktiv das Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt. Ich denke, dass ich mich mit dieser Einschätzung mit der weit überwiegenden Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in der Stadt einig weiß. Der Erhalt des Sportstättenangebotes, aber auch der Bau zweier 4-fach Sporthallen, trägt dieser gewichtigen sozialpolitischen Bedeutung des Sports Rechnung.

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Sportmagazin 2/2003 – Fußball
ES WIRD SPANNEND
Fußball-Saison 2003/2004 steht vor der Tür

Noch drei Wochen – dann beginnt die Amateurfußball-Saison. Das Hauptaugenmerk der Mülheimer Fans liegt wieder auf den Verbandsligisten VfB Speldorf und TuS Union 09. Die beiden Mannschaften und die vier Bezirksligisten nahm das Sportmagazin genau unter die Lupe.

Kommen & Gehen
VfB Speldorf: Zehn Abgängen stehen acht Neuzugänge gegenüber. Der Verlust der Stammspieler Ingo Pickenäcker, Stefan Majek und Oliver Röder wurde durch die oberligaerfahrenen Yasar Kurt, André Rasche (beide Ratingen 04/19) und Marco Ferreira (SSVg Velbert) aufgefangen. Die weiteren Neuen Gregor Nijhuis (Tor), Rafael Synowiec, Patrick Dehn (Abwehr) und Björn Matzel (offensives Mittelfeld) heben zudem das Niveau. Die Qualität ist gestiegen. Allerdings könnte der auf 20 Spieler beschränkte Kader ein Problem werden. Zu diesem Aufgebot zählen zwei unerfahrene 18-Jährige aus der eigenen Jugend, einen dritten Torwart gibt es nicht und auf eine gute zweite Mannschaft kann Trainer Kurth nicht zurückgreifen.
TuS Union 09: Bei Union gab es einen totalen Umbau. Acht Spieler gingen, darunter fünf Stammspieler (Homberg, Hinz, Klauß, Hohensee, Yilmaz), neun Neue kamen. Die größten Hoffnungen ruhen auf Rückkehrer Joachim Bohra (Vatan Spor) und Routinier Thomas Thiel (Ratingen). Ansonsten verpflichtete Union durchweg Talente. Die neue Mannschaft muss sich erst einmal finden.
Stärken & Schwächen
VfB Speldorf: Im Vorjahr erzielte der VfB die meisten Tore der Liga – das dürfte sich nicht ändern. Torjäger Dirk Roenz (zuletzt 21 Tore) wird zudem nicht nur von René Kägebein (13 Tore), sondern auch von den Zugängen Matzel und Ferreira unterstützt. Auch bei den Standardsituationen ist der VfB dank Thomas Pröpper brandgefährlich. Neben dem zu knappen Kader könnte die nicht eingespielte Abwehr ein Problem werden. Unklar ist, ob sich Yasar Kurt und André Rasche sofort als Führungspersonen etablieren. Ebenso ist fraglich, ob die Spieler mit dem immensen Druck umgehen können.
TuS Union 09: Die Unerfahrenheit könnte zum Manko werden. Sollten Routiniers wie Ralf Zils, Jörg Müller oder Thomas Thiel über einen längeren Zeitraum ausfallen, hat Trainer Bachmann ein Problem. Der Coach muss das torgefährliche Offensivtrio Yilmaz/Klauß/Hohensee ersetzen, dass in den letzten drei Jahren über die Hälfte der Union-Tore erzielte. Ein Plus: Die Union-Elf ist wesentlich schwerer auszurechnen als in den letzten Jahren, als sich die Gegner ausschließlich auf Klauß konzentrierten. Zu einer Stärke könnte zudem die Defensivarbeit werden.
System & Taktik
VfB Speldorf: Trainer Kurth weicht von seinem bewährten 3-5-2-System nicht ab. Die Libero-Rolle übernimmt Yasar Kurt, die zentrale Mittelfeld-Position André Rasche. Mehrere Spieler (Matzel, Ferreira, Dehn, Synowiec) sind variabel einsetzbar.
TuS Union 09: Auch Ernst Bachmann vertraut dem 3-5-2-System. Fixpunkte sind Ralf Zils (Libero) und Thomas Thiel (zentrales Mittelfeld). Im Defensivbereich hat Bachmann die Qual der Wahl. Etwas dürftig besetzt sind dagegen die Offensivpositionen, zumal nicht feststeht, ob der 33-jährige Joachim Bohra noch einmal den Sprung in die Verbandsliga packt.
Trainer & Umfeld
VfB Speldorf: Frank Kurth ist am Blötter Weg unumstritten – noch. Mit viel Engagement erarbeitete sich der Ex-Profi in der letzten Saison Respekt beim Vorstand und den Fans. Der vierte Tabellenplatz wurde ihm schnell „verziehen“. Sollten die Speldorfer allerdings schlecht starten, dürfte auch der Trainer fix unter Druck geraten. Denn das Speldorfer Umfeld ist ungeduldig geworden und die Mitglieder angesichts des nach unten gewirtschafteten Unterbaus besorgt.
TuS Union 09: Durch die Rückkehr von Jürgen Bleikamp auf den Posten des 1. Vorsitzenden wurde das Trainer-Duo Ernst Bachmann/Thomas Verwaayen gestärkt. Der ursprünglich geplante Trainerwechsel – Herbert Stoffmehl sollte den Job übernehmen – wurde rückgängig gemacht. Die Ergebnisse in den letzten Jahren sind beachtlich. Stets schaffte Union frühzeitig den Klassenerhalt - auch ein Erfolg der Trainer. In diesem Jahr stehen die beiden nicht unter Druck. Aufgrund des kompletten Teamumbaus wären Vorstand und Fans mit dem Klassenerhalt zufrieden. Ein einstelliger Platz muss es diesmal nicht unbedingt sein.
Fazit & Prognose
VfB Speldorf: Die VfB-Mannschaft hat an Qualität gewonnen und ist zudem eingespielt. Doch ein Durchmarsch ist nicht zu erwarten, da auch in der kommenden Saison starke Konkurrenz auf die Grün-Weißen wartet. Neben einem guten Start ist wichtig, dass sich die Schlüsselspieler (Kurt, Rasche, Pröpper, Roenz) nicht verletzen.
TuS Union 09: Die Unioner werden erst einmal in den Abstiegsstrudel geraten. Je schneller sich die neu zusammengestellte Mannschaft findet, desto höher klettert die Bachmann-Elf in der Tabelle. Daher ist ein einstelliger Platz ebenso möglich wie ein harter Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag.

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Sportmagazin 2/2003 – Fußball
EIN UNIKUM MIT CHARISMA
Der Karajan der Seitenlinie trainiert wieder Vatan Spor

Ali

Die einen lieben ihn, die anderen erklären ihn für bekloppt. Fest steht: Er passt in keine Fußballtrainer-Schublade. Zum dritten Mal seit 1999 trägt Mohamed Ali Abdelhafid beim Landesliga-Absteiger Vatan Spor die Verantwortung.
Pressetermin vor Ort. Im Umkleide-Container an der Von-der-Tann-Straße herrscht gähnende Leere. Aber davor nicht. 15 Spieler hocken auf der Wiese, durchgeschwitzt und überanstrengt. Liegestütze. Eine Stimme ertönt. „1“, „2“, „3“... bis „15“ geht das weiter. Dann ein kurzes „Gut, Männer!“ und vorbei ist das Training. Müde schmeißen sich die Spieler auf den Rasen. Einer springt vergnügt auf und erscheint zum Gespräch: Mohamed Ali Abdelhafid.
Warum hat der sich das zum dritten Mal angetan? Bei der schwärzesten Stunde des Vereins, beim Abbruchspiel in Homberg im Oktober 1999, saß er auf der Trainerbank. Zwei Jahre später, im Oktober 2001, trat er bereits nach dem zehnten Spieltag zurück. Und nun? „Ich liebe Fußball“, sagt er stets. Und an Vatan und einigen Spielern scheint er auch einen Narren gefressen zu haben. „Schauen Sie“, sagt er, „ich habe Mails von Spielern bekommen. Darin stand: Bitte komm zurück, Trainer. Wir wollen endlich wieder Fußball spielen.“ Solche Momente machen ihn stolz – und sind zugleich eine Verpflichtung. Nicht zuletzt wegen Abdelhafid kehrte Hakan Turna dem Oberligisten 1.FC Bocholt den Rücken – trotz Stammplatz. Das sind Spieler, die auf Abdelhafids taktische Schulung schwören. Auf ihn und seine Fußball-Philosophie von der Dreier- und Vierer-Abwehrkette, vom sofortigen Reagieren auf Spielstände und Gegner, von genau und immer wieder einstudierten Standardsituationen, der funktionierenden Raumdeckung.
Und doch hat Abdelhafid einige „Feinde“. Stets gibt es eine hohe Fluktuation in seinen Teams. Es ist anstrengend, als Spieler oder Vorstandsmitglied mit ihm zusammenzuarbeiten. Er geht konsequent seinen Weg, denkt stets an seine Mannschaft, erwartet von dieser aber ein hohes Pensum – zum Beispiel täglich in der Vorbereitung. Das ist für einige Spieler in der siebtklassigen Bezirksliga zu viel verlangt. Vor allem mit erfahrenen Spielern rasselte Abdelhafid oft aneinander. „Schauen Sie“, sagt er wieder und blickt den Reporter an: „Sie haben einmal geschrieben, dass ich nicht mit Stars umgehen kann. Das stimmt nicht. Wer bei mir regelmäßig trainiert und seine Leistung bringt, der spielt. Ich wäre doch blöd, wenn ich gute Spieler draußen lassen würde.“ Junge Spieler waren bei ihm immer gut aufgehoben.
Abdelhafid, ein Disziplin-Fanatiker: Wer zu spät zum Treffpunkt erscheint, sitzt draußen, egal, wie derjenige heißt. Oft kommt es in der Kabine zu lautstarken Disputen: „Die Spieler wissen, dass ich nichts persönlich meine.“ In seinen Teams ist er der einzige Star – obwohl er diese Rolle gar nicht möchte. „Keiner unser bisherigen Trainer hat sich so viel Zeit für die Mannschaft genommen“, meint der Vatan-Ehrenvorsitzende Turan Isleyen. Er kennt Abdelhafid seit vielen Jahren. Isleyen weiß, dass Vatan nur dann eine Chance auf den Wiederaufstieg hat, wenn die Mannschaft auf Abdelhafids hohe Forderungen eingeht.
Torhüter sind keine guten Trainer, heißt es in der großen Welt der Fußball-Weisheiten. Der ehemalige tunesische Erstliga-Keeper Abdelhafid scheint ein Gegenbeispiel zu sein. „Stimmt nicht“, hakt er deshalb auch sofort ein. „Von hinten hatte ich immer einen viel besseren Überblick und konnte die Spiele genau analysieren. Ich habe mir immer Notizen gemacht, warum ich welches Gegentor bekommen habe.“ Dass Torhüter (genauso wie Linksaußen übrigens – eine weitere Weisheit) einen „an der Ratsche“ haben, das bestätigt er. „Als Torhüter muss man manchmal explodieren, wie Kahn, wie Lehmann. Und genauso werde ich an der Seitenlinie immer verrückt.“
Die Fans von Vatan Spor und die anderen 15 Bezirksligisten können sich ab dem 31. August selbst ein Bild von Abdelhafids Explosivität und seiner Ansicht von Fußball erhalten. Dann ist der Karajan der Seitenlinie wieder in Aktion. Einer, der das Spiel Fußball wirklich so liebt wie kaum ein anderer.

Mohamed Ali Abdelhafid
wurde am 15.10.1962 im südtunesischen Zarzis geboren. Er ist verheiratet mit Sandra und hat drei Kinder. Jameleddine ist acht Jahre alt, die Zwillinge Sara Meriam und Nadia einen Monat. Er spricht Französisch, Englisch, Deutsch und Italienisch, wohnt in Rheinberg und arbeitet als EDV-Techniker in Essen. Seine sportliche Karriere als Torwart begann bei Olympic Medenine. Mit seinem Heimatklub Esperance Zarzis stieg er von der dritten bis in die erste Liga auf. Er stand einmal im Kader der tunesischen Nationalmannschaft. 1992 lernte er seine Frau kennen und folgte ihr nach Deutschland. Mit dem VfB Speldorf stieg er in die Verbandsliga auf (1995/1996). Danach begann seine Trainer-Karriere beim IFK Oberhausen sowie später als A-Jugend-, Co- und Cheftrainer bei Vatan Spor (Landesliga). Er erwarb inzwischen die A-Lizenz. Nach einem Umweg über Alanya Essen (Kreisliga A) ist er wieder bei Vatan gelandet – diesmal in der Bezirksliga.

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Sportmagazin 2/2003 – Schwimmen
MÜHSAM AUF DEM WEG NACH VORN
Bedingungen in Mülheim ändern sich nur langsam

Es ist gar nicht so lange her, dass Hannah Stockbauer und Antje Buschschulte bei der Weltmeisterschaft im spanischen Barcelona die Goldmedaille gewannen. Ganz so weit sind die Mülheimer Schwimmer noch nicht, aber zumindest in einigen Jahrgangsklassen sind sie in die nationale Spitze vorgestoßen. Dabei sind die Bedingungen nicht gerade meisterlich. Das Sportmagazin ging diesen Defiziten auf die Spur.
Nachdenklich steht Daniel Cornelsen am Beckenrand. Auf der großen Digitaluhr im Wuppertaler Heinz-Hoffmann-Leistungszentrum steht „28. Juni“ und im 50-Meter-Becker läuft ein Rennen nach dem anderen. Daniel scheint sie nicht zu sehen. Bei der deutschen Jahrgangsmeisterschaft steht er vor seinem womöglich größten Erfolg: Ein Platz auf dem Treppchen im 1500-Meter-Freistil-Rennen des Jahrgangs 1988. Noch zehn Minuten bis zum Start.
Zehn Meter von Cornelsen weg steht Harry Schulz. Der ist seit 25 Jahren dabei im Schwimmgeschäft und seitdem Trainer des Amateursportclubs (ASC) und im Rahmen dessen auch der Startgemeinschaft (SG), die aus dem ASC und der Trainingsgemeinschaft Wassersportfreunde/TSV Viktoria besteht. Cornelsen ist seit seiner Kindheit der Schützling von Schulz. „Er ist als zeitschnellster gemeldet“, erzählt er. „Aber das muss nichts heißen. Er hat sich im Vergleich zum Vorjahr um über eine Minute gesteigert. Seine Konkurrenten können womöglich noch zulegen.“
Große Unterschiede
Harry Schulz legt seine Stirn in Falten und blickt sich um im Wuppertaler Schwimmbad. Eine 50-Meter-Bahn, dazu noch ein weiteres 25-Meter-Becken und ein riesiger Kraftraum. „Mensch, was sind das für Bedingungen“, sagt er und gerät ins Schwärmen. „Bei uns in Mülheim ist das nicht so.“
Für einen Leistungsschwimmer kommt es darauf an, möglichst oft im Wasser zu sein – logisch. Aber auch das Trockentraining im Kraftraum ist sehr wichtig. Und da hapert es in Mülheim. Um jede Trainingszeit muss die SG mit ihren vielen Mitgliedern kämpfen – in manchen Gruppen gibt es gar einen Anmeldestopp. Wie sollen da die Leistungssportler zu ihrem Recht kommen. „Einen Kraftraum gibt es in der Halle an der Boverstraße“, erzählt Harry Schulz. Aber der ist nicht größer als ein normales Wohnzimmer – und zudem sehr spärlich ausgestattet.
Noch fünf Minuten bis zum großen Rennen.
Verlangen die Schwimmer zu viel vom Mülheimer SportService (MSS)? Sie verweisen auf Beispiele in anderen Städten. Frühtrainingsstunden vor Schulbeginn sind eigentlich unverzichtbar, wurden jetzt aber eingeführt. Zudem gibt es in vielen anderen Städten Schlüsselgewalt für die Schwimmvereine. Auch ein größerer Kraftraum ist nicht allzu teuer. Schon mit diesen kleinen Änderungen wäre der SG vorerst geholfen, um die Talente mit Daniel Cornelsen an der Spitze weiter in Mülheim fördern zu können. Einmal pro Woche hat der ASC eine Trainingszeit im Leistungszentrum in Essen – auf einer 50-Meter-Bahn. Aber am Freitagabend ab 18 Uhr. Trotz dieser ungünstigen Zeit: Die Gelegenheit, in einem solch gut ausgestatten Bad zu trainieren, nimmt Harry Schulz gerne wahr. Nach Wuppertal geht’s höchstens im Trainingslager.
Starke Leistung von Cornelsen
Das Rennen beginnt. Daniel schwimmt gut. Er schafft eine persönliche Bestzeit. Nach 16:44,32 Minuten hält die Stoppuhr. „Nur“ Platz vier, aber ein Stadtrekord. Einer von vielen, die Daniel in diesem Jahr aufstellte. Den über 800 Meter Freistil (8:47,90 Minuten) nahm er in diesem Finale gleich mit. Platz vier? Eine Niederlage? Oh nein. Auch der vierte Platz über 400 Meter Lagen und der fünfte über 400 Meter Freistil waren große Erfolge, auf die der 14-Jährige stolz sein kann.
Doch die Mülheimer Schwimmjugend allein auf Daniel Cornelsen und die deutsche Jahrgangsmeisterschaft zu reduzieren, wäre unfair. Es gibt so viele weitere hoffnungsvolle Talente in der SG. Beispielsweise Lisa Vitting (Jahrgang 1991) vom ASC, die im Mehrkampf mit 2762 Punkten Elfte unter 68 Teilnehmerinnen wurde. Beispielsweise Kristina Kuhles (ASC, 1988), die am 12. Mai in Hamburg Achte über 50 Meter Brust wurde – eine weitere Endlauf-Teilnahme. Oder die weiteren Teilnehmer bei der Jahrgangsmeisterschaft: Daniel Harder (WSF), Felix van der Felden (TSV Viktoria) und Daniel Bewer (beide ASC). Sechs Starter bei der „Deutschen“ – so viele wie seit 16 Jahren nicht mehr.
Bei vielen Wettkämpfen in ganz Deutschland vertreten diese Talente die Mülheimer Farben. Damit sie nicht nur die Breite vergrößern, sondern auch in der Spitze mitschwimmen, sind Verbesserungen nötig.
Dann starten Talente wie Cornelsen auch 2004 noch für die SG – und spazieren vor großen Endläufen nachdenklich am Beckenrand auf und ab.

Interview mit Harry Schulz (Trainer der SG, beim ASC)

Harry Schulz

In diesem Jahr gab es große Erfolge. Wie kam es dazu?
Durch unsere jahrelange kontinuierliche Trainingsarbeit. In diesem Jahr hatten wir noch einmal die Möglichkeit, unser Trainingspensum zu steigern, da uns der Mülheimer SportService Frühtraining ermöglicht hat. Das heißt, dass einige Schwimmer zweimal pro Woche vor Schulbeginn trainieren. Das ist für Mülheim sehr wichtig.
Die SG hat Missstände in Mülheim im Vergleich zu anderen Städten beklagt. Worin liegen die?
Sie liegen in allen Bereichen der Trainingsbedingungen. Für das Trockentraining steht uns zum Beispiel nur ein ganz kleiner Raum zur Verfügung. Zudem hatten wir jahrelang keine Frühtrainingsstunden.
Warum gibt es erst jetzt die für den Leistungssport notwendigen Änderungen?
Der MSS wollte erst Beweise haben, dass wir wirklich erfolgreich sind. Diese haben wir in diesem Jahr genug geliefert. Unsere Schwimmer standen in den Bestenlisten weit vorn und waren auch bei der deutschen Meisterschaft in Endläufen vertreten.
Was wird sich noch verbessern?
Der MSS ist sehr kooperativ. Ab September werden wir eine dritte Frühtrainingsstunde bekommen und unser Pensum auf neun Einheiten pro Woche erhöhen. Außerdem sind wir in intensiven Gesprächen mit dem MSS über weitere Änderungen.

Interview mit Peter Edlich (Mülheimer SportService)
Haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Schwimmer über die Trainingsbedingungen beklagt haben?
Es geht vor allem um die Wasserfläche. Bei einer Untersuchung des Kommunalverbands Ruhrgebiet wurde festgestellt, dass wir zu wenig in Mülheim haben. Das trifft alle Benutzergruppen, also nicht nur die Vereine, sondern auch die Öffentlichkeit und die Schulen.
Die Schwimmer loben die Kooperation mit dem MSS. Sie stehen dem Leistungssport also nicht im Weg?
Nein. Wir denken positiv und wollen immer alles probieren, was möglich ist. In den letzten Monaten ist es uns schließlich auch gelungen, die Trainingszeiten durch Frühstunden auszudehnen.

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Sportmagazin 3/2003 – Jahresrückblick
Eine große Baustelle
Sportjahr 2003 hatte viele Tücken

Sportmagazin 3/2003

Das Jahr 2003 neigt sich dem Ende entgegen. Zeit für eine Bilanz. Was haben die vergangenen zwölf Monate für den Mülheimer Sport gebracht?

DER ÜBERBLICK
Januar
Still ist es im Winter auf der Raffelberger Galopprennbahn. Die Kälte hat die Ruhr und die Landschaft im Griff. Die Mülheimer Sportler vergnügen sich in der Halle. Der HTC Uhlenhorst schließt die Hallen-Bundesligasaison als Vierter ab (26.1.), am gleichen Tag erobern Lars Harms und Sabine Tillmann im Sport-Treff an der Hardenbergstraße die Titel bei der deutschen Squash-Meisterschaft.
Februar
Wie war das? Die Mülheimer vergnügen sich in der Halle? Aber nicht doch... Die Fußballer holen ihre Stiefel aus dem Schrank und wagen sich auf die gefrorenen Plätze, und ein paar Hundert hartgesottene Leichtathleten zieht es zur Raffelberger Galopprennbahn. Aber nicht, um sich schöne Pferde anzusehen, sondern um am ersten medl-Crosslauf teilzunehmen (16.2.).
März
Hoppla, und schon ist es März. Mülheim ist im Wahlkampffieber. Ein neuer Oberbürgermeister wird gesucht. Das Sportjahr hat ganz ruhig angefangen. Die Ehrenamtler erfüllen ihren Alltag, große Erfolge sind rar. Und waren auch 2002 schon rar. Zum alljährlichen Treffen des Sportförderkreises kommt Ex-Turnweltmeister Eberhard Gienger (7.3.). Beim Sportehrentag in der Stadthalle werden Timo Weß und Sarenka Schuler zu den Sportlern des Jahres gekürt (22.3.). Jörg Knör sorgt für eine ausgelassene Stimmung, und doch: So wenig Sportler wie 2003 wurden noch nie geehrt. Gibt es keine Spitzenleistungen mehr in Mülheim? Was macht eigentlich die Rennbahn? Sie erwacht aus dem Winterschlaf (8.3.). Derweil packt Mülheim das Fußballfieber. Der VfB Speldorf greift die Tabellenspitze der Verbandsliga an, trotz der 2:4-Niederlage im Derby bei Union 09 (9.3.).
April
Noch gar nichts von den Handballern gehört im Jahr 2003. Kein Wunder, denn viel gibt es auch nicht zu berichten. Die ranghöchsten Mannschaften stehen im Tabellenmittelfeld; alles völlig uninteressant, wie schon in den letzten Jahren. Ganz anders der Fußballklub VfB: 1000 Zuschauer bejubeln den 3:0-Erfolg über den SV Straelen. Oberliga, das wär’s. Die viel gerühmten sportlichen Aushängeschilder der Stadt sind auch noch da. Der HTC Uhlenhorst beginnt seine zweite Zweitliga-Saison in Folge, mit dem neuen Trainer Jörn Eisenhuth (26.4.), der Rennverein beklagt sich über sinkende Zuschauereinnahmen.
Mai
Aus der Traum vom Aufstieg. Mit einer 2:3-Niederlage gegen Viktoria Goch verspielt der VfB den Aufstieg (9.5.). Vatan Spor muss den Weg in die Bezirksliga antreten (25.5.). Das Squash-Herrenteam des SC Courtwiesel verpasst den deutschen Meistertitel – die Damen nicht (31.5.). Der Rennverein meldet: Die neue Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld soll Vereinspräsidentin werden!
Juni
Jetzt jagt eine Groß-Veranstaltung die nächste. Pfingstsonntag, sintflutartige Regenfälle. Dummerweise am selben Tag wie das Rennen um den „Preis der Diana“. Next Gina gewinnt, doch das Chaos ist perfekt. Wenig Zuschauer, kein Wettumsatz, Riesen-Verlust (8.6.). Eine Woche später, ein Festzelt steht an der Südstraße (14.6.). Boxen ist angesagt, Erinnerung an alte Zeiten – das können wir Mülheimer gut. Peter Hussing und Co. kämpfen wie in alten Tagen. Einen Tag später: Ingo Burghardt gewinnt den 8. Tengelmann, das Tennis-Herren-30-Team des Kahlenberger HTC verspielt in Nassau den deutschen Meistertitel. Deutscher Jahrgangsmeister wird der Schwimmer Daniel Cornelsen auch nicht (30.6.). Aber in Wuppertal erreicht er auf drei Strecken die Top fünf. Ein Riesenerfolg. Wow, eine Schlagzeile jagt die nächste. Und das in Mülheim.
Juli
Nun findet Mülheim auch überregional Beachtung. Der Grund ist allerdings weniger lustig: Beim Rennverein jagt eine Krisensitzung die nächste. Ursache: Der verregnete Pfingstsonntag. Sonne ist das richtige Stichwort. Die Jahrhundert-Hitzewelle bringt Deutschland zum Schwitzen. Auch bei der Tennis-Stadtmeisterschaft um den „medl-Cup“, die Adriane Franzen und Christian Schäffkes für sich entscheiden (13.7.). Auch beim Drachenboot-Festival (19./20.7.) und auch beim „Tag des Jugendfußballs“ auf dem Wissoll-Sportplatz (27.7.).
August
„Vor dem Aus“ sind die drei Worte, die kein Verein gerne hört. Doch beim Rennverein ist es scheinbar soweit. Kein Geld mehr in Sicht. Fieberhaft strickt Dagmar Mühlenfeld, die tatsächlich Präsidentin geworden ist, an einem Sanierungskonzept. Das Aus in der 2. Tennis-Bundesliga ist für den KHTC gekommen. Nach dem 5:4-Erfolg bei Blau-Weiß Berlin (15.8.) verkündet Teamchef Uwe Schumann den Rückzug. Nicht in Sicht ist das Aus für den RWW-Ruhrauenlauf, der am 23.8. 1890 Aktive anlockt. Auch hier gewinnt Ingo Burghardt den 10-km-Hauptlauf.
September
Lang nichts mehr von den Fußballteams gehört. Kein Wunder, denn die Sommerpause dauerte diesmal volle drei Monate. Nun nimmt die Saison Fahrt auf. Der VfB peilt in der Verbandsliga wieder den ersten Platz an. In Winkhausen steigt wieder das Radsport-Event „Preis der Sparkasse“ (13.9.). Und der Rennverein? Er verkauft die beiden attraktivsten Rennen „Preis der Diana“ und „Preis der Winterkönigin“ (24.9.). Einen anderen Ausweg aus der Krise gibt es nicht.
Oktober
Der Hockey-Monat! Der HTC Uhlenhorst verabschiedet sich als Zweitliga-Tabellenführer in die Pause (19.10.), die HTCU-A- und B-Junioren werden deutscher Meister. Am 12. Oktober werden 900 Zuschauer Zeuge des Fußball-Lokalderbys Union gegen Speldorf. Endstand 2:2. Ein paar Tränchen fließen auf der Rennbahn: Am 3. Oktober wird die letzte „Winterkönigin“ ermittelt.
November
Fortschritte sind bei den beiden neuen Hallen zu erkennen. Noch zwölf Monate, dann sollen die Ruhr-Sporthalle und die Halle an der Mintarder Straße stehen. Laut Sportdezernent Wilfried Cleven sind das die letzten sportlichen Baumaßnahmen für viele viele viele Jahre. Dagmar Mühlenfeld kündigt an, dass für 2004 die Renntage gesichert sein. Mülheims Freizeitattraktion Nummer eins bleibt vorerst erhalten.
Dezember
Es gibt noch gute Nachrichten im Mülheimer Sport – im Dezember in Form von zwei Comebacks. Die Boxer des BC Ringfrei sind wieder da und feiern ein grandioses Oberliga-Debüt vor 600 Zuschauern. Und am 21.12. gibt es nach zweijähriger Pause wieder die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft. In den Hinterzimmern blicken alle 150 Vereine auf das Jahr zurück, aus allen Sportarten. Still ist es im Winter auf der Raffelberger Galopprennbahn. Die Kälte hat die Ruhr und die Landschaft im Griff.

DER KOMMENTAR
Zwei große Gebäude entstehen derzeit in Mülheim. Die Ruhr-Sporthalle und die Halle an der Mintarder Straße sind eine riesige Baustelle. Nur ganz langsam sind Fortschritte erkennbar.
Das trifft nicht nur auf die Hallen zu, sondern auch auf das Gesamtgebäude „Mülheimer Sport“. Von vielen Tücken geprägt waren die letzten zwölf Monate. Der Rennverein am Raffelberg und damit die Galopprennen standen lange vor dem Aus. Der KHTC zog sein Team aus der 2. Tennis-Bundesliga zurück. Der VfB Speldorf verpasste den Aufstieg in die Fußball-Oberliga. Weitere Nadelstiche in die große Wunde der lokalen Sportfans. Und wieder lockten nur die „Events“ an: Drachenboot-Festival, Ruhrauenlauf, Tengelmann-Lauf.
Wann ändert sich das wieder? 2004 finden in Athen die Olympischen Spiele statt. Daran wird vermutlich kein Mülheimer teilnehmen. Das ist ein Armutszeugnis und war in den 80ern undenkbar. Damit die Rädchen wieder ineinander greifen, sind nur kleine Schritte notwendig: Die Sponsoren müssen ein wenig mehr Geld zahlen, die Vereine müssen ihre größten Talente ein wenig mehr fördern und das Quäntchen Glück muss nach Mülheim zurückkehren. Dann wird die Sportstadt Mülheim in der nationalen Hierarchie wieder nach oben steigen. Denn eine 170.000-Einwohner-Stadt sollte sich eigentlich nicht verstecken.
Im Dezember 2004 sollen die neuen Hallen fertig sein. Es wäre schön, wenn sich das Gesamtgebäude „Mülheimer Sport“ ebenso schnell entwickeln würde.

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Sportmagazin 3/2003 – Fußball
Nur die Bezirksliga macht Spaß
Verbandsligisten erlebten einen heißen Herbst

Was hatte sich der Verbandsligist VfB Speldorf vor Saisonbeginn nicht alles vorgenommen? Erster Platz, Aufstieg, Oberliga – die Ziele nahmen kein Ende mehr. Und dann? Eine Niederlage folgte auf die andere, der Spitzenrang ist entfernter denn je. Da auch Union 09 in schöner Regelmäßigkeit patzt, gibt es nur eine hochinteressante Liga in der Saison 2003/2004: die Bezirksliga!

Verbandsliga
Wenn in Mülheim der „Fußballer des Jahres“ geehrt würde, seit vielen Jahren gäbe es nur einen Preisträger. Auch 2003 war Stürmer Dirk Roenz vom Verbandsligisten VfB Speldorf das Maß aller Dinge. „Mütze“ wird Roenz am Blötter Weg gerufen. Mit seinen Toren sorgte „Mütze“ dafür, dass der VfB nach einem völlig verkorksten Start wenigstens noch mit einem Auge auf die Tabellenspitze schielen kann.
Für VfB-Trainer Frank Kurth war es ein verdammt ungemütlicher Herbst. Nach dem Fall auf den neunten Platz (8. Spieltag) wehte ihm der Wind heftig ins Gesicht. Doch der Vorstand um Klaus Wörsdörfer hielt an dem Übungsleiter fest, und zuletzt dank der Form-Explosion der „Mütze“ kehrten die Grün-Weißen in die „Top 5“ der Liga zurück. Was die Zukunft bringt? Nur eine Siegesserie kann dem VfB weiterhelfen. Und keine kleine. Sieben oder acht „Dreier“ in Folge sollten es schon sein. Es fällt aber schwer, daran zu glauben. Es scheint, als habe der VfB in der Anfangsphase der Saison den Aufstieg verspielt. Am Ende dürfte zum dritten Mal in Folge der vierte Platz rausspringen. TuRu Düsseldorf sowie die Amateurteams des MSV Duisburg und von RW Oberhausen sind zu stark.
Von den „Top 5“ himmelweit entfernt ist der TuS Union 09, der – wie vom Sportmagazin in der Sommer-Ausgabe prophezeit – bis zum Saisonende gegen den Abstieg spielt. Der Klassenerhalt kann nur gelingen, wenn Leistungsträger (Zils, Müller, Calianu) nicht über einen längeren Zeitraum ausfallen. Die Chance ist fifty-fifty.
So spannend wie in der letzten Saison ist diese aber gewiss nicht. Beim VfB gibt es einen leichten Zuschauerrückgang, zudem hat der Verein durch den Niedergang des Unterbaus viel Kredit verspielt. Das gilt auch für Union. Der Fall auf einen Abstiegsplatz und die nicht mehr ganz so überragende Jugendabteilung fügten auch Union einen Imageschaden zu. Der Verein steht vor einer schweren Zukunft. Denn die dringend nötige Renovierung der Anlage an der Südstraße ist nicht in Sicht.

Bezirksliga
Was sich viel mehr lohnt ist ein Blick in die Siebtklassigkeit. Die Mülheimer Fußballszene sehnte sich nach einem Zweikampf um den Aufstieg zwischen Vatan Spor und dem MSV 07 – und sie scheint ihn zu bekommen. Die Trainer Mohamed Ali Abdelhafid (Vatan) und Dieter Brüger (MSV) haben ihre Mannschaften im Griff, und bieten den Fans attraktiven Fußball an. Auch der SV Rot-Weiß und Tuspo Saarn tragen zur Spannung bei. Zahlreiche Lokalderbys sorgen für die nötige Würze. Und so ist es kein Wunder, dass so mancher neutrale Fan zuerst die Spielberichte der Bezirksligaklubs liest – und nicht die der Verbandsligisten.
Eine Prognose ist schwierig. Die Hauptsache ist, dass ein Mülheimer Team aufsteigt, und nicht etwa Dinslaken 09 als lachender Dritter. Der SV Rot-Weiß wird souverän die Klasse halten und einen einstelligen Platz erobern. Das wird für die Saarner schwer. Sie kämpfen gegen den Abstieg, haben dank der mannschaftlichen Geschlossenheit aber gute Chancen auf den Verbleib in der Bezirksliga.

ZWEI FRAGEN AN...
... Frank Kurth (Trainer des VfB Speldorf)

Im heißen Herbst mussten Sie während der Negativserie viel Kritik einstecken. Haben Sie die Anfeindungen schon vergessen?
So eine Situation kannte ich in dieser Form nicht, ich bin ja noch nicht lange im Trainergeschäft dabei. Sie waren für mich schwer nachzuvollziehen. Sicherlich ändert man sich im Umgang mit dem einen oder anderen und geht differenzierter mit den Leuten um. Gut, dass der Vorstand einen kühlen Kopf bewahrt hat. Er hat das Trainerteam nur nach der geleisteten Arbeit beurteilt.
Ihr Vertrag beim VfB Speldorf läuft am Saisonende aus. Könnten Sie sich vorstellen, weiter am Blötter Weg zu arbeiten?
Ich würde gerne mit meinem Trainerteam weiter am Blötter Weg arbeiten. Wir sind vor anderthalb Jahren angetreten, um etwas zu entwickeln und ich glaube, dass wir noch nicht am Ende unserer Arbeit sind. Gespräche soll es im Januar geben.

IM INTERNET GEFUNDEN!
www.vfb-speldorf-ev.de
Es hat lange gedauert, aber seit September ist auch Mülheims in den letzten Jahren erfolgreichster Fußballklub VfB Speldorf „online“. In der Verbandsliga war der VfB der vorletzte Klub, der noch keine eigene Homepage hatte. Dass es die VfB-Seite schaffte, innerhalb von nur vier Wochen berühmt zu werden, lag am Gästebuch, das einer oder mehrere Anhänger nutzten, um Trainer Frank Kurth und Spieler anonym wüst zu beschimpfen. Ende Oktober wurde das Gästebuch wieder geschlossen. Das Forum, eine weitere interaktive Besonderheit, wird hingegen kaum genutzt. Dort ist eine Anmeldung erforderlich. Die von einem Fan betreute VfB-Seite ist in den Vereinsfarben grün-weiß gestaltet. Sie bietet außer dem Forum die Grundversorgung an Informationen: Der Spielplan samt Tabelle ist zu finden, die neuesten Presseberichte, Fotos von der ersten Mannschaft, den Spielern und dem Stadion sowie für auswärtige Gäste der Anfahrtsweg zur „Blötte“. Noch gar nichts steht bei den Unterpunkten „Jugend“ und „2. Mannschaft“. Hat der VfB dort nichts zu erzählen? Fazit: Die Seite ist bewusst schlicht gehalten. Die Speldorfer haben ihre Pflicht erfüllt, mehr nicht.

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Sportmagazin 3/2003 – Tennis
"Ne Superjeilezick"
KHTC zieht Zweitligamannschaft zurück

Kurz und schmerzlos verkündete Uwe Schumann am 26. September eine weitere Hiobsbotschaft für den Mülheimer Sport: Der Kahlenberger HTC zieht seine Mannschaft vom Spielbetrieb in der 2. Bundesliga zurück und startet einen Neuanfang in der Niederrheinliga. Rumms. Ein Hammer.
Hätte ein TV-Sender über diese Pressekonferenz berichtet, wäre der anschließende Bericht von einigen schönen Bildern eingerahmt worden: Jubelnde Menschen beim Aufstieg im Jahr 2000, fliegende Tennisschläger in der Bundesligasaison 2001, strömende Menschenmengen zum Bundesliga-Heimspiel gegen den großen Nachbarn ETuF Essen im Sommer 2002. Dann noch großartige Ballwechsel, beispielsweise vom tollen Zwei-Satz-Erfolg von Karsten „Katze“ Braasch über Alexander Popp. Oder von weiteren Top-Spielern wie Sargis Sargsian, Filippo Volandri oder René Nicklisch. Und im Hintergrund läuft als Musik „Superjeilezick“ von der Kölner Gruppe Brings. Eine „supergeile Zeit“ ist es gewesen.
Gewesen. Denn nun ist es vorbei. Die Mülheimer Sportfamilie hatte sechs Jahre lang die Chance, ein Tennis-Spitzenteam an der Ruhr zu akzeptieren und aufzubauen. Sie hat die Chance verstreichen lassen. So schnell wird es kein Bundesligatennis mehr an der Ruhr geben.
Was ist schief gelaufen? In den sechs Jahren gelang es den Kahlenbergern und der Sportförderung Ruhr (SFR) nicht, einen Hauptsponsor zu finden. Der Etat setzte sich stets aus vielen kleineren Geldgebern zusammen. Die Suche war äußerst mühsam. An der Suche selbst beteiligten sich nur wenige. Die meiste Zeit investierte Uwe Schumann. In den kompletten sechs Jahren ging er als SFR-Geschäftsführer auf Sponsorensuche, und verpflichtete als KHTC-Teamchef Spieler und stellte die Mannschaft auf. Zudem kümmerte er sich um das Rahmenprogramm. Im ersten Bundesligajahr 2001 waren die Kahlenberger in der „heißen Phase“ vier Wochen vor dem Start fast täglich in allen Medien präsent, startete Aktionen in der Innenstadt.
Doch all das half nicht. Die Tennis-Bundesliga wurde von den Mülheimer Fans nicht angenommen. Schon in der 2. Bundesliga überschritt die Zuschauerzahl selten die 300-Marke, eine Etage höher war es nur bei den Spitzenspielen proppenvoll. Von den Zuschauern waren dann auch noch 25 Prozent VIPs, denn jeder kleine Geldgeber verlangte und bekam seine Freikarte. Und für eine so kleine Menge so viel Aufwand betreiben? Der Rückzug war am Ende unvermeidlich. In der letzten Saison kämpfte eine Mannschaft mit unbekannten Spielern um Punkte. Außer Insidern sah keiner mehr zu. Der KHTC war in der Zweitklassigkeit gestrandet.
Dass sich Uwe Schumann daher nach sechs Jahren zurückzieht, ist verständlich. Sein Ehrgeiz hatte in den letzten beiden Jahren spürbar nachgelassen. Und einen Ersatz für ihn gibt es beim KHTC nicht. Durch seine Tennis-Akademie PMTR, die an der Mintarder Straße trainiert, bleibt der „Macher“ dem KHTC aber verbunden.
Eine sechsjährige Episode im Mülheimer Sport geht vorbei. Eine „Superjeilezick“.

INTERVIEW MIT...
... Uwe Schumann (Teamchef des KHTC)

Woran ist das Experiment „Bundesliga“ gescheitert?
Zunächst einmal finde ich, dass wir nicht mehr von einem Experiment sprechen können, denn wir haben sechs Jahre in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt. Der Hauptgrund war, dass Aufwand und Ertrag am Ende in keinem Verhältnis mehr zueinander standen. Deshalb war es die sinnvollste Entscheidung, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen. Zu Beginn hatten wir eine andere Generation, mit Karsten Braasch und Christian Schäffkes. Wir haben den Mülheimer Fans geboten, was kein anderer Verein in Deutschland geboten hat, nämlich eine Mannschaft mit Spielern aus der Region. Aber es war einfach keine Resonanz da.
Es heißt, dass Mülheim keine Sportstadt ist. Stimmen Sie dieser These zu?
Zum einen haben die Mülheimer kein Sportpublikum! Und warum engagieren sich die großen Sponsoren nicht? Viele Leute von außen fragen sich das. Das Potenzial ist doch da. Wir haben es oft genug versucht. Letztendlich braucht eine Sportart in einer Stadt mindestens zwei verrückte: Einen für den wirtschaftlichen und einen für den organisatorischen Teil. Wir können froh sein, dass wir in solch einer Dimension mitgespielt haben. Die hätte eigentlich den vierfachen Etat nötig gehabt. Wir können stolz darauf sein. Andere Mannschaften haben ihre Spieler für die Dauer der Bundesligasaison im Steigenberger-Hotel in Duisburg untergebracht. Wir mussten mit den Spielern diskutieren, ob sie zur Unterkunft etwas dazubezahlen. Das nur als Beispiel.
Gibt es in der nahen Zukunft die Chance, dass der KHTC wieder in der Bundesliga spielt?
Nein, das sehe ich erst einmal nicht. Das müsste sich zufällig ergeben. Die einzige Chance ist, dass sich zwei, drei, vier, fünf Jugendliche gut entwickeln und zu sehr überschaubaren finanziellen Möglichkeiten beim KHTC bleiben.
Wie sehr wurde das Bundesliga-Aus beim KHTC bedauert?
Es haben doch einige bedauert, denn es war der gemeinsame Entschluss der Sportförderung Ruhr und des KHTC. Wir können mit Stolz auf diese Zeit zurückblicken.
Wie geht es mit Uwe Schumann weiter?
Ich bin Inhaber der PMTR, des Professional Management Teams Ruhr, in dem 35 Spieler aus Mülheim, Essen, Oberhausen, Neuss und Krefeld trainieren. Davon sind 30 Jugendliche. Wir wollen versuchen, so viele wie möglich unter die ersten 50 Spieler in Deutschland zu bringen. Dem KHTC stehe ich koordinativ-beratend in einem überschaubaren Aufwand zur Verfügung. Da wir mit der PMTR auf der Anlage an der Mintarder Straße trainieren, ist der Kontakt ohnehin gegeben.

RÜCKBLICK...

Saison 1998 (2. Bundesliga): 1. Platz, 5:3 Punkte, 42:30 Spiele. Der KHTC scheiterte in der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga.
Saison 1999 (2. Bundesliga): 3. Platz, 4:4 Punkte, 45:27 Spiele.
Saison 2000 (2. Bundesliga): 1. Platz, 7:0 Punkte, 48:15 Spiele. Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Saison 2001 (1. Bundesliga): 7. Platz, 3:6 Punkte, 30:51 Spiele.
Saison 2002 (1. Bundesliga): 9. Platz, 1:7 Punkte, 22:49 Spiele. Abstieg in die 2. Bundesliga.
Saison 2003 (2. Bundesliga): 4. Platz, 4:3 Punkte, 26:37 Spiele.
Das KHTC-Trikot trugen unter anderem: Sargis Sargsian (Armenien), Julien Boutter (Frankreich), Gaston Etlis (Argentinien), Alessio di Mauro, Filippo Volandri (beide Italien), Rolandas Murashka (Litauen), Konstantin Gruber (Österreich) sowie René Nicklisch, Lars Zimmermann, Christian Schäffkes und natürlich Karsten Braasch.

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Sportmagazin 1/2004 – Sportehrentag

Sportmagazin 1/2004

Note: Befriedigend
Vorfreude auf den nächsten Sportehrentag

Was haben Dr. Stratmann, Ellen Grey, Stefan Below und Jan-Ole Gehrmann gemeinsam? Richtig: Sie waren alle Protagonisten beim 40. Sportehrentag. Der fand am 27. März in der Stadthalle statt und lockte 1080 Zuschauer an.
Es war ein schwieriges Unterfangen in diesem Jahr. Jeder Besucher wusste: Der eigentlich wichtige Sportehrentag folgt 2005, zur Einweihung der neuen Ruhr-Sporthalle. Um aber im Termin-Rhythmus zu bleiben, musste die Veranstaltung auch 2004 stattfinden.
Was hatten sie sich überlegt? Eine weitere Auflage der guten alten Sport-, Musik- und Kabarett-Show – also kein besonderes Motto. Mit dabei sollte sein ein Kabarettist (Dr. Stratmann), eine Sängerin (Ellen Grey), ein sportlicher Showact (Trampolinshow „Pirata“) und eine Mülheimer Tanzgruppe (von der Tanzschule Ritter). Ihre Hausaufgaben hatten die Organisatoren zweifelsohne gemacht – aber auch gut? Keine Frage: Die Tanzgruppe war ein Hit, und Dr. Stratmann ein Knaller. Wie Stratmann mit seinem „heiteren medizinischen Kabarett“  über den Sport philosophierte, war schon klasse und versöhnte die Zuschauer.
Denn dazwischen...?
Schlecht war die Trampolinshow „Pirata“ nicht. Aber ein Sturz des Weltmeisterschafts-Dritten Nico Gärtner schockte das Publikum. Nur mit Schmerzen konnte er seinen Auftritt fortsetzen. Die Sängerin Ellen Grey hingegen kam beim Publikum überhaupt nicht an. Bliebe noch der Ehrungsteil, der in der Mitte des ganzen Programms lag. Die 69 zu ehrenden Sportler wurden von Moderator Stefan Below genannt, aber es ging ein wenig schnell.
Was blieb? Bei Musik der Peter-Wölke-Band diskutierten die Festgäste nach der Hauptveranstaltung lieber über den nächsten Sportehrentag als über den gerade abgelaufenen.

Sportler des Jahres
1. Jan-Ole Gehrmann (RRGM) 80 Stimmen
2. Tobias Richter (VBGS) 34 Stimmen
Jugendsportler des Jahres
1. Daniel Cornelsen (ASC) 24 Stimmen
2. Tim van Voorst (KSV Styrum) 23 Stimmen
3. Sebastian Krost (MKV) 16 Stimmen
Jugendsportlerin des Jahres
1. Katharina Lörks (DJK VfR Saarn) 27 Stimmen
2. Inga Wilde (RRGM) 15 Stimmen
3. Alina Kölsch (1. BV Mülheim) 10 Stimmen
Jugendmannschaft des Jahres
1. TTC Mülheim 31 Stimmen
2. RRGM 25 Stimmen
3. HTC Uhlenhorst A-Jugend 23 Stimmen
3. HTC Uhlenhorst B-Jugend 23 Stimmen
Aufsteiger des Jahres
Christian Blasch (HTC Uhlenhorst)
Sonderehrungen
Franz Bodsch (MKV)
Ursula Celler (Kahlenberger HTC)
Horst Middeldorf (WSF 1912)
Statistik
Wahlbeteiligung 50,4 %
Gültige Stimmen: 124

KOMMENTAR
Was hat ein Sportehrentag für eine Aufgabe? Er soll die Ereignisse des abgelaufenen Mülheimer Sportjahres zusammenfassen, logisch. Die besten Sportler sollen dazu im Rahmen einer Unterhaltungsshow ausgezeichnet werden.
Und was hat der diesjährige Sportehrentag gebracht? Nicht viel. Die meisten der 1080 Besucher gingen nach Hause, ohne einen genauen Eindruck über die aktuelle Mülheimer Sportszene bekommen zu haben.
Der Ehrungsteil des Abends wurde schnell abgehandelt. Wie im letzten Jahr stellt sich die Frage: Warum ist es so schwer, den Ehrungsmodus zu ändern? Neuerungen hatten die Organisatoren angekündigt – doch das blieben nur leere Worte. Nach wie vor gilt das hohe Anforderungsprofil für eine Nominierung.
Im Sportjahr bestimmen Fußball, Handball, Galopprennen und Boxen die lokalen Schlagzeilen. Beim Sportehrentag fanden diese Sportarten nur am Rand statt. Vor allem die Fuß- und Handballer, die einen nicht unbeträchtlichen Anteil der Sportvereine in Mülheim bilden, kommen seit Jahren zu kurz. Wie wäre es neben den Ehrenpreisen für verdiente Sportler und Funktionäre auch einmal mit einem Sonderpreis für Aktive, die nicht gerade einen Titel gewonnen haben; mit Aktiven, die womöglich in ihrer Sportart Torschützenkönig waren? Oder zum Beispiel mit einem Internetpreis für den besten Online-Auftritt eines Klubs? So bekäme die ganze Verleihung mehr Pep, wäre moderner und würde noch mehr Mülheimer Sportler ansprechen – und nicht nur ein Publikum, das die einzelnen Showteile interessiert.
So war es nämlich beim diesjährigen Sportehrentag, dem 40. übrigens. Dr. Stratmann sorgte mit seinen Sprüchen, Witzen und Kommentaren für erheitertes Gelächter in der Stadthalle. Einen Fehlgriff wie die Sängerin Ellen Grey hatte sich das Organisationsteam lang nicht mehr geleistet.
Im nächsten Jahr soll alles anders werden. Am 12. März 2005 wird mit der 41. Auflage der Veranstaltung die neue Ruhr-Sporthalle eingeweiht. Neben einem großartigen Showprogramm wäre ein größerer Bezug zum aktuellen Mülheimer Sportgeschehen angebracht. Der macht nämlich grad eine schwere Phase durch, verstecken muss er sich aber nicht.

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Sportmagazin 1/2004 – Sportförderkreis
Tolle Sache mit Promi-Talk
Förderkreis hat 45.000 Euro gesammelt

Der Förderkreis Mülheimer Sport ist eine tolle Sache. Das steht fest. Jahr für Jahr präsentiert sich der Verein bei der Mitgliederversammlung und gibt bekannt, wie groß die Fördersumme im jeweiligen Jahr ist. So weit, so gut. Traditionell kommen auch in jedem Jahr bekannte Größen aus dem bundesdeutschen Sport zu Wort – doch fehlt da nicht manchmal der Bezug zu Mülheim?
Im Cinemaxx fand am 12. März die Veranstaltung statt. Und die Promis Michael Meier (Geschäftsführer von Borussia Dortmund), Walter Hellmich (Präsident des MSV Duisburg), Horst Klosterkemper (ATP-Präsident Europa) und Dietloff von Arnim (ARAG-World-Team-Cup-Turnierdirektor) flimmerten nicht von der Leinwand, sondern saßen davor. Keine Frage, eine nette Talkrunde, mit interessanten Einblicken in das Arbeitsleben der Gäste. Sie erinnerte ein wenig an Late-Night-Fernseh-Formate, einschließlich der Bauchpinseleien für die Gastgeber. Spannend war zum Beispiel  das Gespräch mit Meier, der zur Krise des BVB Stellung nahm. Großen Beifall erntete auch der „Lighthouse Family Choir“ mit seinen Gospels. Ein Bezug zu NRW war an dem Abend zum Thema „Sponsoring“ zweifelsohne vorhanden, aber zu Mülheim? Nur in Nuancen. Im letzten Jahr überzeugte Eberhard Gienger mit einer Turn-Einlage, vor zwei Jahren interviewte Johannes B. Kerner Mülheimer Sport-Idole – das waren Ideen mit viel Pfiff.
Der Förderkreis hätte lieber seine gute Arbeit noch mehr in den Vordergrund rücken sollen. 45.000 Euro haben die 678 Mitglieder in diesem Jahr gesammelt. Verabschiedet wurde der Vorsitzende Dr. Rolf Schaberg (73), der aus Altersgründen zurücktrat. Sein Nachfolger ist Jörg Enaux. Enaux wurde ebenso ohne Gegenstimme gewählt wie Ralph Duckscheer (2. Vorsitzender) und Heiko Hoffmann (Schriftführer). Einstimmig erfolgte auch die Wiederwahl von Wilfried Cleven (2. Vorsitzender), Martina Ellerwald (Geschäftsführerin) und Bernhard Wirkus (Schatzmeister).
Der Förderkreis ist klasse und wird das hoffentlich auch bleiben. Kreativ ist er auch bei der Gestaltung der Mitgliederversammlung. Aber er ist ein Mülheimer Förderkreis und sollte das bei der Themenwahl und der Einladung der Promis nicht vergessen.

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Sportmagazin 1/2004 – Fußball
Ein Kapitel neigt sich dem Ende zu
Union nach acht Derbys vor dem Abstieg

Nein, vorbei ist die Fußballsaison 2003/2004 noch nicht. Und doch scheint klar: So schnell wird es in der Verbandsliga kein Lokalderby zwischen dem VfB Speldorf und dem TuS Union 09 mehr geben. Ein weiteres Kapitel Mülheimer Fußballgeschichte neigt sich wohl dem Ende zu.
Wie war das noch am 13. August 2000? Der größte Erfolg des TuS Union 09, der Aufstieg in die Verbandsliga, liegt gerade drei Monate zurück. Und gleich am allerersten Spieltag in der neuen Klasse steht das Lokalderby auf dem Spielplan. Beim großen VfB Speldorf. 1000 Zuschauer kamen. Gespannt auf ein scheinbar ungleiches Duell. Union beginnt mit drei Stürmern. Eine Spitze verabschiedet sich nach 15 Minuten. Rot für Marco Ferreira. Es folgt das 1:0 für Speldorf durch Libero Karsten Rafoth. Spiel gelaufen? Nein. Verkehrte Welt am Blötter Weg. Der VfB in Überzahl, aber Union ist gleichwertig. Ein knappes Spiel. Dann die 67. Minute: Zwei Unioner fliegen vom Platz, nämlich Stefan Hohensee und Michael Klauß. Speldorf hat drei Mann mehr – und nun leichtes Spiel. Nach 90 Minuten steht es 4:0.
So war das zu Beginn, und in den vier Jahren bekämpften sich die beiden ranghöchsten Klubs sieben weitere Male. Dabei bleiben einige unvergessene Erinnerungen. Das erste Spiel an der Südstraße fand auf dem engen Ascheplatz statt. Im Dezember 2000 versanken die Zuschauer im Matsch. Union half das nicht: Der VfB triumphierte mit 2:0. Oder das verrückteste Derby im November 2001, als Thomas Pröpper mit zwei unnachahmlichen Freistoßtoren das Spiel drehte. Der VfB gewann 3:2 nach 1:2-Rückstand. Oder ein standesgemäßer Abschied: Der „Schwede“ Martin Hoffterheide bestritt sein letztes Spiel im VfB-Trikot am 5. Mai 2002 – und erzielte gegen Union sogar das 2:0 höchstselbst. Oderoderoder.
Das Highlight für Union – vielleicht sogar ein großer Augenblick in der Vereinsgeschichte – war der einzige Derbysieg. Am 9. März 2003 besiegten die „09er“ den großen Favoriten mit 4:2. Und nun? Nun stehen sie kurz vor dem Abstieg aus der Verbandsliga. Zumindest ein Jahr lang werden die beiden Mannschaften nicht mehr aufeinandertreffen. Und sollte dem VfB in der Saison 2004/2005 der Sprung in die Oberliga gelingen, wird es so schnell gar kein Lokalderby in den oberen Klassen mehr geben. Die Zeit zwischen Juli 2000 und Mai 2004 wird als der „Zweikampf zwischen Speldorf und Union um die Nummer eins“ in Mülheims Fußball-Historie eingehen.
Die einzige Hoffnung ist, dass Union noch die Sensation und damit verbunden den Klassenerhalt schafft. Doch ist das wahrscheinlich? Eher nicht.
Schade.

Die acht Lokalderbys
Saison 2000/2001
Hinspiel (13.8.2000): VfB – TuS Union 09 4:0 (1:0), Tore: 1:0 Karsten Rafoth (28.), 2:0 Mirhet Kokic (77./Handelfmeter), 3:0 Mirhet Kokic (81.), 4:0 Ömer Aydin (85.). Gelb-Rot: Stefan Hohensee (Union/67.), Michael Klauß (Union/67.), Rot: Marco Ferreira (Union/15.). Zuschauer: 1000.
Rückspiel (3.12.2000): TuS Union 09 – VfB 0:2 (0:1), Tore: 0:1 Thomas Wzietek (17.), 0:2 Ömer Aydin (87.). Zuschauer: 1200.
Saison 2001/2002
Hinspiel (18.11.2001): TuS Union 09 – VfB 2:3 (1:1), Tore: 1:0 Michael Klauß (8.), 1:1 Karsten Häse (15.), 2:1 Kai Berges (47.), 2:2 Thomas Pröpper (52.), 2:3 Thomas Pröpper (76.). Gelb-Rot: Abdul Haimami (Union/60.), Michael Klauß (Union/89.). Zuschauer: 1200.
Rückspiel (5.5.2002): VfB – TuS Union 09 5:2 (2:0), Tore: 1:0 Thomas Pröpper (30./Handelfmeter), 2:0 Martin Hoffterheide (39.), 3:0 Thomas Pröpper (73.), 4:0 Mirhet Kokic (76.), 4:1 Marco Ferreira (79.), 4:2 Daniel Weinbach (81.), 5:2 Thomas Pröpper (90.). Zuschauer: 500.
Saison 2002/2003
Hinspiel (15.9.2002): VfB – TuS Union 09 5:0 (2:0), Tore: 1:0 René Kägebein (8.), 2:0 Oliver Röder (17.), 3:0 Dirk Roenz (57./Foulelfmeter), 4:0 Oliver Röder (65.), 5:0 Dirk Roenz (78.). Zuschauer: 1100.
Rückspiel (9.3.2003): TuS Union 09 – VfB 4:2 (1:0), Tore: 1:0 Birkan Yilmaz (12.), 2:0 Michael Klauß (49.), 3:0 Stefan Hohensee (51./Foulelfmeter), 3:1 René Kägebein (66.), 4:1 Birkan Yilmaz (81.), 4:2 Dirk Roenz (90./Foulelfmeter). Rot: Thomas Maaßen (VfB/60.). Zuschauer: 1000.
Saison 2003/2004
Hinspiel (12.10.2003): TuS Union 09 – VfB 2:2 (1:1), Tore: 1:0 Thomas Thiel (6.), 1:1 Dirk Roenz (27.), 1:2 Dirk Roenz (73.), 2:2 Alex Calianu (84.). Gelb-Rot: Alex Calianu (Union/84.). Zuschauer: 930.
Rückspiel (21.3.2004): VfB – TuS Union 09 2:1 (2:1), Tore: 1:0 Andreas Przybilla (12.), 1:1 Björn Rohpeter (23.), 2:1 Marco Ferreira (29.). Gelb-Rot: Dirk Roenz (VfB/82.), Rot: Janus Briks (Union/90.).
Bilanz:
8 Spiele – 6 VfB-Siege, 1 Unentschieden, 1 Union-Sieg – 25:11 Tore für den VfB.
Zuschauerschnitt: 947 pro Spiel. Platzverweise: 9 (6 Gelb-Rote Karten, 3 Rote Karten). Tore: 36 (4,5 im Schnitt). Torschützenliste in Lokalderbys: 1. Thomas Pröpper (VfB) und Dirk Roenz (VfB) je 5 Tore, 3. Mirhet Kokic (VfB) 3.
Die Trainer – VfB: Frank Kurth, Dirk Pusch (je 3 Spiele), Axel Benzinger, Michael Klauß (je 1), Union: Ernst Bachmann (6), Jörg Sterneberg (2).
Für beide Vereine kamen zum Einsatz: Hakan Köroglu, Marco Ferreira, Michael Klauß (beim VfB als Trainer).

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Sportmagazin 1/2004 – Bowling
Aus Spaß wurde ein Bowlingklub
1. BC Mülheim hat bisher 26 Mitglieder

Angefangen hat alles Anfang 2002. „Just for fun“ trafen sich Karina Walenzyk, Dagmar Steubing, André Buchthal und Marcus Schuh zum Bowling spielen, und das jeden Samstagmorgen. Schnell entwickelte sich der Wunsch, noch mehr Mitspieler zu finden – und am 28.11.2002 wurde der 1. BC Mülheim gegründet.
Bowling? Ist das nicht die Sportart mit der Kugel mit den drei Löchern? Genau richtig. Um Mülheim machte Bowling einen großen Bogen, bis im RheinRuhrZentrum im August 2001 die „Joe´s“-Anlage eröffnete. Seitdem gibt es immer mehr Freizeitbowler. Ferienkurse für Schüler erfreuten sich großer Beliebtheit. „Bowling“, heißt es auf der Internetseite des 1. BC Mülheim, „ist nicht nur eine der populärsten Freizeitbeschäftigungen für Millionen von Menschen weltweit, sondern auch eine internationale Sportart.“ Auch das Mülheimer Publikum konnte sich im Juli 2002 davon überzeugen. Im „Joe´s“ fand die Mannschafts-Europameisterschaft statt.
Doch zurück zum 1. BC Mülheim: Wie ging es nach dem 28.11.2002 weiter mit dem Klub? Durch verteilte Handzettel fand das Gründungsquartett tatsächlich mehr Spieler. Heute umfasst die Mitgliederliste 26 Namen. Es gibt zwei Spieltermine, nämlich dienstags (18 bis 20 Uhr) und samstags (11 bis 14 Uhr). Auf mehreren Bahnen spielen die Vereinsmitglieder um Punkte, und versuchen dabei, so viele „Pins“ wie möglich zu erzielen. Manchmal ist den Vereinsmitgliedern auch nach einer richtigen Trainingseinheit zu Mute. Dann rufen sie Horst Comes oder Ralf Gräve an, beide sind ehemalige Bundesligabowler. „Der Spaß am Spiel wird höher bewertet als das Bestreben, zu Hochleistungsbowlern zu werden. Sollte jedoch das Talent dazu im regelmäßigen Spiel entdeckt werden, so wird es dementsprechend auf Wunsch mit Rat und Tat gefördert“, heißt es etwas hölzern auf der Homepage. Marcus Schuh, der Vorsitzende des Klubs, formuliert es eindeutiger: „Wer noch zu uns kommen will, der ist herzlich Willkommen. Wir helfen uns alle gegenseitig.“ An Mannschaftswettkämpfen nimmt der 1. BC noch nicht teil. Ein Freundschaftsspiel gegen den SV Siemens fand am 7. Februar aber schon statt. Im Mai soll ein Duell gegen einen Oberhausener Bowlingclub folgen.
Über weitere Mitspieler würde sich Marcus Schuh sehr freuen. In den anderthalb Jahren seit der Gründung hat sich nicht nur der Verein entwickelt. Aus Karina Walenzyk ist inzwischen nämlich Karina Schuh geworden...

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Sportmagazin 2/2004 – Fußball
Sie waren alle da
Galatasaray traf Galatasaray - und alle gewannen

Sie waren alle da. Alle. Ob Hakan Sükür, Hasan Sas, Bülent Korkmaz, Hakan Ünsal, Flavio Conceicao. Oder auch Trainer Gheorge Hagi. Der 4. Juli 2004 wird in die Mülheimer Fußball-Geschiche eingehen. Als der Tag des türkischen Volksfestes im Ruhrstadion.
Alles begann 1989. Da gründete der Autohändler Turan Isleyen den Verein Fatih Spor Kulübü. Aufstiege aus der Kreisliga C bis in die Kreisliga A folgten, dazu der Gewinn des Fliedner-Pokals. Dann folgte die erste Umbenennung in Vatan Spor, die Gründung einer Jugendabteilung – der Klub war in der Mülheimer Fußballszene angekommen, und schaffte weitere Aufstiege, bis in die Landesliga. Auf der Schwelle zur Verbandsliga stoppte sich Vatan selbst: In Homberg verursachten Fans einen Spielabbruch. Sie traten einen Schiedsrichter krankenhausreif. Die größte Vereinskrise brach an.
Nun zeigt der Kalender das Jahr 2004. 15 Jahre gibt es den Klub, den Isleyen gründete. Unzählige Präsidenten verschliss der Verein, und nun hat er in seiner kurzen, aber bewegten Geschichte schon den dritten Namen angenommen. Galatasaray heißt er ab der neuen Saison; genauso wie der „große Bruder“ aus Istanbul. Und ein „großer Bruder“, das soll er auch werden. Die Ausrüstung der Teams kommt aus der Türkei – und dazu die Einnahmen eines Freundschaftsspiels.
Des Freundschaftsspiels, das am 4. Juli im Ruhrstadion stattfand, und 6500 Zuschauer anlockte. Dass eine detaillierte Organisation erforderte. Und das ein großes Spektakel ohne negative Vorkommnisse wurde. Auf dem Platz gewannen die Stars mit 7:1 (5:0). Doch war am Ende wirklich wichtig, dass Hakan Sükür und Hasan Sas zu den Torschützen zählten?
Es zählten die Botschaften: Die meisten der 6500 Fans werden ihre geschossenen Fotos immer wieder ansehen, und diesen Tag nicht vergessen. Und die anderen Landesligaklubs wissen nun, dass es der neue Präsident Metin Adigüzel ernst meint. Er hält seine Versprechen – und redet nun schon von der Oberliga.
Ein paar mehr von solchen Fußballfesten würden Mülheim gut tun. Denn wann kamen zuletzt so viele Besucher aus den Nachbarstädten, um sich in Mülheim ein Fußballspiel anzuschauen?
Dass es geht, wäre auch für die Stadtspitze interessant gewesen. Doch die war im Ruhrstadion eher spärlich vertreten. Schade!

ZU DIESEM SPIEL GIBT ES AUCH EINEN WAZ/NRZ-BERICHT... UM IHN ZU LESEN, KLICKT BITTE HIER!

Rückblick und Prognose

Verbandsliga
VFB SPELDORF (Vorjahr: 8., 46 Punkte, 63:44 Tore): Wer jetzt die Fans und Mitglieder des VfB nach der gerade abgelaufenen Saison befragt, der wird vermutlich nur ein Schulterzucken ernten. Die Saison ärgerte und langweilte die Grün-Weißen so sehr, dass sie die am liebsten ganz aus ihrem Kopf verdrängen würden. Achter Platz, dazu noch eine Schlammschlacht rund um den Trainerwechsel Kurth/Klauß – mehr Mittelmaß geht nicht, zudem sackte der Zuschauerschnitt wieder deutlich nach unten. Nun soll wieder alles ganz anders werden. Zum x-ten Mal in Folge wünscht sich der VfB den Aufstieg in die Oberliga. Den sollen ein neuer Trainer (Piero Lussu) und acht neue Spieler bewältigen. Ob das neu zusammengestellte 18-Mann-Aufgebot wirklich zusammenpasst? Ob die Fans weiterhin strömen? Wieder einmal geht der VfB mit großen Ambitionen in eine Saison. Und wieder einmal hoffen die Fans darauf, dass es keine hohlen Worte sind.
Prognose: Der VfB hat harte Konkurrenz. Ein Durchmarsch ist daher utopisch. Ein Platz in den „Top 4“ ist ohne Frage möglich.
Landesliga
TUS UNION 09 (Vorjahr in der Verbandsliga: 15., 16 Punkte, 33:74 Tore): Vier Jahre lang sonnte sich der TuS Union 09 Seite an Seite mit dem VfB Speldorf in der Verbandsliga – und kratzte am lokalen Fußball-Thron. Doch nun ist Union nach einer blamablen Saison wieder in der Landesliga angekommen. Ähnlich wie die VfB-Fans würden auch die Union-Anhänger die letzte Saison schnellstmöglich vergessen. Und es könnte noch schlimmer kommen: Aus der Abstiegs-Elf haben gleich 14 (!) Spieler den Klub verlassen – unter den Neuzugängen ist kein bekannter Spieler aus einer höheren Liga. Die Verantwortung liegt immer noch in den Händen von Thomas Verwaayen und Ernst Bachmann – mit Verwaayen als Cheftrainer. Der frisch wiedergewählte Vorsitzende Jürgen Bleikamp steht vor einer ganz schweren Aufgabe: Er muss die Vereinsfamilie zusammenhalten, wieder für ein Gemeinschaftsgefühl sorgen, eine erste Mannschaft aufbauen, die sich mit dem Verein identifiziert, und die Jugendabteilung wieder zum Aushängeschild des Klubs machen. All diese Punkte litten im letzten Jahr enorm.
Prognose: Union muss aufpassen. Ansonsten droht der Durchmarsch in die Bezirksliga.
GALATASARAY (Vorjahr in der Bezirksliga: 1., 75 Punkte, 91:29 Tore): Ist der Klub, der bis vor ein paar Wochen Vatan Spor die baldige Nummer eins im Mülheimer Fußball? Oder bleibt der kometenhafte Aufstieg von Galatasaray nur von kurzer Dauer? Das ist eine viel diskutierte Frage in der Fußballszene der Stadt. Aus der Mannschaft, die mit 19 Punkten Vorsprung den Aufstieg schaffte, verließ kein Spieler das Ruhrstadion. Hinzu kamen durchweg Akteure, die zuletzt höherklassig aktiv waren. Die Qualität der Mannschaft ist tiptop, auch der Trainer Mohamed Ali Abdelhafid genügt ohne den geringsten Zweifel Landesliga- oder noch höheren Ansprüchen. Es könnte gut gehen. Könnte.
Prognose: Sollte es dem euphorischen Vorstand gelingen, die Emotionen zügeln zu können, ist der Durchmarsch drin. Aber auch nur dann.
Bezirksliga
MSV 07 (Vorjahr: 2., 56 Punkte, 64:45 Tore): Bis zum 24. Spieltag, bis zum 1:4 im Derby bei Vatan Spor, hielt der MSV den Kampf um den Aufstieg offen. Erst danach ergab sich der MSV erschreckend wehrlos. In der Saison 2004/2005 unternimmt der MSV nun einen neuen Anlauf. Er hat dazu alle Spieler behalten, und sich sogar noch verstärkt. Zudem kommt den „07ern“ entgegen, dass sie nun in der Essener Gruppe spielen. Diese ist sportlich leichter als die Duisburg-Dinslakener Gruppe.
Prognose: Der MSV ist ein ganz heißer Aufstiegskandidat.
SV Rot-Weiß (Vorjahr 9., 43 Punkte, 50:53 Tore): Beim SV Rot-Weiß änderte sich fast nichts: Der Trainer ist gleich, das Aufgebot ist gleich, das Ziel ist gleich.
Prognose: Wenn alles gleich bleibt, dann gibt es nur einen Tipp: Rot-Weiß wird wieder Neunter.
Kreisliga A
Nach der langweiligsten Kreisliga-A-Saison seit vielen Jahren ist nun wieder „Pfeffer in der Bude“. Mit Absteiger Tuspo Saarn sowie den Aufsteigern TSV Heimaterde und Galatasaray II gewinnt die Mülheimer Gruppe an sportlicher Qualität, zumal kein Team auf- oder abgestiegen ist. Die Saarner, die den Klassenerhalt nur äußerst knapp verfehlten, dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf den sofortigen Wiederaufstieg machen. Der große Ausverkauf blieb an der Mintarder Straße aus. Äußerst gespannt sind die Fans auf den Auftritt des Aufsteigers Heimaterde. Der TSV schoss in der Kreisliga B über 200 Tore. Wie sieht das wohl eine Etage höher aus? Auch in der Essener Gruppe könnte es einen Aufsteiger aus Mülheim geben. Nachdem Blau-Weiß Mintard erst in einem Entscheidungsspiel gegen SW Essen II (0:2) den Aufstieg verpasste, unternimmt der Klub aus der Ruhraue in fast unveränderter Besetzung einen weiteren Anlauf.

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Sportmagazin 2/2004 – Hockey
Eine neue Zeitrechnung beginnt
Bundesliga-Saison startet am 11. September - mit dem HTC Uhlenhorst

Mensch, muss das weh tun. Ein „Diver“ vor den eigenen Fans – und dann auch noch auf Kunstrasen? Doch ob es auf der Haut brennt oder nicht; an einem Tag wie diesem gibt es keine Schmerzen mehr. Denn an diesem Tag, dem 23. Mai 2004, da beginnt beim HTC Uhlenhorst eine neue Zeitrechnung.
Vor dem Spiel. 800 Zuschauer stehen und sitzen rund um das Kunstrasen-Rechteck im Uhlenhorster Wald. Die meisten würden in der Kabine liebend gern Mäuschen spielen. Wie ist wohl die Stimmung? Angespannt? Nervös? Gereizt? Mit zwei Niederlagen in Folge hat der HTC die glänzenden Aussichten fast noch verspielt. Nun kommt alles auf das entscheidende Spiel gegen den RTHC Leverkusen an. Ein Gegner, der schon gerettet ist – dafür aber umso gefährlicher.
Doch egal, was Trainer Jörn Eisenhuth seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hat: Es hilft. Von Beginn an lassen die Uhlen ihrem Gegner kaum Zeit zum Luft holen. Sie wirbeln, zaubern, kombinieren – und treffen. Thilo Stralkowski erlöst die zitternden Fans mit dem 1:0 in Minute vier. Danach gerät der Sieg nicht mehr in Gefahr. Henning Meier darf sich gleich dreimal über ein eigenes Tor freuen, auch Thilo Stralkowski und Niklas Kemper treffen. Der Rest ist Jubel – und wird in der Laufbahn jedes Spielers ein entscheidender Augenblick bleiben: 800 Zuschauer feiern, auf dem Platz werden „Hockey is coming home“-Shirts verteilt. „Wir sind wieder wer“, ist der Tenor im Waldstadion. Und die Fans klatschen, klatschen und klatschen.
Wir sind wieder wir... ein Spruch, der vor allem im Film „Das Wunder von Bern“ eine Renaissance erlebte. Ein Wunder, das war es nicht, was im Waldstadion am 23. Mai seinen Höhepunkt fand. Es war vielmehr das Resultat harter Arbeit. Harter, akribischer Arbeit. Vorbei und vergessen sind die harten Zeiten Ende der 90er-Jahre, als von dem Ruhm des Hockey-Traumteams um Carsten Fischer, das die Titel reihenweise an die Ruhr holte, nicht mehr viel übrig geblieben war. Als die Reise in die zweite Liga ging, weil die Talente aus den eigenen Reihen noch nicht gut genug waren.
Diese Lücken sind nun geschlossen – und der HTCU kehrt bestens vorbereitet zurück in die Beletage des Hockeysports. So gut vorbereitet, dass Nationalspieler und Weltmeister Timo Weß keinen Karriereknick befürchtet und aus Krefeld nach Mülheim zurückkehrt. So ist die Mannschaft wohl stark genug, um den Klassenerhalt zu schaffen – und talentiert genug, um langfristig höhere Ziele anzustreben. Auch im Umfeld stimmt es: Die Bauarbeiten für einen zweiten Kunstrasenplatz am Uhlenhorst beginnen in Kürze. Und – das ist ein unschätzbarer Vorteil – die zweite Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Regionalliga. Wenn Talente also einmal nicht in der Bundesliga zum Zuge kommen – kein Problem. Die Regionalliga ist immerhin die dritthöchste Klasse.
Ihre Hausaufgaben haben die Uhlenhorster angefertigt – allerdings auch mit der massiven Unterstützung der Stadt und des Förderkreises, die den Hockeyklub aus Mülheims Westen als Aushängeschild betrachten. Viele andere Mülheimer Vereine beneiden den HTCU um diese exponierte Stellung. Doch das ist nicht ungerecht. Die Vereinsarbeit des HTCU ist jugendorientiert, erfolgreich, modern. Und sie verdient die Unterstützung. Die neue Zeitrechnung beginnt endgültig am 11. September mit dem ersten Spiel gegen Harvestehude. Ob bald auch wieder ein Titel winkt? Nun mal langsam.
Euphorie ist gut. Aber Überheblichkeit ist das falsche Rezept.

Interview mit: Trainer Jörn Eisenhuth
Nun steht die Bundesliga unmittelbar vor der Tür. Wie sieht das Vorbereitungsprogramm aus?
Wir haben bereits Mitte Juni wieder mit dem Training angefangen und arbeiten im Moment drei- bis viermal pro Woche im athletischen Bereich. Zwischendurch gibt es eine dreiwöchige Sommerpause, in der die Spieler in den Urlaub fahren können. Sie sollen aber nicht untätig sein. Offizieller Trainingsbeginn ist der 23. August. Die Saison beginnt am 11. September mit einem Spiel gegen Harvestehude.
Wie sieht das Ziel des HTC Uhlenhorst in der Saison 2004/2005 aus?
Mein Ziel ist Platz sechs, obwohl ich weiß, dass das sehr ehrgeizig ist. Ich halte es aber für nicht unrealistisch. Zwei/drei Mannschaften sind eher stärker als wir. Der Rest ist nicht überragend, da können wir spielerisch mithalten.
Welche Neuzugänge stehen dem HTC in der nächsten Saison zur Verfügung?
Timo Weß kehrt vom Crefelder HTC zurück, Alexander Sahmel vom Club an der Alster.
Die zweite Mannschaft hat den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Wie wichtig ist ein starker Unterbau?
Das ist für den Verein ein unglaublicher Glücksfall.  Junge Spieler können in der zweiten Mannschaft auf hohem Niveau spielen, wir können sie aufbauen. Die Gefahr des Abwerbens ist groß, aber die Regionalliga ist die dritthöchste Spielklasse, da werden wir talentierte Jugendliche eher halten können, denn sie können auf einem hohen Niveau spielen.

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Sportmagazin 2/2004 – Schwimmen
Harry gibt eine 2+
Mülheims Asse heißen Daniel und Lisa

Seitdem Joanne K. Rowling Bücher über die Abenteuer eines kleinen Zauberers schreibt, ist der Name „Harry“ in aller Munde. Auch in Mülheim gibt es einen „Harry“. Der kann zwar nicht zaubern, ist aber ein guter Schwimmtrainer. Ein verdammt guter. Seine derzeitige Leistungsgruppe könnte zu Mülheims „Goldener Generation“ werden.
Tatort Leipzig, 1. bis 4. Juli 2004, deutsche Jahrgangs-Meisterschaft. Eine 10-köpfige Gruppe aus Mülheim mischt sich unters Volk. 10-köpfig? Genau! So viele waren zuvor noch nie dabei. Der Mülheimer Leistungsschwimmsport besteht eben nicht nur aus Daniel Cornelsen und Lisa Vitting, die derzeit fast alle Rekorde brechen. „Im Nachwuchs gibt es einen großen Boom“, sagt Trainer Harry Schulz (so heißt er richtig) von der Startgemeinschaft (SG) Mülheim. Gemeinsam mit den Helfern und den Vorstandskollegen hat er in den letzten Jahren ein kleines Wunder vollbracht.
Und das fand in Leipzig ihren vorläufigen Höhepunkt – und noch lange nicht das Ende. Lisa Vitting (Jahrgang 1991) schaffte im 50-Meter-Freistil-Rennen den Sprung auf das Treppchen. Daniel Cornelsen (Jahrgang 1988) gewann Bronze über 1500 Meter Freistil. Kaum aus Leipzig heimgekehrt, ging es für Lisa Vitting wieder ins Becken, bei der Stadtmeisterschaft über die kurzen Strecken. Und was machte sie? Sie stellte üer 50 Meter Freistil in 26,86 Sekunden einen neuen Jahrgangsrekord auf. Unglaublich!
Kann es noch weiter nach oben gehen? Jahr für Jahr schaffen die besten Athleten schon Verbesserungen um viele Sekunden. „Der Osten macht es vor“, referiert Schulz. „Wir haben zwar keine 50-Meter-Bahn, müssen unseren Kram aber optimieren.“ Das klingt danach, als ob Schulz und die Vereine im Hintergrund einen Plan zur Perfektionierung der Trainingsmethoden haben. „Die Wasserfläche muss besser verteilt werden“, verrät Schulz mit einem Augenzwinkern. Mehr lässt er sich aber nicht entlocken. Mal schauen, was die Schwimmvereine ausbrüten.
Um ein Bild aus der Computersprache zu benutzen: Die „Software“ lässt sich also zweifelsohne perfektionieren. Nur die „Hardware“, sprich die äußeren Bedingungen, nicht. Eine 50-Meter-Bahn ist weit und breit nicht in Sicht, ein gut ausgestatteter Kraftraum ebenso wenig.
Das ist aber schon lange so und lässt deshalb nur eine Schlussfolgerung zu:
Harry kann doch zaubern.

Interview mit: Trainer Harry Schulz
Nach der deutschen Jugendmeisterschaft 2003 war die Bilanz sehr positiv. Wie sieht sie in der Sommerpause 2004 aus?
Es war noch einmal eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr da, manche haben gewaltige Leistungssprünge geschafft. Wenn ich es in eine Schulnote packen müsste, würde ich „2+“ sagen.
Was sind die Planungen und Ziele für die Saison 2004/2005?
Erst einmal kommen im Herbst die Mannschaftswettbewerbe. Mit den Damen sind wir im letzten Jahr völlig überraschend in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Nun sind wir gefordert, denn wir wollen drin bleiben. Das wird schwer genug, könnte aber klappen. Außerdem ist es unser Ziel, dass sich Daniel Cornelsen 2005 für die Jugend-Europameisterschaft in Budapest qualifiziert.
In diesem Jahr gab es bei der „Deutschen“ zwei Bronzemedaillen. Wie sind die Aussichten von Lisa Vitting und Daniel Cornelsen?
Lisa ist gerade erst 13 geworden, also noch sehr jung. Alle Voraussetzungen sind da, dass sie später mal ganz oben mitschwimmen kann. Sie hat viele Rekorde in diesem Jahr gedrückt, unter anderem den Altersklassenrekord über 50 Meter Freistil. Allerdings müssen wir bei Mädchen erst abwarten, wie sie über die Pubertät kommen. Daniel hat auch in diesem Jahr wieder große Sprünge gemacht, obwohl bei der deutschen Jahrgangsmeisterschaft noch mehr drin gewesen wäre. Er wird im Herbst drei Wochen im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada verbringen, und dann an der deutschen Kurzbahnmeisterschaft teilnehmen.
Und nun zwei Fragen, die das Sportmagazin schon vor einem Jahr stellte: Hat sich an den Rahmenbedingungen vor allem in Richtung Kraftraum etwas geändert?
Ich bin geknickt und deprimiert. Für den MSS war es in einem dreiviertel Jahr wohl nicht möglich, die Sache anzugehen. Es hat sich nichts getan. Ich hatte wenigstens auf die Sommerferien gehofft, damit wir danach in einem neuen Raum anfangen können.
Besteht die Gefahr, dass Schwimmer abgeworben werden?
Es mag sein, dass es Versuche gibt. Zurzeit wüsste ich aber keinen, der Mülheim akut verlassen will. Trotz der schlechten Bedingungen identifizieren sich die Schwimmer mit dem Team.

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Sportmagazin 3/2004 – Jahresrückblick
Ein gutes Jahr
Der Mülheimer Sport 2004 von A bis Z

Was hatte das Mülheimer Sportjahr zu bieten? Was waren die Höhepunkte? War es ein gutes Jahr? Oder ein schlechtes? Das Sportmagazin sucht im Jahresrückblick von A bis Z nach Antworten.

A...
Aufstiege
Davon gab es erfreulicherweise einige in diesem Sportjahr. Beispiele? Im Fußball stieg Galatasaray von der Bezirks- in die Landesliga auf, im Handball schaffte die HSG Mülheim den Sprung in die Verbandsliga. Und gleich zwei Mannschaften bejubelten sogar den Aufstieg in die 1. Bundesliga: Der HTC Uhlenhorst im Hockey und der SV Nord im Schach.
B...
Boxen
B wie Boxen. Oder auch B wie BC Ringfrei. Im Winter feierte der ruhmreiche Mülheimer Boxverein sein Comeback in der Oberliga. Die Rückkehr in die Erstklassigkeit gelang zwar nicht auf Anhieb, soll aber schnellstmöglich nachgeholt werden – und dann in der neuen Ruhr-Sporthalle. Geboxt wurde auch im August – beim „Sommerboxen“ auf der Freilichtbühne.
C...
Chaos?
Oh Wunder, die Zeilen zum „Chaos“ bleiben diesmal erstaunlich kurz. Eine kurze Führungskrise beim BC Ringfrei – das war’s auch schon an kaum verständlichem Wirrwarr im Mülheimer Sport. Diskussionswürdige Entscheidungen – ob vom Mülheimer Sport-Service (MSS) oder dem Mülheimer Sportbund (MSB) – wird es immer geben. Aber keine spaltete in diesem Jahr die Klubs. Das war schon anders.
D...
Drachenboot
Das Drachenboot-Festival im Sommer war auch in diesem Jahr ein Selbstläufer. Die DJK Ruhrwacht begrüßte am 17. und 18. Juli wieder Tausende Zuschauer an der Ruhr rund um die Schlossbrücke.
E...
Eisenhuth
Jörn heißt der junge Mann mit Vornamen. Trotz des jungen Alters – er ist 26 – führte er den HTC Uhlenhorst als Trainer zurück in die Bundesliga. Kompliment!
F...
Fußball
Von der Stadt wenig beachtet, von den Mülheimer Fans beliebt: die Fußballszene. Und vielleicht glückt dem VfB Speldorf in diesem Jahr der Aufstieg in die Oberliga Nordrhein. Dann käme auch die Stadt nicht mehr am Spiel mit dem runden Leder vorbei und müsste sich mal sehen lassen. Die Höhepunkte 2004 lieferte Galatasaray: Erst schaffte der Klub noch als Vatan Spor den Aufstieg in die Landesliga, und dann kamen nach der Umbenennung zum Testspiel gegen die „großen“ Profis aus der Türkei 6500 Zuschauer ins Ruhrstadion.
G...
Galopprennsport
Im „Jahr eins nach der Diana“ stand die Konsolidierung des Rennvereins auf der Tagesordnung ganz oben. Das Rennjahr brachte der Klub unter der Führung von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld mit dem „Silbernen Band der Ruhr“ am 31. Oktober gut zu Ende.
H...
HTC Uhlenhorst
Auf dieses Jahr hat der HTC Uhlenhorst lange gewartet. Nach zwei Jahren gelang die Rückkehr in die 1. Bundesliga, die A-Jugend wurde deutscher Vizemeister und am Uhlenhorst entsteht ein zweiter Kunstrasenplatz. Die Zukunft kann kommen.
I...
Ideen
Neue Ideen waren zum Beispiel der „Saarner Sommernachtslauf“ und das „Sommerboxen“ des BC Ringfrei. Das sind gute Ansätze. Noch ein wenig mehr Kreativität könnte dem Mülheimer Sport indes noch viel mehr gut tun.
J...
Jugend
Die Sport-Talente aus Mülheim brauchen sich vor niemandem zu verstecken. Vor allem im Hockey und im Schwimmen sorgten Mülheimer Jugendliche bundesweit für Furore. Namen wie Daniel Cornelsen und Lisa Vitting sind in den Schwimmbädern des Landes ein Begriff.
K...
KSV Styrum
Der einzige Ringerklub der Stadt steckte in diesem Jahr in einer sportlichen Krise. Bis zum Schluss dauerte in der Verbandsliga der Kampf um den Klassenerhalt. Doch ob Abstieg oder nicht – die Zukunft wird rosig: Im März 2005 richtet der KSV die deutsche B-Jugend-Meisterschaft aus, und i