2) Zu Andi´s Arbeitsprotokoll bitte HIER klicken!
Links:
| Startseite Beruf | Startseite Uni-Leben | Startseite VfL Bochum |
| Startseite Konzerte | Startseite Reisen | Startseite Privates |
Einleitung
Im Januar 2001 bimmelte mein Handy, als
ich die Ampel an der Bülowstraße in Mülheim-Broich überquerte,
einen Blick in die Kneipe „Quelle“ riskierte und Wirt Uli („Einmal Pils/Wacholder
bring am Tisch!“) bei der Arbeit zuschaute. Am anderen Ende: Bernd Sprenger,
Inhaber+Besitzer+Chef des gleichnamigen Medienservice. Er produziert viermal
im Jahr das „Mülheimer Sportmagazin“, das 10.000-fach im Stadtgebiet
ausliegt (Baumärkte, Sporthallen, Tankstellen, Pommesbuden, Sport-Fachgeschäfte)
sowie das „Sport-Jahrbuch“. Für das Magazin suchte er einen verantwortlichen
Redakteur, für das Jahrbuch einen Mitarbeiter – und die Wahl fiel
auf mich. In bisher vier Ausgaben habe ich versucht, auf 24 Text-Seiten
die Mülheimer Sport-Fans mit „lesbaren“ Geschichten und Hintergrundinformationen
zu erfreuen.
Auf dieser Homepage nun findet Ihr eine
Auswahl meiner Artikel – allerdings die nicht (!) Korrektur gelesenen Varianten
– entschuldigt daher einige Wiederholungs- sowie Rechtschreibungs- und
Grammatikfehler. Ich hoffe, Ihr habt beim Lesen genauso viel Spaß
wie ich (zumeist) beim Schreiben!
- Alle Texte stehen hier in der noch nicht korrigierten Fassung -
ZU DEN SPORTMAGAZINEN DER JAHRE 2001 und 2002 bitte HIER klicken!Anmerkung: Im tatsächlichen Printprodukt erschien der Artikel etwas anders... Näheres auf Anfrage...
Jörg Knör versteht
sein Handwerk. Spielend imitiert und parodiert er Inge Meysel, Angela Merkel,
Tom Jones, ja sogar Boris Becker. Beim 39. Mülheimer Sportehrentag
war Knör der Star. Seine tolle Show konnte jedoch nur kurz über
einen Negativrekord hinwegtäuschen.
Die Veranstaltung heißt
„Sportehrentag“, doch mittlerweile wäre der Titel „Showabend mit einem
Hauch Sport“ treffender. Nur noch 37 Sportler wurden geehrt – so wenig
wie noch nie in der Geschichte des Sportehrentags.
Doch der Reihe nach: Das
Organisationsteam des Mülheimer Sportbunds (MSB) und des Mülheimer
Sport-Service (MSS) hatte den Abend unter das Motto „Comedy und Sport“
gestellt, und dazu Knör als Hauptact verpflichtet. Der enttäuschte
nicht, und baute sogar die anstehende Oberbürgermeisterwahl ein. Dieser
Meinung waren alle 1050 Besucher in der Stadthalle, in der die Veranstaltung
zum zweiten Mal in Folge stattfand. Drumherum sorgten die „Boogie-Dancer“,
Jongleur Daniel Hochsteiner und das Schweizer Duo Scacciapensieri für
artistische Highlights.
Ohne die Leistungen der
geehrten Sportler, die zweifelsohne beachtenswert waren, schmälern
zu wollen: Bei den meisten Namen runzelten viele Besucher mit der Stirn.
Sie waren nur Mülheimer Sport-Insidern bekannt – kein Vergleich zu
früheren Zeiten, als die Experten der Stadt die freie Auswahl unter
nationalen Klasseathleten in vielen Sportarten hatten. Symptomatisch die
Wahl der „Sportler des Jahres 2002“. Hockey-Weltmeister Timo Weß
greift inzwischen für den Crefelder HTC zum Schläger, und Sarenka
Schuler spielt Kanupolo für einen Essener Klub. Bleiben nur noch fünf
Ehrungen für Mülheimer Sport-Funktionäre, die sich jahrelang
große Verdienste erwarben. Margit Emmerich (MSB-Sportjugend), Josef
Lennertz (DJK Styrum 06), Josef Pepinghege (DJK Ruhrwacht), Heinz Schmitz
(SV Nord) und Harry Schulz (ASC Mülheim) hatten diese Auszeichnung
wirklich verdient.
In die Mülheimer Sport-Geschichte
wird dieser Sportehrentag aber gewiss nicht eingehen. Ein hartes Urteil
– aber leider wahr.
Sportler des Jahres
1. Timo Weß (HTC Uhlenhorst)
54,3 %
2. Stephan Boer (RRGM) 16,7
%
3. Stefan Friedrich (RRGM)
14,7 %
Sportlerin des Jahres
1. Sarenka Schuler (Rote
Mühle Essen) 69 %
2. Stephanie Döring
22,4 %
Mannschaft des Jahres
1. DJK Ruhrwacht (Drachenboot)
63 %
2. MTC RW Raffelberg (Tennis)
24,1 %
3. Rot-Weiß 61 Mülheim
(Sportkegeln) 3,4 %
Jugendsportler des Jahres
1. Tim van Voorst (KSV Styrum)
18,1 %
2. Gregory Schneider (1.BV
Mülheim) 12,1 %
3. Jan Gehlen (HTC Uhlenhorst)
10,3 %
Jugendsportlerin des
Jahres
1. Katharina Lörks
(DJK VfR Saarn) 40,5 %
2. Sonja Steinsiefer (FSV
Mülheim) 25,9 %
3. Anke Rieck (DJK VfR Saarn)
19 %
Jugendmannschaft des
Jahres
1. HTC Uhlenhorst 31 %
2. Rennrundergemeinschaft
13 %
2. DJK Ruhrwacht 13 %
Altersklassen-Sportler
des Jahres
1. Karin Schäfers (1.BV
Mülheim) 23,3 %
2. Horst Langer (Post SV
Mülheim) 22,4 %
3. Christian Schäffkes
(KHTC Mülheim) 13 %
KOMMENTAR:
Jörg Knör scherzte,
die lokale Sport-Prominenz lachte, und die ausgezeichneten Aktiven freuten
sich. Eigentlich war beim Sportehrentag in der Stadthalle alles in bester
Ordnung.
Eigentlich.
Denn selten standen die
Mülheimer Sportler bei „ihrem“ Feiertag so am Rand wie an diesem 22.
März. Noch nie hatten die Experten so wenig Auswahl, beispielsweise
stand keine Frau aus einem Mülheimer Verein zur Wahl. Mülheim
ist eine Breitensportstadt geworden.
Doch ist das wirklich das
Hauptproblem dieser Sportlerwahl, der die meisten Mülheimer Sportler
fern blieben und die in der Sportszene kaum Beachtung fand?
Es ist an der Zeit, die
Auswahlkriterien für die Sportlerwahl zu überdenken. Ein NRW-Landestitel
oder eine Teilnahme an einer deutschen oder internationalen Meisterschaft
sollte nicht länger allein Maßstab für eine Ehrung sein.
Vielmehr sollte sich der Blick auch auf Sportler richten, die in ihren
jeweiligen Sportarten seit vielen Jahren Höchstleistung bringen, auch
wenn sie sich nicht in der nationalen Spitzenklasse bewegen. Der Fußballspieler
Dirk Roenz vom VfB Speldorf hätte beispielsweise längst eine
Ehrung verdient.
Dass der Mülheimer
Sport zurzeit nicht zur nationalen Spitze zählt, ist kein Geheimnis
mehr. Daher sollten sich die Funktionäre auf lokale Größen
konzentrieren, die innerhalb der Stadtgrenze bekannt sind – und nicht händeringend
auch in Nachbarstädten nach Meistern suchen. Gepaart mit einem weiterhin
attraktiven Programm – so wäre der Sportehrentag wieder eine ernst
zu nehmende Veranstaltung, die keinen Jörg Knör braucht, um ein
Erfolg zu sein. Die tagelang Gesprächsthema der Stadt ist – und nicht
am kommenden Tag in Vergessenheit gerät.
Noch nur ein paar Tage – dann gehört die Fußballsaison 2002/2003 der Vergangenheit an und die Tabellen verschwinden in den Archiven. Doch zuvor steht noch die Analyse an – und das Sportmagazin greift den Vereinsvorständen dabei unter die Arme.
Verbandsliga
Für beide Teams verlief
die Saison zufriedenstellend. Das gilt für den VfB Speldorf selbst
dann, wenn die Grün-Weißen den Aufstieg in die Oberliga verfehlen.
Trainer Frank Kurth hat es geschafft, aus einem zusammengewürfelten
Haufen eine Einheit zu formen, Euphorie am Blötter Weg zu entfachen
und durch sein Engagement den VfB in Mülheim wieder salonfähig
zu machen. Das kann genauso viel wert sein wie ein Aufstieg, zumal der
SV Straelen und der 1.FC Kleve einen deutlichen höheren Etat aufweisen.
Spätestens im nächsten Jahr soll dann aber der Sprung in die
Oberliga gelingen. Besser als gedacht lief die Saison für Union 09.
Nach dem 4:2-Lokalderbyerfolg über den VfB am 8. März stand der
Klassenerhalt fest. Das war aufgrund der Führungskrise nicht selbstverständlich.
Doch die Mannschaft spielte völlig unbeeindruckt weiter und wird die
Saison im Tabellenmittelfeld abschließen.
Landesliga
Seit 13 Jahren gibt es Vatan
Spor – und der türkische Klub ist immer für eine Überraschung
gut. In der Hinrunde sackte die junge Mannschaft von Trainer Yücel
Aslan in der Tabelle bis in die Abstiegszone ab. Zum unzähligsten
Mal wähnten die Fußballfans den Klub vor der Auflösung.
Doch denkste: Vatan verpflichtete im Winter zehn Neue (darunter den bekannten
Ex-Unioner Joachim Bohra) und hat nun wieder echte Chancen auf den Klassenerhalt.
Endgültig wird der aber vermutlich erst am letzten Spieltag feststehen.
Bezirksliga
Von Beginn an stand der
MSV 07 jenseits von Gut und Böse – dabei wollte Trainer Dieter Brüger
vor der Saison oben mitspielen. Für die MSV-Fans war die Saison spannungslos.
Das gilt für Tuspo Saarn und in der Parallelgruppe für die DJK
Blau-Weiß Mintard nicht. Diese beiden Teams werden bis zum Saisonende
um den Klassenerhalt kämpfen, haben aber gute Karten.
Kreisligen A und B
In beiden Ligen wird es
Aufsteiger aus Mülheim geben. In der Kreisliga A ist dem Starensemble
des SV Rot-Weiß der Sprung in die Bezirksliga nicht mehr zu nehmen.
Alles andere als der Sprung in die Bezirksliga wäre für Trainer
Marcus Herrschaft und seine Crew auch höchstpeinlich gewesen. Zur
Erinnerung: Vor der Saison verpflichtete Rot-Weiß Torjäger Daniel
Weinbach vom Verbandsligisten Union 09 sowie die Landesligaspieler Hatem
Guerbouj (Vatan Spor) und Dirk Heisterkamp (SV Bottrop 1911). Aufgrund
einer schlechten Serie nach der Winterpause musste sich Union 09 II dagegen
schon früh aus dem Aufstiegsrennen verabschieden. In der Kreisliga
B gibt es einen spannenden Zweikampf zwischen dem Überraschungsteam
Post SV und dem SV Raadt. Der Top-Favorit TSV Heimaterde muss den geplanten
Aufstieg um ein weiteres Jahr verschieben.
KOMMENTAR
Wenn in Mülheim von
den sportlichen Aushängeschildern die Rede ist, dann wird die Sportart
Hockey genannt, auch von Tennis und der Galopprennbahn ist die Rede. Die
lokale Fußballszene taucht selten bis nie in dieser Aufzählung
auf. Nein, Mülheim hat keinen Profiverein, nicht mal einen in der
Regional- oder Oberliga. Und doch bewies in der Saison 2002/2003 der VfB
Speldorf, dass es auch in Mülheim möglich ist, mehrere Hundert
Zuschauer für einen Klub zu begeistern. Kein anderer Verein kann einen
so hohen Schnitt vorweisen, über keinen anderen wird an den Stammtischen
der Stadt so oft diskutiert. Ganz gleich, ob der VfB den Sprung in die
Oberliga in diesem Jahr noch schafft oder nicht: Es geht aufwärts
mit dem Fußball in Mülheim und es wäre angebracht, neben
Hockey, Tennis und Galopp auch die Fußballer in die lange Liste aufzunehmen.
Denn ein ambitionierter Oberliga-Fußballklub schmückt eine Visitenkarte
ebenso wie ein Hockey- oder Zweitligaverein. Mindestens.
Anmerkung: Das Interview würde nicht mündlich geführt, sondern lief über eine Mail!
Inwiefern haben Sie
die Geschehnisse im Mülheimer Sport in den letzten Jahren verfolgt?
Ich nehme zumindest über
die Medien immer regen Anteil an den sportlichen Geschehnissen in Mülheim.
Das war auch schon immer so. In meiner gesamten Familie hat Sport zudem
immer eine große Rolle gespielt. Mein Ehemann Rolf ist selbst Vorsitzender
eines Sportvereins und ehemaliger Handballer, mein Sohn hat lange Jahre
Fußball gespielt, und unser Haus liegt unmittelbar neben einem Sportplatz.
Ich selbst verbringe im Sommer, sofern es die Arbeit zulässt, gerne
Wochenenden mit Freunden auf dem Tennisplatz oder im Fahrradsattel. Im
Augenblick hoffe ich als gebürtige Mülheimerin, die ihre Kindheit
in der Mergelstraße in Speldorf verbracht hat, natürlich, dass
der VfB Speldorf am Ende der Saison die Rückkehr in die Oberliga feiern
kann.
Was sind Ihrer Meinung
nach die Aushängeschilder des Mülheimer Sports?
Ich denke, da gibt es viele,
die hier zu nennen wären. Mülheim ist immer noch eine deutsche
Hockeyhochburg, doch auch die Erfolge der Ruderer haben unsere Stadt am
Fluss über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Und natürlich
der Galopprennsport am Raffelberg, auf einer der schönsten Rennbahnen
Deutschlands. Im malerischen Ruhrtal wird Spitzentennis am Kahlenberg geboten.
Nicht zu vergessen der Schachsport, mit seiner ersten rein auf den Schachsport
ausgerichteten Sportstätte Deutschlands in den Räumlichkeiten
im Hallenbad Süd. Spitzensport ist auf Dauer nur mit Hilfe zahlreicher
Sponsoren haltbar, daher möchte ich an dieser Stelle all denjenigen
danken, die die Mülheimer Vereine in den vergangenen Jahren finanziell
unterstützt haben. Ich begrüße vor diesem Hintergrund auch
die Aktivitäten des Förderkreises Mülheimer Sport e.V. mit
seinen fast 700 Mitgliedern, der seit über 20 Jahren den Spitzen-
und Leistungssport in unserer Stadt fördert.
Doch die breite Angebotspalette
an sportlichen Betätigungen und Veranstaltungen in der relativ kleinen
Großstadt Mülheim bietet noch mehr: Bogenschießen, Dart,
Flossenschwimmen, Fußball, Handball, Leichtathletik, Tischtennis,
Radsport, Reiten, Ringen, Schwimmen, Squash usw. wären zu nennen und
jedem Leser des „Mülheimer Sportmagazins“ fiele sicherlich noch die
ein oder andere Ergänzung zu dieser Aufzählung ein. Als Person,
die hier ausdrücklich zu nennen wäre, fiele mir spontan Lars
Lürig ein. Vor seinen sportlichen Leistungen empfinde ich größten
Respekt.
Welche Rolle spielt
der Sport für Sie und Ihrer Ansicht nach für die Mülheimer?
Meines Erachtens hat Sport
eine mehrfache Bedeutung. Die Sportvereine mit ihrer Kinder- und Jugendbetreuung
an den Nachmittagen nehmen eine immens bedeutsame Rolle bei der sozialen
Bildung Heranwachsender ein. Die Jugendabteilungen der Sportvereine in
der Stadt sind zusammengenommen das „größte Jugendheim“ der
Stadt. Dafür gebührt den in diesem Bereich tätigen Ehrenamtlern
großer Dank. Daneben ist natürlich der Geselligkeitsaspekt von
besonderer Bedeutung. Sport verbindet, Sport baut Distanz zwischen Menschen
ab, Sport fördert im wahrsten Sinne des Wortes aktiv das Zusammenleben
der Menschen in unserer Stadt. Ich denke, dass ich mich mit dieser Einschätzung
mit der weit überwiegenden Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger
in der Stadt einig weiß. Der Erhalt des Sportstättenangebotes,
aber auch der Bau zweier 4-fach Sporthallen, trägt dieser gewichtigen
sozialpolitischen Bedeutung des Sports Rechnung.
Noch drei Wochen – dann beginnt die Amateurfußball-Saison. Das Hauptaugenmerk der Mülheimer Fans liegt wieder auf den Verbandsligisten VfB Speldorf und TuS Union 09. Die beiden Mannschaften und die vier Bezirksligisten nahm das Sportmagazin genau unter die Lupe.
Kommen & Gehen
VfB Speldorf: Zehn
Abgängen stehen acht Neuzugänge gegenüber. Der Verlust der
Stammspieler Ingo Pickenäcker, Stefan Majek und Oliver Röder
wurde durch die oberligaerfahrenen Yasar Kurt, André Rasche (beide
Ratingen 04/19) und Marco Ferreira (SSVg Velbert) aufgefangen. Die weiteren
Neuen Gregor Nijhuis (Tor), Rafael Synowiec, Patrick Dehn (Abwehr) und
Björn Matzel (offensives Mittelfeld) heben zudem das Niveau. Die Qualität
ist gestiegen. Allerdings könnte der auf 20 Spieler beschränkte
Kader ein Problem werden. Zu diesem Aufgebot zählen zwei unerfahrene
18-Jährige aus der eigenen Jugend, einen dritten Torwart gibt es nicht
und auf eine gute zweite Mannschaft kann Trainer Kurth nicht zurückgreifen.
TuS Union 09: Bei
Union gab es einen totalen Umbau. Acht Spieler gingen, darunter fünf
Stammspieler (Homberg, Hinz, Klauß, Hohensee, Yilmaz), neun Neue
kamen. Die größten Hoffnungen ruhen auf Rückkehrer Joachim
Bohra (Vatan Spor) und Routinier Thomas Thiel (Ratingen). Ansonsten verpflichtete
Union durchweg Talente. Die neue Mannschaft muss sich erst einmal finden.
Stärken & Schwächen
VfB Speldorf: Im
Vorjahr erzielte der VfB die meisten Tore der Liga – das dürfte sich
nicht ändern. Torjäger Dirk Roenz (zuletzt 21 Tore) wird zudem
nicht nur von René Kägebein (13 Tore), sondern auch von den
Zugängen Matzel und Ferreira unterstützt. Auch bei den Standardsituationen
ist der VfB dank Thomas Pröpper brandgefährlich. Neben dem zu
knappen Kader könnte die nicht eingespielte Abwehr ein Problem werden.
Unklar ist, ob sich Yasar Kurt und André Rasche sofort als Führungspersonen
etablieren. Ebenso ist fraglich, ob die Spieler mit dem immensen Druck
umgehen können.
TuS Union 09: Die
Unerfahrenheit könnte zum Manko werden. Sollten Routiniers wie Ralf
Zils, Jörg Müller oder Thomas Thiel über einen längeren
Zeitraum ausfallen, hat Trainer Bachmann ein Problem. Der Coach muss das
torgefährliche Offensivtrio Yilmaz/Klauß/Hohensee ersetzen,
dass in den letzten drei Jahren über die Hälfte der Union-Tore
erzielte. Ein Plus: Die Union-Elf ist wesentlich schwerer auszurechnen
als in den letzten Jahren, als sich die Gegner ausschließlich auf
Klauß konzentrierten. Zu einer Stärke könnte zudem die
Defensivarbeit werden.
System & Taktik
VfB Speldorf: Trainer
Kurth weicht von seinem bewährten 3-5-2-System nicht ab. Die Libero-Rolle
übernimmt Yasar Kurt, die zentrale Mittelfeld-Position André
Rasche. Mehrere Spieler (Matzel, Ferreira, Dehn, Synowiec) sind variabel
einsetzbar.
TuS Union 09: Auch
Ernst Bachmann vertraut dem 3-5-2-System. Fixpunkte sind Ralf Zils (Libero)
und Thomas Thiel (zentrales Mittelfeld). Im Defensivbereich hat Bachmann
die Qual der Wahl. Etwas dürftig besetzt sind dagegen die Offensivpositionen,
zumal nicht feststeht, ob der 33-jährige Joachim Bohra noch einmal
den Sprung in die Verbandsliga packt.
Trainer & Umfeld
VfB Speldorf: Frank
Kurth ist am Blötter Weg unumstritten – noch. Mit viel Engagement
erarbeitete sich der Ex-Profi in der letzten Saison Respekt beim Vorstand
und den Fans. Der vierte Tabellenplatz wurde ihm schnell „verziehen“. Sollten
die Speldorfer allerdings schlecht starten, dürfte auch der Trainer
fix unter Druck geraten. Denn das Speldorfer Umfeld ist ungeduldig geworden
und die Mitglieder angesichts des nach unten gewirtschafteten Unterbaus
besorgt.
TuS Union 09: Durch
die Rückkehr von Jürgen Bleikamp auf den Posten des 1. Vorsitzenden
wurde das Trainer-Duo Ernst Bachmann/Thomas Verwaayen gestärkt. Der
ursprünglich geplante Trainerwechsel – Herbert Stoffmehl sollte den
Job übernehmen – wurde rückgängig gemacht. Die Ergebnisse
in den letzten Jahren sind beachtlich. Stets schaffte Union frühzeitig
den Klassenerhalt - auch ein Erfolg der Trainer. In diesem Jahr stehen
die beiden nicht unter Druck. Aufgrund des kompletten Teamumbaus wären
Vorstand und Fans mit dem Klassenerhalt zufrieden. Ein einstelliger Platz
muss es diesmal nicht unbedingt sein.
Fazit & Prognose
VfB Speldorf: Die
VfB-Mannschaft hat an Qualität gewonnen und ist zudem eingespielt.
Doch ein Durchmarsch ist nicht zu erwarten, da auch in der kommenden Saison
starke Konkurrenz auf die Grün-Weißen wartet. Neben einem guten
Start ist wichtig, dass sich die Schlüsselspieler (Kurt, Rasche, Pröpper,
Roenz) nicht verletzen.
TuS Union 09: Die
Unioner werden erst einmal in den Abstiegsstrudel geraten. Je schneller
sich die neu zusammengestellte Mannschaft findet, desto höher klettert
die Bachmann-Elf in der Tabelle. Daher ist ein einstelliger Platz ebenso
möglich wie ein harter Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag.
Die einen lieben ihn,
die anderen erklären ihn für bekloppt. Fest steht: Er passt in
keine Fußballtrainer-Schublade. Zum dritten Mal seit 1999 trägt
Mohamed Ali Abdelhafid beim Landesliga-Absteiger Vatan Spor die Verantwortung.
Pressetermin vor Ort. Im
Umkleide-Container an der Von-der-Tann-Straße herrscht gähnende
Leere. Aber davor nicht. 15 Spieler hocken auf der Wiese, durchgeschwitzt
und überanstrengt. Liegestütze. Eine Stimme ertönt. „1“,
„2“, „3“... bis „15“ geht das weiter. Dann ein kurzes „Gut, Männer!“
und vorbei ist das Training. Müde schmeißen sich die Spieler
auf den Rasen. Einer springt vergnügt auf und erscheint zum Gespräch:
Mohamed Ali Abdelhafid.
Warum hat der sich das zum
dritten Mal angetan? Bei der schwärzesten Stunde des Vereins, beim
Abbruchspiel in Homberg im Oktober 1999, saß er auf der Trainerbank.
Zwei Jahre später, im Oktober 2001, trat er bereits nach dem zehnten
Spieltag zurück. Und nun? „Ich liebe Fußball“, sagt er stets.
Und an Vatan und einigen Spielern scheint er auch einen Narren gefressen
zu haben. „Schauen Sie“, sagt er, „ich habe Mails von Spielern bekommen.
Darin stand: Bitte komm zurück, Trainer. Wir wollen endlich wieder
Fußball spielen.“ Solche Momente machen ihn stolz – und sind zugleich
eine Verpflichtung. Nicht zuletzt wegen Abdelhafid kehrte Hakan Turna dem
Oberligisten 1.FC Bocholt den Rücken – trotz Stammplatz. Das sind
Spieler, die auf Abdelhafids taktische Schulung schwören. Auf ihn
und seine Fußball-Philosophie von der Dreier- und Vierer-Abwehrkette,
vom sofortigen Reagieren auf Spielstände und Gegner, von genau und
immer wieder einstudierten Standardsituationen, der funktionierenden Raumdeckung.
Und doch hat Abdelhafid
einige „Feinde“. Stets gibt es eine hohe Fluktuation in seinen Teams. Es
ist anstrengend, als Spieler oder Vorstandsmitglied mit ihm zusammenzuarbeiten.
Er geht konsequent seinen Weg, denkt stets an seine Mannschaft, erwartet
von dieser aber ein hohes Pensum – zum Beispiel täglich in der Vorbereitung.
Das ist für einige Spieler in der siebtklassigen Bezirksliga zu viel
verlangt. Vor allem mit erfahrenen Spielern rasselte Abdelhafid oft aneinander.
„Schauen Sie“, sagt er wieder und blickt den Reporter an: „Sie haben einmal
geschrieben, dass ich nicht mit Stars umgehen kann. Das stimmt nicht. Wer
bei mir regelmäßig trainiert und seine Leistung bringt, der
spielt. Ich wäre doch blöd, wenn ich gute Spieler draußen
lassen würde.“ Junge Spieler waren bei ihm immer gut aufgehoben.
Abdelhafid, ein Disziplin-Fanatiker:
Wer zu spät zum Treffpunkt erscheint, sitzt draußen, egal, wie
derjenige heißt. Oft kommt es in der Kabine zu lautstarken Disputen:
„Die Spieler wissen, dass ich nichts persönlich meine.“ In seinen
Teams ist er der einzige Star – obwohl er diese Rolle gar nicht möchte.
„Keiner unser bisherigen Trainer hat sich so viel Zeit für die Mannschaft
genommen“, meint der Vatan-Ehrenvorsitzende Turan Isleyen. Er kennt Abdelhafid
seit vielen Jahren. Isleyen weiß, dass Vatan nur dann eine Chance
auf den Wiederaufstieg hat, wenn die Mannschaft auf Abdelhafids hohe Forderungen
eingeht.
Torhüter sind keine
guten Trainer, heißt es in der großen Welt der Fußball-Weisheiten.
Der ehemalige tunesische Erstliga-Keeper Abdelhafid scheint ein Gegenbeispiel
zu sein. „Stimmt nicht“, hakt er deshalb auch sofort ein. „Von hinten hatte
ich immer einen viel besseren Überblick und konnte die Spiele genau
analysieren. Ich habe mir immer Notizen gemacht, warum ich welches Gegentor
bekommen habe.“ Dass Torhüter (genauso wie Linksaußen übrigens
– eine weitere Weisheit) einen „an der Ratsche“ haben, das bestätigt
er. „Als Torhüter muss man manchmal explodieren, wie Kahn, wie Lehmann.
Und genauso werde ich an der Seitenlinie immer verrückt.“
Die Fans von Vatan Spor
und die anderen 15 Bezirksligisten können sich ab dem 31. August selbst
ein Bild von Abdelhafids Explosivität und seiner Ansicht von Fußball
erhalten. Dann ist der Karajan der Seitenlinie wieder in Aktion. Einer,
der das Spiel Fußball wirklich so liebt wie kaum ein anderer.
Mohamed Ali Abdelhafid
wurde am 15.10.1962 im südtunesischen
Zarzis geboren. Er ist verheiratet mit Sandra und hat drei Kinder. Jameleddine
ist acht Jahre alt, die Zwillinge Sara Meriam und Nadia einen Monat. Er
spricht Französisch, Englisch, Deutsch und Italienisch, wohnt in Rheinberg
und arbeitet als EDV-Techniker in Essen. Seine sportliche Karriere als
Torwart begann bei Olympic Medenine. Mit seinem Heimatklub Esperance Zarzis
stieg er von der dritten bis in die erste Liga auf. Er stand einmal im
Kader der tunesischen Nationalmannschaft. 1992 lernte er seine Frau kennen
und folgte ihr nach Deutschland. Mit dem VfB Speldorf stieg er in die Verbandsliga
auf (1995/1996). Danach begann seine Trainer-Karriere beim IFK Oberhausen
sowie später als A-Jugend-, Co- und Cheftrainer bei Vatan Spor (Landesliga).
Er erwarb inzwischen die A-Lizenz. Nach einem Umweg über Alanya Essen
(Kreisliga A) ist er wieder bei Vatan gelandet – diesmal in der Bezirksliga.
Es ist gar nicht so lange
her, dass Hannah Stockbauer und Antje Buschschulte bei der Weltmeisterschaft
im spanischen Barcelona die Goldmedaille gewannen. Ganz so weit sind die
Mülheimer Schwimmer noch nicht, aber zumindest in einigen Jahrgangsklassen
sind sie in die nationale Spitze vorgestoßen. Dabei sind die Bedingungen
nicht gerade meisterlich. Das Sportmagazin ging diesen Defiziten auf die
Spur.
Nachdenklich steht Daniel
Cornelsen am Beckenrand. Auf der großen Digitaluhr im Wuppertaler
Heinz-Hoffmann-Leistungszentrum steht „28. Juni“ und im 50-Meter-Becker
läuft ein Rennen nach dem anderen. Daniel scheint sie nicht zu sehen.
Bei der deutschen Jahrgangsmeisterschaft steht er vor seinem womöglich
größten Erfolg: Ein Platz auf dem Treppchen im 1500-Meter-Freistil-Rennen
des Jahrgangs 1988. Noch zehn Minuten bis zum Start.
Zehn Meter von Cornelsen
weg steht Harry Schulz. Der ist seit 25 Jahren dabei im Schwimmgeschäft
und seitdem Trainer des Amateursportclubs (ASC) und im Rahmen dessen auch
der Startgemeinschaft (SG), die aus dem ASC und der Trainingsgemeinschaft
Wassersportfreunde/TSV Viktoria besteht. Cornelsen ist seit seiner Kindheit
der Schützling von Schulz. „Er ist als zeitschnellster gemeldet“,
erzählt er. „Aber das muss nichts heißen. Er hat sich im Vergleich
zum Vorjahr um über eine Minute gesteigert. Seine Konkurrenten können
womöglich noch zulegen.“
Große Unterschiede
Harry Schulz legt seine
Stirn in Falten und blickt sich um im Wuppertaler Schwimmbad. Eine 50-Meter-Bahn,
dazu noch ein weiteres 25-Meter-Becken und ein riesiger Kraftraum. „Mensch,
was sind das für Bedingungen“, sagt er und gerät ins Schwärmen.
„Bei uns in Mülheim ist das nicht so.“
Für einen Leistungsschwimmer
kommt es darauf an, möglichst oft im Wasser zu sein – logisch. Aber
auch das Trockentraining im Kraftraum ist sehr wichtig. Und da hapert es
in Mülheim. Um jede Trainingszeit muss die SG mit ihren vielen Mitgliedern
kämpfen – in manchen Gruppen gibt es gar einen Anmeldestopp. Wie sollen
da die Leistungssportler zu ihrem Recht kommen. „Einen Kraftraum gibt es
in der Halle an der Boverstraße“, erzählt Harry Schulz. Aber
der ist nicht größer als ein normales Wohnzimmer – und zudem
sehr spärlich ausgestattet.
Noch fünf Minuten bis
zum großen Rennen.
Verlangen die Schwimmer
zu viel vom Mülheimer SportService (MSS)? Sie verweisen auf Beispiele
in anderen Städten. Frühtrainingsstunden vor Schulbeginn sind
eigentlich unverzichtbar, wurden jetzt aber eingeführt. Zudem gibt
es in vielen anderen Städten Schlüsselgewalt für die Schwimmvereine.
Auch ein größerer Kraftraum ist nicht allzu teuer. Schon mit
diesen kleinen Änderungen wäre der SG vorerst geholfen, um die
Talente mit Daniel Cornelsen an der Spitze weiter in Mülheim fördern
zu können. Einmal pro Woche hat der ASC eine Trainingszeit im Leistungszentrum
in Essen – auf einer 50-Meter-Bahn. Aber am Freitagabend ab 18 Uhr. Trotz
dieser ungünstigen Zeit: Die Gelegenheit, in einem solch gut ausgestatten
Bad zu trainieren, nimmt Harry Schulz gerne wahr. Nach Wuppertal geht’s
höchstens im Trainingslager.
Starke Leistung von Cornelsen
Das Rennen beginnt. Daniel
schwimmt gut. Er schafft eine persönliche Bestzeit. Nach 16:44,32
Minuten hält die Stoppuhr. „Nur“ Platz vier, aber ein Stadtrekord.
Einer von vielen, die Daniel in diesem Jahr aufstellte. Den über 800
Meter Freistil (8:47,90 Minuten) nahm er in diesem Finale gleich mit. Platz
vier? Eine Niederlage? Oh nein. Auch der vierte Platz über 400 Meter
Lagen und der fünfte über 400 Meter Freistil waren große
Erfolge, auf die der 14-Jährige stolz sein kann.
Doch die Mülheimer
Schwimmjugend allein auf Daniel Cornelsen und die deutsche Jahrgangsmeisterschaft
zu reduzieren, wäre unfair. Es gibt so viele weitere hoffnungsvolle
Talente in der SG. Beispielsweise Lisa Vitting (Jahrgang 1991) vom ASC,
die im Mehrkampf mit 2762 Punkten Elfte unter 68 Teilnehmerinnen wurde.
Beispielsweise Kristina Kuhles (ASC, 1988), die am 12. Mai in Hamburg Achte
über 50 Meter Brust wurde – eine weitere Endlauf-Teilnahme. Oder die
weiteren Teilnehmer bei der Jahrgangsmeisterschaft: Daniel Harder (WSF),
Felix van der Felden (TSV Viktoria) und Daniel Bewer (beide ASC). Sechs
Starter bei der „Deutschen“ – so viele wie seit 16 Jahren nicht mehr.
Bei vielen Wettkämpfen
in ganz Deutschland vertreten diese Talente die Mülheimer Farben.
Damit sie nicht nur die Breite vergrößern, sondern auch in der
Spitze mitschwimmen, sind Verbesserungen nötig.
Dann starten Talente wie
Cornelsen auch 2004 noch für die SG – und spazieren vor großen
Endläufen nachdenklich am Beckenrand auf und ab.
Interview mit Harry Schulz (Trainer der SG, beim ASC)
In diesem Jahr gab es
große Erfolge. Wie kam es dazu?
Durch unsere jahrelange
kontinuierliche Trainingsarbeit. In diesem Jahr hatten wir noch einmal
die Möglichkeit, unser Trainingspensum zu steigern, da uns der Mülheimer
SportService Frühtraining ermöglicht hat. Das heißt, dass
einige Schwimmer zweimal pro Woche vor Schulbeginn trainieren. Das ist
für Mülheim sehr wichtig.
Die SG hat Missstände
in Mülheim im Vergleich zu anderen Städten beklagt. Worin liegen
die?
Sie liegen in allen Bereichen
der Trainingsbedingungen. Für das Trockentraining steht uns zum Beispiel
nur ein ganz kleiner Raum zur Verfügung. Zudem hatten wir jahrelang
keine Frühtrainingsstunden.
Warum gibt es erst jetzt
die für den Leistungssport notwendigen Änderungen?
Der MSS wollte erst Beweise
haben, dass wir wirklich erfolgreich sind. Diese haben wir in diesem Jahr
genug geliefert. Unsere Schwimmer standen in den Bestenlisten weit vorn
und waren auch bei der deutschen Meisterschaft in Endläufen vertreten.
Was wird sich noch verbessern?
Der MSS ist sehr kooperativ.
Ab September werden wir eine dritte Frühtrainingsstunde bekommen und
unser Pensum auf neun Einheiten pro Woche erhöhen. Außerdem
sind wir in intensiven Gesprächen mit dem MSS über weitere Änderungen.
Interview mit Peter
Edlich (Mülheimer SportService)
Haben Sie Verständnis
dafür, dass sich die Schwimmer über die Trainingsbedingungen
beklagt haben?
Es geht vor allem um die
Wasserfläche. Bei einer Untersuchung des Kommunalverbands Ruhrgebiet
wurde festgestellt, dass wir zu wenig in Mülheim haben. Das trifft
alle Benutzergruppen, also nicht nur die Vereine, sondern auch die Öffentlichkeit
und die Schulen.
Die Schwimmer loben die
Kooperation mit dem MSS. Sie stehen dem Leistungssport also nicht im Weg?
Nein. Wir denken positiv
und wollen immer alles probieren, was möglich ist. In den letzten
Monaten ist es uns schließlich auch gelungen, die Trainingszeiten
durch Frühstunden auszudehnen.
Das Jahr 2003 neigt sich dem Ende entgegen. Zeit für eine Bilanz. Was haben die vergangenen zwölf Monate für den Mülheimer Sport gebracht?
DER ÜBERBLICK
Januar
Still ist es im Winter auf
der Raffelberger Galopprennbahn. Die Kälte hat die Ruhr und die Landschaft
im Griff. Die Mülheimer Sportler vergnügen sich in der Halle.
Der HTC Uhlenhorst schließt die Hallen-Bundesligasaison als Vierter
ab (26.1.), am gleichen Tag erobern Lars Harms und Sabine Tillmann im Sport-Treff
an der Hardenbergstraße die Titel bei der deutschen Squash-Meisterschaft.
Februar
Wie war das? Die Mülheimer
vergnügen sich in der Halle? Aber nicht doch... Die Fußballer
holen ihre Stiefel aus dem Schrank und wagen sich auf die gefrorenen Plätze,
und ein paar Hundert hartgesottene Leichtathleten zieht es zur Raffelberger
Galopprennbahn. Aber nicht, um sich schöne Pferde anzusehen, sondern
um am ersten medl-Crosslauf teilzunehmen (16.2.).
März
Hoppla, und schon ist es
März. Mülheim ist im Wahlkampffieber. Ein neuer Oberbürgermeister
wird gesucht. Das Sportjahr hat ganz ruhig angefangen. Die Ehrenamtler
erfüllen ihren Alltag, große Erfolge sind rar. Und waren auch
2002 schon rar. Zum alljährlichen Treffen des Sportförderkreises
kommt Ex-Turnweltmeister Eberhard Gienger (7.3.). Beim Sportehrentag in
der Stadthalle werden Timo Weß und Sarenka Schuler zu den Sportlern
des Jahres gekürt (22.3.). Jörg Knör sorgt für eine
ausgelassene Stimmung, und doch: So wenig Sportler wie 2003 wurden noch
nie geehrt. Gibt es keine Spitzenleistungen mehr in Mülheim? Was macht
eigentlich die Rennbahn? Sie erwacht aus dem Winterschlaf (8.3.). Derweil
packt Mülheim das Fußballfieber. Der VfB Speldorf greift die
Tabellenspitze der Verbandsliga an, trotz der 2:4-Niederlage im Derby bei
Union 09 (9.3.).
April
Noch gar nichts von den
Handballern gehört im Jahr 2003. Kein Wunder, denn viel gibt es auch
nicht zu berichten. Die ranghöchsten Mannschaften stehen im Tabellenmittelfeld;
alles völlig uninteressant, wie schon in den letzten Jahren. Ganz
anders der Fußballklub VfB: 1000 Zuschauer bejubeln den 3:0-Erfolg
über den SV Straelen. Oberliga, das wär’s. Die viel gerühmten
sportlichen Aushängeschilder der Stadt sind auch noch da. Der HTC
Uhlenhorst beginnt seine zweite Zweitliga-Saison in Folge, mit dem neuen
Trainer Jörn Eisenhuth (26.4.), der Rennverein beklagt sich über
sinkende Zuschauereinnahmen.
Mai
Aus der Traum vom Aufstieg.
Mit einer 2:3-Niederlage gegen Viktoria Goch verspielt der VfB den Aufstieg
(9.5.). Vatan Spor muss den Weg in die Bezirksliga antreten (25.5.). Das
Squash-Herrenteam des SC Courtwiesel verpasst den deutschen Meistertitel
– die Damen nicht (31.5.). Der Rennverein meldet: Die neue Oberbürgermeisterin
Dagmar Mühlenfeld soll Vereinspräsidentin werden!
Juni
Jetzt jagt eine Groß-Veranstaltung
die nächste. Pfingstsonntag, sintflutartige Regenfälle. Dummerweise
am selben Tag wie das Rennen um den „Preis der Diana“. Next Gina gewinnt,
doch das Chaos ist perfekt. Wenig Zuschauer, kein Wettumsatz, Riesen-Verlust
(8.6.). Eine Woche später, ein Festzelt steht an der Südstraße
(14.6.). Boxen ist angesagt, Erinnerung an alte Zeiten – das können
wir Mülheimer gut. Peter Hussing und Co. kämpfen wie in alten
Tagen. Einen Tag später: Ingo Burghardt gewinnt den 8. Tengelmann,
das Tennis-Herren-30-Team des Kahlenberger HTC verspielt in Nassau den
deutschen Meistertitel. Deutscher Jahrgangsmeister wird der Schwimmer Daniel
Cornelsen auch nicht (30.6.). Aber in Wuppertal erreicht er auf drei Strecken
die Top fünf. Ein Riesenerfolg. Wow, eine Schlagzeile jagt die nächste.
Und das in Mülheim.
Juli
Nun findet Mülheim
auch überregional Beachtung. Der Grund ist allerdings weniger lustig:
Beim Rennverein jagt eine Krisensitzung die nächste. Ursache: Der
verregnete Pfingstsonntag. Sonne ist das richtige Stichwort. Die Jahrhundert-Hitzewelle
bringt Deutschland zum Schwitzen. Auch bei der Tennis-Stadtmeisterschaft
um den „medl-Cup“, die Adriane Franzen und Christian Schäffkes für
sich entscheiden (13.7.). Auch beim Drachenboot-Festival (19./20.7.) und
auch beim „Tag des Jugendfußballs“ auf dem Wissoll-Sportplatz (27.7.).
August
„Vor dem Aus“ sind die drei
Worte, die kein Verein gerne hört. Doch beim Rennverein ist es scheinbar
soweit. Kein Geld mehr in Sicht. Fieberhaft strickt Dagmar Mühlenfeld,
die tatsächlich Präsidentin geworden ist, an einem Sanierungskonzept.
Das Aus in der 2. Tennis-Bundesliga ist für den KHTC gekommen. Nach
dem 5:4-Erfolg bei Blau-Weiß Berlin (15.8.) verkündet Teamchef
Uwe Schumann den Rückzug. Nicht in Sicht ist das Aus für den
RWW-Ruhrauenlauf, der am 23.8. 1890 Aktive anlockt. Auch hier gewinnt Ingo
Burghardt den 10-km-Hauptlauf.
September
Lang nichts mehr von den
Fußballteams gehört. Kein Wunder, denn die Sommerpause dauerte
diesmal volle drei Monate. Nun nimmt die Saison Fahrt auf. Der VfB peilt
in der Verbandsliga wieder den ersten Platz an. In Winkhausen steigt wieder
das Radsport-Event „Preis der Sparkasse“ (13.9.). Und der Rennverein? Er
verkauft die beiden attraktivsten Rennen „Preis der Diana“ und „Preis der
Winterkönigin“ (24.9.). Einen anderen Ausweg aus der Krise gibt es
nicht.
Oktober
Der Hockey-Monat! Der HTC
Uhlenhorst verabschiedet sich als Zweitliga-Tabellenführer in die
Pause (19.10.), die HTCU-A- und B-Junioren werden deutscher Meister. Am
12. Oktober werden 900 Zuschauer Zeuge des Fußball-Lokalderbys Union
gegen Speldorf. Endstand 2:2. Ein paar Tränchen fließen auf
der Rennbahn: Am 3. Oktober wird die letzte „Winterkönigin“ ermittelt.
November
Fortschritte sind bei den
beiden neuen Hallen zu erkennen. Noch zwölf Monate, dann sollen die
Ruhr-Sporthalle und die Halle an der Mintarder Straße stehen. Laut
Sportdezernent Wilfried Cleven sind das die letzten sportlichen Baumaßnahmen
für viele viele viele Jahre. Dagmar Mühlenfeld kündigt an,
dass für 2004 die Renntage gesichert sein. Mülheims Freizeitattraktion
Nummer eins bleibt vorerst erhalten.
Dezember
Es gibt noch gute Nachrichten
im Mülheimer Sport – im Dezember in Form von zwei Comebacks. Die Boxer
des BC Ringfrei sind wieder da und feiern ein grandioses Oberliga-Debüt
vor 600 Zuschauern. Und am 21.12. gibt es nach zweijähriger Pause
wieder die Hallenfußball-Stadtmeisterschaft. In den Hinterzimmern
blicken alle 150 Vereine auf das Jahr zurück, aus allen Sportarten.
Still ist es im Winter auf der Raffelberger Galopprennbahn. Die Kälte
hat die Ruhr und die Landschaft im Griff.
DER KOMMENTAR
Zwei große Gebäude
entstehen derzeit in Mülheim. Die Ruhr-Sporthalle und die Halle an
der Mintarder Straße sind eine riesige Baustelle. Nur ganz langsam
sind Fortschritte erkennbar.
Das trifft nicht nur auf
die Hallen zu, sondern auch auf das Gesamtgebäude „Mülheimer
Sport“. Von vielen Tücken geprägt waren die letzten zwölf
Monate. Der Rennverein am Raffelberg und damit die Galopprennen standen
lange vor dem Aus. Der KHTC zog sein Team aus der 2. Tennis-Bundesliga
zurück. Der VfB Speldorf verpasste den Aufstieg in die Fußball-Oberliga.
Weitere Nadelstiche in die große Wunde der lokalen Sportfans. Und
wieder lockten nur die „Events“ an: Drachenboot-Festival, Ruhrauenlauf,
Tengelmann-Lauf.
Wann ändert sich das
wieder? 2004 finden in Athen die Olympischen Spiele statt. Daran wird vermutlich
kein Mülheimer teilnehmen. Das ist ein Armutszeugnis und war in den
80ern undenkbar. Damit die Rädchen wieder ineinander greifen, sind
nur kleine Schritte notwendig: Die Sponsoren müssen ein wenig mehr
Geld zahlen, die Vereine müssen ihre größten Talente ein
wenig mehr fördern und das Quäntchen Glück muss nach Mülheim
zurückkehren. Dann wird die Sportstadt Mülheim in der nationalen
Hierarchie wieder nach oben steigen. Denn eine 170.000-Einwohner-Stadt
sollte sich eigentlich nicht verstecken.
Im Dezember 2004 sollen
die neuen Hallen fertig sein. Es wäre schön, wenn sich das Gesamtgebäude
„Mülheimer Sport“ ebenso schnell entwickeln würde.
Was hatte sich der Verbandsligist VfB Speldorf vor Saisonbeginn nicht alles vorgenommen? Erster Platz, Aufstieg, Oberliga – die Ziele nahmen kein Ende mehr. Und dann? Eine Niederlage folgte auf die andere, der Spitzenrang ist entfernter denn je. Da auch Union 09 in schöner Regelmäßigkeit patzt, gibt es nur eine hochinteressante Liga in der Saison 2003/2004: die Bezirksliga!
Verbandsliga
Wenn in Mülheim der
„Fußballer des Jahres“ geehrt würde, seit vielen Jahren gäbe
es nur einen Preisträger. Auch 2003 war Stürmer Dirk Roenz vom
Verbandsligisten VfB Speldorf das Maß aller Dinge. „Mütze“ wird
Roenz am Blötter Weg gerufen. Mit seinen Toren sorgte „Mütze“
dafür, dass der VfB nach einem völlig verkorksten Start wenigstens
noch mit einem Auge auf die Tabellenspitze schielen kann.
Für VfB-Trainer Frank
Kurth war es ein verdammt ungemütlicher Herbst. Nach dem Fall auf
den neunten Platz (8. Spieltag) wehte ihm der Wind heftig ins Gesicht.
Doch der Vorstand um Klaus Wörsdörfer hielt an dem Übungsleiter
fest, und zuletzt dank der Form-Explosion der „Mütze“ kehrten die
Grün-Weißen in die „Top 5“ der Liga zurück. Was die Zukunft
bringt? Nur eine Siegesserie kann dem VfB weiterhelfen. Und keine kleine.
Sieben oder acht „Dreier“ in Folge sollten es schon sein. Es fällt
aber schwer, daran zu glauben. Es scheint, als habe der VfB in der Anfangsphase
der Saison den Aufstieg verspielt. Am Ende dürfte zum dritten Mal
in Folge der vierte Platz rausspringen. TuRu Düsseldorf sowie die
Amateurteams des MSV Duisburg und von RW Oberhausen sind zu stark.
Von den „Top 5“ himmelweit
entfernt ist der TuS Union 09, der – wie vom Sportmagazin in der Sommer-Ausgabe
prophezeit – bis zum Saisonende gegen den Abstieg spielt. Der Klassenerhalt
kann nur gelingen, wenn Leistungsträger (Zils, Müller, Calianu)
nicht über einen längeren Zeitraum ausfallen. Die Chance ist
fifty-fifty.
So spannend wie in der letzten
Saison ist diese aber gewiss nicht. Beim VfB gibt es einen leichten Zuschauerrückgang,
zudem hat der Verein durch den Niedergang des Unterbaus viel Kredit verspielt.
Das gilt auch für Union. Der Fall auf einen Abstiegsplatz und die
nicht mehr ganz so überragende Jugendabteilung fügten auch Union
einen Imageschaden zu. Der Verein steht vor einer schweren Zukunft. Denn
die dringend nötige Renovierung der Anlage an der Südstraße
ist nicht in Sicht.
Bezirksliga
Was sich viel mehr lohnt
ist ein Blick in die Siebtklassigkeit. Die Mülheimer Fußballszene
sehnte sich nach einem Zweikampf um den Aufstieg zwischen Vatan Spor und
dem MSV 07 – und sie scheint ihn zu bekommen. Die Trainer Mohamed Ali Abdelhafid
(Vatan) und Dieter Brüger (MSV) haben ihre Mannschaften im Griff,
und bieten den Fans attraktiven Fußball an. Auch der SV Rot-Weiß
und Tuspo Saarn tragen zur Spannung bei. Zahlreiche Lokalderbys sorgen
für die nötige Würze. Und so ist es kein Wunder, dass so
mancher neutrale Fan zuerst die Spielberichte der Bezirksligaklubs liest
– und nicht die der Verbandsligisten.
Eine Prognose ist schwierig.
Die Hauptsache ist, dass ein Mülheimer Team aufsteigt, und nicht etwa
Dinslaken 09 als lachender Dritter. Der SV Rot-Weiß wird souverän
die Klasse halten und einen einstelligen Platz erobern. Das wird für
die Saarner schwer. Sie kämpfen gegen den Abstieg, haben dank der
mannschaftlichen Geschlossenheit aber gute Chancen auf den Verbleib in
der Bezirksliga.
ZWEI FRAGEN AN...
... Frank Kurth (Trainer
des VfB Speldorf)
Im heißen Herbst
mussten Sie während der Negativserie viel Kritik einstecken. Haben
Sie die Anfeindungen schon vergessen?
So eine Situation kannte
ich in dieser Form nicht, ich bin ja noch nicht lange im Trainergeschäft
dabei. Sie waren für mich schwer nachzuvollziehen. Sicherlich ändert
man sich im Umgang mit dem einen oder anderen und geht differenzierter
mit den Leuten um. Gut, dass der Vorstand einen kühlen Kopf bewahrt
hat. Er hat das Trainerteam nur nach der geleisteten Arbeit beurteilt.
Ihr Vertrag beim VfB
Speldorf läuft am Saisonende aus. Könnten Sie sich vorstellen,
weiter am Blötter Weg zu arbeiten?
Ich würde gerne mit
meinem Trainerteam weiter am Blötter Weg arbeiten. Wir sind vor anderthalb
Jahren angetreten, um etwas zu entwickeln und ich glaube, dass wir noch
nicht am Ende unserer Arbeit sind. Gespräche soll es im Januar geben.
IM INTERNET GEFUNDEN!
www.vfb-speldorf-ev.de
Es hat lange gedauert, aber
seit September ist auch Mülheims in den letzten Jahren erfolgreichster
Fußballklub VfB Speldorf „online“. In der Verbandsliga war der VfB
der vorletzte Klub, der noch keine eigene Homepage hatte. Dass es die VfB-Seite
schaffte, innerhalb von nur vier Wochen berühmt zu werden, lag am
Gästebuch, das einer oder mehrere Anhänger nutzten, um Trainer
Frank Kurth und Spieler anonym wüst zu beschimpfen. Ende Oktober wurde
das Gästebuch wieder geschlossen. Das Forum, eine weitere interaktive
Besonderheit, wird hingegen kaum genutzt. Dort ist eine Anmeldung erforderlich.
Die von einem Fan betreute VfB-Seite ist in den Vereinsfarben grün-weiß
gestaltet. Sie bietet außer dem Forum die Grundversorgung an Informationen:
Der Spielplan samt Tabelle ist zu finden, die neuesten Presseberichte,
Fotos von der ersten Mannschaft, den Spielern und dem Stadion sowie für
auswärtige Gäste der Anfahrtsweg zur „Blötte“. Noch gar
nichts steht bei den Unterpunkten „Jugend“ und „2. Mannschaft“. Hat der
VfB dort nichts zu erzählen? Fazit: Die Seite ist bewusst schlicht
gehalten. Die Speldorfer haben ihre Pflicht erfüllt, mehr nicht.
Kurz und schmerzlos verkündete
Uwe Schumann am 26. September eine weitere Hiobsbotschaft für den
Mülheimer Sport: Der Kahlenberger HTC zieht seine Mannschaft vom Spielbetrieb
in der 2. Bundesliga zurück und startet einen Neuanfang in der Niederrheinliga.
Rumms. Ein Hammer.
Hätte ein TV-Sender
über diese Pressekonferenz berichtet, wäre der anschließende
Bericht von einigen schönen Bildern eingerahmt worden: Jubelnde Menschen
beim Aufstieg im Jahr 2000, fliegende Tennisschläger in der Bundesligasaison
2001, strömende Menschenmengen zum Bundesliga-Heimspiel gegen den
großen Nachbarn ETuF Essen im Sommer 2002. Dann noch großartige
Ballwechsel, beispielsweise vom tollen Zwei-Satz-Erfolg von Karsten „Katze“
Braasch über Alexander Popp. Oder von weiteren Top-Spielern wie Sargis
Sargsian, Filippo Volandri oder René Nicklisch. Und im Hintergrund
läuft als Musik „Superjeilezick“ von der Kölner Gruppe Brings.
Eine „supergeile Zeit“ ist es gewesen.
Gewesen. Denn nun ist es
vorbei. Die Mülheimer Sportfamilie hatte sechs Jahre lang die Chance,
ein Tennis-Spitzenteam an der Ruhr zu akzeptieren und aufzubauen. Sie hat
die Chance verstreichen lassen. So schnell wird es kein Bundesligatennis
mehr an der Ruhr geben.
Was ist schief gelaufen?
In den sechs Jahren gelang es den Kahlenbergern und der Sportförderung
Ruhr (SFR) nicht, einen Hauptsponsor zu finden. Der Etat setzte sich stets
aus vielen kleineren Geldgebern zusammen. Die Suche war äußerst
mühsam. An der Suche selbst beteiligten sich nur wenige. Die meiste
Zeit investierte Uwe Schumann. In den kompletten sechs Jahren ging er als
SFR-Geschäftsführer auf Sponsorensuche, und verpflichtete als
KHTC-Teamchef Spieler und stellte die Mannschaft auf. Zudem kümmerte
er sich um das Rahmenprogramm. Im ersten Bundesligajahr 2001 waren die
Kahlenberger in der „heißen Phase“ vier Wochen vor dem Start fast
täglich in allen Medien präsent, startete Aktionen in der Innenstadt.
Doch all das half nicht.
Die Tennis-Bundesliga wurde von den Mülheimer Fans nicht angenommen.
Schon in der 2. Bundesliga überschritt die Zuschauerzahl selten die
300-Marke, eine Etage höher war es nur bei den Spitzenspielen proppenvoll.
Von den Zuschauern waren dann auch noch 25 Prozent VIPs, denn jeder kleine
Geldgeber verlangte und bekam seine Freikarte. Und für eine so kleine
Menge so viel Aufwand betreiben? Der Rückzug war am Ende unvermeidlich.
In der letzten Saison kämpfte eine Mannschaft mit unbekannten Spielern
um Punkte. Außer Insidern sah keiner mehr zu. Der KHTC war in der
Zweitklassigkeit gestrandet.
Dass sich Uwe Schumann daher
nach sechs Jahren zurückzieht, ist verständlich. Sein Ehrgeiz
hatte in den letzten beiden Jahren spürbar nachgelassen. Und einen
Ersatz für ihn gibt es beim KHTC nicht. Durch seine Tennis-Akademie
PMTR, die an der Mintarder Straße trainiert, bleibt der „Macher“
dem KHTC aber verbunden.
Eine sechsjährige Episode
im Mülheimer Sport geht vorbei. Eine „Superjeilezick“.
INTERVIEW MIT...
... Uwe Schumann (Teamchef
des KHTC)
Woran ist das Experiment
„Bundesliga“ gescheitert?
Zunächst einmal finde
ich, dass wir nicht mehr von einem Experiment sprechen können, denn
wir haben sechs Jahre in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt. Der Hauptgrund
war, dass Aufwand und Ertrag am Ende in keinem Verhältnis mehr zueinander
standen. Deshalb war es die sinnvollste Entscheidung, jetzt einen Schlussstrich
zu ziehen. Zu Beginn hatten wir eine andere Generation, mit Karsten Braasch
und Christian Schäffkes. Wir haben den Mülheimer Fans geboten,
was kein anderer Verein in Deutschland geboten hat, nämlich eine Mannschaft
mit Spielern aus der Region. Aber es war einfach keine Resonanz da.
Es heißt, dass
Mülheim keine Sportstadt ist. Stimmen Sie dieser These zu?
Zum einen haben die Mülheimer
kein Sportpublikum! Und warum engagieren sich die großen Sponsoren
nicht? Viele Leute von außen fragen sich das. Das Potenzial ist doch
da. Wir haben es oft genug versucht. Letztendlich braucht eine Sportart
in einer Stadt mindestens zwei verrückte: Einen für den wirtschaftlichen
und einen für den organisatorischen Teil. Wir können froh sein,
dass wir in solch einer Dimension mitgespielt haben. Die hätte eigentlich
den vierfachen Etat nötig gehabt. Wir können stolz darauf sein.
Andere Mannschaften haben ihre Spieler für die Dauer der Bundesligasaison
im Steigenberger-Hotel in Duisburg untergebracht. Wir mussten mit den Spielern
diskutieren, ob sie zur Unterkunft etwas dazubezahlen. Das nur als Beispiel.
Gibt es in der nahen
Zukunft die Chance, dass der KHTC wieder in der Bundesliga spielt?
Nein, das sehe ich erst
einmal nicht. Das müsste sich zufällig ergeben. Die einzige Chance
ist, dass sich zwei, drei, vier, fünf Jugendliche gut entwickeln und
zu sehr überschaubaren finanziellen Möglichkeiten beim KHTC bleiben.
Wie sehr wurde das Bundesliga-Aus
beim KHTC bedauert?
Es haben doch einige bedauert,
denn es war der gemeinsame Entschluss der Sportförderung Ruhr und
des KHTC. Wir können mit Stolz auf diese Zeit zurückblicken.
Wie geht es mit Uwe Schumann
weiter?
Ich bin Inhaber der PMTR,
des Professional Management Teams Ruhr, in dem 35 Spieler aus Mülheim,
Essen, Oberhausen, Neuss und Krefeld trainieren. Davon sind 30 Jugendliche.
Wir wollen versuchen, so viele wie möglich unter die ersten 50 Spieler
in Deutschland zu bringen. Dem KHTC stehe ich koordinativ-beratend in einem
überschaubaren Aufwand zur Verfügung. Da wir mit der PMTR auf
der Anlage an der Mintarder Straße trainieren, ist der Kontakt ohnehin
gegeben.
RÜCKBLICK...
Saison 1998 (2. Bundesliga):
1. Platz, 5:3 Punkte, 42:30 Spiele. Der KHTC scheiterte in der Aufstiegsrunde
zur 1. Bundesliga.
Saison 1999 (2. Bundesliga):
3. Platz, 4:4 Punkte, 45:27 Spiele.
Saison 2000 (2. Bundesliga):
1. Platz, 7:0 Punkte, 48:15 Spiele. Aufstieg in die 1. Bundesliga.
Saison 2001 (1. Bundesliga):
7. Platz, 3:6 Punkte, 30:51 Spiele.
Saison 2002 (1. Bundesliga):
9. Platz, 1:7 Punkte, 22:49 Spiele. Abstieg in die 2. Bundesliga.
Saison 2003 (2. Bundesliga):
4. Platz, 4:3 Punkte, 26:37 Spiele.
Das KHTC-Trikot trugen unter
anderem: Sargis Sargsian (Armenien), Julien Boutter (Frankreich), Gaston
Etlis (Argentinien), Alessio di Mauro, Filippo Volandri (beide Italien),
Rolandas Murashka (Litauen), Konstantin Gruber (Österreich) sowie
René Nicklisch, Lars Zimmermann, Christian Schäffkes und natürlich
Karsten Braasch.
Note: Befriedigend
Vorfreude auf den nächsten Sportehrentag
Was haben Dr. Stratmann,
Ellen Grey, Stefan Below und Jan-Ole Gehrmann gemeinsam? Richtig: Sie waren
alle Protagonisten beim 40. Sportehrentag. Der fand am 27. März in
der Stadthalle statt und lockte 1080 Zuschauer an.
Es war ein schwieriges Unterfangen
in diesem Jahr. Jeder Besucher wusste: Der eigentlich wichtige Sportehrentag
folgt 2005, zur Einweihung der neuen Ruhr-Sporthalle. Um aber im Termin-Rhythmus
zu bleiben, musste die Veranstaltung auch 2004 stattfinden.
Was hatten sie sich überlegt?
Eine weitere Auflage der guten alten Sport-, Musik- und Kabarett-Show –
also kein besonderes Motto. Mit dabei sollte sein ein Kabarettist (Dr.
Stratmann), eine Sängerin (Ellen Grey), ein sportlicher Showact (Trampolinshow
„Pirata“) und eine Mülheimer Tanzgruppe (von der Tanzschule Ritter).
Ihre Hausaufgaben hatten die Organisatoren zweifelsohne gemacht – aber
auch gut? Keine Frage: Die Tanzgruppe war ein Hit, und Dr. Stratmann ein
Knaller. Wie Stratmann mit seinem „heiteren medizinischen Kabarett“
über den Sport philosophierte, war schon klasse und versöhnte
die Zuschauer.
Denn dazwischen...?
Schlecht war die Trampolinshow
„Pirata“ nicht. Aber ein Sturz des Weltmeisterschafts-Dritten Nico Gärtner
schockte das Publikum. Nur mit Schmerzen konnte er seinen Auftritt fortsetzen.
Die Sängerin Ellen Grey hingegen kam beim Publikum überhaupt
nicht an. Bliebe noch der Ehrungsteil, der in der Mitte des ganzen Programms
lag. Die 69 zu ehrenden Sportler wurden von Moderator Stefan Below genannt,
aber es ging ein wenig schnell.
Was blieb? Bei Musik der
Peter-Wölke-Band diskutierten die Festgäste nach der Hauptveranstaltung
lieber über den nächsten Sportehrentag als über den gerade
abgelaufenen.
Sportler des Jahres
1. Jan-Ole Gehrmann (RRGM)
80 Stimmen
2. Tobias Richter (VBGS)
34 Stimmen
Jugendsportler des Jahres
1. Daniel Cornelsen (ASC)
24 Stimmen
2. Tim van Voorst (KSV Styrum)
23 Stimmen
3. Sebastian Krost (MKV)
16 Stimmen
Jugendsportlerin des
Jahres
1. Katharina Lörks
(DJK VfR Saarn) 27 Stimmen
2. Inga Wilde (RRGM) 15
Stimmen
3. Alina Kölsch (1.
BV Mülheim) 10 Stimmen
Jugendmannschaft des
Jahres
1. TTC Mülheim 31 Stimmen
2. RRGM 25 Stimmen
3. HTC Uhlenhorst A-Jugend
23 Stimmen
3. HTC Uhlenhorst B-Jugend
23 Stimmen
Aufsteiger des Jahres
Christian Blasch (HTC Uhlenhorst)
Sonderehrungen
Franz Bodsch (MKV)
Ursula Celler (Kahlenberger
HTC)
Horst Middeldorf (WSF 1912)
Statistik
Wahlbeteiligung 50,4 %
Gültige Stimmen: 124
KOMMENTAR
Was hat ein Sportehrentag
für eine Aufgabe? Er soll die Ereignisse des abgelaufenen Mülheimer
Sportjahres zusammenfassen, logisch. Die besten Sportler sollen dazu im
Rahmen einer Unterhaltungsshow ausgezeichnet werden.
Und was hat der diesjährige
Sportehrentag gebracht? Nicht viel. Die meisten der 1080 Besucher gingen
nach Hause, ohne einen genauen Eindruck über die aktuelle Mülheimer
Sportszene bekommen zu haben.
Der Ehrungsteil des Abends
wurde schnell abgehandelt. Wie im letzten Jahr stellt sich die Frage: Warum
ist es so schwer, den Ehrungsmodus zu ändern? Neuerungen hatten die
Organisatoren angekündigt – doch das blieben nur leere Worte. Nach
wie vor gilt das hohe Anforderungsprofil für eine Nominierung.
Im Sportjahr bestimmen Fußball,
Handball, Galopprennen und Boxen die lokalen Schlagzeilen. Beim Sportehrentag
fanden diese Sportarten nur am Rand statt. Vor allem die Fuß- und
Handballer, die einen nicht unbeträchtlichen Anteil der Sportvereine
in Mülheim bilden, kommen seit Jahren zu kurz. Wie wäre es neben
den Ehrenpreisen für verdiente Sportler und Funktionäre auch
einmal mit einem Sonderpreis für Aktive, die nicht gerade einen Titel
gewonnen haben; mit Aktiven, die womöglich in ihrer Sportart Torschützenkönig
waren? Oder zum Beispiel mit einem Internetpreis für den besten Online-Auftritt
eines Klubs? So bekäme die ganze Verleihung mehr Pep, wäre moderner
und würde noch mehr Mülheimer Sportler ansprechen – und nicht
nur ein Publikum, das die einzelnen Showteile interessiert.
So war es nämlich beim
diesjährigen Sportehrentag, dem 40. übrigens. Dr. Stratmann sorgte
mit seinen Sprüchen, Witzen und Kommentaren für erheitertes Gelächter
in der Stadthalle. Einen Fehlgriff wie die Sängerin Ellen Grey hatte
sich das Organisationsteam lang nicht mehr geleistet.
Im nächsten Jahr soll
alles anders werden. Am 12. März 2005 wird mit der 41. Auflage der
Veranstaltung die neue Ruhr-Sporthalle eingeweiht. Neben einem großartigen
Showprogramm wäre ein größerer Bezug zum aktuellen Mülheimer
Sportgeschehen angebracht. Der macht nämlich grad eine schwere Phase
durch, verstecken muss er sich aber nicht.
Der Förderkreis Mülheimer
Sport ist eine tolle Sache. Das steht fest. Jahr für Jahr präsentiert
sich der Verein bei der Mitgliederversammlung und gibt bekannt, wie groß
die Fördersumme im jeweiligen Jahr ist. So weit, so gut. Traditionell
kommen auch in jedem Jahr bekannte Größen aus dem bundesdeutschen
Sport zu Wort – doch fehlt da nicht manchmal der Bezug zu Mülheim?
Im Cinemaxx fand am 12.
März die Veranstaltung statt. Und die Promis Michael Meier (Geschäftsführer
von Borussia Dortmund), Walter Hellmich (Präsident des MSV Duisburg),
Horst Klosterkemper (ATP-Präsident Europa) und Dietloff von Arnim
(ARAG-World-Team-Cup-Turnierdirektor) flimmerten nicht von der Leinwand,
sondern saßen davor. Keine Frage, eine nette Talkrunde, mit interessanten
Einblicken in das Arbeitsleben der Gäste. Sie erinnerte ein wenig
an Late-Night-Fernseh-Formate, einschließlich der Bauchpinseleien
für die Gastgeber. Spannend war zum Beispiel das Gespräch
mit Meier, der zur Krise des BVB Stellung nahm. Großen Beifall erntete
auch der „Lighthouse Family Choir“ mit seinen Gospels. Ein Bezug zu NRW
war an dem Abend zum Thema „Sponsoring“ zweifelsohne vorhanden, aber zu
Mülheim? Nur in Nuancen. Im letzten Jahr überzeugte Eberhard
Gienger mit einer Turn-Einlage, vor zwei Jahren interviewte Johannes B.
Kerner Mülheimer Sport-Idole – das waren Ideen mit viel Pfiff.
Der Förderkreis hätte
lieber seine gute Arbeit noch mehr in den Vordergrund rücken sollen.
45.000 Euro haben die 678 Mitglieder in diesem Jahr gesammelt. Verabschiedet
wurde der Vorsitzende Dr. Rolf Schaberg (73), der aus Altersgründen
zurücktrat. Sein Nachfolger ist Jörg Enaux. Enaux wurde ebenso
ohne Gegenstimme gewählt wie Ralph Duckscheer (2. Vorsitzender) und
Heiko Hoffmann (Schriftführer). Einstimmig erfolgte auch die Wiederwahl
von Wilfried Cleven (2. Vorsitzender), Martina Ellerwald (Geschäftsführerin)
und Bernhard Wirkus (Schatzmeister).
Der Förderkreis ist
klasse und wird das hoffentlich auch bleiben. Kreativ ist er auch bei der
Gestaltung der Mitgliederversammlung. Aber er ist ein Mülheimer Förderkreis
und sollte das bei der Themenwahl und der Einladung der Promis nicht vergessen.
Nein, vorbei ist die Fußballsaison
2003/2004 noch nicht. Und doch scheint klar: So schnell wird es in der
Verbandsliga kein Lokalderby zwischen dem VfB Speldorf und dem TuS Union
09 mehr geben. Ein weiteres Kapitel Mülheimer Fußballgeschichte
neigt sich wohl dem Ende zu.
Wie war das noch am 13.
August 2000? Der größte Erfolg des TuS Union 09, der Aufstieg
in die Verbandsliga, liegt gerade drei Monate zurück. Und gleich am
allerersten Spieltag in der neuen Klasse steht das Lokalderby auf dem Spielplan.
Beim großen VfB Speldorf. 1000 Zuschauer kamen. Gespannt auf ein
scheinbar ungleiches Duell. Union beginnt mit drei Stürmern. Eine
Spitze verabschiedet sich nach 15 Minuten. Rot für Marco Ferreira.
Es folgt das 1:0 für Speldorf durch Libero Karsten Rafoth. Spiel gelaufen?
Nein. Verkehrte Welt am Blötter Weg. Der VfB in Überzahl, aber
Union ist gleichwertig. Ein knappes Spiel. Dann die 67. Minute: Zwei Unioner
fliegen vom Platz, nämlich Stefan Hohensee und Michael Klauß.
Speldorf hat drei Mann mehr – und nun leichtes Spiel. Nach 90 Minuten steht
es 4:0.
So war das zu Beginn, und
in den vier Jahren bekämpften sich die beiden ranghöchsten Klubs
sieben weitere Male. Dabei bleiben einige unvergessene Erinnerungen. Das
erste Spiel an der Südstraße fand auf dem engen Ascheplatz statt.
Im Dezember 2000 versanken die Zuschauer im Matsch. Union half das nicht:
Der VfB triumphierte mit 2:0. Oder das verrückteste Derby im November
2001, als Thomas Pröpper mit zwei unnachahmlichen Freistoßtoren
das Spiel drehte. Der VfB gewann 3:2 nach 1:2-Rückstand. Oder ein
standesgemäßer Abschied: Der „Schwede“ Martin Hoffterheide bestritt
sein letztes Spiel im VfB-Trikot am 5. Mai 2002 – und erzielte gegen Union
sogar das 2:0 höchstselbst. Oderoderoder.
Das Highlight für Union
– vielleicht sogar ein großer Augenblick in der Vereinsgeschichte
– war der einzige Derbysieg. Am 9. März 2003 besiegten die „09er“
den großen Favoriten mit 4:2. Und nun? Nun stehen sie kurz vor dem
Abstieg aus der Verbandsliga. Zumindest ein Jahr lang werden die beiden
Mannschaften nicht mehr aufeinandertreffen. Und sollte dem VfB in der Saison
2004/2005 der Sprung in die Oberliga gelingen, wird es so schnell gar kein
Lokalderby in den oberen Klassen mehr geben. Die Zeit zwischen Juli 2000
und Mai 2004 wird als der „Zweikampf zwischen Speldorf und Union um die
Nummer eins“ in Mülheims Fußball-Historie eingehen.
Die einzige Hoffnung ist,
dass Union noch die Sensation und damit verbunden den Klassenerhalt schafft.
Doch ist das wahrscheinlich? Eher nicht.
Schade.
Die acht Lokalderbys
Saison 2000/2001
Hinspiel (13.8.2000): VfB
– TuS Union 09 4:0 (1:0), Tore: 1:0 Karsten Rafoth (28.), 2:0 Mirhet Kokic
(77./Handelfmeter), 3:0 Mirhet Kokic (81.), 4:0 Ömer Aydin (85.).
Gelb-Rot: Stefan Hohensee (Union/67.), Michael Klauß (Union/67.),
Rot: Marco Ferreira (Union/15.). Zuschauer: 1000.
Rückspiel (3.12.2000):
TuS Union 09 – VfB 0:2 (0:1), Tore: 0:1 Thomas Wzietek (17.), 0:2 Ömer
Aydin (87.). Zuschauer: 1200.
Saison 2001/2002
Hinspiel (18.11.2001): TuS
Union 09 – VfB 2:3 (1:1), Tore: 1:0 Michael Klauß (8.), 1:1 Karsten
Häse (15.), 2:1 Kai Berges (47.), 2:2 Thomas Pröpper (52.), 2:3
Thomas Pröpper (76.). Gelb-Rot: Abdul Haimami (Union/60.), Michael
Klauß (Union/89.). Zuschauer: 1200.
Rückspiel (5.5.2002):
VfB – TuS Union 09 5:2 (2:0), Tore: 1:0 Thomas Pröpper (30./Handelfmeter),
2:0 Martin Hoffterheide (39.), 3:0 Thomas Pröpper (73.), 4:0 Mirhet
Kokic (76.), 4:1 Marco Ferreira (79.), 4:2 Daniel Weinbach (81.), 5:2 Thomas
Pröpper (90.). Zuschauer: 500.
Saison 2002/2003
Hinspiel (15.9.2002): VfB
– TuS Union 09 5:0 (2:0), Tore: 1:0 René Kägebein (8.), 2:0
Oliver Röder (17.), 3:0 Dirk Roenz (57./Foulelfmeter), 4:0 Oliver
Röder (65.), 5:0 Dirk Roenz (78.). Zuschauer: 1100.
Rückspiel (9.3.2003):
TuS Union 09 – VfB 4:2 (1:0), Tore: 1:0 Birkan Yilmaz (12.), 2:0 Michael
Klauß (49.), 3:0 Stefan Hohensee (51./Foulelfmeter), 3:1 René
Kägebein (66.), 4:1 Birkan Yilmaz (81.), 4:2 Dirk Roenz (90./Foulelfmeter).
Rot: Thomas Maaßen (VfB/60.). Zuschauer: 1000.
Saison 2003/2004
Hinspiel (12.10.2003): TuS
Union 09 – VfB 2:2 (1:1), Tore: 1:0 Thomas Thiel (6.), 1:1 Dirk Roenz (27.),
1:2 Dirk Roenz (73.), 2:2 Alex Calianu (84.). Gelb-Rot: Alex Calianu (Union/84.).
Zuschauer: 930.
Rückspiel (21.3.2004):
VfB – TuS Union 09 2:1 (2:1), Tore: 1:0 Andreas Przybilla (12.), 1:1 Björn
Rohpeter (23.), 2:1 Marco Ferreira (29.). Gelb-Rot: Dirk Roenz (VfB/82.),
Rot: Janus Briks (Union/90.).
Bilanz:
8 Spiele – 6 VfB-Siege,
1 Unentschieden, 1 Union-Sieg – 25:11 Tore für den VfB.
Zuschauerschnitt: 947 pro
Spiel. Platzverweise: 9 (6 Gelb-Rote Karten, 3 Rote Karten). Tore: 36 (4,5
im Schnitt). Torschützenliste in Lokalderbys: 1. Thomas Pröpper
(VfB) und Dirk Roenz (VfB) je 5 Tore, 3. Mirhet Kokic (VfB) 3.
Die Trainer – VfB: Frank
Kurth, Dirk Pusch (je 3 Spiele), Axel Benzinger, Michael Klauß (je
1), Union: Ernst Bachmann (6), Jörg Sterneberg (2).
Für beide Vereine kamen
zum Einsatz: Hakan Köroglu, Marco Ferreira, Michael Klauß (beim
VfB als Trainer).
Angefangen hat alles Anfang
2002. „Just for fun“ trafen sich Karina Walenzyk, Dagmar Steubing, André
Buchthal und Marcus Schuh zum Bowling spielen, und das jeden Samstagmorgen.
Schnell entwickelte sich der Wunsch, noch mehr Mitspieler zu finden – und
am 28.11.2002 wurde der 1. BC Mülheim gegründet.
Bowling? Ist das nicht die
Sportart mit der Kugel mit den drei Löchern? Genau richtig. Um Mülheim
machte Bowling einen großen Bogen, bis im RheinRuhrZentrum im August
2001 die „Joe´s“-Anlage eröffnete. Seitdem gibt es immer mehr
Freizeitbowler. Ferienkurse für Schüler erfreuten sich großer
Beliebtheit. „Bowling“, heißt es auf der Internetseite des 1. BC
Mülheim, „ist nicht nur eine der populärsten Freizeitbeschäftigungen
für Millionen von Menschen weltweit, sondern auch eine internationale
Sportart.“ Auch das Mülheimer Publikum konnte sich im Juli 2002 davon
überzeugen. Im „Joe´s“ fand die Mannschafts-Europameisterschaft
statt.
Doch zurück zum 1.
BC Mülheim: Wie ging es nach dem 28.11.2002 weiter mit dem Klub? Durch
verteilte Handzettel fand das Gründungsquartett tatsächlich mehr
Spieler. Heute umfasst die Mitgliederliste 26 Namen. Es gibt zwei Spieltermine,
nämlich dienstags (18 bis 20 Uhr) und samstags (11 bis 14 Uhr). Auf
mehreren Bahnen spielen die Vereinsmitglieder um Punkte, und versuchen
dabei, so viele „Pins“ wie möglich zu erzielen. Manchmal ist den Vereinsmitgliedern
auch nach einer richtigen Trainingseinheit zu Mute. Dann rufen sie Horst
Comes oder Ralf Gräve an, beide sind ehemalige Bundesligabowler. „Der
Spaß am Spiel wird höher bewertet als das Bestreben, zu Hochleistungsbowlern
zu werden. Sollte jedoch das Talent dazu im regelmäßigen Spiel
entdeckt werden, so wird es dementsprechend auf Wunsch mit Rat und Tat
gefördert“, heißt es etwas hölzern auf der Homepage. Marcus
Schuh, der Vorsitzende des Klubs, formuliert es eindeutiger: „Wer noch
zu uns kommen will, der ist herzlich Willkommen. Wir helfen uns alle gegenseitig.“
An Mannschaftswettkämpfen nimmt der 1. BC noch nicht teil. Ein Freundschaftsspiel
gegen den SV Siemens fand am 7. Februar aber schon statt. Im Mai soll ein
Duell gegen einen Oberhausener Bowlingclub folgen.
Über weitere Mitspieler
würde sich Marcus Schuh sehr freuen. In den anderthalb Jahren seit
der Gründung hat sich nicht nur der Verein entwickelt. Aus Karina
Walenzyk ist inzwischen nämlich Karina Schuh geworden...
Sie waren alle da. Alle.
Ob Hakan Sükür, Hasan Sas, Bülent Korkmaz, Hakan Ünsal,
Flavio Conceicao. Oder auch Trainer Gheorge Hagi. Der 4. Juli 2004 wird
in die Mülheimer Fußball-Geschiche eingehen. Als der Tag des
türkischen Volksfestes im Ruhrstadion.
Alles begann 1989. Da gründete
der Autohändler Turan Isleyen den Verein Fatih Spor Kulübü.
Aufstiege aus der Kreisliga C bis in die Kreisliga A folgten, dazu der
Gewinn des Fliedner-Pokals. Dann folgte die erste Umbenennung in Vatan
Spor, die Gründung einer Jugendabteilung – der Klub war in der Mülheimer
Fußballszene angekommen, und schaffte weitere Aufstiege, bis in die
Landesliga. Auf der Schwelle zur Verbandsliga stoppte sich Vatan selbst:
In Homberg verursachten Fans einen Spielabbruch. Sie traten einen Schiedsrichter
krankenhausreif. Die größte Vereinskrise brach an.
Nun zeigt der Kalender das
Jahr 2004. 15 Jahre gibt es den Klub, den Isleyen gründete. Unzählige
Präsidenten verschliss der Verein, und nun hat er in seiner kurzen,
aber bewegten Geschichte schon den dritten Namen angenommen. Galatasaray
heißt er ab der neuen Saison; genauso wie der „große Bruder“
aus Istanbul. Und ein „großer Bruder“, das soll er auch werden. Die
Ausrüstung der Teams kommt aus der Türkei – und dazu die Einnahmen
eines Freundschaftsspiels.
Des Freundschaftsspiels,
das am 4. Juli im Ruhrstadion stattfand, und 6500 Zuschauer anlockte. Dass
eine detaillierte Organisation erforderte. Und das ein großes Spektakel
ohne negative Vorkommnisse wurde. Auf dem Platz gewannen die Stars mit
7:1 (5:0). Doch war am Ende wirklich wichtig, dass Hakan Sükür
und Hasan Sas zu den Torschützen zählten?
Es zählten die Botschaften:
Die meisten der 6500 Fans werden ihre geschossenen Fotos immer wieder ansehen,
und diesen Tag nicht vergessen. Und die anderen Landesligaklubs wissen
nun, dass es der neue Präsident Metin Adigüzel ernst meint. Er
hält seine Versprechen – und redet nun schon von der Oberliga.
Ein paar mehr von solchen
Fußballfesten würden Mülheim gut tun. Denn wann kamen zuletzt
so viele Besucher aus den Nachbarstädten, um sich in Mülheim
ein Fußballspiel anzuschauen?
Dass es geht, wäre
auch für die Stadtspitze interessant gewesen. Doch die war im Ruhrstadion
eher spärlich vertreten. Schade!
ZU DIESEM SPIEL GIBT ES AUCH EINEN WAZ/NRZ-BERICHT... UM IHN ZU LESEN, KLICKT BITTE HIER!
Rückblick und Prognose
Verbandsliga
VFB SPELDORF (Vorjahr: 8.,
46 Punkte, 63:44 Tore): Wer jetzt die Fans und Mitglieder des VfB nach
der gerade abgelaufenen Saison befragt, der wird vermutlich nur ein Schulterzucken
ernten. Die Saison ärgerte und langweilte die Grün-Weißen
so sehr, dass sie die am liebsten ganz aus ihrem Kopf verdrängen würden.
Achter Platz, dazu noch eine Schlammschlacht rund um den Trainerwechsel
Kurth/Klauß – mehr Mittelmaß geht nicht, zudem sackte der Zuschauerschnitt
wieder deutlich nach unten. Nun soll wieder alles ganz anders werden. Zum
x-ten Mal in Folge wünscht sich der VfB den Aufstieg in die Oberliga.
Den sollen ein neuer Trainer (Piero Lussu) und acht neue Spieler bewältigen.
Ob das neu zusammengestellte 18-Mann-Aufgebot wirklich zusammenpasst? Ob
die Fans weiterhin strömen? Wieder einmal geht der VfB mit großen
Ambitionen in eine Saison. Und wieder einmal hoffen die Fans darauf, dass
es keine hohlen Worte sind.
Prognose: Der VfB hat harte
Konkurrenz. Ein Durchmarsch ist daher utopisch. Ein Platz in den „Top 4“
ist ohne Frage möglich.
Landesliga
TUS UNION 09 (Vorjahr in
der Verbandsliga: 15., 16 Punkte, 33:74 Tore): Vier Jahre lang sonnte sich
der TuS Union 09 Seite an Seite mit dem VfB Speldorf in der Verbandsliga
– und kratzte am lokalen Fußball-Thron. Doch nun ist Union nach einer
blamablen Saison wieder in der Landesliga angekommen. Ähnlich wie
die VfB-Fans würden auch die Union-Anhänger die letzte Saison
schnellstmöglich vergessen. Und es könnte noch schlimmer kommen:
Aus der Abstiegs-Elf haben gleich 14 (!) Spieler den Klub verlassen – unter
den Neuzugängen ist kein bekannter Spieler aus einer höheren
Liga. Die Verantwortung liegt immer noch in den Händen von Thomas
Verwaayen und Ernst Bachmann – mit Verwaayen als Cheftrainer. Der frisch
wiedergewählte Vorsitzende Jürgen Bleikamp steht vor einer ganz
schweren Aufgabe: Er muss die Vereinsfamilie zusammenhalten, wieder für
ein Gemeinschaftsgefühl sorgen, eine erste Mannschaft aufbauen, die
sich mit dem Verein identifiziert, und die Jugendabteilung wieder zum Aushängeschild
des Klubs machen. All diese Punkte litten im letzten Jahr enorm.
Prognose: Union muss aufpassen.
Ansonsten droht der Durchmarsch in die Bezirksliga.
GALATASARAY (Vorjahr in
der Bezirksliga: 1., 75 Punkte, 91:29 Tore): Ist der Klub, der bis vor
ein paar Wochen Vatan Spor die baldige Nummer eins im Mülheimer Fußball?
Oder bleibt der kometenhafte Aufstieg von Galatasaray nur von kurzer Dauer?
Das ist eine viel diskutierte Frage in der Fußballszene der Stadt.
Aus der Mannschaft, die mit 19 Punkten Vorsprung den Aufstieg schaffte,
verließ kein Spieler das Ruhrstadion. Hinzu kamen durchweg Akteure,
die zuletzt höherklassig aktiv waren. Die Qualität der Mannschaft
ist tiptop, auch der Trainer Mohamed Ali Abdelhafid genügt ohne den
geringsten Zweifel Landesliga- oder noch höheren Ansprüchen.
Es könnte gut gehen. Könnte.
Prognose: Sollte es dem
euphorischen Vorstand gelingen, die Emotionen zügeln zu können,
ist der Durchmarsch drin. Aber auch nur dann.
Bezirksliga
MSV 07 (Vorjahr: 2., 56
Punkte, 64:45 Tore): Bis zum 24. Spieltag, bis zum 1:4 im Derby bei Vatan
Spor, hielt der MSV den Kampf um den Aufstieg offen. Erst danach ergab
sich der MSV erschreckend wehrlos. In der Saison 2004/2005 unternimmt der
MSV nun einen neuen Anlauf. Er hat dazu alle Spieler behalten, und sich
sogar noch verstärkt. Zudem kommt den „07ern“ entgegen, dass sie nun
in der Essener Gruppe spielen. Diese ist sportlich leichter als die Duisburg-Dinslakener
Gruppe.
Prognose: Der MSV ist ein
ganz heißer Aufstiegskandidat.
SV Rot-Weiß (Vorjahr
9., 43 Punkte, 50:53 Tore): Beim SV Rot-Weiß änderte sich fast
nichts: Der Trainer ist gleich, das Aufgebot ist gleich, das Ziel ist gleich.
Prognose: Wenn alles gleich
bleibt, dann gibt es nur einen Tipp: Rot-Weiß wird wieder Neunter.
Kreisliga A
Nach der langweiligsten
Kreisliga-A-Saison seit vielen Jahren ist nun wieder „Pfeffer in der Bude“.
Mit Absteiger Tuspo Saarn sowie den Aufsteigern TSV Heimaterde und Galatasaray
II gewinnt die Mülheimer Gruppe an sportlicher Qualität, zumal
kein Team auf- oder abgestiegen ist. Die Saarner, die den Klassenerhalt
nur äußerst knapp verfehlten, dürfen sich berechtigte Hoffnungen
auf den sofortigen Wiederaufstieg machen. Der große Ausverkauf blieb
an der Mintarder Straße aus. Äußerst gespannt sind die
Fans auf den Auftritt des Aufsteigers Heimaterde. Der TSV schoss in der
Kreisliga B über 200 Tore. Wie sieht das wohl eine Etage höher
aus? Auch in der Essener Gruppe könnte es einen Aufsteiger aus Mülheim
geben. Nachdem Blau-Weiß Mintard erst in einem Entscheidungsspiel
gegen SW Essen II (0:2) den Aufstieg verpasste, unternimmt der Klub aus
der Ruhraue in fast unveränderter Besetzung einen weiteren Anlauf.
Mensch, muss das weh tun.
Ein „Diver“ vor den eigenen Fans – und dann auch noch auf Kunstrasen? Doch
ob es auf der Haut brennt oder nicht; an einem Tag wie diesem gibt es keine
Schmerzen mehr. Denn an diesem Tag, dem 23. Mai 2004, da beginnt beim HTC
Uhlenhorst eine neue Zeitrechnung.
Vor dem Spiel. 800 Zuschauer
stehen und sitzen rund um das Kunstrasen-Rechteck im Uhlenhorster Wald.
Die meisten würden in der Kabine liebend gern Mäuschen spielen.
Wie ist wohl die Stimmung? Angespannt? Nervös? Gereizt? Mit zwei Niederlagen
in Folge hat der HTC die glänzenden Aussichten fast noch verspielt.
Nun kommt alles auf das entscheidende Spiel gegen den RTHC Leverkusen an.
Ein Gegner, der schon gerettet ist – dafür aber umso gefährlicher.
Doch egal, was Trainer Jörn
Eisenhuth seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hat: Es hilft. Von Beginn
an lassen die Uhlen ihrem Gegner kaum Zeit zum Luft holen. Sie wirbeln,
zaubern, kombinieren – und treffen. Thilo Stralkowski erlöst die zitternden
Fans mit dem 1:0 in Minute vier. Danach gerät der Sieg nicht mehr
in Gefahr. Henning Meier darf sich gleich dreimal über ein eigenes
Tor freuen, auch Thilo Stralkowski und Niklas Kemper treffen. Der Rest
ist Jubel – und wird in der Laufbahn jedes Spielers ein entscheidender
Augenblick bleiben: 800 Zuschauer feiern, auf dem Platz werden „Hockey
is coming home“-Shirts verteilt. „Wir sind wieder wer“, ist der Tenor im
Waldstadion. Und die Fans klatschen, klatschen und klatschen.
Wir sind wieder wir... ein
Spruch, der vor allem im Film „Das Wunder von Bern“ eine Renaissance erlebte.
Ein Wunder, das war es nicht, was im Waldstadion am 23. Mai seinen Höhepunkt
fand. Es war vielmehr das Resultat harter Arbeit. Harter, akribischer Arbeit.
Vorbei und vergessen sind die harten Zeiten Ende der 90er-Jahre, als von
dem Ruhm des Hockey-Traumteams um Carsten Fischer, das die Titel reihenweise
an die Ruhr holte, nicht mehr viel übrig geblieben war. Als die Reise
in die zweite Liga ging, weil die Talente aus den eigenen Reihen noch nicht
gut genug waren.
Diese Lücken sind nun
geschlossen – und der HTCU kehrt bestens vorbereitet zurück in die
Beletage des Hockeysports. So gut vorbereitet, dass Nationalspieler und
Weltmeister Timo Weß keinen Karriereknick befürchtet und aus
Krefeld nach Mülheim zurückkehrt. So ist die Mannschaft wohl
stark genug, um den Klassenerhalt zu schaffen – und talentiert genug, um
langfristig höhere Ziele anzustreben. Auch im Umfeld stimmt es: Die
Bauarbeiten für einen zweiten Kunstrasenplatz am Uhlenhorst beginnen
in Kürze. Und – das ist ein unschätzbarer Vorteil – die zweite
Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Regionalliga. Wenn Talente also
einmal nicht in der Bundesliga zum Zuge kommen – kein Problem. Die Regionalliga
ist immerhin die dritthöchste Klasse.
Ihre Hausaufgaben haben
die Uhlenhorster angefertigt – allerdings auch mit der massiven Unterstützung
der Stadt und des Förderkreises, die den Hockeyklub aus Mülheims
Westen als Aushängeschild betrachten. Viele andere Mülheimer
Vereine beneiden den HTCU um diese exponierte Stellung. Doch das ist nicht
ungerecht. Die Vereinsarbeit des HTCU ist jugendorientiert, erfolgreich,
modern. Und sie verdient die Unterstützung. Die neue Zeitrechnung
beginnt endgültig am 11. September mit dem ersten Spiel gegen Harvestehude.
Ob bald auch wieder ein Titel winkt? Nun mal langsam.
Euphorie ist gut. Aber Überheblichkeit
ist das falsche Rezept.
Interview mit: Trainer
Jörn Eisenhuth
Nun steht die Bundesliga
unmittelbar vor der Tür. Wie sieht das Vorbereitungsprogramm aus?
Wir haben bereits Mitte
Juni wieder mit dem Training angefangen und arbeiten im Moment drei- bis
viermal pro Woche im athletischen Bereich. Zwischendurch gibt es eine dreiwöchige
Sommerpause, in der die Spieler in den Urlaub fahren können. Sie sollen
aber nicht untätig sein. Offizieller Trainingsbeginn ist der 23. August.
Die Saison beginnt am 11. September mit einem Spiel gegen Harvestehude.
Wie sieht das Ziel des
HTC Uhlenhorst in der Saison 2004/2005 aus?
Mein Ziel ist Platz sechs,
obwohl ich weiß, dass das sehr ehrgeizig ist. Ich halte es aber für
nicht unrealistisch. Zwei/drei Mannschaften sind eher stärker als
wir. Der Rest ist nicht überragend, da können wir spielerisch
mithalten.
Welche Neuzugänge
stehen dem HTC in der nächsten Saison zur Verfügung?
Timo Weß kehrt vom
Crefelder HTC zurück, Alexander Sahmel vom Club an der Alster.
Die zweite Mannschaft
hat den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Wie wichtig ist ein starker
Unterbau?
Das ist für den Verein
ein unglaublicher Glücksfall. Junge Spieler können in der
zweiten Mannschaft auf hohem Niveau spielen, wir können sie aufbauen.
Die Gefahr des Abwerbens ist groß, aber die Regionalliga ist die
dritthöchste Spielklasse, da werden wir talentierte Jugendliche eher
halten können, denn sie können auf einem hohen Niveau spielen.
Seitdem Joanne K. Rowling
Bücher über die Abenteuer eines kleinen Zauberers schreibt, ist
der Name „Harry“ in aller Munde. Auch in Mülheim gibt es einen „Harry“.
Der kann zwar nicht zaubern, ist aber ein guter Schwimmtrainer. Ein verdammt
guter. Seine derzeitige Leistungsgruppe könnte zu Mülheims „Goldener
Generation“ werden.
Tatort Leipzig, 1. bis 4.
Juli 2004, deutsche Jahrgangs-Meisterschaft. Eine 10-köpfige Gruppe
aus Mülheim mischt sich unters Volk. 10-köpfig? Genau! So viele
waren zuvor noch nie dabei. Der Mülheimer Leistungsschwimmsport besteht
eben nicht nur aus Daniel Cornelsen und Lisa Vitting, die derzeit fast
alle Rekorde brechen. „Im Nachwuchs gibt es einen großen Boom“, sagt
Trainer Harry Schulz (so heißt er richtig) von der Startgemeinschaft
(SG) Mülheim. Gemeinsam mit den Helfern und den Vorstandskollegen
hat er in den letzten Jahren ein kleines Wunder vollbracht.
Und das fand in Leipzig
ihren vorläufigen Höhepunkt – und noch lange nicht das Ende.
Lisa Vitting (Jahrgang 1991) schaffte im 50-Meter-Freistil-Rennen den Sprung
auf das Treppchen. Daniel Cornelsen (Jahrgang 1988) gewann Bronze über
1500 Meter Freistil. Kaum aus Leipzig heimgekehrt, ging es für Lisa
Vitting wieder ins Becken, bei der Stadtmeisterschaft über die kurzen
Strecken. Und was machte sie? Sie stellte üer 50 Meter Freistil in
26,86 Sekunden einen neuen Jahrgangsrekord auf. Unglaublich!
Kann es noch weiter nach
oben gehen? Jahr für Jahr schaffen die besten Athleten schon Verbesserungen
um viele Sekunden. „Der Osten macht es vor“, referiert Schulz. „Wir haben
zwar keine 50-Meter-Bahn, müssen unseren Kram aber optimieren.“ Das
klingt danach, als ob Schulz und die Vereine im Hintergrund einen Plan
zur Perfektionierung der Trainingsmethoden haben. „Die Wasserfläche
muss besser verteilt werden“, verrät Schulz mit einem Augenzwinkern.
Mehr lässt er sich aber nicht entlocken. Mal schauen, was die Schwimmvereine
ausbrüten.
Um ein Bild aus der Computersprache
zu benutzen: Die „Software“ lässt sich also zweifelsohne perfektionieren.
Nur die „Hardware“, sprich die äußeren Bedingungen, nicht. Eine
50-Meter-Bahn ist weit und breit nicht in Sicht, ein gut ausgestatteter
Kraftraum ebenso wenig.
Das ist aber schon lange
so und lässt deshalb nur eine Schlussfolgerung zu:
Harry kann doch zaubern.
Interview mit: Trainer
Harry Schulz
Nach der deutschen Jugendmeisterschaft
2003 war die Bilanz sehr positiv. Wie sieht sie in der Sommerpause 2004
aus?
Es war noch einmal eine
Steigerung gegenüber dem Vorjahr da, manche haben gewaltige Leistungssprünge
geschafft. Wenn ich es in eine Schulnote packen müsste, würde
ich „2+“ sagen.
Was sind die Planungen
und Ziele für die Saison 2004/2005?
Erst einmal kommen im Herbst
die Mannschaftswettbewerbe. Mit den Damen sind wir im letzten Jahr völlig
überraschend in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Nun sind wir gefordert,
denn wir wollen drin bleiben. Das wird schwer genug, könnte aber klappen.
Außerdem ist es unser Ziel, dass sich Daniel Cornelsen 2005 für
die Jugend-Europameisterschaft in Budapest qualifiziert.
In diesem Jahr gab es
bei der „Deutschen“ zwei Bronzemedaillen. Wie sind die Aussichten von Lisa
Vitting und Daniel Cornelsen?
Lisa ist gerade erst 13
geworden, also noch sehr jung. Alle Voraussetzungen sind da, dass sie später
mal ganz oben mitschwimmen kann. Sie hat viele Rekorde in diesem Jahr gedrückt,
unter anderem den Altersklassenrekord über 50 Meter Freistil. Allerdings
müssen wir bei Mädchen erst abwarten, wie sie über die Pubertät
kommen. Daniel hat auch in diesem Jahr wieder große Sprünge
gemacht, obwohl bei der deutschen Jahrgangsmeisterschaft noch mehr drin
gewesen wäre. Er wird im Herbst drei Wochen im Höhentrainingslager
in der Sierra Nevada verbringen, und dann an der deutschen Kurzbahnmeisterschaft
teilnehmen.
Und nun zwei Fragen,
die das Sportmagazin schon vor einem Jahr stellte: Hat sich an den Rahmenbedingungen
vor allem in Richtung Kraftraum etwas geändert?
Ich bin geknickt und deprimiert.
Für den MSS war es in einem dreiviertel Jahr wohl nicht möglich,
die Sache anzugehen. Es hat sich nichts getan. Ich hatte wenigstens auf
die Sommerferien gehofft, damit wir danach in einem neuen Raum anfangen
können.
Besteht die Gefahr, dass
Schwimmer abgeworben werden?
Es mag sein, dass es Versuche
gibt. Zurzeit wüsste ich aber keinen, der Mülheim akut verlassen
will. Trotz der schlechten Bedingungen identifizieren sich die Schwimmer
mit dem Team.
Was hatte das Mülheimer Sportjahr zu bieten? Was waren die Höhepunkte? War es ein gutes Jahr? Oder ein schlechtes? Das Sportmagazin sucht im Jahresrückblick von A bis Z nach Antworten.
A...
Aufstiege
Davon gab es erfreulicherweise
einige in diesem Sportjahr. Beispiele? Im Fußball stieg Galatasaray
von der Bezirks- in die Landesliga auf, im Handball schaffte die HSG Mülheim
den Sprung in die Verbandsliga. Und gleich zwei Mannschaften bejubelten
sogar den Aufstieg in die 1. Bundesliga: Der HTC Uhlenhorst im Hockey und
der SV Nord im Schach.
B...
Boxen
B wie Boxen. Oder auch B
wie BC Ringfrei. Im Winter feierte der ruhmreiche Mülheimer Boxverein
sein Comeback in der Oberliga. Die Rückkehr in die Erstklassigkeit
gelang zwar nicht auf Anhieb, soll aber schnellstmöglich nachgeholt
werden – und dann in der neuen Ruhr-Sporthalle. Geboxt wurde auch im August
– beim „Sommerboxen“ auf der Freilichtbühne.
C...
Chaos?
Oh Wunder, die Zeilen zum
„Chaos“ bleiben diesmal erstaunlich kurz. Eine kurze Führungskrise
beim BC Ringfrei – das war’s auch schon an kaum verständlichem Wirrwarr
im Mülheimer Sport. Diskussionswürdige Entscheidungen – ob vom
Mülheimer Sport-Service (MSS) oder dem Mülheimer Sportbund (MSB)
– wird es immer geben. Aber keine spaltete in diesem Jahr die Klubs. Das
war schon anders.
D...
Drachenboot
Das Drachenboot-Festival
im Sommer war auch in diesem Jahr ein Selbstläufer. Die DJK Ruhrwacht
begrüßte am 17. und 18. Juli wieder Tausende Zuschauer an der
Ruhr rund um die Schlossbrücke.
E...
Eisenhuth
Jörn heißt der
junge Mann mit Vornamen. Trotz des jungen Alters – er ist 26 – führte
er den HTC Uhlenhorst als Trainer zurück in die Bundesliga. Kompliment!
F...
Fußball
Von der Stadt wenig beachtet,
von den Mülheimer Fans beliebt: die Fußballszene. Und vielleicht
glückt dem VfB Speldorf in diesem Jahr der Aufstieg in die Oberliga
Nordrhein. Dann käme auch die Stadt nicht mehr am Spiel mit dem runden
Leder vorbei und müsste sich mal sehen lassen. Die Höhepunkte
2004 lieferte Galatasaray: Erst schaffte der Klub noch als Vatan Spor den
Aufstieg in die Landesliga, und dann kamen nach der Umbenennung zum Testspiel
gegen die „großen“ Profis aus der Türkei 6500 Zuschauer ins
Ruhrstadion.
G...
Galopprennsport
Im „Jahr eins nach der Diana“
stand die Konsolidierung des Rennvereins auf der Tagesordnung ganz oben.
Das Rennjahr brachte der Klub unter der Führung von Oberbürgermeisterin
Dagmar Mühlenfeld mit dem „Silbernen Band der Ruhr“ am 31. Oktober
gut zu Ende.
H...
HTC Uhlenhorst
Auf dieses Jahr hat der
HTC Uhlenhorst lange gewartet. Nach zwei Jahren gelang die Rückkehr
in die 1. Bundesliga, die A-Jugend wurde deutscher Vizemeister und am Uhlenhorst
entsteht ein zweiter Kunstrasenplatz. Die Zukunft kann kommen.
I...
Ideen
Neue Ideen waren zum Beispiel
der „Saarner Sommernachtslauf“ und das „Sommerboxen“ des BC Ringfrei. Das
sind gute Ansätze. Noch ein wenig mehr Kreativität könnte
dem Mülheimer Sport indes noch viel mehr gut tun.
J...
Jugend
Die Sport-Talente aus Mülheim
brauchen sich vor niemandem zu verstecken. Vor allem im Hockey und im Schwimmen
sorgten Mülheimer Jugendliche bundesweit für Furore. Namen wie
Daniel Cornelsen und Lisa Vitting sind in den Schwimmbädern des Landes
ein Begriff.
K...
KSV Styrum
Der einzige Ringerklub der
Stadt steckte in diesem Jahr in einer sportlichen Krise. Bis zum Schluss
dauerte in der Verbandsliga der Kampf um den Klassenerhalt. Doch ob Abstieg
oder nicht – die Zukunft wird rosig: Im März 2005 richtet der KSV
die deutsche B-Jugend-Meisterschaft aus, und i